Das verpfuschte Steuerpaket der Bundesregierung

(A. UNTERBERGER) Die WKO und Christoph Leitl haben sich nicht mehr aufgeregt. Daher ist das Steuererhöhungspaket, das nun im Parlament fixiert worden ist, auch für viele Medien erstaunlicherweise kein Thema mehr. Es bleibt aber dennoch ein Eckstein der ökonomischen Unfähigkeit dieser Regierung.

Daran ändern auch einige minimale Entschärfungen nichts. Denn die Hauptkritikpunkte sind allesamt unverändert geblieben.

Erstens ist in einem Höchststeuerland wie Österreich JEDE weitere Abgabenerhöhung schlimm.
Zweitens ist es schlimm, alle jene internationalen Firmen aus Österreich zu vertreiben, in deren Branche Spitzenleute nur mit sehr hohen Gagen zu finden sind. Diese Gagen kann man in Österreich nun nicht mehr als Betriebsausgabe verrechnen.
Drittens will das Gesetz offensichtlich nur Manager mit Gagen über 500.000 € abcashen, nicht aber Sportler und Künstler. Damit drohen schon die ersten Beschlüsse dieser Koalition aber in eine glatte Gleichheits- und damit Verfassungswidrigkeit zu führen.Und dann wird Sport und Kulturwelt sehr rasch wieder eine Abschaffung dieser Regelung erzwingen.
Viertens wird die weitere Erhöhung von Zigarettenpreisen den Schmuggel derselben noch attraktiver machen. Was den Gesamtertrag für den Staat trotz Erhöhungen schmälern dürfte. Denn man bekäme mit niedrigeren Abgaben ja oft mehr in die Kasse als mit hohen (siehe etwa die Treibstoffpreise, wo man dieses Prinzip sehr wohl kennt und im Interesse der Steuerzahler auch nützt).
Fünftens ist es geradezu hirnrissig, den im Inland produzierten Sekt mit zusätzlichen Abgaben zu belegen und den meist aus Italien kommenden Prosecco dadurch indirekt zu fördern.
Sechstens macht die Teilreduktion des Gruppenbesteuerungsprivilegs Österreich als Ansitz internationaler Konzerne weniger attraktiv. Und wenn auch nur ein halbes Dutzend heimlich still und leise abzieht, ist der Schaden viel größer, als die Erhöhung bei den übrigen einbringen dürfte.
Siebentens hat man bei der Neuregelung der GmbH einen (negativen) Europarekord aufgestellt: Österreich hat binnen acht Monaten gleich zwei Mal ein Fundament der Wirtschaftsordnung geändert, nämlich die Regeln der GmbH. Wie auch immer man jede dieser Änderungen bewerten mag: Dieser Abstand ist schlicht blamabel. Und er wird derzeit auch von vielen internationalen Investoren als Beispiel zitiert, dass man hierzulande generell künftig mit ständig wechselnden Rahmenbedingungen zu tun hat.
Und achtens hat man beim neuen GmbH-Gesetz eine legistische Blamage sondergleichen produziert. Sämtliche befragte Juristen greifen sich nur an den Kopf. Zwar wird weiterhin die Gründung einer 10.000-GmbH möglich sein. Aber: Nach zehn Jahren muss diese wieder 35.000 Euro Kapital haben (Was schon absurd genug ist, nachdem die 10.000-GmbH ja erst acht Monate davor überhaupt erst eingeführt worden ist). Der absolute Gipfel an Inkompetenz ist jedoch: Es gibt keinerlei Regelung dafür, was nach diesen zehn Jahren passiert. Was ist mit einer GmbH, die dann nicht die 35.000 erreicht hat (oder erreichen will)? Ist die dann plötzlich aufgelöst oder was? Das Parlament hat ein Gesetz mit einem totalen rechtlichen Vakuum beschlossen. Daher wird es bald wieder ein weiteres Gesetz geben müssen. Aber die GmbH ist ja eh nur die weitaus beliebteste Form einer Kapitalgesellschaft in Österreich. Da wird doch ein Finanzministerium und eine Regierung nicht sonderlich viel Aufmerksamkeit hineininvestieren . . .
Das ganze Paket ist also auch dann ein ganz arger Pfusch, wenn Herr Leitl es jetzt nach einigen minimalen Änderungen für gut erklärt, und wenn offenbar deshalb alle Medien die Aufregung wieder beendet haben.

Angesichts eines solchen Pfuschs sollte sich vor allem niemand mehr wundern, wie Österreich seit vielen Jahren bei der Hypo herumfuhrwerkt, wie es im Burgtheater zugeht, welches Chaos im Sozialversicherungsapparat herrscht, wenn plötzlich die Matura abgeschafft werden soll. Um nur die alleraktuellsten Dummheiten aufzulisten. (TB)

17 comments

  1. Thomas Holzer

    “……………………..nicht aber Sportler und Künstler. Damit drohen schon die ersten Beschlüsse dieser Koalition aber in eine glatte Gleichheits- und damit Verfassungswidrigkeit zu führen. Und dann wird Sport und Kulturwelt sehr rasch wieder eine Abschaffung dieser Regelung erzwingen.”

    Eben nicht! Denkfehler. Sport und Kulturwelt werden dieses Gesetz eben nicht anfechten, sind diese doch ausgenommen; anfechten, wenn überhaupt, werden es Empfänger von Gehältern über € 500.000,–
    Bin schon gespannt, wie -im Fall des Falles- der VfGH entscheiden wird.

    “Daher wird es bald wieder ein weiteres Gesetz geben müssen”

    Das ist das Los der Politik, die alles(sic!) gesetzlich regeln möchte. Böses muß fortwährend Böses gebären.

  2. Christian Peter

    ‘macht die Teilreduktion des Gruppenbesteuerungsprivilegs Österreich als Standort für internationale Konzerne weniger attraktiv’

    auf Großunternehmen und internationale Konzerne kann man verzichten : Diese zahlen keine Steuern, schaffen kaum Arbeit und ruinieren obendrein auch noch die mittelständische Wirtschaft, genießen Steuerprivilegien und erhalten auch noch Milliardensubventionen.

    Mehr als 80 % der öffentlichen Finanzen (Steuern und Sozialabgaben) werden von mittelständischen Betrieben (und deren Mitarbeiter) getragen, während Großunternehmen in Deutschland und Österreich zu Netto-Subventionsempfängern zählen, also mehr Subventionen erhalten, als Steuern bezahlen.

    Es kann daher nur eine Alternative geben : Schluss mit der Subventionierung und Privilegierung von Großunternehmen und Konzernen, Entlastung der staatstragenden mittelständischen Wirtschaft.

    http://www.mittelstandsinstitut-niedersachsen.de/

  3. Thomas Holzer

    @jvj
    Was in Deutschland gilt, muß nicht in Österreich gelten.
    Außerdem, dieses Gesetz kann noch immer in Verfassungsrang “erhoben” werden 😉
    Wäre ja nicht das erste mal.

  4. Reinhard

    Inzwischen denken immer mehr Kleinunternehmer zwecks leistbarer persönlicher Absicherung an die Gründung einer limited. Kostet ein paar Hunderter, bedingt einen Briefkasten in London und kommt mit einem läppischen Pfund Gesellschaftskapitaleinlage aus.
    Dass sich viele Jungunternehmer in der jüngst doch noch ach so hochgejubelten modernen Dienstleistungsgesellschaft, ausgerüstet mit Betriebsmitteln um ein paar Tausend Euro und nach dem Ausflöhen durch die Politik mit einem mickrigen durchschnittlichen Netto-Monatsverdienst dahindümpelnd, nicht mal mit ihrem geleasten rumänischen Firmenkombi auch nur annähernd ein Betriebskapital erreichen, mit dem sich eine GmbH gründen ließe, stört die regulierungswütigen Besserwisser aus den Parteizentralen und Beamtenburgen nicht. SIE müssen ja nicht für jeden falschen Farbklecks mit ihrem Privatvermögen haften (das bei besagten Kleinunternehmern oft genug weniger ausmacht, als die hochnäsigen Privilegienritter im Politzirkus allein jeden Monat aus dem Steuertopf abfischen).
    Ich kann als EPU diese limited-affinen Kleinunternehmer verstehen, auch wenn ich selbst (noch) eher Abstand davon halte (in dem Glauben, dass die Politik eh gegensetuern wird, sollte sich so etwas ungewollt ausbreiten). Eine GmbH, für jeden Mini-Unternehmer nur durch die “beschränkte Haftung” interessant, die ihn im Falle eines klagenden Kunden vor dem privaten Totalruin bewahren kann, ist für ihn nicht leistbar. Gerade jene Partei, die immer “fair” und “gerecht” daherschwurbelt, wenn sie die kleinen Schwerarbeiter mal wieder für das Versagen ihrer eigenen Genossen aussackelt, trampelt auf den Kleinunternehmern herum und sorgt dafür, dass nur ihr wohlbestallter Freundeskreis der einst mit Steuergeld hochbezahlten Ex-Amtierenden eine funktionierende Absicherung gegen den Ruin besitzen. Der Pöbel soll gefälligst Fresse halten, draußen bleiben und die Rechnung für das Gelage bezahlen, liebe Genossen, auch ihr schwarz angemalten, nicht wahr?

    Ach ja, zum Thema Gegenidee: Eine “GmbH”, die ein nachweisliches Gesellschaftsvermögen von 5.000 Euro besitzt, im Haftungsfall aus dem Privatvermögen aber bis zu 30.000 Euro haftet, wäre sinnvoller. Das Risiko, jeden Schaden unbegrenzt und in voller Höhe aus dem Privatkapital begleichen zu müssen, ist nämlich erst bei größeren Summen wirklich existenzvernichtend. So bliebe ein Gläubigerschutz in gleicher Höhe wie heute, aber auch ein Schutz der privaten Existenz des Unternehmers.
    Warum es so etwas nicht gibt?
    Weil jemand, der sich keine 35.000 Öcken aus dem Ärmel ziehen kann, im Kreise der Erlauchten nix verloren hat. Sollen ihn die Köter fressen, wenn er was verbockt.
    So zynisch sind unsere “Interessenvertreter”.

  5. gms

    Christian Peter,

    > auf Großunternehmen und internationale Konzerne kann man verzichten

    Falsches wird durch Wiederholung nicht richtiger, sind doch gerade Mittelständler die wichtigsten Zulieferer von Konzernen. Verläßliche Quellen sprechen von einem Multiplikator von 2-4 an zusätzlichen Arbeitsplätzen im Umfeld der Großen.

    Auch haben die Wenigsten das sog. ~Gruppenbesteuerungsprivileg~ verstanden, handelt es sich hierbei doch um keinen Steuernachlaß, sondern allenfalls um eine zeitliche Verschiebung der Steuerschuld, zumal Erträge aus Töchterfirmen wiederum am Konzernsitz zu versteuern sind.

  6. gms

    Unterbergers Aufstellung der Dummheiten des Abgabenänderungsgesetzes 2014 fehlt eine bislang in dem Medien nur selten thematisierte Absurdität — die verringerte Absetzbarkeit von Lizenzzahlungen, so im Zielland ein Steuersatz von unter 10% zur Anwendung kommt. Ob und wie das mit österreichischen Steuerprinzipien oder jenen der EU vereinbar ist, steht aus guten Gründen völlig in den Sternen.

  7. Thomas Holzer

    Ja, es gibt anscheinend in diesem Land keinen Schwachsinn, welcher (wider besseren Wissens?!) von der Mehrheit nicht in Gesetzesform gegossen wird.
    Man bedenke nur die Unterscheidung zwischen Prosecco mit Dreh- und Korkenverschluß zwecks der Wiedereinführung der Schaumweinsteuer

  8. Christian Peter

    @reinhard

    Ob GmbH light oder als, spielt keine große Rolle. Viel wichtiger wäre, die steuerlichen Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass es sich lohnt, selbständig zu machen. Davon kann nämlich keine Rede sein : Es kann nicht angehen, dass mittelständische Unternehmer durchschnittlich 50 % ihres Einkommens an den Fiskus abführen, während Großunternehmen und internationale Konzerne seit mehr als einem Jahrzehnt als Netto – Subventionsempfänger mehr Subventionen erhalten als Steuern bezahlen.

    Ein gerechtes Steuersystem kann nur bedeuten : Gleichbehandlung aller Unternehmensformen (keine Privilegien für Konzerne und Kapitalgesellschaften) und Einkommensarten (keine Privilegen für Kapiteleinkünfte) sowie Beseitigung aller sonstigen Steuerprivilegien.

    http://www.manager-magazin.de/politik/deutschland/total-tax-rate-mittelstand-2013-mehr-steuern-fiskus-steuerlast-a-934386.html

  9. Reinhard

    @Christian Peter

    Ihre Parolen in allen Ehren, im ersten Moment klingen sie im Ohr des Kleinunternehmers auch sehr verlockend.

    Der erste Teil kann von mir auch sofort unterschrieben werden – eine Gesamtabgabenlast weit jenseits der 50 Prozent machen die Selbstständigkeit immer weniger attraktiv. Vor Allem die Unsicherheit, welche Belastungen in den nächsten Jahren noch dafür sorgen werden, dass von 100 Euro Honorar nicht mehr wie heute netto 30 bald nur noch 20 oder gar 10 zum Leben des Unternehmers übrig bleiben, wird noch viele (wie von den Sozen geplant) in die Unselbstständigkeit und die zwangsabgabengestärkten Arme von GKK und AK zurücktreiben.

    Aber der zweite Teil trieft vor Populismus. Ja, es ist ungerecht, dass Großkonzerne Privilegien genießen. Aber Gerechtigkeit und Fairness hat sich eine andere politische Richtung groß auf die Fahnen geheftet – mit bekannter Sinnfreiheit.
    Es ist Fakt, dass ein sehr großer Teil der kleinen und mittleren Unternehmen der Großindustrie zuarbeiten, von ihr abhängig sind. Die Steuereinnahmen kommen also aus den Einkommensteuern der Industriebeschäftigten und von den Sub- und Subsub-Unternehmern. Wandert ein Großbetrieb ab, weil es für ihn hierorts nicht mehr lukrativ ist, gehen die Kleinbetriebe in seinem Kielwasser ein.

    Ich als Kleinunternehmer habe diese Möglichkeiten nicht. Das mag “ungerecht” sein, aber es ist ein Fakt, der mir durchaus bewusst ist und trotzdem habe ich die Selbstständigkeit gewagt. Die Großkonzerne buchen meine Dienste ebenso wie viele mittelständische Unternehmen, weil sie sie steuerlich absetzen können; ich leiste sie gerne, weil ich zu einem guten Teil davon lebe und meine Familie ernähre.

    “Steuergerechtigkeit” ist ebenso wie “Verteilungsgerechtigkeit” für mich nur ein weiteres Schlagwort im Kampf um die Stammtische. Dieses ewige Aufrechnen des einen gegen den anderen ist höchstens nervtötend.

    Ich kann mich jammernd beschweren, nicht als Hai sondern nur als Putzerfisch auf die Welt gekommen zu sein, oder ich sehe zu, dass ich am Gewinn des Großen partizipiere.
    Mein Problem sind nicht die Konzerne, denn auch wenn sie sich auf Basis der besseren Position Sonderrechte erpokert haben, leisten sie doch einen Beitrag zur Schaffung von Werten und Wohlstand; im Gegensatz zur Politik, die in großem Umfang Werte vernichtet und Wohlstand zugrunde”verteilt”.

    Ja, wir Kleinunternehmer zahlen zuviel Steuern und Abgaben, aber nicht, weil die Großen zu wenig zahlen, sondern weil die Hyänen zuviel wegfressen und sich nur über die kleinen Opfer trauen und die Großen lieber in Ruhe lassen. Das Hindreschen auf “die Konzerne” lenkt den Blick von den eigentlichen Verursachern der Misere ab: der prassenden, verschwenderischen Kaste feudaler Parteischranzen, die uns auspresst.

    Also lassen Sie bitte dieses dümmliche “Die Räuber nehmen mir mehr weg als dem Nachbarn, das ist ungerecht, sie sollen ihn auch überfallen!” und konzentrieren Sie sich lieber auf ein einfaches “Die Räuber gehören entmachtet, die Leibeigenschaft von feudalistisch organisierten Parteihäusern gehört gegen direkte demokratische Entscheidungsfreiheit getauscht!” – da können wir uns jederzeit treffen!

  10. Christian Peter

    ‘mittelständische Unternehmen sind von der Industrie abhängig’

    ich bitte Sie. Mittelständisch Unternehmen werden von Konzernen ruiniert, denn letztere genießen aufgrund zahlloser Privilegien enorme Wettbewerbsvorteile und erlangen dadurch marktbeherrschende Stellung. Schauen Sie sich das Sterben mittelständischer Betriebe in den Städten an : es sind fast nur mehr Geschäfte internationaler Konzerne vertreten.

    ‘Steuergerechtigkeit und Verteilungsgerechtigkeit’

    Die Dinge haben miteinander rein gar nichts zu tun.

    Wie doof muss man sein es zu begrüßen, als Unternehmer 50 % seines Einkommens an den Fiskus abliefern, während Großunternehmen und Konzerne im großen Stil Umsatz und Gewinn lukrieren, vor Ort keine Steuern entrichten und dafür auch noch Milliardensubventionen aus Steuermitteln erhalten ?

  11. Reinhard

    @Christian Peter

    Ihren rotzigen Ton können Sie sich sparen. Ich habe weder die 50% begrüßt noch von Subventionen geredet, für deren komplette und ersatzlose Streichung auf allen Gebieten ich schon oft genug plädiert habe. Ich finde Ihre Forderungen nur genauso hirnlos wie das Hindreschen auf Schmarotzer oder kriminelle Ausländer. Das lenkt von den wirklich Verantwortlichen ab, nämlich jenen, die diese Auswüchse erst ermöglichen. (Ich bin z.B. gegen militärische Aktionen gegen afrikanische boat people vor Italien aber für die Streichung jedweder Sozialleistung und jedweden Rechtsanspruchs für illegal Eingereiste – das eine verhindert das andere von ganz allein. Der kluge Arzt bekämpft nicht die Symptome, sondern die Erreger.)

    Mit Ihrem Populismus gegen “die Konzerne” stehen Sie auf Augenhöhe mit den linken Populisten gegen “die Reichen”. Statt diesen linken Hetzern und Phrasendreschern den Wind aus den Segeln zu nehmen, versuchen Sie, durch stärkeres Pusten Aufmerksamkeit zu erregen. Ein recht trauriges Schauspiel, da hinter Ihrem Losdreschen auf Windmühlenflügel sicher hehre Ziele stehen. Sie begreifen nur nicht, dass ich die Portion auf meinem Teller nicht dadurch beeinflusse, dass ich mich beschwere, dass andere mehr darauf liegen haben. “Schau auf deinen eigenen Teller und sieh zu, dass er voll wird!” war ein Spruch meiner Großeltern, dessen Weisheit ich erst später begriff. Vielleicht kommen Sie auch noch an diesen Punkt.

    Und ja, Steuergerechtigkeit und Verteilungsgerechtigkeit haben viel miteinander zu tun. Nämlich das schwammige, sinnfreie Oberschwurbelwort “Gerechtigkeit”, mit der man jede Hatz auf wen auch immer rechtfertigen kann.
    Gerecht ist, wenn jeder das bekommt, was er verdient und das bezahlt, was er bekommt. So gesehen schließen sich die Worte “Steuer” und “Gerechtigkeit” sogar gegenseitig aus. Übrigens ebenso wie “Verteilung” und “Gerechtigkeit”; in beiden Fällen muss erst jemand enteignet werden um “Gerechtigkeit” zu erlangen, also Ungerechtigkeit zur Erlangung der Gerechtigkeit stattfinden. Wer dies paradox findet, darf buzzern und bekommt hundert Punkte. Wer nicht, hat nichts begriffen.

    Und ja, ich bleibe bei der Aussage, dass mittelständische Unternehmen von der Industrie abhängig sind, denn nochmal gaaanz langsam für Begriffstutzige: Wandern die Konzerne ab, gehen ihre Zulieferer reihenweise unter. Allein der Einbruch im Pkw-Verkauf zum Beginn der Krise hat tausende Kleinunternehmen wegen mangelnder Nachfrage der großen Kunden in den Ruin getrieben. Das Weilen in den Niederungen der privatwirtschaftlichen Realität hat auch seine Vorteile, man muss nur seine Sinnesorgane einsetzen und die Fakten sammeln.

    Realität verweigern und Phrasen dreschen überlasse ich lieber den Ideologen und Klassenkämpfern, meiner Meinung nach brotlose Künste ohne wirtschaftliche Relevanz. Ohne Politik, die glaubt, im Namen dieser Phrasendrescher eingreifen zu müssen, könnte man das Ganze als lächerliches Geschwurbel abtun.
    Wenn die politischen Gegner der jetzigen “Gerechtigkeitskämpfer” auch nur wieder neue “Gerechtigkeitskämpfer” sind, dann gute Nacht.

    Ich brauche keine Gerechtigkeit.

    Ich brauche Freiheit.

    Vie Glück noch bei Ihrer missionarischen Tätigkeit!

  12. Christian Peter

    @reinhard

    ‘mittelständische Unternehmen sind von der Industrie abhängig’

    geht es noch dümmer ? Die Industrie – das ist der Mittelstand. 98,1 % aller deutschen Unternehmen sind mittelständische (Industrie -) Unternehmen mit 250 oder weniger Mitarbeitern, beschäftigen 80 % aller Arbeitnehmer in der freien Wirtschaft, sorgen für mehr als 80 % der öffentlichen Finanzen und bilden 85 % der Lehrlinge aus.

  13. Reinhard

    @Christian Peter

    Der Mittelstand ist in überwältigender Mehrzahl der Handel, das Gewerbe und die Dienstleistung. Die Industrie liegt zum größten Teil im Besitz internationaler Konzerne. Wenn Sie nicht einmal den Unterschied zwischen den Begriffen “Industrie” und “Unternehmen” kennen, sind Sie für Ihren missionarischen Kampf ebenso geeignet wie ein Maturaabrecher als Bundeskanzler.
    Da erübrigt sich jeder weitere Kommentar.

  14. Christian Peter

    @reinhard

    machen Sie sich nicht lächerlich. Industrie bedeutet ‘gewerbliche Gütererzeugung’ völlig unbeachtet der Größe des produzierenden Unternehmens. Der ‘industrielle Mittelstand’ ist die tragende Säule einer jeden Volkswirtschaft, wie oben genannten Zahlen belegen – die Bedeutung von Großunternehmen und internationalen Konzernen wird landläufig weit überschätzt.

    http://www.bdi.eu/industrieller-Mittelstand.htm

  15. gms

    Christian Peter,

    “machen Sie sich nicht lächerlich. Industrie bedeutet ‘gewerbliche Gütererzeugung’ völlig unbeachtet der Größe des produzierenden Unternehmens.”

    Einmal mehr ist Ihre Klappe größer als Ihr Verstand. Schon mal was von “industrieller Herstellung” gehört? Oder ist jede Ein-Man-Besenbinderei ein Industriebetrieb, nachdem auch diese Ihrem oben genannten Kriterium entspricht?

    Hergeleitet wird “Industrie” aus der lat. Regsamkeit, daraus wiederum die Massen(sic!)fertigung. Man kann Konzernen alles mögliche vorwerfen oder absprechen, daß diese sich aber insbesondere in der Massenfertigung verdingen, wird kaum jemand von Verstand in Abrede stellen. Über die Abgrenzung zum mittelständischen Industriebetrieb mag man disputieren, bloß liegt die Grenze gewiß nicht dort, wo Sie sie behaupten.
    Als Fußnote: Der Vorgänger der österreichischen Industriellenvereinigung wurde von den Nationalsozialisten dicht gemacht. Die Motivation dahinter erinnert an aktuelle Dummsprüche.

  16. gms

    Christian Peter,

    und als hätte es zur Widerlegung Ihrer Aussagen noch des Beweises bedurft, so findet sich ausrechnet auf der von Ihnen gebrachten BDI-Seite das Entscheidende:

    Zitat: Die Industrie im Mittelstand
    98,1 Prozent der Unternehmen in Deutschland haben 250 oder weniger Beschäftigte und zählen nach dieser engeren Definition zum Mittelstand. Jedes zehnte mittelständische Unternehmen gehört dabei zum Verarbeitenden Gewerbe
    –Zitatende

    Anders formuliert: Bloß 10% der Mittelständer stellen überhaupt etwas her, ob und inwieweit dabei industrielle Maßstäbe gelten, bleibt dahingestellt.

    Weiters: Zitat: “Forschung und experimentelle Entwicklung werden vornehmlich in Großunternehmen durchgeführt. Auf Industrieunternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern entfallen nur knapp 13 Prozent der FuE-Aufwendungen. Der Anstieg der Innovationsausgaben in den letzten 15 Jahren ist im Wesentlichen von Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten bestimmt. — Ende

    Weiters findet sich unter [1] “Sie [die Mittelständler] sind verantwortlich für zwei Fünftel der Beschäftigung und 30 Prozent des Umsatzes in der Industrie.”

    Noch Fragen?!

    [1] bdi.eu/download_content/BS_3_Mittelstand.pdf

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