Das Stockholm-Syndrom der Besserverdiener

(C.O.) Das wahre Problem einer ansonsten ganz ordentlichen Steuerreform hat der Bundeskanzler, wohl ohne es so beabsichtigt zu haben, selbst erklärt. Gefragt, warum die “kalte Progression” nun doch nicht beseitigt wird, antwortete er nämlich: “Das führte vor allem zur Entlastung der Besser- und Spitzenverdiener.” Genau das wäre endlich auch notwendig, ist aber politisch offenkundig nicht erwünscht: eine Entlastung auch jener, die den Großteil der Kosten des Sozialstaates stemmen müssen. Da in Österreich sowohl die Pensionisten als auch die Bezieher kleinerer Gehälter ziemlich viele sind, sieht die Steuerreform aber nun halt so aus, wie sie aussieht: vor allem diese beiden sozialen Gruppen werden besonders entlastet. Das sei ihnen ja auch wirklich gegönnt. weiterlesen hier

7 comments

  1. Thomas F.

    Und wenn der Besserverdiener dann auch noch auf einem Sparkonto spart (und nicht über ein Offshore-Vehikel in Immobilien veranlagt), dann frisst ihm der staatliche Gelddrucker auch noch jeglichen Zuwachs weg und inflationiert das Nominale weg. Wie es da zu einem Kapitalaufbau kommen soll, bleibt leider unbeantwortet.

  2. CE___

    Naja, wenn auch hier beim marktwirtschaftlichen ortneronline Mitforisten eine Belastung über 50% erst als Diebstahl empfinden ist doch alles in Butter, oder?

    (Beziehe mich hier auf eine Äusserung @ Johannes von gestern in einem anderen Thread; möchte wirklich niemanden zu nahe treten.)

    Bei mir fängt jedenfalls der Diebstahl schon an bei allem was über kumuliert 10% Gesamt-Steuer/Abgaben/Gebühren/Umlagen/Auflagen-Belastung hinausgeht.

    Wenn schon Gott mit dem zehnten Teil zufrieden war werden es die irdischen Gottdarsteller in der Politik ja auch wohl schaffen (müssen).

    Ansonsten soll sie der Teufel holen (sorry, konnte ich mir jetzt nicht verkneifen)

  3. Welt.krank

    Ja, das weiß man wieder, warum man “konservativ” wählt. Noch mehr Umverteilung nach unten, und ohnehin schon Steuerbefreite zahlen noch weniger, zu Lasten aller anderen. Das Gleichnis von den 10 Gästen beim Wirten wird immer noch weiter wahr.

  4. Mourawetz

    Da muss zuerst an der Einstellung gearbeitet werden. Solange der Unternehmer als Ausbeuter verschrien ist, der Aktionär als Spekulant, so lange an der finanziellen Bildungsschraube nicht gedreht wird, wird es keinen Konsens der Massen zu Steuergerechtigkeit für Leistungsträger geben. Und da wir in einer Massendemokratie leben… Da steht uns ein langer Weg bevor. Angesetzt werden muss am Bildungssystem und bei den Medien, um hier eine Änderung in den Köpfen der Leute herbei zu führen.

  5. Johannes

    @CE
    Sie tun mir Unrecht, Diebstahl ist ein schweres Verbrechen, ich habe nicht gesagt das ich 50 % für richtig und gerecht halte.
    Mit ihren 10% sind sie aber schon sehr allein auf dieser Welt, ok irgendwelche arabischen Ölländer wird es schon geben.
    Ich wäre für eine Flat-RateTax die ich mir bei ungefähr 27 % vorstellen könnte.

  6. CE___

    @ Johannes

    Schaun’s, wie auch immer, so geschrieben wie von Ihnen komme ich zu diesem Schluss.

    Ob ich mit 10% alleine stehe, DAS glaube ich nicht.

    Jedenfalls nicht unter denen zu denen ich mich dazuzähle, zu Nettosteuerzahlern, und denen die nicht auf das Geldtascherl der links und rechts von mir stehenden schiele und mir ausmale was denn dort auszugraben wäre.

    Viele trauen sich auch einfach nicht dies zu fordern in der Angst sofort von der vereinigten Plündererhorde stigmatisiert zu werden.

    Bei heutigen irgendwo zwischen 80-90% Gesamtbelastung an Steuern/Abgaben/Gebühren/Umlagen/Zuschüssen/… (und da lassen wir einmal gnädig die Inflationssteuer aussen vor), nimmt ein Vorschlag von 10% sicher den sozialistischen Plünderern die Spucke weg.

    In Europa sicher sehr stark ausgeprägt, da haben Sie recht, wo sich seit Marx eine sozialistische Plünderermentalität wie Korrosion durch das soziale Gefüge frisst und fast schon beim Kern ist und viel zu viele Menschen erwarten (ja, schon gar nicht mehr nur “hoffen”) dass andere Leute ihnen entweder den Lebensunterhalt oder irgendeine andere Wohltat über den Unsozialstaat finanzieren mag.

  7. dna1

    @Johannes, @CE
    Um diese Frage diskutieren zu können muss man zunächst klären, was denn alles Aufgabe einer Staatsverwaltung sein soll. Zwischen einem Nanny-Staat mit Vollversorgung selbst für Hängemattenbürger und Nichtstaatsangehörige und einem Staat mit selbstbestimmten und selbstverantwortlichen Bürgern liegen Welten in den dafür erforderlichen Steuersätzen.

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