7 Gedanken zu „Dem Gesetzgeber gewidmet

  1. Thomas Holzer

    Diese Wahrheit hindert aber “unsere” Politikerdarsteller leider nicht, unsinnige, widersprüchliche, unverständliche Gesetze sonder Zahl immer schneller und öfter zu beschließen.
    Würde jeder “Parlamentarier” verpflichtet werden, das Gesetz, welches beschlossen werden soll, vor Beschluß auch zu lesen und -vor allem- vollinhaltlich zu verstehen (müsste bei einer Prüfung verifiziert werden), würde diese Gesetzesmaschinerie inner 24 Stunden in sich zusammenbrechen, und die Untertanen aufatmen 🙂

  2. Selbstdenker

    @Thomas Holzer:
    “Diese Wahrheit hindert aber „unsere“ Politikerdarsteller leider nicht, unsinnige, widersprüchliche, unverständliche Gesetze sonder Zahl immer schneller und öfter zu beschließen.”

    It’s not a bug, it’s a feature. Die Unübersichtlichkeit, Widersprüchlichkeit und Un(an)greifbarkeit ist die gemeinsame Geschäftsgrundlage der Rabulisten, Rosstäuscher und Münzfälscher.

    Die Entstehung, Auslegung und Weiterentwicklung schriftlicher Normen ist spätestens seit der Umwandlung der EWG in jene postmoderne Organisation, die auf den Namen Europäische Union hört, komplett von der Bevölkerung entkoppelt.

    Der eigentlich höchste Amtsträger in der EU heißt Michel Foucault; er ist de facto Präsident vom EuGH, der Kommission und der EZB in einer (verstorbenen) Person.

  3. stiller Mitleser

    o.t. aber vielleicht doch nicht uninteressant:
    http://diepresse.com/home/wirtschaft/eco1848/5138658/Grosse-Oekonomen_Die-unsichtbare-Hand-der-Liebe?_vl_backlink=/home/index.do
    Ökonomen, die ihre Theorien auf Annahmen über anthropologische Konstanten bauen, sind – wie wir alle – durch frühe und familiäre Erfahrungen beeinflußt, die Wahrnehmung und Perspektive stark bestimmen.
    Keynes hat im Freundeskreis der libertären Bohemiens der Bloomsbury Group (über die es viel Literatur gibt) gelebt, finanziell sehr abgesichert.
    Das soll nicht einer psychologisierenden Reduktion von Theorien das Wort reden, aber doch dran erinnern, wie stark psychisch determiniert auch intellektuelle Konzepte sein können.

  4. Selbstdenker

    @stiller Mitleser:
    Wichtig erscheint mir im verlinkten Artikel der folgende Abschnitt zu sein:

    “Viele Kritiker reduzieren Smith auf diese unsichtbare Hand […] Tatsächlich tue man Smith mit dieser einseitigen Betrachtungsweise Unrecht, sagt der tschechische Ökonom Tomáš Sedláček – und verweist auf Smiths erstes Werk „Theorie der ethischen Gefühle“. Darin betont Smith, dass die Gesellschaft aufgrund von Sympathie zusammenhält, dass der Mensch nicht von Natur aus Egoist ist, sondern „dazu bestimmt“ sei, „an dem Schicksal anderer Anteil zu nehmen“. All dies – so Sedláček – setze Smith auch in seinen ökonomischen Schriften voraus. Wenn er also vom Eigennutz spricht, dann im Sinne der goldenen Regel: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“

    In Abwandlung eines Zitates von Andrew Breitbart (“Politics is downstream from culture”), würde ich sagen: Economic policy and theory is downstream from culture.

    Wirtschaftspolitik baut auf ökonomische Theorien auf, die wiederum auf kulturelle Grundannahmen und deren philosophischen Grundlagen aufbauen. Das ist die Seite des Modells.

    Auf der anderen Seite steht die ökonomische Realität, die durch individuelle menschliche Bedürfnisse einerseits und knappe verfügbare Ressourcen anderseits geprägt ist.

    Die Stärke eines ökonomischen Konzeptes bemesse ich daran, inwiefern es in der Lage ist innere Widersprüchlichkeiten im Modell aufzulösen und sich an die Realität und ihren permanenten Veränderungen anzupassen.

    Das was die Menschen zu schaffen bzw. zu verstehen versuchen ist weder abschließend noch unendlich. Es gibt nun mal das Framing Problem und selbst das Mooresches Gesetz neigt sich dem Ende zu.

    Der Grundstein der furchtbarsten, von Menschen initiierten Katastrophen wurde stets in Phasen gelegt, in den man sich abschließendes Wissen zugetraut hat.

    Nichts ist spannender als eine permanente Entdeckungsreise und nichts ist gefährlicher als eine Utopie, die auf Wissensanmaßung aufbaut.

  5. Selbstdenker

    @stiller Mitleser:
    Abschließend noch ein Wort zu den familiären Verhältnissen von Keynes: die von einer mangelnden Nestwärme geprägte – aber finanziell gut abgesicherte Kindheit – passt zu ihm.

    Ihn würde ich auch als Begründer des sich gerade totlaufenden Konzeptes vom modernen Wohlfahrtsstaat bezeichnen: löse soziale Probleme durch das massenhafte Reinschütten von ungedecktem Geld in die offenen Wunden.

  6. stiller Mitleser

    @ Selbstdenker
    danke für Ihre sehr interessante Antwort,
    Keynes und die Bloomsbury Group (deren Ästhetik ich allerdings sehr mag) mit ihrem libertären Anti-Viktorianismus und Individualismus sind auch die Auflöser streng ödipaler, patriarchaler Strukturen und Vorläufer präödipaler, changierender, poly-irgendwas -Geschwistergruppen, die das gegenwärtig ventilierte Ideal darstellen.

  7. cmh

    Der Parlamentarismus ist heute zum perpetuum mobile verkommen:

    Durch die vielen, schlecht weil unklar gemachten Gesetze werden immer mehr unwillentlich (!!!) zu Gesetzesübertretern. Dadurch werden immer wieder neue unklare Gesetze zur Bestrafung und “Nachjustierung” erforderlich. Auch Reformen von Materien, die eigntlich in Vertragsautomie geregelt werden sollten werden als Gesetze gesch…ssen. Dadurch sind immer wieder neue Gesetze erforderlich.

    Das Ganze ist also nicht nur ein perpetuum mobile des Parasitentums, sondern auch noch eine Sinekure, die man nur schwer wieder aufgibt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.