Der Geldfälscher als Held und Vorbild

(LUKE LAMETTA) Künden will ich von meiner progressiven Idee, deren ungeahntes Potenzial, emanzipatorische Anmut und animalische Geilheit mich als lupenreinen Demokraten ein bissi wuschig machen. Das Beste: Sie erfordert legistisch nur minimale Adaptionen im Strafrecht und schlägt unzählige Fliegen mit einer Klappe. Da der EZB-Rat heute schlanken 1140 Milliarden brandneuer EZB-Euros, erzeugt durch Staatsanleihekäufe mit Phantasiegeld out of thin air, bescheinigen wird, noch lange nicht auszureichen, fordere ich erstens mal: Ende der pejorativen Termini “Falschgeld” und “Geldfälscher”. Hatespeech find ich. Ausgrenzung einer zu lange schon rechtlich diskriminierten Minderheit. Ihr konjunkturpolitisches Wirken wurde lange verkannt. Ich plädiere deshalb zweitens für nichts weniger als deren vollständige Entkriminalisierung und Gleichstellung!
Wie? Eine verrückte Idee? Im Gegenteil. Nach sieben Jahren intensiver Gelddruckerei durch die EZB begreifen es mE nur Antidemokraten und ökonomisch Ungebildete nicht: Die zwar tapferen, aber eben einsamen Bemühungen von Mario Draghis Crew können am effektivsten durch eine ganze Reihe von Kraftanstrengungen dezentraler Natur ausgeweitet werden. Die fortschrittlichen Vorteile im Einzelnen:
Eine entsprechende Novelle wäre erstens mal bürgernah, bürokratiefrei und direktdemokratisch. Sie hat zudem auch antidiskriminierende, solidarische und ökologisch-nachhaltige Eigenschaften. Sie verhindert Parallelgesellschaften, entkriminalisiert opferlose “Verbrechen”, schafft neue Arbeitsplätze, stärkt einen aufstrebenden Handwerkszweig, wirkt integrativ und ermöglicht die gesellschaftliche Teilhabe einer einst missverstandenen und deshalb zu Unrecht verfolgten Randgruppe. Von nun an dürfen deren Fertigkeiten im Rahmen von Quantitative Easing IV bis MCMLXXXVIII natürlich auch von jedem/r anderem/n Bürger/in, ungeachtet ethnischer Zugehörigkeit, der Religion, der Weltanschauung, des Alters, der sexuellen Orientierung, des Geschlechts oder der Geschlechtsidentität, erlernt und angewandt werden. Diversity!
In Zeiten des mit der allergrößten Selbstverständlichkeit begangenen Bruchs der Maastricht-, Lissabon-, oder Dublin III-Verträge fördert sie wieder das dringend nötige Vertrauen in eine ganze Reihe nationaler und europäischer Politikversprechen: Rechtsgleichheit, Abbau von Markteintrittsbarrieren, Förderung des Wettbewerbs, Abbau der gesetzlichen Privilegien bisheriger Monopolanbieter, Stärkung von EPUs, Herstellung sozialer Gerechtigkeit und Verhinderung von Kartellen und Preisabsprachen.
Ökonomisch betrachtet handelt es sich um einen konjunkturellen Stimulus, der der Kreditzurückhaltung der Banken entgegenwirkt, frische Liquidität für die Wirtschaft zur Verfügung stellt, die Binnennachfrage ankurbelt und vor allem dräuende Deflationsgefahren bekämpft. Gut, Jugendarbeitslosigkeit, Staatsschuldenrekorde und die lahmende Konjunktur sind freilich auch schlimm. Aber in den Schatten gestellt wird das von: Dem zu niedrigen Verbraucherpreisindex! Also den zu günstigen Preise aller Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte für Konsumzwecke so kaufen. Ziel sind da 2% Verbraucherpreisindexanstieg per annum. 2%. Nicht 1,9 oder 2,1, auch nicht minus 2, fuffzehn oder π%. Das wirkt vielleicht gewürfelt, ist aber so wegen so halt. Don’t ask.
Wichtig dabei nur: Nach wie vor wird alles weder schnell genug, noch ausreichend genug teurer. (Außer vielleicht Immobilien oder Aktien und Anleihen. Die zählen aber nicht. Erraten, wegen so halt. Die Subventionierung von Risikoanlagen auf Kosten der Atttraktivität von Sparen ist volkswirtschaftlich genauso unproblematisch wie das künstliche Aufgehen der Schere zwischen Arm und Reich qua asset price inflation. Aus Gründen. Richtig, don’t ask.)
Klingt alles komisch? Ist aber so. Inhaber des schwarzen Ökonomie-Gürtels beschwören da in der Regel die drohende “liquidity trap” samt dem “paradox of thrift”. Joseph Stiglitz has a Nobel. Where’s yours? Glaubt. Beide Phänomene zusammengefasst für Nervöse: Günstiger statt teurer werdende Konsumgüter sind das Förchterschröcklächste von der ganzen Welt. Die Computer- und IT-Industrie ist deshalb beispielsweise seit bald 50 Jahren völlig erledigt. Genau hier kommen, zwecks Schließung der “Nachfragelücke”, jetzt meine neuen freelance Geldpolitiker*_¸.·´¯`·._*Innen ins Spiel. Höhere Nachfrage, höhere Preise. Dank frischem, erfundenem Geld. Genau wie das die EZB bei den Staatsanleihen vorgemacht hat.
Das Parlament möge also beschließen. Thank me later. Sonst kommt der böse, schwarze Kauf- und Investitionszurückhaltungsmann und frisst euch aalle auf. (Quelle)

6 comments

  1. Leitwolf

    Das gehört sich offensiver kommuniziert. Von diesem Frischgeld entfallen 22,8 Mrd. Euro auf Österreich. Geld das zunächst mal der OeNB zufällt, von dieser in Form von Staatsanleihen gehalten wird, und damit letztlich dem Staat gehört. Zwar wird dieser Seignoragegewinn bilanziell nicht als Gewinn ausgewiesen, was aber jederzeit nachgeholt werden kann, wenn die Anleihen am Markt verkauft werden sollten. Dann fließt der Gewinn der OeNB tatsächlich ohne Umwege ins Budget.

    Das ist eine Leistung derer sich die Bundesregierung viel zu wenig rühmt. Seltsam irgendwie, denn auf die gegebenen Budgetnötge angesprochen wird man nicht müde die schlimmen Auswirkungen der Hypo-Pleite zu benennen, an der die Bundesregierung ja keinerlei Anteil hat (der Haider wars!). Dass man nun aus eigener Kraft so geschickt war mehr Geld zu schaffen, als die gesamte Hypo gekostet hat, sollte man mit Stolz vor sich her tragen.

  2. Lisa

    Tscha, zufrieden Bürger schaffen eben ien Nachfragelücke. Da kommen doch die kaufgeilen Zuwandererr gerade recht! (acuh wenns erst nach “wissenschaf tlich”behaupteten 7 Jahren so weit ist, dass dies nciht mit Steruegeldern geschieht.

  3. Luke Lametta

    Draghi hat zwar nur ein Paar Buben, schiebt aber weiter Chips rein, Raise auf schlanke 1500 Milliarden Euro. Märkte zeigen sich enttäuscht. Hatten meine Idee bereits ein wenig eingeprict. Wies gestern bei der dpa hieß: “Das sind überraschend schwache Aussagen Draghis”, sagt ein Händler. Erstmals habe Draghi “nicht nur nicht geliefert, sondern sogar auf ganzer Linie enttäuscht”. Nun besteht Handlungsbedarf für den Gesetzgeber.

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