Das Wort zum Freitag

Von | 22. Juli 2016

Der Liberalismus ist weit eher eine tiefeingewurzelte Vorstellung vom Leben als eine Frage der Politik. Er ist der Glaube, daß jedes menschliche Wesen frei sein muß, um sein individuelles, unübertragbares Schicksal zu erfüllen. (José Ortega y Gasset )

7 Gedanken zu „Das Wort zum Freitag

  1. Fragolin

    Das Problem ist nur, dass die meisten Menschen gar nicht frei sein wollen…

  2. Thomas Holzer

    “……um sein individuelles, unübertragbares Schicksal zu erfüllen.”

    Das impliziert aber eben nicht (nur) Wonne, Sauce und Grießschmarren, sondern auch Leid, Entbehrung, Verantwortung, Demut.
    Alles in allem Werte, welche in unseren Zeiten seit Jahrzehnten als reaktionär und unzeitgemäß, daher verdammenswert verurteilt und großteils im Orkus der Geschichte entsorgt wurden.
    Mit “diesem Wort zum Freitag” lässt sich der perfekte, “gute”, neue Mensch durch “unsere” vereinigten Linken natürlich nicht kreieren, führt es doch jedem Einzelnen jeden Tag auf’s Neue seine Fehlbarkeit und seine menschliche Unvollkommenheit vor Augen.

  3. Lisa

    Dazu kommt, dass, genau betrachtet, kein Mensch wirklich frei ist. Wir haben zwar in liberalen Gesellschaften mehr Wahlfreiheiten als in totalitären Staaten. Aber jede Wahl hat ihre Konsequenzen, macht also wieder unfrei. “beim ersten sind wir frei, beim zweiten sind wir Knechte…” JWG. Und was das Schicksal angeht: Was, wenn das Schicksal einen Selbstmordattentäter vorsieht? Nicht so einfach, das Liberale…

  4. stiller Mitleser

    Ich finde diese Zitate oft sehr anregend, ich wußte z.B. so gut wie nix über das Leben Benjamin Franklins und Ortega y Gasset (im Bücherschränken der Verwandtschaft vor langer Zeit enerviert beiseitegeschoben) hätte ich sonst keinen späten zweiten Blick geschenkt…

  5. gms

    Lisa,

    “Aber jede Wahl hat ihre Konsequenzen, macht also wieder unfrei.”

    Das ist tautologischer Unsinn. Jedes Handeln ist schon ein gleichzeitiger unabdingbarer Verzicht aller in diesem Moment möglichen Alternativen. Das Aufblasen über Unfreiheit induzierende Konsequenzen ist daher bloß ein verzichtbares Aufdoppeln des ersten Fehlers inform eines behaupteten Zwangs, irgendetwas tun zu müssen, anstatt fatalistisch einfach nur rumzusitzen und zu warten, was passiert.

    Wollte man das Ganze irgendwie als Unfreiheit qualifizieren, läuft es auf eine Allmächtigkeit hinaus, ohne deren Innehaben jeder zwangsweise unfrei wäre.

    Kinder sind mit solchen Pseudooxymorona noch zu begeistern: “Ich kann nicht alles, weder sequentiell und schon gar nicht gleichzeitig, also bin ich Gefangener, sei es nun unmittelbar oder durch die Folgen meiner Taten, die ich dann ausbaden darf” — Für Linke läuft es damit auf eine aufgelegtes Eh-schon-Egal hinaus, und wer als Mensch schon zum Atmen oder nach dem Kauen zum Schlucken verdammt ist, soll gefälligst auch Knecht für andere sein, damit diese wiederum ihrer selbst verschuldeten Konsequenzen entbunden sind.

    “Was, wenn das Schicksal einen Selbstmordattentäter vorsieht?”

    Was soll denn sein? Das Leben ist lebensgefährlich und endet mit dem Tod. Fullstop.

    “Nicht so einfach, das Liberale…”

    Zelebrieren von Dummheit ist trivial.

  6. Lisa

    @gms: zit.:”Das ist tautologischer Unsinn. Jedes Handeln ist schon ein gleichzeitiger unabdingbarer Verzicht aller in diesem Moment möglichen Alternativen.” Habe ich etwas anderes behauptet? JWG hat es zwar poetischer ausgedrückt, aber recht hat er. Man kann sich natürlich der durch die Wahl entstandenen Unfreiheit durch eine neuerliche freie Wahl (falls sie möglich ist) entziehen… hektische Wahl-Betriebsamkeit ad infinitum.
    zit.:”Zelebrieren von Dummheit ist trivial.” Arroganz auch – und dazu äusserst unangenehm.

  7. gms

    Lisa,

    > Habe ich etwas anderes behauptet?

    Darüber kann sich jeder selbst ein Urteil bilden, anknüpfend an jene Aussage, die als Ihr Zitat über meiner Replik stand: „Aber jede Wahl hat ihre Konsequenzen, macht also wieder unfrei.“

    > hektische Wahl-Betriebsamkeit ad infinitum.

    Aufschäumen macht es nicht besser.

    > “Zelebrieren von Dummheit ist trivial.“ Arroganz auch – und dazu äusserst unangenehm.

    Im Anlaßfall wäre wohl das entsprechende Zitat von Klaus Kinski passend und für jene unangenehm, die sich davon negativ angesprochen fühlen.

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