Das Wort zum Wochenende

Da heißt es, wenn von Steuersenkungen die Rede ist: Das seien Steuergeschenke. Der Staat könne sich Steuergeschenke nicht leisten. Die Sprache verrät das Denken. Eine Regierung, die Steuersenkungen als Steuergeschenke bezeichnet, macht sich selbst zum Herrscher und den Bürger zum Untertanen. Das Brutto gehöre sozusagen dem Staat, das Netto werde dem Bürger gnädig zugeteilt. Politiker, die so reden, leben in der Gedankenwelt des Obrigkeitsstaates, Bürger, die sich solche Reden gefallen lassen, machen sich selbst zum Taschengeldempfänger. (Guido Westerwelle +)

One comment

  1. Rennziege

    Es ist immer noch traurig, dass dieser gescheite Guido so jung sterben musste. Der hätte die FDP aus dem Tief erwecken können, in das die Linken dieser Partei (und er selbst, von diesen gedrängt) abgedriftet waren. Seine Epigonen können ihm nicht das Wasser reichen, zumindest noch nicht. (Leidensdruck fehlt, da abgesicherte, folglich mutlose Apparatschiks.)
    Es ist zwölf Jahre her, dass ich mit ihm unverhofft an einem ICE-Tisch saß, von Leipzig nach München, und wir etwa sieben Stunden lang über Gott und die Welt redeten. Nach 20 Minuten klappte ich mein Notebook, an dem ich eigentlich arbeiten wollte, zu. Ich erinnere mich an ihn als einen waschechten Liberalen, der es mit Herzblut war, aber durch den pfründensüchtigen Opportunismus vieler seiner Parteifreunde gezwungen war, rötliche Kreide zu fressen. Er war von einer erfrischenden Offenheit, geistreich, belesen, musikalisch und zitierte die Lebensdaten und Hauptwerke Mozarts, Bachs und Haydns aus dem Hut.

    Nach einer Stunde fragte er mich höflich, ob er mich duzen dürfe; ich sei ja “noch so jung” — dabei hatte ich schon Kinder, wenn auch kleine. Wie schieden als Freunde, mit inniger Umarmung, haben einander nie wieder gesehen. Aber Guido Westerwelle werde ich nie vergessen. Politiker wie ihn gibt’s nicht mehr, die sowohl im Erfolg als auch im Scheitern Größe und Format beweisen.
    Ruhe in Frieden, Guido! Einer wie du wird schmerzlich vermisst, nicht nur in Deutschland.

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