Der gefährliche Kampf gegen den Zins

(ANDREAS TÖGEL) Der ungekrönte König des Schuldenkults und erfolgreiche Zerstörer des Spargedankens, EZB-Chef Mario Draghi, hat, kurz bevor er das Zepter an die rabiate Bargeldgegnerin Christine Lagarde übergibt, zum Abschied die Strafzinsen auf Guthaben von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent erhöht. Wer sein Geld nicht verprassen sondern Kapital bilden will, wird also noch schwerer bestraft als bisher. So weit, so schlecht.
Doch das ist längst noch nicht alles: sobald die Briten die EU verlassen haben werden (falls wir das noch erleben), wird sich für die „Nordländer“ in der EU auf eine geld- und finanzpolitische Katastrophe anbahnen, da die notorischen Schuldnerstaaten des Südens ihre Interessen dann völlig ungehemmt zulasten der ersteren durchsetzen können. Die Umverteilung vom Norden zugunsten des „Club Med“ wird sich weiter verstärken, weil die Zahler dann in der Minderheit sein werden. Das wird die Sparer viele weitere Milliarden kosten und die maroden Wirtschaftsstrukturen in Italien, Spanien und Griechenland – zum Schaden der gesamten Union – weiter einzementieren. Die Politik der Zombifizierung der Wirtschaft mittels Konkursverschleppung kann weitergehen.

Dagegen steht zu erwarten, dass die geschäftstüchtigen Briten – wenn sie den kontinentaleuropäischen Klotz am Bein erst los sind – nicht untergehen, sondern vielmehr zu einem neuen Wirtschaftswunder durchstarten. Wenn sie es geschickt anstellen, werden sie nach einer Steuersenkungsoffensive, einem klaren Bekenntnis zum Freihandel und mit einer verstärkten Kooperation mit überseeischen Partnern am Ende die Gewinner sein, während Kontinentaleuropa weiter auf dem Weg zur (Schuld-)Knechtschaft und zur kollektiven Verarmung voranschreiten wird.

Negative Zinsen, das klingt für Otto Normalverbraucher seltsam und wird ihm insofern durchaus auch schmerzlich bewusst, als er seinen Ersparnissen beim inflationsbedingt schleichenden Verlust seiner Kaufkraft zusehen kann. Private Pensionsvorsorgen werden im Nullzinsumfeld faktisch sinnlos. Dass es sich beim Negativzins um einen tödlichen Angriff auf die Wirtschaftsstruktur der freien Welt im Allgemeinen und auf die individuelle Freiheit im Besonderen handelt, erschließt sich aber wohl nur wenigen.

Der deutsche Ökonom und Chefvolkswirt des Edelmetallhändlers Degussa, Thorsten Polleit, widmete sich dieser weithin unterschätzten Problematik in einem kürzlich veröffentlichten Papier. In aller Kürze: aus der Zeitgebundenheit jeder menschlichen Handlung ergeben sich klare Konsequenzen, die im Phänomen der Zeitpräferenz ihren Ausdruck finden. Sowohl die zum Erreichen bestimmter Ziele eingesetzten Mittel, als auch die dafür zur Verfügung stehende Zeit, sind begrenzt. Polleit: „Und weil Zeit ein knappes Mittel ist, zieht der Handelnde eine frühere Zielerreichung einer späteren Zielerreichung vor. Genau darin kommt nun die Zeitpräferenz zum Ausdruck, und ihre Manifestation ist der Urzins.“

Dieser Urzins aber kann aus logischen Gründen niemals negativ sein, wenngleich seine Höhe von Individuum zu Individuum variieren kann. Kleinkinder beispielsweise, können nicht warten. Sie wollen alles sofort haben. Sie zum Warten zu bewegen, hat folglich einen hohen Preis. Vernunftbegabte, langfristig denkende Erwachsene dagegen, leben mit niedriger Zeitpräferenz, verkonsumieren nicht ihr gesamtes Einkommen, sondern schaffen Rücklagen und bilden Kapital. Sie geben sich auch mit niedrigen Zinsen zufrieden. Erst im Alter, wenn die restliche Lebenszeit erkennbar abnimmt, steigt die Zeitpräferenz wieder an. Man hat nicht mehr viel Zeit, braucht keine Rücklagen mehr zu bilden und kann sein Vermögen „entsparen“, sofern man es nicht zu vererben gedenkt.
Diese natürliche Ordnung geht durch unter die Nulllinie gedrückte Zinsen verloren. Die Zentralbank steht dabei, wie jede planwirtschaftliche Behörde, vor einem unlösbaren Wissensproblem, da sie nicht mehr auf valide Daten zurückgreifen kann, die auf dem freien und von Interventionen verschonten Mark gebildet werden. Entsprechend erratisch gerät ihre Politik.

Polleits abschließend erhobene Forderung nach einem Ende des Monopols der EZB, ist mehr als berechtigt und die entscheidende Voraussetzung für ein Ende der zerstörerischen Geldalchemie. Dass die mächtigen internationalen Geldsozialisten auf ihr Geldmonopol verzichten, ist allerdings eher nicht wahrscheinlich.

Link zum zitierten Beitrag von Thorsten Polleit: https://www.misesde.org/?p=22354

2 comments

  1. Sokrates9

    Ohne Euro kein Europa –mit Euro nur ein sozialistisches Europa welches den Weg aller sozialistischen Laender gehen wird!Venezuela,jetzt Haiti, Cuba sind da gute Beispiele!

  2. GeBa

    Endlich einmal ein Bericht, einer der wenigen, wo abgesehen von mir die Meinung vertreten wird, dass der Brexit für die Briten nur Vorteile bringen wird. Alle “Haltet den Dieb” Rufer werden dumm aus der Wäsche schauen, vor allem in Brüssel.

    @Sokrates. Halleluja. Du kennst mein Mantra…..

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