Das schwedische Corona-Enigma

Von | 7. August 2021

(C.O.) Schweden zeigt, wie man ohne Lockdowns durch die Pandemie kommt. Das hilft aber leider nichts. Unter den überzeugten Gegnern der bisherigen Corona-Maßnahmen, die Masken, Lockdowns und all die anderen Restriktionen für mehr oder weniger sinnlos halten, gilt Schweden als Musterland der weitgehend schmerzfreien Pandemiebekämpfung. Tatsächlich ist dort die Zahl der täglichen Covid-Toten mittlerweile nahe null, auch die Belastung der Spitäler hält sich in überschaubaren Grenzen. Und das alles, obwohl es von Anfang an keine Ausgangssperren, keine großflächigen Schließungen von Geschäften und Restaurants oder des sonstigen öffentlichen Lebens gegeben hat.

Haben jene, die von Anfang an gegen die hierzulande verhängten gravierenden Maßnahmen waren, am Ende doch recht? Stimmt gar, was Johan Carlson, Chef der schwedischen öffentlichen Gesundheitsbehörde, im Frühjahr selbstbewusst behauptete? “Wir haben recht behalten.” Und müssen wir, angesichts weltweit wieder beginnender Lockdowns, etwa in China, entsprechende Konsequenzen für die Zukunft ziehen und “Team Schweden” werden?

Gemessen an der Zahl der Covid-Toten eher nicht: Liegt Österreich bei derzeit 10.700, hat Schweden (bei unwesentlich mehr Einwohnern) 14.700 zu beklagen. Das ist pro Kopf auch deutlich mehr als in den skandinavischen Nachbarländern, die einer klassischen Lockdown-Politik gefolgt sind.

Die spannende Frage – schlimmstenfalls auch die Corona-Zukunft betreffend – lautet: Taugt der schwedische Weg mit seinen wenigen Verboten und vielen Appellen nicht insgesamt genauso gut, ohne die verheerenden, vor allem auch ökonomischen Schäden der Lockdown-Politik in Kauf nehmen zu müssen?

Kompakte Antwort: In Schweden vermutlich schon, in vielen anderen Staaten aber eher nicht. Denn retrospektiv zeigt sich: Dass Schweden nicht viel härter vom Virus getroffen wurde, liegt vor allem daran, dass soziale Kontakte im Wesentlichen genauso reduziert wurden wie in Lockdown-Staaten. Was wohl daran lag, dass die Schweden staatliche Empfehlungen so befolgen, als wären es Gesetze. Ganz besonders, wenn es um die Gesundheit geht. Die Schweden sind halt so.

So gab es in der Osterwoche 2020 zwar kein Reiseverbot innerhalb Schwedens, aber eine Aufforderung der Regierung, doch bitte zu Hause zu bleiben. Mit dem Ergebnis, dass sich laut Mobilfunkdaten 90 Prozent aller Handys nicht im Lande bewegten, die Zahl der Autofahrten von und nach Stockholm um 80 Prozent sank und der größte Fährenbetreiber meldete, dass 85 Prozent aller Passagen storniert worden waren.

Und das alles, ohne dass die Regierung, so wie in den anderen europäischen Staaten, Verbote erlassen hat.

Deshalb ist die Frage, ob Lockdowns notwendig sind oder nicht, und ob Schweden nicht der Beweis für deren Nutzlosigkeit ist, wohl eher die falsche Frage. Denn von zentraler Bedeutung ist ganz offenbar, dass die Zahl der sozialen Kontakte massiv reduziert wird – ob dazu ein Gesetz oder bloß eine Aufforderung notwendig ist, ist letztlich eine Frage kultureller Unterschiede und wenig spannend. Lehren für die Zukunft lassen sich aus dem Fall Schweden jedenfalls nur bedingt ziehen. (WZ)

15 Gedanken zu „Das schwedische Corona-Enigma

  1. CE___

    “…Gemessen an der Zahl der Covid-Toten eher nicht: Liegt Österreich bei derzeit 10.700, hat Schweden (bei unwesentlich mehr Einwohnern) 14.700 zu beklagen. …”

    Lassen wir einmal die Zahlen so stehen, obwohl mittlerweile ja nicht mehr haltbar dass diese Menschen wirklich an Covid, und nicht einfach an etwas anderem gestorben sind, da PCR-Tests untauglich sind dies festzustellen.

    Österreich hat 9 Mio Einwohner, Schweden hat 10,4 Mio Einwohner.

    Wir reden im Falle Ö von 0,0012 % der Bevölkerung, bei Schweden von 0,0014 % der Bevölkerung.

    Davon fast ausschliesslich Menschen im Greisenalter.

    Wir reden von einer Differenz von 4.000 Leuten.

    Nehmen wir den springenden Punkt doch bei den Hörnern:

    Für diese Zahlen, und auch wenn diese höher WÄREN, gebe ich für mich und meine Nachkommen kein freies Gesellschaftssystem auf und unterwerfe mich einem Impftotalitarimus von übergeschnappten, komplett jede Relationen verloren habenden Politikern und Mitbürgern und einer die nicht mehr versiegende Profit-Bonanza witternden Pharmaindustrie.

    Und bitte, BITTE, jetzt ned’ kommen mit Gelaber von “Kaltherzigkeit” oder “Geringachtung eines Menschenleben”.

    Weil wo waren die nun sich ach’ um ein jedes Menschenleben “sich kümmerden” Samariter denn eigentlich vor dem März 2020, bei Grippewellen all die Jahrzehnte davor öfters vorgekommen, mit vergleichsweise mehr Toten? Bei anderen Krankheiten wo ebenfalls hohe Prozentzahlen an Greisen versterben?

  2. CE___

    Korrektur:

    Sind natürlich im Falle Ö 0,119 %, im Falle Schwedens 0,141 %.

    Der Punkt meines Kommentars bleibt natürlich aufrecht.

  3. Wolfgang Niedereder

    Auch Sie Herr Ortner können einfach nicht anerkennen, dass Schweden recht hatte- bin etwas enttäuscht von ihnen, aber so verhält man sich eben als braver österreichischer Journalist.

  4. Gast

    https://tkp.at/2021/08/06/daten-zeigen-schweden-hat-alles-richtig-gemacht/

    …Deshalb ist die Frage, ob Lockdowns notwendig sind oder nicht, und ob Schweden nicht der Beweis für deren Nutzlosigkeit ist, wohl eher die falsche Frage. Denn von zentraler Bedeutung ist ganz offenbar, dass die Zahl der sozialen Kontakte massiv reduziert wird – ob dazu ein Gesetz oder bloß eine Aufforderung notwendig ist, ist letztlich eine Frage kultureller Unterschiede und wenig spannend. Lehren für die Zukunft lassen sich aus dem Fall Schweden jedenfalls bedingt ziehen. (WZ)…

    Ich denke schon, dass es einen Gewalt-igen Unterschied macht, ob man zu einem Tun oder Unterlassen gezwungen wird oder selbst frei entscheiden kann.
    Die “Kultur” in Schweden befähigt die Menschen anscheinend auch, länger gesund zu leben als in Österreich. Hätte Österreich tatsächlich Interesse daran, etwas für die Gesundheit seiner Bevölkerung zu tun, sollte Werbung für Alkohol und stark zuckerhaltige Lebensmittel verboten und es belohnt werden, sich zu bewegen und fit zu halten – aber das geht ja nicht…

  5. Wolfgang Brunvauer

    Gewiss, der Lebesstil ist von wesentlicher Bedeutung . Dieser ist , wie man weiss territorial oder auch national unterschiedlich.. Das hat historische Unterschiede.
    Auch die Denkschulen sund regional verschieden.
    Und nicht zuletzt ist die biolosche Widerstandskraft unterschiedlich. Ich wünsche mir, dass wir kollektiv daraus lernen. Die Medien haben eine wichtige Aufgabe dabei. Es schaut aber nicht gerade rosig aus.

  6. dna1

    @Gast: Das denke ich auch, es macht einen großen Unterschied wie Tag und Nacht, ob man zu etwas gezwungen wird, oder es freiwillig macht, und deshalb zeigt das schwedische Beispiel, dass ein verordneter Lockdown komplett unnötig ist, auch wenn Hr. Ortner mit seiner Analyse irgendwie Gegenteiliges andeutet.

  7. sokrates9

    Man studiere einmal die neuen Vertröäge die die Eu gerade mit den ausgewählten Pgarmafirmen schließtz. Jetzt gibt es angeblich schon 30 neue Pharmamilliardäre.Saftige Pteissteigerungen der Impfdosen die a jetzt angeblich schon nach 3 Monaten dramatisch an Wirkung verlieren. Dass natürlich EU – Richtlinien in keinster Weise eingehalten werden gehört natürlich auch dazu.Herstellkosten gemäß Imerisl college Gb zwischen 0,9 und 2,4 €. VKP 15,50 jetzt Steigerung auf19,50 von Eu akzeptiert. dass Produktionsoptimierunhgen wahrscheinlich milliardenersparnisse brachten, so weit reicht der ökonomische Verstand der EU – Eliten natürlich nicht..

  8. Johannes

    @Gast:” Verbieten und Belohnen” verbiete ich mir!
    Bei allem Respekt ich bin nicht ihr Pudel den sie an der Leine führen müssen.

    Führ die Analyse von Herrn Ortner bedanke ich mich vielmals.
    Die Schweden haben sich scheinbar aus freien Stücken an bestimmte Verhaltensregeln gehalten.
    Nicht zuletzt wohl auch deshalb weil es eine Phase gab in der die Zahlen enorm gestiegen sind.

    Diese Frage hat die Gesellschaft im Wesentlichen in zwei unterschiedlich große Lager geteilt.
    Letztendlich hat die Wissenschaft einen Teilerfolg errungen, es bleibt zu hoffen das die Impfstoffe in Zukunft vor schweren Verläufen weiterhin schützen.

    Ganz entscheidend für die Zukunft halte ich die freie Wahl ob man geimpft werden will oder nicht.
    Es ist nicht notwendig und auch nicht rechtmäßig wie sich hier einige Politiker aufpudeln und glauben darüberfahren zu dürfen.

    Die Freiwillige Impfung wird so stark angenommen das sie gesellschaftlich wirkt, wir brauchen hier kein Diktat und keine Diktatur.

  9. Cora

    Der schwedische Weg ist auch mir sympathischer, da er dem Menschen slebst die Verantwortung überlässt, wie er sich verhält, ob er die Abstandsregeln einhält oder nicht, die Hände wäscht, Maske trägt, etc. pp.
    Ich zum Beispiel bin geimpft, werde aber niemandem empfehlen, sich impfen zu lassen, das muss jeder selber wissen. Außerdem habe ich mir schon jetzt den Coldamaris Plus Nasenspray besorgt, der durch den Wirkstoff Carragelose das Eindringen von Viren über die Schleimhute verhindert. Ich werde den im Herbst, wenn der Virus wieder kommt, prophylaktisch benutzen, aber dann ist er bestimmt ausverkauft. Das meine ich mit Eigenverantwortung.

  10. Gast

    @Johannes
    Ich spreche von einem Werbeverbot, das eventuell angedacht werden könnte, nicht von einem Konsumverbot.
    Apropos: Im übrigen verstößt die Werbung für die Impfung gegen das Arzneimittelgesetz. Gemäß § 85a AMG findet sich für eine Unterlassungsklage aber leider kein Kläger, nachdem seit einer Novelle, ich glaube Anfang 2000, nur mehr bestimmte Institutionen klagsberechtigt sind.
    Sehr interessant auch §§ 28 ff AMG.
    https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10010441

  11. Johannes

    @Gast:” Wer nicht wirbt der stirbt.” Ich gebe Ihnen Recht das übermäßiger Alkohol und Zuckergenuß schädlich ist, daher halte ich es für wichtig darauf aufmerksam zu machen.
    Wenn wir aber beginnen unser Kulturgut Wein verschämt zu verstecken und zu tabuisieren erreichen wir, meiner Meinung nach, außer einer Infantilisierung der Gesellschaft und Zerstörung eines Wirtschaftszweiges nichts weiter.

  12. Gast

    @Johannes
    “Infantilisierung der Gesellschaft” ist tatsächlich ein wunderbarer Begriff: seit März 2020 müssen wir fragen, mit wem wie oft in welcher Verfassung und welchem Aufzug wir uns treffen dürfen. Und wenn wir nicht folgen, werden wir verpetzt und bekommen Strafe, für Dinge, die wir doch eigentlich schon alleine entscheiden durften. Für wie blöd halten die uns, möchte man fragen?

  13. Falke

    Dazu ist einiges zu bemerken: 1. Die höhere Gesamtzahl der Toten ist einerseits darauf zurückzuführen, dass die Schweden – wie sie selbst zugeben – am Anfang den Fehler gemacht haben, die am meisten gefährdeten Insassen von Alters- und Pflegeheimen nicht speziell geschützt zu haben. Bald haben sie es gemerkt und diesen Fehler abgestellt. Und andereseits sind in den österreichischen Zahlen diejenigen nicht enthalten, die indirekt an Corona gestorben sind: erstens die vielen (aber nicht gezählten) akuten Kranken, die aufgrund der Tatsache, dass bei uns das Gesundheitswesen allein für die Corona-Infizierten radikal heruntergfehren wurde, nicht behandelt, operiert, entsprechend gepflegt usw. wurden, zweitens die Selbstmorde (sogar von Kindern) aufgrund des wirtschaftlichen und psychischen Katastrophenszenarios. 2. Auf dieses Thema angesprochen, sagte ein Politiker (sein Name ist mir entfallen), dass Schweden ein Riesenland ist mit sehr wenigen Einwohnern und allein schon dadurch mehr Raum und damit Abstand zwischen den Menschen ist. Zusätzlich sind nordische Völker von Natur aus eher “kühl” und distanziert, die Menschen suchen weniger die Nähe und den Körperkontakt als südliche Völker. 3. Wenn mich jemand zu etwas zwingen willl und mir mit Strafen droht, wenn ich es nicht tue, ist mein erster (und einziger) Gedanke, wie ich diesen Zwang umgehe. Ersucht mich jemand höflich um etwas und erklärt mir, warum es gut und empfehlenswert ist, denke ich darüber positiv nach und bin jedenfalls geneigt, es auch – freiwillig – zu tun. Das gilt übrigen auch für die Impfung.

  14. sokrates9

    So sarkastisch es klingt, aber bitte wo sind die Toten?In Österreich in 7 Monaten offizell 700 Menschen,Impfstatus/Alter/Vorerkrankungen/an / mit Covid verstorben alles Daten die nicht bekanntgegeben werden.
    Ist auch schwierig eine Pandemie und damit verordnete Ausschaltung der Verfassung mit 100 Toten pro Monat davon wahrscheinlich “echte” 20 Coronatore aufrecht zu erhalten

  15. Thomas F.

    @sokrates9
    5000 waren es im Jahr 2020. Dompfarrer Faber hat am Jahresende den Stephansplatz mit 5000 Kerzen zugemüllt, um ihrer zu gedenken.
    Habe mir die Influenza-Statistiken der letzten Jahre angesehen. Im Winter 2016 wurden 4600 Grippetote gezählt. Wer hat für sie irgendwelche Kerzen vor Kameras aufgestellt?
    Sie waren gerade mal die eine oder andere Nachrichtenmeldung wert. Denn, wie so oft, waren auch in diesem Winter die Intensivkapazitäten überlastet.

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