Der Bundesminister für Banalität & Blasmusik

(MARTIN VOTZI) Schon als Verteidigungsminister hat Gerald Klug durch seine Verhaltenskreativität geglänzt. Seine Kooperationsbereitschaft mit dem Finanzminister bleibt wohl unerreicht, denn kein Ministerium hat Sparvorgaben so brav umgesetzt wie er. Böse Zungen behaupten zwar, dass dadurch die Einsatzbereitschaft des Bundesheers nachhaltig beschädigt worden ist. Klar, er hätte diese Anfeindungen mit bekannt situationselastischer Bravour widerlegen können, aber da ereilte ihn der Ruf in seine eigentliche Heimat.

Dies deklamiert Herr Klug in einem Presse-Interview vom 11. Februar,  untermalt von einem Foto, das ihn im Rausche der Begeisterung über dieses Endlich-Nach-Hause-Kommen voll Tatendrang und Aufbruchstimmung zeigt. Für alle die das Interview nicht gelesen haben: „Heimkehr“ deshalb, weil der Herr Minister schon seine erste Chance im Schoße der Industrie als Dreher genutzt hat.

Schön für ihn, aber mir ist dabei nicht klar geworden, was sein neuer Job als Minister für Verkehr, Innovation und Technologie so unmittelbar mit der Industrie zu tun hat. Irgendwie natürlich schon, aber das haben viele andere Ministerien auch, wie z.B. das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft als „Hauptministerium für Wirtschaft“, das Finanzministerium wegen der Steuerpolitik, das Sozialministerium wegen der Arbeitsmarktpolitik und natürlich auch das Bildungsministerium, das für Industriebeschäftigte von morgen eine gute Bildungsbasis legen soll.

Lassen wir aber diese Spitzfindigkeit. Ein Interview mit Herrn Klug gibt üblicherweise viel mehr her.

Wir erfahren zum Beispiel, dass es bei der ÖBB keinen aktuellen Einsparungsbedarf gibt.  Es erübrigt sich, dieses klare Statement zu kommentieren. Herr Klug ist für seine fundierten Analysen bekannt. Unser geschätzter Herr Minister hat aber überdies dazu gelernt. Während die Blasmusik des Bundesheers noch dem Sparstift zum Opfer fallen sollte, stellt er die Musikkapellen der ÖBB außer Streit. Geht doch.

Wenn er nach dem fragwürdigen Umgang mit Vergabevorschriften durch die Direktvergaben an die ÖBB gefragt wird, zeigt er sofort wieder seinen ausgeprägten Hang zur bedingungslosen Loyalität. Das steht halt so im Regierungsprogramm. Punkt.

Um die Frage, ob damit nicht die Konkurrenz ausgeschaltet wird, mit „Ja und Nein“ beantworten zu können, bedarf es eben des unter Politikern häufig anzutreffenden, bei Herrn Klug aber zur Meisterschaft vervollkommneten Talents zur situativen Elastizität.

Dieses Begabung zeigt er auch, wenn er zu etwas wichtigeren Themen als der Blasmusik humoresk reagiert: „Herrlich. Fünf Minuten, und die ganzen heißen Themen sind schon da.“

Der Herr Minister schafft es dann aber im Bruchteil einer Sekunde mit folgender Aussage wieder ernst und sachlich zu werden: „Man muss alle Vor- und Nachteile für die Republik gut abwägen.“

Dieser staatstragende Satz, der nicht unbedingt sinnerfassend gelesen werden muss, überzeugt mich. Sein Name ist Programm.

 

9 comments

  1. Urban Galler

    ein linker Taugenichts bleibt eben einer , egal in welchem Ressort. Die geistigen und moralischen Defizite lassen sich in diesem Alter nicht mehr beheben.

  2. Falke

    Statt mit “Soldatna” hat es der Herr Klug nun mit “ÖBB-Beamtna” zu tun. Große Sorgen macht er sich zweifellos, wer ihn in Ermangelung des Bundesheer-Fahrers nun zu seinen privaten Besuchen nach Frankreich chauffieren wird. Muss er in Zukunft gar mit der ÖBB dorhin fahren? Natürlich erste Klasse, aber bis zur Haustür bringt ihn die Bahn wohl nicht. Er wird aber sicher auch hier eine situationselastische Lösung finden.

  3. Der leiwaunde Johnny

    Und trotzdem. In Österreich gilt: Die FPÖ hat keine Persönlichkeiten, um gute Regierungsarbeit zu leisten. Das werden Ihnen alle ach so Intellektuellen im Lande unterschreiben. Wie intellektuell muss man sein, um die gegenwärtigen Regierungsmitglieder im vollen Ernst als höher qualifiziet einzuschätzen?

  4. Wanderer

    @Johnny
    Diese “Intelektuellen” haben irgendein geisteswissenschaftliches oder künstlerisches Studium absolviert und sind gern im staatlich subventionierten Kunst- oder Medienbereich tätig. Von denen kann man nicht erwarten, dass blaue Juristen oder Betriebswirte als ministrabel eingestuft werden. Wessen Brot ich ess’, …

  5. Wanderer

    Man verzeihe mir das übersehene l. Blöd, gerade bei dem Wort. In diesem Forum ist das ja glücklicherweise noch ein Anlaß zur Kritik.

  6. Ehrenmitglied der ÖBB

    @ Thomas Holzer
    ihre Diagnose ist richtig, aber zum Peter Prinzip gehören immer Zwei: einer der befördert wird und ein anderer der befördert!
    Der römische Rechtsgrundsatz der “culpa in eligendo” ist auch hier noch wirksam! 🙂

  7. gms

    Wanderer,

    “Man verzeihe mir das übersehene l. Blöd, gerade bei dem Wort.”

    Keine Sorge, unter Anführungszeichen güldet es, ohne solche hätte es wohl ‘Intetüllen’ lauten müssen. Nachdem der dressierte Untertan seiner vorigen Sprache beraubt oder ihm deren Verwendung unter dem drohenden Holzhammer einer inteblafaselhaften Diskurshoheit untersagt wurde, schafft er neue Ausdrucksformen, darauf vertrauend, das Wort sei schärfer als das Schwert.

    Der ‘Intelektuelle’ hat demgemäß nicht mehr alle L’s an der Tanne, im Tausch gegen glitzernde Quasten als speeeichelll-leckender Hofnarr. Das wiederum in einer Zeit ohne jeden echten Fasching, den heute der Bundeskasperl an 365 Tagen des Jahres ausfüllt, umgeben von Ministern für Blasmusik, die ihren Job ganz im Geiste von Radoslaw Sikorski wahrnehmen.
    Das politische System rinnt durch Leakages aus wie der Atlantik im Papierfilter der Größe zwo, und würde der politmediale Täterverbund nicht auch ohne äußeres Zutun darin ersaufen, bedürfte es bloß eines Nadelstichs in die Schwimmwesten aus Zeitungspapier.

    ‘Lassen wir aber diese Spitzfindigkeit’, artikullierte oben noch einsehbar ein Hofnarr. Nein, sei dem entgegnet, der Spaß fängt gerade erst an.

  8. Wanderer

    Gms
    Der Kraus hätte eine wahre Freude: linguistisch als auch inhaltlich. Denken sie über eine Fortsetzung der letzten Tage der Menschheit und der 3. Walpurgisnacht nach! Das wäre der Abschluss einer satirischen Katastrophentrilogie Mitteleuropas aus österreichischer Sicht. Sie schaffen das.

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