Deflation, warum eigentlich nicht?

Von | 19. November 2013

……Historisch gesehen gibt es keinen Grund, sich vor Deflation zu fürchten. Die USA haben in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts jahrzehntelang Deflation gehabt, ohne dass dies zu wirtschaftlichen Krisen geführt hat. Im Gegenteil: In dieser Zeit sind die Pro-Kopf-Einkommen kräftig gewachsen. Und dass die Wirtschaft in Japan in den vergangenen Jahren nicht stärker gewachsen ist, ist nicht etwa Folge der Deflation, sondern das Resultat zu starker Regulierungen und der ungünstigen Demografie. Zudem: Wir alle profitieren, wenn der technologische Fortschritt die Preise sinken lässt, etwa bei Computern. Milton Friedman hat einmal gesagt, das Beste wäre, die Geldmenge so zu steuern, dass die Preise permanent sinken. Die erhöhte Kaufkraft des Geldes machte es dann zu einem gefragten Vermögensgut und käme den einfachen Menschen zugute.” (Der US-Nobelpreisträger Thomas Sargent in einem lesenswerten Interview mit der  “WiWo“)

14 Gedanken zu „Deflation, warum eigentlich nicht?

  1. Wettbewerber

    Wie kann man überhaupt ernsthaft der Meinung sein, ein Zahlungsmittel, welches ständig an Wert verliert, sei besser als eines, das wertstabil ist oder gar an Wert gewinnt? Und dann muss ich mich selbst bei der Nase nehmen, denn ich habe es selbst jahrelang geglaubt.

    Ein Argument ist, dass Inflation den Konsum fördert. Richtig, deshalb wird sie auch von Industrie und Wirtschaft durch die Bank begrüßt, solange sie sich einigermaßen im Zaum hält. Die Gegenseite: Die Sparquote kommt (massiv) unter Druck. Und das hat langfristig enorme Nachteile, wenn Kapital für Investitionen nicht zur Verfügung steht, sondern durch Konsum verbraucht bzw. vernichtet wurde. Läuft wohl wieder einmal unter dem Motto “Was man nicht sieht…”

  2. Thomas Holzer

    Wo kämen wir denn hin, wenn die Politik nicht mehr die Möglichkeit hätte, durch die Zentralbanken die Wirtschaft (zusätzlich) negativ zu beeinflussen 😉

  3. Graf Berge von Grips

    Warten auf noch niedrigere Preise…
    Funktioniert leider nicht bei Steuern und Abgaben…
    Schaaaaaaaade…

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  5. Thomas F.

    Alle steuergeldbezahlten Wirtschaftsexperten sind sich einig, dass 2% Inflation gerade richtig sind. Wer braucht da noch eine logische Begründung?

  6. Florian H.

    Komischerweise waren in der Geschichte der Menschheit jene Zeiten, in denen es keine Zentralbanken gab, die Zeiten mit der stabilsten wirtschaftlichen Entwicklung. Woran das wohl liegen mag? Ein Schelm, wer Böses denkt. Nicht nur bei modelltheoretischen Experimenten wurde bewiesen, dass Deflation grundsätzlich nicht schädlich ist, auch das “echte” Leben hat dies bewiesen. Die erratischen Konjunkturzyklen, die wir in der heutigen Zeit erleben, sind einzig und allein den (politisch) motivierten Eingriffen der Notenbanken zu verdanken. Diese glauben, mit ihren verzweifelten Eingriffen, ein völlig außer Kontrolle geratenes Geldsystem wieder kontrollieren zu können. Die Herrschaften werden ein böses Erwachen haben. Das Wesen eines ungedeckten Schuldgeldsystems ist es nun mal irgendwann zu implodieren. Je länger man diesen Zeitpunkt künstlich hinauszögert, desto schmerzhafter sind die Auswirkungen. Das war in Tausenden Jahren der Menschheitsgeschichte immer so. Es wird diesmal nicht anders sein, nur weil man glaubt, die Welt jetzt besser zu verstehen. Tut man nämlich nicht. Es sollte sich überhaupt jedem denkenden Menschen die Frage stellen: Welches Zahlungsmittel würde ein freier Mensch akzeptieren? Würde er einen ungedeckten Papierzettel mit dem Zahlungsversprechen alter Männer (= Zentralbank) akzeptieren, wovon er wüsste, dass dieser Papierzettel permanent weniger wert wird, weil sonst das System nicht laufen kann? Er würde sich wohl mit Graus abwenden. Genauso wird es zukünftigen Generationen gehen, die auf das aktuelle Desaster zurückblicken und sich fragen werden: Warum hat man das eigentlich gemacht? War den Leuten nicht bewusst, dass das noch nie funktioniert hat? Es ist erstaunlich, dass das aktuelle System überhaupt solange durchgehalten hat. Dies ist nur dadurch zu erklären, dass das ganze globale Geldsystem ungedeckt ist, also alle Länder in derselben Misere (mit unterschiedlich starken Ausprägungen) stecken. Das macht das großflächige Verschleiern natürlich einfacher, wenn man nicht Angst haben muss, dass einen der Nachbar aufdeckt. Fazit: Das alles wird kein gutes Ende nehmen und meine Generation (Anfang 30) wird leider live dabei sein.

  7. DailyMirror

    Die USA haben in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts jahrzehntelang Deflation gehabt, ohne dass dies zu wirtschaftlichen Krisen geführt hat.

    Oh ja, “Wirtschaftskrise” war in den USA gerade im 19. Jahrhundert quasi ein Fremdwort. Naja, mit ein paar klitzekleinen Ausnahmen halt:
    – Die “Panic of 1857”
    – Die “Long Depression” – aber die braucht man ja kaum zu erwähnen, hat ja bloß von 1873 bis 1879 gedauert. Lächerlich!
    – Die Rezession von 1882 bis 1885
    – Die Finanzkrise 1893
    -…….

  8. Thomas Holzer

    @Daily Mirror
    Und was haben wir heute?
    Dank(sic!) der Zentralbanken?
    Eine Krise ineinandergehend mit der nächsten

  9. Thomas Holzer

    @Daily Mirror
    Nachtrag:
    Es wäre Ihrerseits sehr aufmerksam, wenn Sie mal 2 Minuten Ihrer Zeit dafür verwenden würden, darüber nachzudenken, daß diese Welt nicht perfekt ist und NIE perfekt sein wird!

    Eben weil es Menschen wie Sie und mich gibt, gab und geben wird.

  10. DailyMirror

    @Thomas Holzer

    daß diese Welt nicht perfekt ist und NIE perfekt sein wird!

    Stimmt. Habe ich aber auch nie behauptet.

  11. Thomas Holzer

    @DailyMirror
    Das nicht, aber vieles anderes 😉
    Mit all seinen Unzulänglichkeiten, Fehlern; der Kapitalismus zwingt Niemanden, ihm zu folgen; der Sozialismus/Kommunismus/Nationalsozialimus zwingt jeden “Gegner” in ein Lager.
    Jedoch; die Politik tut alles, um nach dem grandiosen Scheitern des Sozialismus/Kommunismus/Nationalsozialismus, diesen “Ismen” per Richtlinie, Verordnung, Gesetz zum “Durchbruch” zu verhelfen

  12. Wettbewerber

    Die von unserem offenbar zum Hobby-Historiker mutierten DailyMirror erwähnten “Depressionen”, die allesamt ein Klacks gegenüber der Great Depression von 1929 bis 1941 waren, sind ebenfalls und ausschließlich Beispiele dafür, dass vom Staat geschützte (und mit staatlicher Währung agierende) Banken Zahlungsversprechen eingingen, die sie später nicht einlösen konnten bzw. Kredite ausgaben, die sich später als uneinbringlich erwiesen. Es ging damals zumeist darum, dass aufgrund des immensen Wachstums durch die zweite industrielle Revolution die entsprechenden hochgesteckten Erwartungen in Sachen Aktienpreisentwicklung letztlich nicht mit der Realität mithalten konnten… (kommt einem ja irgendwie bekannt vor, oder?).

    “Krisen” und “Depressionen” waren und sind also seit jeher Finanz- und Bankenkrisen, niemals “Wirtschaftskrisen”. Oder hat schon mal jemand von einer “Computerkrise”, “Fernseherkrise” oder “Babynahrungskrise” gehört? Überall, wo echter Wettbewerb herrscht, und der Staat sich nicht mit seinem Gewaltmonopol einmischt, sind solche “Krisenzustände” unbekannt und – mit etwas Hausverstand betrachtet – auch gar nicht möglich.

  13. Mourawetz

    An Daily Mirror:

    Ihre “Long Depression” ist ein Mythos: Preise fielen, aber die Folge war keine Depression wie Sie das meinen, sondern Wohlstand (da die Kosten ja auch fallen), Wirtschaftswachstum und ein genereller Anstiege des Lebensstandards für alle. Fallende Preise = Deflation! Der Autor hat also ganz recht, wenn er meint dass es in dieser Zeit keine wirtschaftlichen Krisen gegeben hat.

    In der “Panic of 1857” wurde ein Boom der durch heftige Kreditexpansion ausgelöst wurde beendet ( boom and bust), dauerte nur wenige Monate, tatsächlich nicht die Rede wert

    In der Finanzkrise 1893 hatte das amerikanische Finanzministerium die glorreiche Idee, den Goldstandard durch einen Silberstandard zu torpedieren. was eine weltweite Depression auslöste, die allerdings im gleichen Jahr wieder als beendet erklärt wurde.

  14. Florian H.

    @ Daily Mirror: ich habe ihren Kommentar erst jetzt gesehen, aber wie ich erfreut feststelle, brauche ich nicht mehr zu antworten, da andere User ihre zitierten “Krisen des 19. Jhdts.” als das geoutet haben, was sie waren: Kleinigkeiten im Vergleich zu den Krisen, die uns die politischen Zentralbanken bescheren bzw. ebenfalls durch staatliche Eingriffe/geniale Ideen ausgelöst.

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