Das unheilige Geld- Experiment

Von | 24. Juli 2021

(C.O.) Joe Biden setzt Donald Trumps irre Schuldenpolitik ungerührt fort, der Rest der Welt mehr oder weniger auch. Klimaschutz, überschrieben die “Salzburger Nachrichten” jüngst ihren Leitartikel, “wird am Geld nicht scheitern”. Das dürfte mehr oder weniger stimmen und nicht nur für den Klimaschutz gelten, sondern für fast alles, was politisch gewünscht ist, von einer Steuersenkung in Österreich trotz Mega-Defizit bis hin zu gewaltigen Transferzahlungen innerhalb der EU zugunsten der südlichen Pleitestaaten und zulasten der wirtschaftlich vitaleren Nettozahler. Am Geld, den Eindruck muss man derzeit in fast ganz Europa gewinnen, scheitert praktisch überhaupt nichts mehr. Es ist, als wäre Geld keine knappe Ressource, mit der man sparsam umgehen muss, sondern unbegrenzt verfügbar, wenn man es braucht.

Das stimmt in gewisser Weise ja auch: Seit die Notenbanken dies- wie jenseits des Atlantik so viel Geld drucken, wie die Regierungen gerade brauchen, ist es alles andere als knapp. Und solange diese Notenbanken auch noch die Zinsen auf null oder noch weniger drücken, sind auch Kredite gratis. Seit sich in der Ökonomie die halbseidene pseudowissenschaftliche “Modern Monetary Theory” weitgehend durchgesetzt hat, derzufolge Staaten sich nach Belieben verschulden können und die Staatsfinanzierung durch die Notenbanken kein Problem darstellt, sind die letzten Hemmungen gefallen, Schulden zu machen bis der Arzt kommt. Ganz besonders in den USA, deren Budget mit einem Defizit im Jahr 2020 mit 14,9 Prozent, einem selbst für Corona-Zeiten irren Wert, völlig außer Rand und Band geriet. Und der neue Präsident Joe Biden macht in dem Stil weiter – das Defizit dürfte heuer bei knapp 11 Prozent liegen.

Die Frage ist: Kann eine derartige Politik der völlig hemmungslosen Überschuldung auf längere Sicht gutgehen? Die richtige Antwort: Kommt darauf an. Wenn man der Ansicht ist, dass es möglich ist, ein ökonomisches Perpetuum mobile zu konstruieren – also eine Maschine, die mehr Geld ausspuckt, als zu ihrem Betrieb nötig ist -, dann wird man auch glauben, dass diese Schuldenpolitik gutgehen kann. Wenn man aber an der Möglichkeit eines Perpetuum mobile zweifelt, wird man auch der Nachhaltigkeit dieser Schuldenpolitik eher skeptisch gegenüberstehen. Auch wenn man die Geschichte für einen tauglichen Lehrer hält, wird man der Theorie, Staatsschulden seien irrelevant, misstrauen. Blickt man 5.000 Jahre zurück, wird man keinen einzigen Fall finden, in dem dergleichen gut ausgegangen wäre. Üblich ist in solchen Fällen, dass sich irgendwann Inflation einstellt, die zu einer Enteignung der Sparer, einer Entwertung der Einkommen und im schlimmsten Falle politischer Instabilität führt.

Dass die Inflation in den USA bereits 5 Prozent beträgt und auch in der EU schon merklich ansteigt, kann durchaus ein erster Hinweis sein, dass ein Perpetuum mobile eben doch nicht möglich ist. Für die Notenbanken wird das ein Dilemma: Erhöhen sie die Zinsen gegen die Inflation, treiben sie ganze Staaten in die Insolvenz. Lassen sie Inflation zu, plündern sie die eigenen Bürger aus und zerrütten die eigene Währung. Am Geld scheitert derzeit nichts – außer vielleicht langfristig das Geld selbst. (“WZ”)

6 Gedanken zu „Das unheilige Geld- Experiment

  1. sokrates9

    Im Vergleich zum Sozialisten Biden war ja Trump ein echter Sparefroh.Helokoptergeld zu verteilen hätte sicher auch Trump intellektuell geschafft. Generell scheint die Devise zu sein: Ist eh alles wurscht, hinter uns die Sintflut!

  2. Cora

    Am Anfang war noch vom Haircut die Rede. Doch der hat sich als politisch nicht durchsetzbar erwiesen. Wird man also doch auf die gute alte Inflation zurückgreifen um die Sparer zu enteignen und die Schuldner in den Ruin zu treiben.

  3. Allahut

    Natürlich wird letztendlich vieles am Geld scheitern, darunter auch die EU, denn irgendwann haben es die Bürger der Nettozahler satt, stets für andere zu zahlen, dann werden sie gegen ihre eigenen Regierungen rebellieren. Auch werden die Naivsten irgendwann draufkommen, dass die EU, der Staat (ohne riesige Bodenschätze), keinen Cent ausgeben kann, der nicht vorher den Steuerzahlern abgenommen wurde. Aktuell wird ja über einen europäischen Klimafonds nachgedacht, unschwer zu erraten, wer diesen speisen soll.
    Auch die Rettung des Weltklimas wird nach den Ideen der Grünen letztendlich am Geld scheitern, weil da wenig durchdacht und vieles fern jeder Realität ist. Interessant wäre eine wissenschaftliche Studie die die Auswirkungen auf das Weltklima aufzeigt, unter der Annahme, dass in Europa praktisch kein Leben existiert.

  4. Johannes

    Bernie Madoff hat nichts anderes getan, er hat Gelder, die nicht mehr existierten, verwaltet. Das sein Imperium schneller an seine Grenzen gestoßen ist als das der Notenbanken war dem Umstand geschuldet das er keine Druckerpresse hatte bzw. verwenden durfte.

    Wenn die Inflation anspringt wird es zu Verunsicherung kommen, man spürt schon bei gewissen Produkten das sie gewaltig vorpreschen. Holz beispielsweise wird zum Preistreiber in der Baubranche.
    Es hat sich relativ rasch herumgesprochen das da gewaltige Preiserhöhungen in der Baubtanche bereits Realität sind.

    Ich selber habe einen Kostenvoranschlag für eine einfache Einfriedung bekommen der jenseits von Gut und Böse gelegen ist.
    Der Baumeister machte mir aber klar das er den Termin eher in weiter Ferne, wenn überhaupt wahrnehmen könne.

    Habe die Sache selbst in die Hand genommen und liege im Moment (Einfriedung ausgegraben und Fertigbeton selbst bestellt und bei der Befüllung Hand angelegt sowie die Betoneisen gesetzt, bei Kosten von etwa 2000 Euro und einer Ersparnis, für die gleiche Leistung, laut Voranschlag von ca. 6000 Euro.

    Es steht zu befürchten das es in vielen anderen Branchen sehr bald wegen der stark steigenden Nachfrage ebenfalls zu ähnlichen Entwicklungen kommen wird.
    Das Ziel der Notenbanken die Leute dazu zu bringen ihre Ersparnisse auszugeben um die Wirtschaft zu stimulieren kann wie eine Lawine abgehen. Knappheit führt zu Hamsterkäufe und wenn die Ressourcen nicht nachkommen explodieren die Preise.

    Ist das einmal ausgelöst sind wir nur noch Passagiere einer Entwicklung die sich von niemanden mehr stoppen läßt und erst nach unglaublichen Verlusten und einer totalen Vernichtung der gegenwärtigen Währungen zum Stillstand kommt.

    Eine gallopierende Inflation wirkt zerstörerisch wie eine Flutwelle, danach ist meist Aufräumen und der Glaube an eine Zununft durch harte Arbeit die gute Option, die schlechte und von der Geschichte leider oft belegte Folge sind Verwerfungen der Völker- Verständigung und in der Folge, Kriege.

  5. Rudolf

    Der Wert von einem “universellen Tauschmittel”, wie Geld es ist, ist das weltweite Vertrauen in eine Währung, das, wenn einmal schwindet, für immer zu schwinden droht, und das Land zur Bananenrepublik macht.

  6. Gast

    …Blickt man 5.000 Jahre zurück, wird man keinen einzigen Fall finden, in dem dergleichen gut ausgegangen wäre…
    Warum sollte es sich also um ein Experiment handeln? Irgendwer wird profitieren. Andere Wege hätten eingeschlagen werden können. Ich würde eher meinen, es ist ein Spiel, das immer wieder von neuem beginnt.

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