Das Recht auf Diskriminierung

Von | 3. Dezember 2016

(GEORG VETTER) Ein modernes politisches Kampfwort in der heutigen Demokratie lautet trotz innerer Bedingtheit „Diskriminierung“. Es ist zweideutig und mit einem Vorwurf verbunden: Eine ideale Voraussetzung für die Zauberkiste der Kampfrhetorik.Das Wort kommt aus dem Lateinischen und bedeutet wertneutral Unterscheidung, im negativen Sinn Herabsetzung. Das Verb diskriminieren soll so viel wie eine – sachlich ungerechtfertigt – Ungleichbehandlung. Wer viel Zeit hat kann unter diesem Stichwort auf Wikipedia eine halbe Diplomarbeit nachlesen.

Der Vorwurf der Diskriminierung eignet sich hervorragend, um die Bürgerlichen zu erschrecken (Épater la bourgoisie) und ihnen vorzuhalten, dass sie es irgendwie mit dem revolutionären Gleichheitsideal, ja mit den Grundrechten nicht so ernst nehmen. Wer diskriminiert, tut Unrecht – und wird einem ständigen Rechtfertigungsdruck ausgesetzt. Wer sich rechtfertigt, klagt sich an. Und nichts lässt besser ausbeuten als ein schlechtes Gewissen.

Diskriminierung im Sinne von (sachlicher wie unsachlicher) Unterscheidung gehört zur Freiheit. Ob ich den Kindern einen Hund oder eine Katze kaufe, hat nichts Unrechtes auf sich – und ist selbstverständlich eine Ungleichbehandlung, also diskriminierend. Ebenso verhält es sich mit einer Vermietung, einer Anstellung, einem Verkauf. Wer hier einen entsprechenden Vertrag eingeht, schließt viele andere aus.

Pikant wird es, wenn der Ausschluss eines anderen Geschäfts auf vorwerfbare Motive (sexuelle Orientierung, Weltanschauung) zurückführbar ist. Zugespitztes Beispiel: Wenn ein Unternehmer mit einem pädophilen Nazi keine Geschäfte machen möchte mag dies diskriminierend sein (Stichwort: Levelling-up) – in meiner Welt ist es Teil der Privatautonomie.

Für den Staat gilt, was die Hoheitsverwaltung betrifft, selbstverständlich anderes: Er hat seine Bürger gleich zu behandeln.

Margaret Thatcher machte sich seinerzeit für das Recht auf Ungleichheit stark. Heute ist es an Zeit, das Recht auf Diskriminierung dem menschenrechtlich bemäntelten Sozialismus entgegen zu halten.

Aber nicht nur Diskriminierung und Freiheit, auch Diskriminierung und Demokratie gehören zusammen. Nächsten Sonntag werden Millionen Menschen den einen oder anderen aus meist unsachlichen Gründen wählen – etwa deshalb, weil der andere Kandidat ins linke oder rechte Eck zu stellen sei. Womit viele Demokraten mit ihrem Wahlrecht diskriminieren und Demokratie und Diskriminierung zusammengehören – quot erat demonstrandum.

 

25 Gedanken zu „Das Recht auf Diskriminierung

  1. Thomas Holzer

    Das gesamte Leben ist eine einzige Aneinanderreihung permanenter Diskriminierung 😀
    Diesmal darf ich Herrn Dr. Vetter vorbehaltlos zustimmen. Es wird Zeit, sämtliche! sogenannte Antidiskriminierungsparagraphen ersatzlos zu streichen und dort zu entsorgen, wo sie hingehören, in die Irrungen verirrter Politikerdarsteller, sprich im Orkus der Geschichte.
    Hinzu kommt, daß mit jedem “Antidiskriminierungsparagraphen” nahezu automatisch eine neue Gruppe entsteht, welche sich wiederum diskriminiert fühlt und “rechtlichen Schutz” einfordert, und diese Gruppen werden immer kleiner. Zu Ende gedacht, könnte sich jeder Einzelne von jedem anderen Einzelnen diskriminiert fühlen……….

  2. stiller Mitleser

    Sehr hübsch argumentiert.
    Wie überhaupt die Lektüre dieses Blogs, auch die doch schwer verdaulichen Sprüche von Ayn Rand,
    von katholischer Erziehung und sozialem Mitgefühl bewirkte Differenzhemmungen zu lockern vermögen.
    Werden Differenzen heuchlerisch verleugnet, hat das doch immer geschäftliche Gründe.

  3. mariuslupus

    Vollkommen richtig. Warum bekommen Begriffe die der politischen Korrektheit zum Opfer fallen, immer eine pejorative, negative Bedeutung. Das ist Indoktrination. In der Wissenschaft hat der Begriff Diskriminationsmerkmal eine klare Aussage, es ist der beobachtbare, evtl. messbare Unterschied.
    Die wortgewaltigen, politisch korrekten haben z.B. nicht nur das Wort Neger aus dem Sprachgebrauch, gestrichen sondern auch das Wort Schwarzer. Seither wird um diesen Begriff der, wertneutral einen Menschen dunkler oder schwarzer Hautfarbe zutreffend beschreibt, ein Eiertanz aufgeführt. Begriffe wie Afrikaner, African-American wurden durchgedrückt. Aber ein Weisser aus Südafrika der in die USA auswandert, ist aber nach dieser Wortschöpfung kein African-American. Was ist er dann ? Ein britisches subject aus Bermuda, dunkler
    Hautfarbe, möchte wahrscheinlich nicht als Afrikaner bezeichnet werden.

  4. Selbstdenker

    @mariuslupus:
    Also für “diejenigen, die noch nicht so lange hier [in Deutschland, Anmerkung] sind”, hätte ich eine diskriminierungsfreie Wortschöpfung: Dunkeldeutsche.

    Damit könnte der aus der moralischen Oberschicht stammende Politadel diskriminierungsfrei z.B. sowohl Leute aus Sachsen-Anhalt als auch Somalia bezeichnen.

  5. stiller Mitleser

    @ Selbstdenker
    “moralische Oberschicht”
    schön!!!

  6. Falke

    @mariusplus
    Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist, dass sich zwar der Ausdruck “Afro-Amerikaner” für in den USA lebende Schwarze allgemein durchgesetzt hat; ich habe allerdings noch nie gehört, dass etwas in England oder Frankreich lebende Schwarze als “Afro-Briten” bzw. “Afro-Franzosen” bezeichnet wurden – obwohl diese ja meist noch viel direkter und seit kürzerer Zeit aus Afrika stammen als die Amerikaner.

  7. Falke

    Nachtrag: Auch David Alaba wurde noch nie als Afro-Österreicher bezeichnet 🙂

  8. Historiker

    In Deutschland trug sich vor Kurzem Folgendes zu : Eine Dame suchte für ihr Damen-Unterwäschegeschäft ein Verkäuferin. Es meldete sich unter anderem ein Mann. Sie sagte ihm, sie könne ihn nicht anstellen, da es die Damen bevorzugen sich beim intimen Wäschekauf und beim Umziehen und Anprobieren lieber von weiblichem Personal bedienen zu lassen. Der Mann klagte wegen Diskriminierung, bekam recht, und die Firmeninhaberin mußte 5.000 € Strafe zahlen. Schöne neue Welt . . .

  9. Thomas Holzer

    @Historiker
    Derlei Fälle sind auch aus Österreich bekannt, leider. Für derlei legistische Dummheiten sind die gewählten Politikerdarsteller verantwortlich, und natürlich auch das Volk, welches sich von einer sehr kleinen Minderheit derlei Blödsinn “auf’s Aug drücken lässt”

  10. Mona Rieboldt

    Historiker
    Klar, der Mann wurde diskriminiert. Er wollte doch so gern den Damen bein Anprobieren der Unterwäsche behilflich sein. Die interessante Arbeit wurde ihm ja verwehrt 😉
    Was treibt einen normalen Mann sonst, sich in so einem Geschäft zu bewerben?

  11. Mona Rieboldt

    @Selbstdenker
    Einfach herrlich Ihr “Dunkeldeutscher”.
    Ich verstehe nicht, was an dem Wort “Neger” falsch ist, denn mit dem abwertenden Wort “Nigger” hat es ja gar nichts zu tun.

  12. Thomas Holzer

    Habe soeben folgende, leider mehr als nur passende Sätze gelesen:
    Die Freiheit wird künftig völlig und in all ihren Formen verschwinden. Das Leben wird von einer absoluten Unterwerfung unter ganz strenge Verhaltensvorschriften abhängig sein, die man nicht einmal mehr überschreiten kann.

  13. Historiker

    Lieber @Thomas Holzer !
    Zur Zeit sehe ich keinerlei Unterwerfung derer, die sich nicht unterwerfen wollen. Bin mir sicher, dass weder Sie sich, noch ich mich, noch die anderen hier im Blog irgendwem unterwerfen (müssen). Die Problematik ist doch die völlig unnötige FREIWILLIGE Unterwerfung, die derzeit allüberall ihre Blüten treibt. – Das Tragische ist doch der Verlust der echten Charakterköpfe, wie es früher F.J.Strauss, Willy Brandt, Kohl, Wehner, Helmut Schmidt, Kreisky, auch noch Edmund Stoiber, waren. Figuren wie Mitterlehner, Spindelegger, Kern, Ex-BP Heinzi Fischer, der Konturlose,VdB, prägen nicht nur die Zeit, sondern auch die Jugend, die weder dazu fähig ist, noch Lust dazu hat, sich intellektuell inhaltlichen Duellen zu stellen, wie sie früher an der Sorbonne üblich waren. Heute ist nur mehr Eines wichtig : Funktioniert mein Handy noch .. .

  14. Thomas Holzer

    @Historiker
    Wir müssen uns leider unterwerfen, wollen wir mit Gesetzen nicht in Konflikt kommen…..und ich meine nicht die guten, alten Gesetze wie ABGB oder StGB, sondern die in den letzten Jahren erfundenen, zusätzlichen, dummen und natürlich unnotwendigen Gesetze.
    Sie habe ja selbst das Beispiel dieser Dame gebracht, und diese Beispiele werden Legion werden. Egal ob Antidiskriminierung, Quote, Verbote, Verordnungen, die Politikerdarsteller haben uns alle leider mehr als nur fest im Griff, und dieser Griff wird immer härter, der verbliebene “Spielraum” immer kleiner.
    Habe vor ein, zwei Tagen in der “Die Presse” gelesen, daß sich die WK und die Vertreter der Trafikanten darauf geeinigt haben, daß der Kauf von Tabakwaren nur noch mit Ausweis erlaubt sein soll, ab 2017; nur ein Beispiel unter vielen, nahezu unzähligen

  15. sokrates9

    Historiker@ Die Disziplinierung der Gesellschaft nimmt dramatisch zu! Wobei gerade in Österreich dieses in Fragestellen von Regeln uns viel wissenschaftlichen Fortschritt gebracht haben ! es sind immer Querulanten die Hinterfragen ob ein Fahrzeug 2 Räder, 3, 4 , 5, 6,. 8, Allrad usw. haben soll. Der Inder sitzt seit 5000 Jahren auf seinem Ochsenkarren und kommt nicht auf die Idee die Konstruktion zu hinterfragen!
    Ich gehe immer bei roter Fußgängerampel über die Straße wenn kein Verkehr ist! Bemerke, dass sich das heute kaum mehr traut! Im vorauseilenden Gehorsam sagt auch niemand mehr Neger! Wo steht im Gesetz dass man nicht Neger sagen darf?

  16. Herzberg

    Pikant wird es, wenn der Ausschluss eines anderen Geschäfts [unter Privaten, Anm.] auf vorwerfbare Motive (sexuelle Orientierung, Weltanschauung) zurückführbar ist. [..] Für den Staat gilt, was die Hoheitsverwaltung betrifft, selbstverständlich anderes: Er hat seine Bürger gleich zu behandeln.

    Fein, wenngleich auch keine besonders innovative Ansage für diejenigen, die es mit liberalen Prinzipien halbwegs ernst meinen und Freiheitsrechte nahezu ausschließlich als Instrumente der Bürger gegen einen übergriffigen Staat verstanden.

    Ist oben zitierte Aussage eines Mandatars nun aber die schriftlich gegebene Garantie dafür, daß der aktuelle Gesetzesentwurf von Wolfgang Brandstetter, der darauf abzielt, hinkünftig strafrechtlich gegen Vertreter einer ganz bestimmten Weltanschauung (sic!) vorzugehen, im Parlament und gegen den ominösen Clubzwang von zumindest einem ÖVP-Abgeordneten abgelehnt wird?

    Weniger pikant, denn vielmehr ins Absurde übersteigert grotestk käme eine Forderung nach konsequenter Gleichbehandlung daher, wäre sie mit der Auflage verbunden, der vom Staat Behandelte anerkenne staatliche Autorität, aufdaß Strafverschonung nur jenem gewährt wird, der sich dem Staat unterwirft.

    In der ehemaligen UdSSR war staatsfeindliche Propaganda und Agitation strafbar, doch wenn Brandstetters legistischer Entwurf durchgeht und das alleinige Verbrechen darin bestehen soll, den Staat abzulehnen, ohne dabei flankierend einem Mitbürger den noch so geringsten köperlichen oder materiellen Schaden zuzufügen, ja nichmal zu demonstrieren oder sonstwie für die eigene Weltanschauung zu werben, dann leben wir endgültig in Zeiten des staatlichen Gesinnungsterrors.

  17. Selbstdenker

    Es steckt eine Philosophie dahinter; dazu ein sehr empfehlenswertes Interview mit Dr. Jordan Petersen:
    https://m.youtube.com/watch?v=04wyGK6k6HE

    Einmal mehr möchte ich festhalten, dass es sich beim Kommunismus nicht um eine gute Idee handelt, die schlecht umgesetzt wurde, sondern das die marxistischen Grundlagen, auf denen der Kommunismus aufbaut purer Bösartigkeit entsprechen.

    Bildhaft gesprochen, ist für Marxisten Satan der eigentliche Gott im Exil. Ihre Utopie rechtfertigt alles Böse, das vom Sozialismus ausgeht: ihre Fieberträume vom “Himmel auf Erden” führt zwangsläufig für alle anderen zur manifestierten Hölle auf Erden.

  18. Thomas Holzer

    @Selbstdenker
    So ist es!
    Und die Perfidie der Sozialisten, Etatisten des 21.Jahrhunderts besteht darin, daß sie dank einer schon ziemlich sedierten Bevölkerung feststellen dürfen, daß sich ihre Ideologie viel einfacher und konsequenter ex lege, peu a peu, realisieren lässt, als mit Panzern und AK-47, da der Widerstand mit jedem neuen Gesetz abnimmt.
    Nur das Erwachen wird leider für alle ein mehr als nur Böses sein, befürchte ich.

  19. mariuslupus

    @Historiker
    Bitte nicht F.J.Strauss und Helmut Schmidt, mit Brandt, Wehner, Kohl in den gleichen Topf werfen. Verursacht Schmerzen. Kreisky, Adenauer, Erhard, könnten noch akzeptiert werden. Von den Lebenden, Orban, Zeman, Putin, Le Pen, Kaczynski. Aber wie wäre es mit neuen Charakterköpfen, z.B. Dutarte. Sollte sich die Demokratie nicht auf die eigentlichen Aufgaben besinnen, wird eine Lösung nur mit Methoden, à la Dutarte möglich sein.

  20. Thomas Holzer

    @mariuslupus
    Mit Verlaub, aber einen Dutarte als “deus ex machina” “anzupreisen”, erachte ich wohl als reichlich übertrieben; Todesschwadrone, “Erleuchtungen” in Reiseflughöhe, eine doch ziemlich derbe Sprache etc………nicht gerade eine Zukunftsmodell (die Wahl dieses Menschen beweist wieder einmal, daß die Masse, Mehrheit in den seltensten Fällen mit ihren Entscheidungen recht hat.

  21. mariuslupus

    @Thomas Holzer
    Nicht meine Wahl, aber könnte die ultima ratio werden. Die Politiker, die regierende Oberschicht, hat es in der Hand, diese Entwicklung abzuwenden. Es müssten, endlich, bestehende Gesetze buchstabengetreu umgesetzt werden, und nicht ständig gebeugt und den Wünschen der Obrigkeit, entsprechend, nicht immer ausser Kraft gesetzt werden.

  22. Thomas Holzer

    Und ich dachte immer, in Demokratien hat es der Demos in der Hand 😉
    “Es müssten, endlich, bestehende Gesetze buchstabengetreu umgesetzt werden,……..”
    Ja, aber gleichzeitig zumindest 80% dieser Gesetze ersatzlos gestrichen werden.
    Weder das eine noch das andere wird leider geschehen, weil der Demos eben zu träge ist

  23. FDominicus

    @Christian Peter:
    “Ein Diskriminierungsverbot gibt es nur für den Staat, Privaten das Diskriminieren verbieten zu wollen ist entbehrlich.”

    Es ist nicht entbehrlich es ist faktisch unmöglich. Denn wählen bedeutet eben genau das diskriminieren. Wenn man es verbieten wollte könnte VW jeden Mercedes Käufe verklagen – keine Ahnung wie Sie das sehen – ich nenne da absurd.

  24. FDominicus

    “Es müssten, endlich, bestehende Gesetze buchstabengetreu umgesetzt werden, und nicht ständig gebeugt und den Wünschen der Obrigkeit, entsprechend, nicht immer ausser Kraft gesetzt werden.”

    Geht so nicht, es bleibt immer ein Ermessenspielraum, nur eine komplette Ignorierung wie beim ESM und den Bail-out Paketen oder dem QE mit dem Kauf von Staatsanleihen sollte es nicht geben nur wer entscheidet das?
    Es sind staatliche Angestellte! Und diese entscheiden über Sachen die andere Staatsangestelle auf den Weg gebracht haben !

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