Davos, Oxfam und die EZB

(ANDREAS TÖGEL) Alle Jahre wieder, pünktlich zum Beginn des in Davos über die Bühne gehenden Weltwirtschaftsforums, kommt Oxfam, eine NGO, die den Kampf gegen die weltweite Armut auf ihre Fahnen geschrieben hat, einmal mehr mit dem abgedroschenen Schmäh von der angeblich immer weiter aufklaffenden Schere zwischen Armen und Reich daher. Glühende (linke) Ideologen lassen sich eben von ihnen unwillkommenen Fakten niemals beirren. Die liberale Denkfabrik Agenda Austria hat sich mit den Einlassungen von Oxfam auseinandergesetzt und kommt zum Schluss, dass nicht viel dran ist (siehe den Hinweis am Ende des Textes).

An dieser Stelle nur so viel: Wirtschaft ist kein Nullsummenspiel! Das alte kommunistische Mantra: „…wär´ ich nicht arm, wärst du nicht reich…“ ist tausendfach widerlegt, denn in einer rechtsbasierten, arbeitsteiligen Gesellschaft bedingt der Wohlstand des einen eben nicht die Armut des anderen. Dass ein Multimilliardär 20 Villen, fünf Yachten und vier Privatjets (nebst drei Freundinnen) sein Eigen nennt, hat auf das Wohlstandsniveau aller übrigen Zeitgenossen keinerlei Einfluss – zumindest keinen negativen. Eher im Gegenteil, denn um sich seines luxuriösen Lebensstils erfreuen zu können, benötigt der Nabob unzählige Helfer, die durch ihn Arbeit und Brot erhalten. Die billige eat-the-rich-Propaganda von Oxfam ist einzig und allein jenem unschönen Affekt geschuldet, der die Basis des Sozialismus in all seinen Erscheinungsformen bildet – dem puren Neid.

Unabdingbare Voraussetzung jeden Wohlstands sind Rechtssicherheit und wirtschaftliche Freiheit – letztere ausgedrückt in geringer Regulationsdichte und niedrigen Steuerlasten. Wer der Früchte seiner Arbeit tatsächlich auch ernten und ihrer sicher sein kann, ist in jedem Fall produktiver als einer, für den das nicht gilt. So einfach ist das. Allein Afrika bietet eine überwältigende Vielzahl von Belegen dafür: Wo es Rechtssicherheit gibt und keine Korruption herrscht (wie etwa in Botswana) steigt der Wohlstand. Wo das nicht der Fall ist, könnten auch zehn Marshallpläne nichts am herrschenden Elend ändern.

Dass die in Davos zusammenkommenden Granden anno 2019 deutlich weniger Optimismus verströmen als noch im Vorjahr, ist durchaus als ein Alarmzeichen anzusehen. Im Vorjahr waren halt die von den USA angezettelten Wirtschaftskriege noch nicht voll ausgebrochen und allenthalben konnte erwartet werden, dass die Briten es sich mit dem Austritt aus der EU am Ende doch noch überlegen könnten. Diese Hoffnung ist geschwunden.

Die in jüngster Zeit auf Talfahrt befindlichen Wachstumsdaten Chinas (die langsam aber sicher auf das Niveau westlicher Industriestaaten sinken) und der immer mehr – einer völlig verblödeten Energie- und Klimarettungspolitik sei Dank – ins Stottern geratende Wirtschaftsmotor Deutschlands tun ein Übriges, um Sorgen im Hinblick auf die weltweite konjunkturelle Entwicklung aufkommen zu lassen. Der wirtschaftliche Horizont verdunkelt sich unübersehbar. Schon zeichnet sich eine neue Finanzkrise ab.

Selbst die sonst so optimistische Chefin der Weltbank, Christine Lagarde, findet mahnende Worte an die Adresse der Regierungen, „bereit zu sein“. Leider verrät sie uns nicht, worin denn diese Bereitschaft bestehen soll. Denn dass in der Spätzeit des umverteilenden Wohlfahrtsstaates eine Abkehr von der absolut verkehrte Anreize setzenden Brot-und-Spiele-Politik jede Regierung auf der Stelle ins Out katapultieren würde, liegt auf der Hand. Dazu wird also nicht kommen. Möchte sie am Ende die lockere Geldpolitik noch weiter auf die Spitze getrieben sehen? Viel Spielraum bleibt dafür nicht – jedenfalls nicht im Euroraum, wo die Geldsozialisten um Mario Draghi ihr Pulver zum größten Teil bereits verschossen haben. Weniger als keine Zinsen zu dekretieren geht eben nicht – zumindest nicht, solange es Bargeld gibt. Genosse Draghi könnte daher nur zu „unkonventionellen Maßnahmen“ greifen, also etwa Helikopter aufsteigen und daraus Geld abwerfen lassen, um ein konsumgetriebenes Strohfeuer zu entfachen. Wir werden sehen.

 

Zur Studie der Agenda Austria: https://www.agenda-austria.at/publikationen/die-oxfam-saga/

 

8 comments

  1. wbeier

    Hinter all dem für die Öffentlichkeit bestimmten Salbader und den kryptischen Emissionen (Lagarde) wird es in Davos wieder um eines gehen: Wie macht man die gebunkerten privaten Vermögenswerte für die konsumistische Verwertung nutzbar und wie konditioniert man die internationale und nationale Politik entsprechend.
    Selbstverständlich stören die relativ hohen Median-Vermögen Europas und Nordamerikas die bildhaft in der Brache liegen und es ist nicht davon auszugehen, dass hier ein Trend zum vierten Fernseher oder Drittauto entfacht werden kann.
    Unter diesem Gesichtspunkt sehe ich auch die ungeregelte Migrationspolitik um vor allem neues hungriges Konsumentenmaterial nahe an die Vertriebsstellen der Waren- und Dienstleistungsproduktion zu bringen.
    Wesentlich dafür ist die Umleitung von Vermögen und Produktivität in konsumgeile Geldbörsen und Davos bietet dafür die ideale Start-Up-Plattform um via Geld- und Zinspolitik, legistisch sowie strukturell entsprechend einzuwirken.

  2. Herbert Manninger

    Selbst die professionellen Reichtumskritiker/Neider profitieren von der Existenz des Gegenstandes ihrer Kritik. Und das oft nicht zu knapp….

  3. Falke

    Mit Oxfam verbindet man primär den Missbrauch Minderjähriger und Sexparties in Krisengebieten auf Kosten der armen Bevölkerung (etwa in Haiti). Erstaunlich, dass die sich noch in die Öffentlichket trauen, bzw. dass ihnen diese Öffentlichkeit noch ein Podium bietet, wo sie ihre Krokodilstränen über die Ungerechtigkeit der Welt vergießen können. Ein Trauerspiel, und auch keinesfalls ein Pluspunkt für das Weltwirtschaftsforum – als ob letzteres nicht schon genug Probleme damit hätte, dass immer mehr wichtige Staaten und Persönlichkeiten der Veranstaltung fernbleiben.

  4. Fxs

    Jedenfalls verdienen die Manager vom OXFAM mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung.

  5. Johannes

    Das größte Problem mit NGO ist das niemand genau weiß wer dahinter steckt. Russland hat soweit ich weiß ein Gesetz erlassen in dem sich NGO vollkommen erklären müssen. Woher kommt das Geld, wieviel Geld fließt wo genau hin, wie sind die politischen Vernetzungen?

    In den westlichen Medien wurden diese berechtigten Forderungen mit einem Aufschrei der Empörung quittiert als wäre dem Teufel ein Tropfen Weihwasser aufs Haupt getröpfelt.
    Man will sich bedeckt halten, sich nicht in die Karten schauen lassen und das Spiel nach eigenen Regeln spielen.

    Ich würde allen NGO dringendst empfehlen eine Partei zu gründen und sich der Demokratie zu stellen. Alles andere empfinde ich persönlich als Erpressung.

    Ein Beispiel: Laut aktueller Raiffeisen-Zeitung werden in 2 bis 3 Monaten die heimischen Kartoffel Vorräte aufgebraucht sein, laut dem Bericht ist die Trockenheit zum einen und ein massiver Schädlingsbefall auf der anderen Seite Schuld daran. ca 100 000 t geernteter Kartoffel mussten aus dem Verkehr gezogen werden das sie von Würmer durchsetzt, unbrauchbar bzw minderwertig waren.
    Dieser Wurmbefall ist auf ein Verbot von entsprechenden Pflanzenschutzmittel, durch Betreiben von NGO, zurückzuführen.
    Und jetzt die Pointe, laut Raiffeisenzeitung, werden voraussichtlich Kartoffel aus Ägypten eingeführt werden müssen.
    Nichts zeigt den Wahnsinn besser.

  6. CE___

    Die Linken werden es einfach nie verstehen.

    Die “Reichtümer” der “Super-Reichen” sind keine materiellen Werte wie Juwelen, Diamanten, Edelmetall-Barren, und dicke Banknoten-Bündeln, welche die Bezos, Buffetts und Gates dieser Welt unter ihrem (Ehe)Bett liegen haben.

    Diese Reichtümer sind einfach Buchwerte, täglich schwankende nicht angreifbare Buchwerte von Anteilen an Börsen notierten und mit entsprechend hohen Preisen gehandelten Unternehmen.

    Und fallen diese Buchwerte, ja dann löst sich auch der “Reichtum” dieser Menschen zum allergrößten Teil in Luft auf, auf die die gierigen Sozialisten aller Länger geifernd ihre Auge richten.

    Und wenn Sozialisten mit ihren enteignenden Vermögenssteuer-Ideen daherkommen ergibt sich folgendes Problem:

    Diese Steuern werden mit hard cold cash zu entrichten sein, und diese werden als cash flow aus diesen Unternehmen an die Anteilinhaber abfliessen müssen damit der “Reiche” diese Steuern entrichten kann, und dadurch den Buchwert des Unternehmens negativ beeinflussen, da es an die Substanz geht.

    Und das perverse, je höher ein Unternehmen bewertet, desto höher auch die Steuerhöhe, die aus dem Unternehmen an den “Reichen” abfliessen muss damit er die Enteignungssteuern bezahlen kann.

    Das Linke einfach nur die Milchkühe schlachten die sie eigentlich melken wollen haben’s schon in der Sowjetunion nicht begriffen.

  7. GeBa

    Wieder einmal spielt sich eine NGO die selbst Dreck am Stecken hat, als moralische Instanz auf.
    Zum 🤮
    Und wieder einmal hängen unwissende Gut-Alles-Gläubige an deren Lippen …

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