Der Framing-Skandal: Wie die ARD die Bürger manipuliert

(WERNER REICHEL) „Kein Demokratiekapitalismus. Kein Rundfunkkapitalismus. Kein Informationskapitalismus.“, „Fernsehen ohne Profitzensur.“, „Exzellenz statt Profitfixierung.“ Diese Slogans bzw. Schlagwörter stehen nicht im Programm einer marxistischen, linksextremen Gruppierung oder kommunistischen Partei. Sie stammen aus dem „FRAMINGMANUAL – Unser gemeinsamer, freier Rundfunk ARD“. Die öffentlich-rechtliche Anstalt hat dieses Papier beim Berkeley International Framing Institute in Auftrag gegeben. Verfasst hat diese Handreichung die Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Wehling.

Bei Framing geht es im Wesentlichen darum, mit sprachlichen Werkzeugen Menschen zu manipulieren, Begriffe in einen neuen Kontext zu setzen, ihnen einen neuen, eine anderen Bezugsrahmen (daher Framing) zu geben, mit Sprachbildern beim Rezipienten gezielt  Assoziationen auszulösen.

Neu ist das nicht. Framing ist im Grunde nichts anderes als das, was George Orwell in seiner Dystopie 1984 beschrieben hat. Bei Orwell heißt es nicht Framing, sondern Neusprech. Dabei werden Sachverhalte, Ideen und Dinge nicht als das angesprochen was sie sind, sondern so, wie sie erscheinen sollen. So werden aus Zwangsgebühren eine Demokratieabgabe, aus einer strukturell vom Staat abhängigen Sendeanstalt ein „freier Rundfunk“.
Wie man mit solchen sprachlichen Tricks und Umdeutungen die Gebührenzahler wieder für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und seine Gebühren begeistern, das verlorene Vertrauen zurückgewinnen und sie gegen den Privatrundfunk aufhetzen kann, wollte die ARD von der Framing-Spezialistin wissen.
Ihre Ratschläge sollten dazu dienen, um in der Bevölkerung Vorstellungen und Werthaltungen pro ARD durchzusetzen. Das ist aber nicht einmal das Schlimmste an diesem Machwerk. Was die ARD hier bestellt und geliefert bekommen hat, erinnert an dunkle Zeiten. Das Framing-Manual ist antikapitalistisch, freiheits- und demokratiefeindlich, planwirtschaftlich, kollektivistisch und darüber hinaus auch noch simpel gestrickt.
Zum Einsatz kommen Instrumente und Werkzeuge, wie man sie aus totalitären Systemen kennt. Man praktiziert, was man seinen politischen Feinden, den sogenannten Rechtspopulisten, gerne unterstellt.

Der ARD wird unter anderem empfohlen, sich als der wahre mediale Vertreter des deutschen Volkes mit seinen vermeintlich einheitlichen Zielen, Interessen und Ansichten zu präsentieren. Kein anderes Medium weiß besser, was die Deutschen tatsächlich wollen und brauchen. Deshalb sind diejenigen, die die ARD respektive den öffentlich-rechtlichen Rundfunk kritisieren, Feinde dieses Kollektivs und der Demokratie, wie sie die ARD versteht. Anders ausgedrückt: Volksschädlinge. Das sagt man natürlich etwas eleganter und auf Neudeutsch: „Einige Mitglieder unserer Gesellschaft halten sich nicht an unsere generationenverbindende, demokratische Entscheidung zum gemeinsamen, freien Rundfunk ARD. Sie stellen damit die Verbindlichkeit demokratischer Entscheidungen infrage, sie verhalten sich demokratiefern.“
Wer die ARD kritisiert, ist ein Demokratie- und Volksfeind. So einfach ist das. Das Kollektiv der deutschen ARD-Demokratie-Freunde wird zudem von finsteren ausländischen Mächten, in diesem Fall von Medienkonzernen, bedroht: „Unfrei macht uns, wer es in Kauf nimmt, unsere deutsche Kulturlandschaft ausdörren zu lassen zugunsten von Billigproduktionen oder indem er kreative Arbeitsplätze ins Ausland verschifft.“
Wenn es um den eigenen Vorteil, das eigene Portemonnaie geht, spielt man die Böse-Ausländer-Karte. Schließlich hat man seine eigenen Vorurteile von den ausländerhassenden deutschen Bürgern längst verinnerlicht. Alle bewährten linken Vorurteile und Außenfeinde werden hier aufgefahren, um die ARD in hellem Lichte erstrahlen zu lassen und die Konkurrenten zu dämonisieren: die freie Marktwirtschaft, die Meinungsvielfalt, die „Kommerzsender“, die ausländischen Konzerne, etc. Das Ziel ist klar: Die langfristige Existenzsicherung dieser anachronistischen Rundfunkanstalt, die Erhaltung ihrer Machtbasis und die Vorbereitung der nächsten Gebührenerhöhung.
Laut diesem Papier kann letztlich nur die ARD qualitativ hochwertigen Journalismus und die Demokratie garantieren: „Andere wollen Geldgewinne. Wir wollen Erkenntnisgewinn.“, „Demokratie statt rechenschaftsfreier Echokammern.“ Das Framing-Manual ist im Kern totalitär und eine Kampfansage an Meinungsvielfalt und Pressefreiheit.
So wie es Gutmenschen und andere Gesinnungsethiker seit Jahren erfolgreich praktizieren, empfiehlt auch diese Handreichung der ARD: „Argumentieren Sie stets moralisch.“
Dadurch braucht man sich nicht mehr mit Argumenten herumzuschlagen, die seinerzeit für die Schaffung eines milliardenschweren Staatsrundfunks gesprochen haben, wie etwa Frequenzknappheit oder der Aufbau der zerstörten Senderinfrastruktur, die aber seit langem obsolet sind.
Kein Wunder, dass die ARD das obskure Papier vor der Öffentlichkeit geheim halten wollte. Die Webseite netzpolitik.org hat es online gestellt und damit die Staatsfunker in Bedrängnis gebracht. Die ARD ist aber, wenn sie beim Lügen, Tricksen oder Manipulieren ertappt wird, nie um faule Ausreden und Schuldzuweisungen verlegen. Die Generalsekretärin der ARD, Susanne Pfab: „Das Papier ist völlig ungeeignet zur kommentarlosen Weiterleitung.“ Klar, die Menschen sind ohne die erklärenden Worte der ARD intellektuell nicht in der Lage, sich selbst ein Bild von dem Gutachten und seinen Zielen zu machen. Das ist insofern originell, weil sich in dem Manual der Slogan findet: „Am liebsten selbst denken. Dank stabiler Informationen.“
Ein Gutes hat das Framing-Papier für die ARD. Sie kann es im Umgang mit diesem Skandal gleich auf seine Praxistauglichkeit prüfen.

9 comments

  1. Christian Weiss

    „Kein Demokratiekapitalismus. Kein Rundfunkkapitalismus. Kein Informationskapitalismus.“
    Mit diesem Programm erfüllen sie ja diese drei Forderungen bestens. Ohne Kapitalismus gibt es bekanntlich keine Demokratie, keinen freien Rundfunk und keine freie Information.

  2. Triump Cruiser

    … sollte ich “auf meiner Reise”, den “RESET-Knopf” finden, – drücke ich den ganz fest und tief! Ganz, ganz fettes “Indianerehrenwort” !

    “”Die Scheixxxe türmte sich in Vietnam so rasant vor einem auf, dass man Flügel brauchte, um sich drüber halten zu können. (Zitat: Apocalypse Now) – Tausche “Vietnam” gegen “Europa”

  3. sokrates9

    Was soll diese Aufregung? Framing ist doch in sämtlichen österreichisch (links-grünen) Medien Standard!
    Angeblich wird jeder Leserbrief der einen EU – Austritt fordert sofort gelöscht!
    Anderes Beispiel: Neue Karfreitagsregelung die aber wirklich niemand zufrieden stellt! Die einzige Frage die man sich nicht mehr traut: Was geht dem Europäischen Gerichtshof Österreichische Feiertagsregelungen an???
    Ein ordentlicher Gerichtshof hätte so eine Gleichheitsklage mit der Begründung der Subsidarität und nicht für alles zuständig zu sein zurückgewiesen! mit dem Gleichheitsgrundsatz kann man alles aushebeln! Frauenquote in Fußball!!

  4. Triumph Cruiser

    @sokrates9:

    Zitat: “Framing ist doch in sämtlichen österreichisch (links-grünen) Medien Standard!”

    Punktlandung! Die öffentliche Indoktrinierung durch die Medien, und dies nicht seit “gestern”, wird lediglich in den öffentlichen Schulen, insbesondere AHS, überboten.
    Auch mein Sohn in einer AHS wird von dem Blödsinn nicht verschont. Englisch- Aufsätze über Refugees, Deutsch- Aufsätze über Flüchtlinge und Flüchtlingsrouten in Geographie … – übel, sehr, sehr übel …

  5. Falke

    Die ARD muss ihre Hörer und Seher wohl für total bescheuert halten, wenn sie glaubt, mit einem derart kindisch-primitiven Schmäh irgend etwas zu erreichen – außer höchstens dem Gegenteil des Erhofften. Oder aber – vielleicht kennt die ARD tatsächlich ihre Kunden am besten und weiß, wie sie zu nehmen sind? 😉

  6. Hartmut Pilch

    Das hat nichts mit Totalitarismus sondern mit bewusster Reflexion über die eigene Rolle und ihre moralphilosophische Rechtfertigung zu tun. Natürlich ist es für die Kommunikation wichtig, diese Gedanken auch durch Wortbildung auszudrücken und die so gebildeten Wörter und Ausdrücke auch wiederholt zu verwenden. Das wissen Leute, die etwas sagen wollen, auch ohne ein Gutachten von Frau Wehling. Es ist sogar als ein Fortschritt zu werten, dass der Deutungsrahmen, mit dessen Hilfe die ÖR-Medien die Demokratie lenken, mal explizit gemacht und thematisiert wird. Sie tun das so oder so. Und das wirklich schöne bei der Sache ist, dass die ÖR-Medien ausgerechnet auf die Art von kollektivistischer Konstruktion eines Volkes mit demokratischer Willensbildung zurückgreifen, die sie den “Rechtspopulisten” als schlimme Sünde ankreiden. Wie man sieht ist das das normalste der Welt.

  7. Cora

    Die dümmsten Kälber zahlen für ihre Propaganda selber. Ich möchte gerne wissen, wie lange noch die Heute-Moderatoren mit bierernster Miene in die Kamera schauen oder ob sie nun endlich vor Scham vergehen.

  8. Cora

    „Argumentieren Sie stets moralisch.“ Dann schämt euch mal, fangt bei euch selbst an. Framing! So was tut man nicht. Mit erhobenem Zeigefinger andere belehren, dabei selber Dreck am Stecken haben, dass es nur so heruntertrieft.

  9. Triumph Cruiser

    @Cora:

    Stellen Sie sich vor einen Spiegel, subtrahieren Sie Geist und Verstand und stellen sie sich das “Schmerzensgeld” vor, welches Ihnen von ARD oder ZDF monatlich überwiesen wird und auch Sie schaffen die “bierernste Miene”. 😉

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