Der Fluch des E-Autos

Von | 14. August 2017

(C.O.) Man muss kein fanatischer Anhänger der Öko-Kirche sein, um die Vision einer Welt, in der nur noch elektrisch betriebene Autos unterwegs sind, irgendwie sympathisch zu finden. Mehr Ruhe statt Motorenlärm in den Städten, gute Luft statt Abgaswolken, dezente Steckdosen statt hässlicher Tankstellen – das klingt alles sehr vernünftig und nach echtem Fortschritt. Deshalb denken nun auch immer mehr Staaten daran, Autos mit herkömmlichen Benzin- oder Dieselmotoren mittel- bis langfristig per Gesetz aus dem Verkehr zu ziehen: Großbritannien und möglicherweise auch Frankreich etwa ab 2040, Deutschland möglicherweise ab 2030, Norwegen gar schon ab 2025. Dementsprechend wollen auch alle großen Autohersteller ihr Angebot an E-Autos ausweiten – einer ökologisch korrekten Zukunft des Autofahrens scheint nichts mehr ernsthaft im Weg zu stehen.

Nur eine kleine Frage bleibt dabei noch relativ offen: Woher sollen eigentlich die gewaltigen Mengen Strom kommen, den all diese Millionen von Elektromobilen verbrauchen werden, sind die herkömmlichen Motoren erst einmal verboten?

Der renommierte Wirtschaftspublizist Roland Barazon, Chefredakteur von “Der Volkswirt”, hat jüngst versucht, diese Frage zu beantworten, und ist zu einem eher ernüchternden Schluss gekommen: Rechnet man die Stromherstellung redlicherweise mit ins Kalkül der E-Autos, ist “keine tatsächlich effektive Reduktion der Umweltbelastungen” zu erwarten. Denn um den Straßenverkehr weltweit auf Stromer umzustellen, rechnet Barazon vor, braucht man weltweit etwa 450 zusätzliche AKW oder 4000 Flusskraftwerke oder 400 Braunkohlekraftwerke. Allein Deutschland benötigte für diese Umstellung 12 neue Braunkohle- oder 15 Kernkraftwerke. Letzteres ist dank des deutschen Atomausstiegs illusorisch, Ersteres gerade unter ökologischen Gesichtspunkten besonders problematisch.

Die Hoffnung, die gewaltigen zusätzlich benötigten Strommengen ausschließlich oder auch nur weitgehend aus erneuerbaren Energien zu beziehen, ist nett, aber leider wenig realistisch. Selbst mit der jetzt schon imposanten Stromproduktion aus Windenergie könnte gerade die Hälfte des zusätzlich benötigten Stromes hergestellt werden. Und weil ja bekanntlich der Wind nicht immer bläst, müssen entsprechend viele Braunkohlekraftwerke als Reserve bereitgehalten werden. Sonst würde nämlich, kurz nachdem Windstille eingetreten ist, auch der Straßenverkehr zum Stillstand kommen.

Entgegen dem in Österreich weitverbreiteten Volksglauben, wonach Strom einfach aus der Steckdose kommt, wird die Umstellung des Straßenverkehrs auf Stromer daher entweder zusätzliche Kohlekraftwerke oder gar eine Renaissance der Atomkraft zur Folge haben müssen – anders wird sich das nämlich nicht ausgehen. Sich einfach zu wünschen, dass nur Sonne und Wind künftig unsere Autos antreiben werden, wird das Problem leider nicht wirklich lösen. Jenen Politikern, die heute spektakulär das Ende der Verbrennungsmotoren einleiten, kann das freilich egal sein. Den ökologischen Ruhm ernten sie heute, die gravierenden Probleme werden erst sichtbar werden, wenn die meisten von ihnen schon ihre Ruhebezüge genießen. (WZ)

20 Gedanken zu „Der Fluch des E-Autos

  1. gscheithaufen

    Die Bildungspolitik des Volkes der Phäaken hat ja konsequent-methodisch den Naturwissenschaften zwar rhetorisch einen wichtigen Platz zugewiesen, in den Curricula der Bildungsinstitutionen schlägt sich das aber nicht nieder. Mathematik, Physik, Chemie, auch Naturgeschichte – pardon “Biologie” – werden möglichst abstrakt unter Vermeidung jeglichen praktischen Bezuges unterrichtet. Dadurch wird vermieden, in den Lernprozessen den eigenen Verstand zu gebrauchen und logisch-deduktiv denken zu lernen. Das Resultat: pseudo-akademisch gebildete Absolventen von Fast-Hochschulen, Beinahe-Universitäten und Adabei-Akademien. Und von jenen wird erwartet, strategisch durchgedachte Lösungen zu entwickeln? Das Ergebnis kann nur sein, dass Vor”gedachtes” nachgeplappert wird. Und jene, die das Nachplappern am medienwirksamsten zusammenbringen, werden Politiker. Jene werden natürlich durch ein System von beamtet-unkündbaren Nachplapperern getragen, sind sie doch der Garant für die Perpetuierung des arbeitslosen (weil wertschöpfungsfreien) Einkommens. Und das ist immer besser als einkommenslose Arbeit, möge diese auch noch so viel volkswirtschaftliche Relevanz haben.

  2. Selbstdenker

    Ich werfe mal folgendes Zitat von Henry Hazlitt in die Diskussion:

    “The art of economics consists in looking not merely at the immediate but at the longer effects of any act or policy; it consists in tracing the consequences of that policy not merely for one group but for all groups.”

    Dazu zwei Fragen:
    1) Profitieren alle oder bestimmte Gruppen vom erzwungenen Umstieg auf E-Autos?
    2) Hat irgendwer den Eindruck, dass die langfristigen Effekte ausreichend analysiert wurden?

    Das erstaunlich aktuelle Buch Economics in One Lesson von Henry Hazlett möchte ich jeden empfehlen. Praktisch alle gegenwärtig geführten Diskussionen (Automatisierung, Mindestlohn, etc.) wurden schon von vier (!) Jahrzehnten vorweggenommen und der Keynesianismus Zeile für Zeile widerlegt.

    https://thelandofthefreeblog.wordpress.com/2017/08/11/economics-in-one-lesson-by-henry-hazlitt/

  3. stiller Mitleser

    “Mehr Ruhe statt Motorenlärm in den Städten, gute Luft statt Abgaswolken, dezente Steckdosen statt hässlicher Tankstellen – das klingt alles sehr vernünftig ”

    – angenehm überrascht, weil bisher der Eindruck überwog, Liberale bevorzugten Produktivität um jeden ökologischen Preis

  4. Selbstdenker

    Nun zur Kernfrage: woher kommt dann der Strom?

    Meine Vermutung:

    a) aus Dieselaggregaten, die eingeschalten werden, wenn das Stromnetz wieder zusammenbricht, b) aus nicht weiter beachteten Kraftwerksanlagen, die mit dem schwarzen Exportschlager der Saudis betrieben werden und c) aus wiederinstandgesetzten Braunkohle-Kraftwerken (siehe Deutschland).

  5. Selbstdenker

    @stiller Mitleser:
    Statt Motorengeräusche und Abgase, gibt es dann die nicht minder nervtötenden und mit allerhand “Nebenwirkungen” verbundenen Snob-Wolken:

  6. Reini

    Der Eröffnung des AKW Zwentendorfs scheint nichts im Wege zu stehen,…
    Finde es immer wieder Amüsant das sich Österreich als “Atomkraftwerksfrei” rühmt, und 5-10% Atomstrom direkt “von der Grenze” importiert. AKW Gegner müssten bei jedem Stromverbrauch ein schlechtes Gewissen haben. Dass die gleiche “Volkgruppe”, welche gegen AKWs sind auch gegen Wasserkraftwerke sind, ist ebenfalls verwunderlich.

  7. mariuslupus

    Die Irrationalität macht vor dem Unvermögen logisch zu denken, auch vor einer angeblich studierten Physikerin nicht halt. Die DDR Stipendiatin hat in Moskau studiert, wurde zu Staatslenkerin und seit neuesten Propagandistin des E-Fahrzeugs. Vorher schon, erfolgreiche Ausschalterin der AKW`s und hatte immer Hosenanzugspendierhosen an wenn es darum gegangen ist abgewirtschaftete Staaten oder angebliche “Flüchtlinge” grosszügig zu finanzieren. Aktuell Vorreiterin des Feldzugs gegen das Diesel Auto.
    Damit stellen sich zwei Fragen: Wurden an der Moskauer physikalischen Lehranstalt auch andere Fächer geprüft, oder nur Marxismus-Leninismus und Wissenschaftlicher Kommunismus ?
    Wer lobbyiert für die E-Autos ? Um wie viel Geld geht es ?

  8. stiller Mitleser

    @ Selbstdenker
    meine Bemerkung war aufrichtig und sehr anerkennend gemeint

  9. Falke

    Das ist ja genau das gleiche Thema wie der gestrige Artikel “Am E-Auto wird die Welt nicht genesen”, einschließlich der dazu passenden Kommentare und Beiträge.

  10. aneagle

    Die effektivste Art mit Strom umzugehen, ist allemal der autofreie Tag für jeden (für besonders politisch Korrekte, auf Ansuchen auch zwei.) So könnte der Dialog zweier staatsbesorgter Genossen in gar nicht allzu ferner Zukunft klingen:

    Warum die Frage woher der Strom kommt? Zuviel Stromverbrauch ist seit dem Stromfairteilungsgesetz verboten. Und unsolidarisch, uncool, verdächtig! Du, Genosse bist also für den Stromkrieg? Kennst Du denn nicht die wunderbar entschleunigende Wirkung der Spaziergänge entlang der musealen stillgelegten Werkhallen der heutigen Daimler-Arbeiterstiftung bis ganz nach vorne zum imposanten Morgenthau- Denkmal, dessen zukunftsweisende Pläne “GEN- und Technikfrei von Ruhr bis Rhein” im Rahmen der Wiedergutwerdung Deutschlands von unserer Staatskanzlerin mit dem schönen Namen Göring verwirklicht werden konnte? Unser kleines Arbeitslosenparadies auf Erden ist so perfekt, dass nicht mal Griechenland uns noch Geld borgt. Dankbar für ihre Care Pakete mit abgelaufenem Metaxa, aus der Zeit vor der Islamisierung Griechenlands, sind wir unseren solidarischen internationalen Genossen allemal.

    Wunderbare neue (alte) Zeiten – welcome !

  11. aneagle

    Korrektur, muss heissen : Du, Genosse, bist also gegen den Stromfrieden?

  12. Lisa

    Das Problem mit der Photovoltaik ist, dass sich die Energie (noch) nicht wirksam speichern lässt und Forschungen auf dem Gebiet mässig interessant sind – andernfalls könnte man die ganzen Wüstengebiete mit (effizienteren) Kollektoren ausstatten. Das würde auch für afrikanische und andere südliche Länder eine zudem umweltverträgliche Perspektive schaffen. Allerdings wäre man dann von ihnen genauso abhängig wie derzeit von den OPECs… und wer riskiert schon gerne Abhängigkeiten…

  13. Mona Rieboldt

    stiller Mitleser
    Auch das E-Auto muss akustisch wahr genommen werden, das wird dem Auto eingebaut. Sonst gäbe es viel mehr Tote als heute im Straßenverkehr.
    England und auch andere Staaten bauen im Hinblick auf das E-Auto neue AKW, in D reicht der Strom nicht dafür, mit Sonne und Wind ist das nicht zu schaffen.

    Und noch etwas, zur Produktion eines E-Autos braucht man wesentlich weniger Arbeiter, als heute in der Autoindustrie beschäftigt sind. Da wären viele dann arbeitslos. Und einem so aufgeblähten Sozialstaat und der Alimentierung tausender Asylanten geht schnell das Geld aus. Die Asylanten werden dann aber nicht verschwinden, sie werden sich das holen, was sie wollen.

  14. Falke

    @Mona Rieboldt
    Sie (die Asylanten) werden sich holen, was ihnen zusteht (falls Sie den abgrundtief blödsinnigen Wahlslogan unseres Bundes-Pizza-Boten-Schleppers gesehen haben).

  15. Rennziege

    Die Produktion eines E-Mobils samt (kurzlebigen und schwachbrüstigen Akkus) erzeugt mehr Abgase und Feinstaub als ein neuerer Diesel- oder Benzin-Pkw mit 150.000 km Laufleistung. Von der ökologisch frevelhaften Förderung des nötigen Lithiums und Kobalts ganz zu schweigen — und von den kleinen Kindern, die diese Spurenelemente mit blanken Händen aus dem Erdreich kratzen müssen.
    Von der unfinanzierbaren Infrastruktur brauchen wir nicht zu reden; das weiß jedermann, der halbwegs rechnen kann. Fazit: Grünrot kann das nicht. Oder flunkert so unverschämt, dass sich alle Paviane Afrikas längst die Ohren zuhalten.
    Eines baldigen Tages wird dieses Lügengebäude — an dem auch Schwarze und Freiheitliche sowie alle Medien mitbasteln — schon als Rohbau zusammenbrechen. Die Zeche von hunderten Milliarden, wenn nicht weit mehr, wird allen Steuerzahlern und Stromverbrauchern aus dem Börsel gefladert, mögen sie gutmenschlich verblödet sein oder nicht.

  16. Thomas Holzer

    Es geht weder primär darum, woher der Strom kommt, oder ob E-Autos “ökologischer” als andere KFZ sind, sondern es geht primär darum, daß diese Politiker schon wieder, ohne Not, maßlos Zwang ausüben wollen und werden.
    Kurz: Egal wohin man sieht, überall Zwang, der Zwang wird immer mehr und es scheint kein Ende zu nehmen

  17. stiller Mitleser

    @Mona Rieboldt
    Danke für die Hinweise, aber das E-Konzept überzeugt mich ohnehin nicht.

  18. mariuslupus

    @Selbstdenker
    Lysenko hat Experimente mit der Wiedergabe von erworbenen genetischen Merkmalen an Kälbern durchgeführt. Alle Kälber sind krepiert. Das Ergebnis wurde verschwiegen und den Studenten der Lomonosow Universität nicht mitgeteilt.

  19. mariuslupus

    @Rennziege
    Alle, pseudo-wissenschaftlichen, von den links-grünen durchgedrückten, angeblich umweltfreundlichen Technologien, haben eins gemeinsam. Sie sind menschenfeindlich. Keines der “Innovationen”, Windräder, Solarpanels, E-Autos amortisieren sich bis zum Ablauf der Betriebszeit. Deswegen werden sie staatlich subventioniert, bzw. der Steuerzahler wird gezwungen, diese Ideologie zu finanzieren.

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