Der Fall Pilz: Die Korrektheit frisst ihre Kinder

Von | 5. November 2017

(GEORG VETTER) Ende der 80er Jahr hatte ich als Student der Volkswirtschaft einmal eine längere Unterredung mit einer Kommilitonin, die mir über ihre Zeiten in der GRM (Gruppe revolutionärer Marxisten) erzählte. Sie war eine von jenen, die am 1. Mai nicht vor dem Rathaus (SPÖ), sondern vor dem Parlament (KPÖ) den Reden lauschte. Nebenbei erwähnte sie auch, dass sie einige Zeit mit dem gerade gewählten Nationalratsabgeordneten Peter Pilz in einer WG gewohnt habe. Er soll einer der aktiven Mitglieder dieser Gemeinschaft gewesen sein.

Wenn sich Peter Pilz heute als „älteren mächtigen Mann aus einer anderen Kultur“ beschreibt, mag er durchaus Recht haben – mit der Ausnahme, dass das mit der Macht eher dem Bereich des Wunschdenkens zuzuordnen ist. Denn selbst die Entfernung der Grünen aus dem Parlament ist, wie er selbst sagt, weniger sein Verdienst als jenes der Wähler. Der Atomkrieg, den die Grünen nun gegeneinander führen, erinnert sehr an die französische Revolution, die auch schon ihre Kinde fraß. Die wechselseitige Vernichtung der grünen Grüppchen wird der neuen Regierung den Start nicht gerade erschweren.

Ob es auch ohne Pilz eine Neuauflage des Eurofighter-Untersuchungsausschuss geben wird, erscheint fraglich. Der einzige Sinn eines solches Ausschusses wäre ja nur darin gelegen, Peter Pilz bis zur Pensionierung eine Showbühne auf Staatskosten zur Verfügung zu stellen. Ohne Pilz bedarf es aber keiner solchen Show. Kuriosität am Rande: Dadurch, dass er nicht mehr in den neuen Nationalrat einzieht, bliebt es dabei, dass er nach mehr als 30 Jahren die letzten drei Parlamentssitzungen als sogenannter „wilder Abgeordneter“ in der letzten Reihe verbrachte – direkt hinter mir.

Wenn Pilz zurücktritt a) wegen eines Vorfalls, den er bestreitet, und b) wegen eines Vorfalls, an den er sich nicht erinnert, setzt er neue Maßstäbe. Sollten diese Maßstäbe in Zukunft das Entlassungs- und Kündigungsschutzrecht konkurrenzieren, könnten die Gewerkschaften vor neue Herausforderungen gestellt werden. Erinnerungen zum passenden Zeitpunkt könnten etwa dazu führen, dass man unliebsame Mitarbeiter oder gar geschützte Betriebsräte in Rekordgeschwindigkeit los wird. Dann frisst nicht nur die Revolution, sondern auch die politische Korrektheit ihre Kinder.

P.S.: Was aus der eingangs erwähnten jungen Dame geworden ist? Ich habe sie aus den Augen verloren. Nur einmal habe ich sie nach etwa zehn Jahren nochmals gesehen – als sie an der Garderobe eines Wiener Nobelballs ihren Pelzmantel abgab.

23 Gedanken zu „Der Fall Pilz: Die Korrektheit frisst ihre Kinder

  1. Thomas Holzer

    Das, was “Die Grünen” führen, ist wohl kein Atomkrieg, sondern vielmehr ein lächerliches Scharmützel, dafür aber mit ziemlich großen Kollateralschäden.

    Ein Scharmützel ist kein Atomkrieg, ein Meilenstein kein Quantensprung, vice versa

  2. Kluftinger

    Fragen aus anderen Foren: Hat auch der amtierende BP VdB von den Vorwürfen gegen Peter Pilz gewusst?
    Wenn ja, welche weiteren Fragen ergeben sich daraus? (Könnte es sein, dass VdB damals nicht “korrekt” genug war und das gedeckt hatte?)

  3. Rado

    Der überstürzte Rücktritt von Peter Pilz überrascht doch etwas. Ist da noch mehr?

  4. Johannes

    Me too hat zum größten Teil nichts mit echten schweren Mißbrauchsfällen zu tun würde ich mal behaupten.
    Ja es wird sehr viele Männer geben die sich dumm, manche auch widerlich, manche unter Ausnützung ihrer Machtstellung zudringlich bis sehr zudringlich verhalten haben.
    Was jetzt abgeht ist ein Wettbewerb im me too, plötzlich werden um in die Medien zu kommen Geschichten die Jahrzehnte zurückliegen in allen Hochglanzformaten willig ausgebreitet, man will dabei sein bei diesem Hype und bei allem Respekt es steigert sich zur Hysterie.
    Vergewaltigung ist ein Verbrechen für das es keine Entschuldigung gibt.
    Was sich zB. in Köln abgespielt hat war ein Verbrechen, denn wenn einer Frau Gewalt angetan wird und sie keine Möglichkeit hat sich zu wehren so ist es ein Verbrechen was ihr angetan wird.

    Wenn ein Mann sich blöd verhält aber man zu jeder Zeit die Möglichkeit hat in auf der Stelle zurechtzuweisen
    und dies auch tut so ist man eine selbstbewußte Frau.
    Tut man es 20 Jahre später so ist es doch ein wenig komisch, für mich zumindest.
    Die Sache mit Pilz ist so eine, das mit der Kollegin ist nach meiner Meinung schlicht ein politischer Fangschuß grüner Racheengel, es war so wie es ausschaut ein Blattschuß der dem Hirschen ins Herz gesetzt wurde.
    Weidmanns Heil kann man da nur sagen.
    Das mit der politischen Kontrahentin bei einem Forum muß wirklich unter außergewöhnlichen Umständen zustande gekommen sein, aber auch da wäre es nobler gewesen, ihm, wenn es so war, eine zu schmieren und die Sache dabei zu belassen.
    Welch eine Farce geht da ab, man muß es sich wie ein Muselmane wirklich schon überlegen ob man sich getraut einer Frau noch die Hand zu geben.
    Wer weiß, wer weiß?

  5. astuga

    @Kluftinger
    VdB ist doch parteilos und unabhängig – wußten Sie das etwa nicht? 😉

  6. Rado

    Dass Pilz sich an den Vorfall in Alpach 2013 nicht erinnern können will, kann er übrigends wem anderen verzapfen. Mir nicht.

  7. Rado

    Ps: Und das mit 58 Jahren. Das sieht nicht nach einem Anfänger aus.

  8. Mona Rieboldt

    Es sollen verbale Mißbrauchsfälle gewesen sein , Hand auf’s Knie. Dagegen kann sich Frau wehren. Offenbar gefällt es aber besser, sich als Opfer darzustellen. Ein Kompliment soll ja schon Mißbrauch sein. Und immer mehr Frauen melden sich, geradezu eine Welle der Hysterie.
    Und wenn ein Mann Geld, Macht, Ansehen hat, zieht das Frauen an. Ein reicher 70jähriger Mann hat dann ein 25jähriges Model am Arm, ein 70jähriger mit Durchschnittsrente sicher nicht.
    Das wird auch nicht anders bei Weinstein gewesen sein. Und wenn eine sich vor 30 Jahren einiges von ihm gefallen ließ, um ja eine Filmrolle zu bekommen, sollte sie heute nicht von Mißbrauch sprechen. Für diese Schauspielerinnen ist es zum einen Publicity und zum anderen kann es in USA Millionen bringen.
    In A und D ist es Rufmord am Gesetz vorbei.

    Frauen sind keine Opfer, sie müssen weder alles mitmachen, noch sich alles gefallen lassen. Ausnahmen sind Vergewaltigung und Attacken von Rudeln Nafris, Asylanten.

  9. Rado

    Gab es da nicht 2015 nicht auch eine Geschichte mit Pilz dem Flüchtlingsretter aus Ungarn?

  10. astuga

    @Mona Rieboldt
    Ich sehe das wie sie und wohl auch Nina Proll.
    Tatsächliche sexuelle Belästigung oder gar Übergriffe sind inakzeptabel, darüber braucht man gar nicht zu diskutieren.
    Aber gegen Belästigungen kann sich auch jeder zur Wehr setzen – und sei es nach einer Schrecksekunde unmittelbar danach.

    Wenn einem das erst Jahre oder gar Jahrzehnte später einfällt, naja…
    Leider kann man einen Mann damit auf die einfachste Weise in Misskredit bringen oder vor Gericht.
    Irgendwas bleibt ja doch immer hängen.
    Und natürlich wird von manchen Frauen Sexualität auch gezielt zum eigenen Vorteil eingesetzt, und von manchen Männern bereitwillig akzeptiert und ausgenutzt.
    Das ist weder neu noch originell (und wohl auch nicht besonders sympathisch), aber heutzutage passt das natürlich nicht in die politische korrekte Selbstwahrnehmung.

    Soweit es Grüne betrifft, ich brauch da nur an Joschka Fischer denken.
    Der selbst in seinen körperlich unattraktivsten Zeiten immer mit einem anderen “jungen Gemüse” aufgetaucht ist.
    Über Cohn Bendit und seine fragwürdigen Aussagen zur kindlichen Sexualität (siehe youtube) breiten wir lieber das Schweigen – so wie schon die Medien und seine linken Parteikollegen.

  11. Selbstdenker

    @astuga:
    Treffender Kommentar.

    “Und natürlich wird von manchen Frauen Sexualität auch gezielt zum eigenen Vorteil eingesetzt, und von manchen Männern bereitwillig akzeptiert und ausgenutzt.”

    Bemerkenswert ist, dass es offenbar viele Frauen gibt, die zuerst “mitspielen” und sich hinterher, nach Jahren und Jahrzehnten im nunmehrigen oberflächlich prüden anglo-sexuellen sozialen Klima plötzlich wieder erinnern, womit ihre Karriere einst begann.

    Um es hier in aller Deutlichkeit zu sagen: selbstverständlich verurteile ich Vergewaltigungen und sexuelle Übergriffe. Der Strafrahmen für schwere sexuelle Delikte sollte angehoben, die Ermittlungsmethoden qualitativ verbessert und der Opferschutz umfassender werden.

    Was ich aber auch scharf verurteile, ist, wenn der Begriff “Vergewaltigung” von Feministinnen immer mehr vernebelt und verbreitert wird, um den Vorwurf einer Vergewaltigung bewusst als Waffe einsetzen zu können.

    Den Frauen werden diese Aktivistinnen damit keinen Gefallen tun, weil die Rape-Keule, so wie aktuell die Nazi-Keule, damit schnell abstumpfen wird.

    Aber vielleicht ist gerade das das Ziel: Äquidistanz über Inflationierung herstellen. Wer erhebliche Schuld auf sich geladen hat, schmeisst so lange mit Dreck rum, bis niemand mehr etwas von dieser Sache hören will und keiner mehr einen Sinn für Zusammenhänge und Maßstäbe hat. Es heisst dann: “die Gesellschaft ist schuld” oder “alle sind schuld”, etc.

    Man denke hier an die Vorfälle bei der Kölner Silvesternacht. Feministinnen versuchten die sexuellen Übergriffe, die von männlichen Flüchtlingen begangen wurden, sofort auf alle Männer umzulenken. Die Versuchung dem selbstdefinierten Feind eines auszuwischen war wohl höher als jenen, die man zu vertreten vorgibt, zu helfen.

    Bei den aktuellen Kampagnen geht es nur sehr am Rande um Sex, sondern primär um Machtverhältnisse. Das sagen sogar die Anführerinnen aus dem SJW-Milieu recht freimütig. Übersetzt: alles um was es geht, ist Macht. Und im Kampf um Macht ist jedes Mittel recht. So werden die Erlebnisse der Opfer bewusst politisch missbraucht, um andere Ziele voranzutreiben.

    Es sollte allmählich jeden klar werden, dass es sich beim Feminismus in seiner heutigen Form um ein Supremacist Movement handelt, ähnlich wie wei Blacks Live Matter und den durch ihren Aktivismus spiegelbildlich wieder auferstandenen weissen Rassisten.

    Sie behaupten eine bestimmte, jeweils nach künstlichen Kriterien abgegrenzte Bevölkerungsgruppe zu vertreten, obwohl sie dazu weder Legitimation noch Mandat haben. In Wahrheit vertreten sie nur sich selbst und ihre radikale Agenda, die eizig darauf abzielt sich Vorteile durch die Abwertung anderer Menschen zu verschaffen. Und sei es nur der Ego-Kick.

  12. Der Realist

    Und die Schadenfreude dürfte wohl groß sein. Hat es doch einen erwischt, der stets den Obermoralisten, den politisch Überkorrekten gespielt hat, einen, der nicht müde wurde beim Versuch eine ganze Nation nach seinen Vorstellungen umzuerziehen. All die Häme die die Grünen jahrzehntelang über Andersdenkende ergossen haben, fällt ihnen jetzt auf den eigenen Kopf.

  13. Erich Gollner

    Wie glaubwürdig für Frauenrechte eintretend sind jene, die sich über betrunkene Annäherungsversuche echauffieren, nicht aber über ECHTEN Missbrauch und Gewalt gegen Frauen, von Verhüllung bis Steinigung? Die Pilz aus dem Parlament, zugereiste Vergewaltiger aber nicht aus dem Land werfen wollen?
    Eines muss klar sein: die Pilz’schen Aktionen waren wohl keine Einzelfälle. Taten, die er in seinem Alter und unter Alkoholeinfluss gesetzt hat, führten bestimmt bisher oft genug zum Erfolg …

  14. AD

    @Mona Rieboldt

    ” Und wenn eine sich vor 30 Jahren einiges von ihm gefallen ließ, um ja eine Filmrolle zu bekommen, sollte sie heute nicht von Mißbrauch sprechen…….”

    ….denn sie hat sich ja (im weiteren Sinne) prostituiert um das zu bekommen was sie wollte. da ist es unerheblich ob es um eine Filmrolle oder um Geld ging

  15. Falke

    @Rado
    Pilz ist bereits 63. Da darf man schon vergesslich sein, oder? 🙂

  16. Christian Peter

    Hoffentlich wirft Peter Pilz nicht das Handtuch, denn mit der Neuauflage von Schwarz – Blau wird jede Menge Arbeit zukommen auf die Staatsanwaltschaften und Politiker der Opposition.

  17. enp

    diese zumeist haltlosen Beschuldigungen sind wohl noch ein letztes instinktives Aufbäumen der Weiberweltm bevor sie dann in ein paar jahren unters Kopftuch muß.
    Ansonsten Schauspielerinnen, die im Austausch für ne lukrative Filmrolle den Produzenten an ihre Wäsche lassen – wie nennt man das nochmal in der realen Welt? 🙂

  18. Rado

    Hier haben wir noch einen der Schutzsuchenden von Peter Pilz und FreundInnen bei der Ausübung seiner Menschenrechte.
    http://mobil.krone.at/596865
    Je schneller dieses verkommene Grünen Mileu aus der Politik verschwindet, desto besser.

  19. Christian Peter

    @Rado

    Sehe das entspannter. Was die Grünen vorschlagen, das setzen die anderen Parteien seit Jahrzehnten um. Nicht umsonst bilden die Grünen sowohl auf Landes- als auch auf Gemeindeebene Regierungen mit der ÖVP, mit den Sozialdemokraten und mit der FPÖ nur deshalb nicht, weil diese Variante rechnerisch nirgendwo möglich ist.

  20. Rado

    PS: Mir ist immer noch ein Rätsel, wieviele Leute Peter Pilz seinen Aufdeckerschmäh abkaufen.
    Welche “Schweinereien” hätte denn der Dr. Peter Pilz, “ans Licht gebracht”? Der war stets ein medial gut vernetzter Trittbrettfahrer auf Skandalen, die damals noch wirklich recherheire Journalisten “aufdeckten”. Was allerdings zu ihm “aufgedeckt” wurde, war im Jahre 1985, dass der Sohn aus der gehobenen SPÖ-Politnomenklatura im steirischen Kapfenberg, vom damaligen Wissenschaftsminister Heinz Fischer seine Dissertation beim Professor Van der Bellen mit knapp 400.000 Schilling aus Steuergeldern gesponsort bekam!. Nachzulesen in einer parlamentarischen Anfrage des ÖVP-Abgeordneten Anton Wimmersberger in 1985.

    https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XVII/J/J_02025/imfname_404226.pdf
    https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XVI/AB/AB_01357/imfname_452681.pdf

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