Der Fluch der Gleichheit

(MARCUS FRANZ) Der mythische Riese Prokrustes war der erste bekannte Gleichheitsfanatiker. Er war ein Wegelagerer und bot scheinheilig allen Reisenden, die bei ihm vorbeikamen, ein Bett an. Waren die armen Ankömmlinge für sein Bett aber zu groß, so hackte er ihnen die Gliedmaßen ab, bis sie hineinpassten. Waren sie zu klein, so schlug, dehnte und prügelte er sie auf seinem Amboss solange zurecht, bis sie seine Lagerstatt korrekt ausfüllten.

Die Anhänger der Gleichheit handeln seit Prokrustes` Zeiten nach demselben Muster: Wer nicht ins Schema passt, der wird auch heute noch gekürzt oder gedehnt, zurecht gehauen oder gequetscht, bis er halt genehm ist. Dass diese Philosophie zu Ende gedacht niemals ohne Blut und letztlich niemals ohne Tod funktionieren kann, will in die Köpfe der Gleichheitsfanatiker bis heute nicht hinein. (Prokrustes wurde übrigens vom Helden Theseus getötet, erst dann war Ruhe).

Alle Ideologien, die die Gleichheit verfechten, münden ins Chaos. Sie haben bis heute Millionen von Hektolitern an Blut gefordert und Hekatomben an Toten hervorgebracht. Und doch ist das Ideal der Gleichheit in so vielen Köpfen noch immer so fest verankert: Es wird schöngeredet und herbeifantasiert, als ob die Gleichheit das Paradies auf Erden verspräche. Das Gegenteil ist der Fall. Und zwar nachweislich.

Die Natur an sich bringt die Ungleichheit hervor, sie ist sogar ihr Wesen. Gleichheit kann immer nur in den Arten und immer nur in jeweils begrenzten Kollektiven entstehen und sie kann a priori nie ein Prinzip des Lebens sein, sondern nur aus dem übergeordneten Grundsatz der Ungleichheit entstehen. Ausschließlich die Vielfalt und der Unterschied bringen uns weiter und jede Entwicklung hat als Vorbedingung die Differenz. Wäre alles gleich, wären wir schon am Ende angelangt. Folgerichtig ist der Tod und nicht das Leben der einzige wirkliche Gleichmacher.

Wer also Gleichheit sagt und diese als hegemonialen Wert verteidigt, der begibt sich auf sehr dünnes Eis. Und jeder, der die üble Mär von der Gleichheit vernimmt, sollte höchste Vorsicht walten lassen. Denn allzu schnell landet man danach im Bett des Prokrustes. (unverwandt.at)

17 comments

  1. Historiker

    Bei der Gleichheit ging es immer nur um die “Gleichheit vor dem Gesetz”, nie um die Gleichheit eines Individuums, einer Kreatur zur anderen. Diese Gleichheit ist in der Natur unmöglich, selbst Zwillinge unterscheiden sich in vielen Dingen.

  2. Marcel Elsener

    @Historiker
    Sie haben zwar durchaus Recht mit Ihrer Feststellung – jedenfalls was die liberale Interpretation des Gleichheitsgrundsatzes angeht. Faktisch aber mischt sich der Staat schon längst gängelnd in alle Kleinigkeiten seiner Bürger ein, wodurch der einst liberale Gleichheitsgrundsatz, der ausschliesslich für die politischen Organe in Verrichtung ihrer rechtsstaatlichen Funktionen gilt, zur totalitären Gleichschaltung mutiert ist. Heute wird der Bürger mit obrigkeitlich erlassenen Gleichheitsgeboten richtiggehend schikaniert und gepiesackt, und die demokratische Mehrheit findet das offensichtlich gut.

    Das lehrt, dass die Freiheit notwendigerweise über dem Gleichheitsgrundsatz stehen muss und dem Staat strikte Zügel angelegt werden müssen. Ob das allerdings gelingt, erscheint mir fraglicher denn je. Vielleicht sind wir Menschen in unserer Natur einfach nicht für Liberalismus geeignet…

    Vielleicht besteht die Mehrheit des Volkes aus Sklavengemütern, deren einzige Ambition es ist, glückliche Sklaven zu werden. Wenn das so ist, dann ist die Demokratie keine gute Regierungsform.

  3. Historiker

    @Marcel Elsener
    Sie schreiben : “Vielleicht besteht die Mehrheit des Volkes aus Sklavengemütern, deren einzige Ambition es ist, glückliche Sklaven zu werden.” – Und Sie haben möglicherweise recht. Diese scheinen aber in keinster Weise unglücklich zu sein. So what ? – Aber, um es nicht ganz so theoretisch zu sehen : Es gibt immer nur einen kleinen Teil an Individualisten, die sich ihre Freiheit nehmen, genommen haben, – und immer nehmen werden ! Die überwiegende Mehrheit will sich auf das Experiment der Freiheit und ihren Gefahren nicht einlassen, und das hat ja auch seine Vorteile, denn gäbe es lauter Freiheitskämpfer, würde ich beim Billa wohl nicht täglich meine Essiggurkerl kriegen . . . Darum glaube ich Folgendes : Wer sich auch heute noch seine Freiheit nimmt, hatte noch nie soviele Möglichkeiten wie heute seine Fähigkeiten in jedem Land der Welt zu verwirklichen. – Es ist auch vieles eine Frage des Leidensdrucks : Wer nicht leidet, ändert nichts. Wer leidet, wird einen Ausweg finden, – und sein Glück finden. – Zumindest bei mir war das so. Und bei vielen anderen Kreativen auch . . .

  4. sokrates9

    Solche Prokrustes- Storys und deren Interpretation werden heute nicht mehr gelehrt! Heute lernt man Genderkonformes verhalten und wie schreibe ich eine Bewerbung! Laut Bolognia sind Philosophie usw” Fliederfächer ! Klar dass dann jeder zu einem unreflektierten Sklaven mutiert!

  5. Historiker

    @sokrates9
    Sklave zu sein ist doch eine Frage des Gefühls, – und wo die Messlatte liegt, ist die Einschätzung jedes Einzelnen. – Wir sind alle Sklaven der Schöpfung, da die meisten nicht sterben wollen, aber es dennoch werden. – Der Tod ist gewiss, nur das www nicht : Wann – Wo – Wie.

  6. sokrates9

    Historiker@ gebe Ihnen Recht was Sklavenüberlegung betrifft! Ich interpretiere aber die Prokrustesstory dass Gleichheit ein völlig unNatürlicher Zustand ist, der halt wieder von einschlägigen Ideologen gefordert wird. Die Natur fördert Ungleichheit und experimentiert mit Millionen Mutationen damit bei Änderungen von Umweltbedingungen wieder ein Teil der Spezies überlebt! Früher hat man das mit philosophiebasierten Storys erzählt, vor 10 Jahren naturwissenschaftlich analytisch, heute haben Vernunftbefreite ideologische Forderunge “Alle sind gleich” Priorität!

  7. Thomas Holzer

    @Historiker
    “Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit.” Marie von Ebner-Eschenbach

    Soll sich meinetwegen die Mehrheit freiwillig gezwungen dem Staat als Sklaven ergeben; dann sollte diese Mehrheit der Minderheit aber das Recht zugestehen, sich nicht dieser Sklaverei auf Grund demokratischer Mehrheitsentscheide unterwerfen zu müssen!

  8. Historiker

    @Thomas Holzer
    Ehrlich : Sind Sie JEMALS einem Sklaven begegnet ? Hat JEMALS irgendein Mensch Ihren Werdegang aufgehalten ? Ich glaube nicht. – Die Einen verharren (meist nicht unglücklich), die Anderen ziehen weiter (eher unglücklich, sonst würden sie ja nicht weiterziehen), – bis auch sie (meist glücklich) verharren. – Gehen Sie auf die Straße und fragen Sie die Leute : Kaum Einer ist dauerhaft unglücklich, im Gegenteil, der überwiegende Teil ist zufrieden bis glücklich. – Man kann sich fragen : Wie kann ein Mensch in dieser oder jener Situation glücklich sein ? Aber das ist das Problem des Fragenden, nicht das des Gefragten. – By the way : Ich bin glücklich, – außer mit der Schöpfung, – die kann ich nicht akzeptieren -, darum bin ich Atheist.

  9. Manuel Leitgeb

    @Thomas Holzer
    Ich bin der gleichen Meinung wie Sie, aber eine “glückliche” Mehrheit an Sklaven wird dieses Recht eher nicht zugestehen wollen, denn sie könnten an der Lebensführung der anderen sehen, daß sie vielleicht doch nicht so glücklich sind. Und kaum jemand läßt sich gerne eine Illusion zerstören.

    @Historiker
    Sklaven begegnen, okay eher schwer. Aber sind Sie wirklich noch nie jemandem begegnet, der Sie in in Ihrem Werdegang aufhalten wollte? Und zwar nur aus purem Neid oder anderen niederen Beweggründen, und damit zumindest zeitweise Erfolg hatte?
    Sie haben Recht, wenn man dermaßen unglücklich ist, sollte/ wird man weiterziehen um woanders sein Glück zu finden, oder besser: zu machen. Was aber wenn die Mehrheit der Sklaven und die Widerstände schon so groß sind, daß man nicht mehr weiterziehen KANN? (z.B. DDR)

  10. Manuel Leitgeb

    Die Journalisten und Intellektuellen des Juste Milieu bearbeiten die Bevölkerung mit Propaganda noch immer so, daß Gleichheit einfach immer gut und toll ist.

    Heute Leitartikel in der Wiener Zeitung von Seifert: Gott sei Dank muß Apple 13 Milliarden nachzahlen, dann hat das “Steuerdumping” (allein diese Wortschöpfung) ein Ende. Und wie kann ein Staat oder Politiker nur auf sowas verzichten wollen? Ketzer, Häretiker! Denn im Wettbewerb um Betriebsansiedlungen sollen Steuern und Abgaben keine Rolle spielen dürfen, also her mit der “Steuergerechtigkeit”!

  11. Historiker

    @Manuel Leitgeb
    Natürlich begegnet man Widerständen und auch gelegentlich Personen, die in eine andere Richtung gehen wollen. Aber viele Widerstände kann man überwinden, und wenn nicht, muss man mit einem anderen Boot weitersegeln. – Prinzipiell glaube ich, die Vielfalt der Möglichkeiten ist zu groß, sodass es nicht mehr möglich ist, jemand von seinem Weg abzubringen, wenn dieser richtig und er davon überzeugt ist. – Was natürlich für Unrechtsstaaten wie die DDR oder andere Diktaturen nicht gilt. Aber ich wäre mit Sicherheit geflohen, auch wenn ich dabei den Tod riskiert hätte. – Das Problem ist doch eher, dass viele Junge gar nicht mehr all die Möglichkeiten der Freiheit wahrnehmen, resignieren wegen Mangel an Ehrgeiz, und glauben Bequemlichkeit sei Glück. – Aber um wirklich letztendliche Erfüllung zu finden braucht es schon eine gewisse Obsession. Viele wissen gar nicht, was das ist, weil alles außer Lethargie ist auffällig.

  12. Manuel Leitgeb

    @Historiker
    Da gebe ich Ihnen uneingeschränkt Recht. Vor allem auch unter Studenten ist es leider so geworden.

  13. Thomas Holzer

    @Historiker
    “………..und glauben Bequemlichkeit sei Glück.”

    Und genau diese Menschen sind die von Ebner-Eschenbach erwähnten “glücklichen Sklaven”, denen ihr Sklavendasein gar nicht bewußt ist, auch wenn man sie mit der Nase darauf stoßen würde.
    Nehmen Sie als Beispiel nur all die unsinnigen, von “unseren” Politikerdarstellern als Gesetze verabschiedeten Verbote; die werden von all den glücklichen Sklaven gar nicht mehr als unzulässigen staatlichen Zwang wahrgenommen, sondern vielmehr als “Entscheidungshilfe”, respektive als fürsorgliche Hilfe, auf Grund dieser Ver- und Gebote gar nicht mehr persönlich entscheiden zu müssen.
    Die “Freiheit” reduziert sich zunehmend darauf, zwischen Hofer, Penny, Spar, Billa et al. wählen zu dürfen, und dies scheint dem Pöbel ausreichend zu sein

  14. Fragolin

    @Manuel Leitgeb
    Was diese Schmierfinken nicht begreifen, die Iren aber begriffen haben: 10% von Viel ist mehr als 50% von Nix.
    Steuerdumping? Nein, Hirnschmalzing.
    Aber mit dem haben’s viele selbstgefühlte Intellektülle nicht so.

    @Thomas Holzer
    Der größte Wunsch eines Sklaven ist nicht die Freiheit, sondern selbst Sklaventreiber zu werden. (Quelle ist mir leider entfallen, aber auch egal…)

  15. waldsee

    einen zieht man zu sich herunter,einen holt man zu sich herauf. zu 100% aber zwingt man ihm den willen auf und beraubt den so angeglichenen seiner freiheit,sich seinen platz selbst zu suchen.aber das ist nur der anfang
    der bösen tat.

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