Der Bauer als Inkassant

(C.O.) Die Lobby der Bauern reagiert auf die Einfuhrbeschränkungen der Russen so, wie sie auf alles reagiert: sie verlangt Geld vom Staat (und wird es natürlich auch bekommen). Sich statt dessen neue Kunden und neue Märkte zu suche, ist zwar jedem Industriebetrieb, jedem Handelsunternehmen und jedem Tourismusbetrieb zuzumuten, der unter den Sanktionen leidet – aber natürlich nicht den Bauern. Da stellt sich schon irgendwie die Frage: warum eigentlich?

10 comments

  1. Super_Mario

    Sehen Sie sich einmal das Gemecker an, wenn es in Österreich einmal nicht ganz so viel regnet wie sonst.
    Dann spricht man gleich von “verheerenden Ernteausfällen”, “schrecklichen Bedingungen” , dem”schrecklichen Klimawandel”.
    Ganz so, als ob gleich eine Hungerperiode ausbrechen würde, die hunderte Menschen dahinrafft.
    Am liebsten würd ich sie dann in die Trockensavannen von Afrika schicken, damit sie lernen, was es heißt unter “”schwierigen Bedingungen” anzubauen.

  2. Rennziege

    Die Landwirtschaft hält sich immer noch für den edlen “Reichsnährstand”, zu welchem die Nazis die Bauern erhoben. Die EU bestärkt diesen Adelsrang mit ihrer krankhaften Agrar-Subventionitis, gegen alle Vernunft, seit ihren EWG-Kindertagen: mit absurden, alljährlich größeren Summen, deren betrügerische Erschleichung dem geübten Landmann ein Leichtes ist.
    Sich neue Märkte suchen, wenn ein alter dicht ist? Gott soll abhüten! Die “Hüter der Heimatscholle” sind seit Ewigkeiten gewohnt, am Tropf der Steuerzahler zu hängen.

  3. Der Realist

    das Jammern will halt auch gelernt sein, und wenn es hilft, warum nicht. Aber kaum einer, der über die Bauern als Empfänger von Förderungen schimpft möchte deren Arbeit machen, und kaum einer, der darüber schimpft, wenn der Verkaufspreis von einem Liter Milch um 10 Cent erhöht wird, regt sich über Euro 4,30 für ein Krügel Bier auf. Über Millionen an Förderungen im Kunst- und Kulturbereich und an dubiose Vereine und Organisationen regt sich so gut wie niemand auf, zumindest nicht öffentlich wahrnehmbar, von den Millionen die im öffentlichen Bereich nur aufgrund von Unfähigkeit verschwinden redet auch kaum jemand.
    Vielleicht stellt Herr Dr. Ornter auch einmal die Sinnhaftigkeit dieser Sanktionen infrage.

  4. mh

    Das Verlangen nach “Geld vom Staat” ist in diesem Fall sogar korrekt, weil Schadenerstaz. Nur durch das schuldhafte Verhalten des Staates ist den Unternehmern überhaupt ein Schaden entstanden.

  5. DNJ

    @Rennziege
    Geh bitte, nicht solch undifferenzierte Aussagen. Kein Bauer exportiert mangels Dimension seiner Erträge direkt nach Russland, das läuft über Exportfirmen oder die Raiffeisen-Onkels, die dafür kräftig mitschneiden, wie auch ein großer Teil der Agrarsubventionen an große Firmen wie Rauch oder Agrana fließt bzw. an Vermarktungseinrichtungen, nur ein kleiner Teil kommt bei den Bauern an, für viele nur ein paar hundert Euro im Jahr. Hier schlägt man wieder mal den Sack und meint den Raiffeisen-Esel.

  6. gms

    Der Realist,

    “das Jammern will halt auch gelernt sein, und wenn es hilft, warum nicht.”

    Ein Rad, das geschmiert werden will, muß laut und vernehmlich quietschen. Damit ist die offizielle Gebrauchsanleitung fürs Ein- und Auskommen in Austriachstan inhaltlich vollständig wiedergegeben. Allfällige Randbemerkungen und Fußnoten umfassen Aufzucht und Pflege geeigneter Schmiermeister sowie die Einrichtung diverser Verstärkeranlagen mit High-Pass-Filtern.

  7. Rennziege

    9. August 2014 – 19:53 DNJ
    “Geh bitte, nicht solch undifferenzierte Aussagen. Kein Bauer exportiert mangels Dimension seiner Erträge direkt nach Russland, das läuft über Exportfirmen […]” — O.K., mag sein.
    Meine von Ihnen inkriminierte “Aussage” knüpfte an Christian Ortners Text an. Und mit Verlaub, Euer Gnaden: Ich finde immer noch, dass er recht hat. Dass der Löwenanteil der Subventionen leider an Agrarfabriken geht, ist eh klar. Aber auch der alpine Kleinbauer lebt sehr gut davon, wenn er wendig ist.

  8. Selbstdenker

    Weniger Aufgeregtheit könnte den Debatten um landwirtschaftliche Subventionen nicht schaden. Es gibt – so glaube ich – nur wenig Bereiche in denen die breite Masse so wenig Einblick hat und gleichzeitig so viel zu wissen glaubt.

    Zunächst würde ich gerne den Grund kennen, warum heimische Medien fast ausschließlich nur mehr auf “die Bauern” eindreschen, obwohl diese in der Gesamtbilanz der österreichischen Misswirtschaft einen vergleichsweise kleinen Teil zu verantworten haben. Hat man sich hierzulande mit den ÖBB-Frühpensionen, den Beamtenpensionen, Bestechungsinseraten, dem kostspieligen Pseudo-Föderalismus, die hohe Parteienförderung, Sinnlos-Tunnelprojekten und dergleichen etwa schon abgefunden?

    Erstaunlich war die Vorgangsweise ausbezahlte Agrarförderungen – wenn auch nur für einen Zeitraum von zwei Jahren – mit Vornamen, Nachnamen und Ortsangaben der Bezieher online zu stellen. Nicht das ich etwas gegen Transparenz bei der Ver(sch)wendung öffentlicher Gelder hätte. Nur sollte man dann auch so konsequent sein und sämtliche öffentlichen Transferleistungen (Wohnbaubeihilfe, Förderungen diverser Vereine und Organisationen, etc.) online zu veröffentlichen.

    So kreist die Debatte nun halt ausschließlich um “die Bauern”, was für manche Profi-Subventionsempfänger den angenehmen Nebeneffekt haben dürfte, dass Geldverschwendung im wirklich großen Stil – aus den Augen und den Sinn der Öffentlichkeit – völlig unbehelligt stattfinden kann.

    Dass sich die meisten Leute über die Förderung ihres Nachbarn aufregen, jedoch mit der Tatsache kein Problem haben, dass der Löwenanteil an Agrar-Fördergelder an Firmen fließt, die überhaupt nichts mit der Landwirtschaft zu tun haben, sagt einiges über den Charakter der Berufsempörten aus. Und noch erbärmlicher ist es, wenn dies ausgerechnet solche Leute tun, die größere Summen an Wohnbauförderung beziehen und im großen Stil Pfuscher einsetzen.

    Man wird die Drogenkriminalität in Mexiko nie in den Griff bekommen, wenn man die einzelnen Organisationen sequentiell bekämpft: freiwerdende Umsatzanteile werden sofort von den anderen rivalisierenden Gruppen vereinnahmt. Und diese werden umso mächtiger und brutaler, je weniger davon übrig bleiben.

    Ähnlich verhält es sich mit der Bekämpfung von Misswirtschaft bestens organisierter Anspruchsgruppen in Österreich: sollte künftig eine Anspruchsgruppe Subventionseinbussen hinnehmen, werden andere Anspruchsgruppen entsprechend größere Forderungen stellen. Wer hier glaubt, dass solche Einsparungen zur Entlastung der Steuerzahler verwendet werden, ist reichlich naiv!

    Sinn würde es machen die Methodik der organisierten Anspruchsgruppen zu durchleuten und mit den gewonnenen Erkenntnissen in sämtlichen Bereichen gegen Subventions- und Privilegienexzesse vorzugehen. Meist werden prekäre Fälle vorgeschoben und um große Geldströme in die Taschen anderer in Bewegung zu setzen.

    Abschließend möchte ich darauf hinweisen, dass es sich auch bei der heimischen Medienlandschaft um ein Subventionsbiotop von vielfach unterschätzter Größenordnung handelt.

  9. Christian Peter

    Wenn sich Vertreter von Printmedien gegen Subventionen aussprechen, hat das ein wenig Geschmäckle. Immerhin werden auch klassische Printmedien nur durch Unsummen an Subventionen aus öffentlichen Mitteln künstlich am Leben erhalten.

  10. FDominicus

    Ich bin hier auf der Seite von mh. Warum wurde denn der Markt “dicht” gemacht, weil es die Politiker so wollten. Schadensersatz wäre da durchaus angebracht.

    Insgesamt aber wäre es richtig, keinerlei Subventionen für die Landwirtschaft zu verteilen. Auf der anderen Seite, ist gerade der Landwirtschaftsbereich schon mit Erlassen, Forderungen völlig überreguliert.

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