Der grapschende Staat

(GEORG VETTER)  Wir gehen einer vollnormierten Zukunft entgegen: Die Gesundheitsministerin sagt, was wir essen sollen. Der Wirtschaftsminister sagt uns, wo wir rauchen dürfen. Der Justizminister sagt, was wir sagen dürfen. Und die Frauenministerin sagt uns, wie wir aussehen dürfen. Letztere fordert, dass magere nicht mehr modeln dürfen und Bilder mit geschönten Abbildungen sollen kennzeichnungspflichtig werden sollen. Berufsverbote für Untergewichtige klingen nach einem ersten Schritt für einen zusätzlichen Normierungsbedarf.

Man könnte beispielsweise in Zukunft generell Übergewichtigkeit verbieten und mit der Begründung positiver gesamtgesellschaftlicher Effekte auch unter Strafe stellen. Wenn geschönte Abbildungen Teile des Publikums krank machen, wäre es vielleicht auch konsequent, wenn die Farbe schwarz für Autos im Alltagsverkehr verbieten würde. Schwarze Autos könnten nämlich Depressionen fördern. Vielleicht sollte man aber auch die Betroffenen fragen, ob sie nicht eigene Vorschläge auf dem Markt des Gebietens und Verbietens präsentieren könnten. Ob diese dann den Politikern vorschreiben würden, dass diese besser auszusehen haben und keine geschönten Wahlkampffotos verwenden dürfen? Und Unhaltbares nicht versprechen dürfen? Vielleicht würde die Gesellschaft auf dem Weg in die Illiberalität aber auch die Einführung eines Tatbestandes „Politische Belästigung“ für all jene Politiker fordern, die den Bürgern ständig mit freiheitseinschränkenden Gesetzesideen zur Last fallen. Zumindest im System des Gouvernantenstaates wäre eine solche Norm systemkonform.

28 comments

  1. cmh

    Dummes Politikergequatsche ist auch noch nicht verboten, obwohl ich davon immer so depressiv werde ….

  2. Thomas Holzer

    außerdem ist die Frau Gesundheitsministerin äußerst inkonsequent; mit ihrer Aussage: “Alles, was vernebelt, ist verboten” müssten auch alle Vernebelungen in Diskotheken und natürlich auch alle vernebelnden motorisierten Fortbewegungs- und Transportmittel verboten werden.
    Aber nachdem -sogar auch durch Herrn Ortner- der europäische Gleichschritt als die neue Errungenschaft des zumindest ersten Viertel des 21. Jahrhunderts gepriesen wird, werden dem “Nichtraucherschutzgesetz 2018” das italienische, der Bargeldbeschränkung das französische und schwedische Modell folgen und allen anderen Verboten auf Grund irgendeiner behaupteten Vorreiterrolle irgendeines anderen europäischen demokratischen Staates neue Verbote folgen.
    Kurzum: erst wenn der Untertan durch und durch normiert ist, werden Friede, Freude, Eierkuchen herrschen; “unsere” Politikerdarsteller haben noch viel Handlungsbedarf, um dieses “hehre” Ziel zu erreichen

  3. Peter Brauneis

    Und warum fordert die Gesundheitsministerin kein Berufsverbot für Übergewichtige?

  4. sokrates

    Nachdem unsere Leute immer blöder werden – dank auch der NMS – ist es klat dass man infantilen alles vorschreiben muss. Seit Jahren wird der Bürger entmündigt: er darf nicht mehr sagen – ein “Mörder” wenn er ein Messer in den Bauch gestoßen bekommt, ihm steht kein Urteil zu, PC mäßig muß er “mutmasslicher Mörder” sagen, weil ja nur eine “Autorität” beurteilen kann ob er einen Messerstich erhalten hat! Und auch der Verbrecher ist erst dann ein Verbrecher, wenn alle Instanzen bis zum europäischen Gerichtshof das bestätigt haben, – also de facto NIE!

  5. waldsee

    die lösung des problems ist ganz einfach.wir werden mit-gläubige der friedensreligion,denn folglich erübrigt sich die erziehung durch minister und bezahlte medien ,weil wir ja die scharia pflegen.

  6. Christian Peter

    Stimmt. Bloß sollte man Äpfel nicht mit Birnen vergleichen. Wenn durch ein bestimmtes Verhalten – wie etwa Rauchen – in die Freiheit Unbeteiligter eingegriffen wird, sind staatliche Eingriffe unverzichtbar.

  7. Thomas Holzer

    Da es mittlerweile “unsere” Politikerdarsteller zustande gebracht haben, das Private zum Öffentlichen zu erklären, sprich das Öffentliche auf alle! Lebensbereiche auszudehnen -natürlich ohne jeglichen Widerstand der Betroffenen- sind neuen Verboten Tür und Tor geöffnet.

    Wenn z.B. ein Nichtraucher um jeden Preis ein Raucherlokal besuchen möchte, und daher, weil dort geraucht wird, in seine Freiheit als “Unbeteiligter” eingriffen wird, ist es natürlich nur allzu logisch, dieses Raucherlokal zu verbieten.
    Mir konnte bis dato noch kein Verfechter dieser These schlüssig erklären, warum der umgekehrte Fall unzulässig sein soll

  8. Dieter Rohrlack

    “” . . . sind staatliche Eingriffe unverzichtbar . . .”
    Nein. Das sind sie nie. Unabhängig vom Thema.
    Oder meinten Sie “alternativlos”?

  9. Fragolin

    Wenn eine Fette von der Modelagentur abgelehnt wird ist das Diskriminierung. Wenn eine Magere nicht abgelehnt wird, ist das ein Verbrechen.
    Böse neoliberale Anarchisten verlangen ja immer wieder danach, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich zu sein haben. Aber zum Glück haben wir weise Politiker, -rinnen und -sachen, die uns immer wieder eines besseren belehren und die Welt einteilen in Gut und Böse, links und rechts, dick und doof… um im Anschluss daran wieder die totale Gleichheit zu fordern.
    Liebe Politikerdarsteller, fordert sie nicht, sondern lebt sie einfach.
    Haltet einfach mal den Rand.
    Aber das können diese Wichtigtuer ja nicht…

  10. Ehrenmitglied der ÖBB

    Dass Regierungen das Aussehen fördern oder vorschreiben wollen, hatten wir das nicht schon einmal?:
    Blond blauäugig und mit Ariernachweis? das kommt mir irgendwie bekannt vor!
    Also, wehret den Anfängen!!

  11. Christian Peter

    @Dieter Rohrlack

    wenn Sie in einer Welt ohne staatliche Eingriffe leben wollten, sollten sie rasch in Länder wie Kongo, Somalia oder in den Sudan auswandern. Viel Vergnügen !!

  12. Ehrenmitglied der ÖBB

    @ Christian Peter
    Ihr Argument mit den betr. afrikanischen Staaten ist ausgesprochen überflüssig.
    Wir leben in Österreich, sind österreichische Staatsbürger und haben das Recht und die Pflicht, politische Entscheidungen mitzugestalten und auch zu kritisieren! Der Staat hat das Recht und die Pflicht, für Sicherheit und ein funktionierendes Rechtssystem zu sorgen, alles andere ist dem unterzuordnen.
    PS: wenn ich auswandere, dann in die Schweiz, dort hat der Bürger noch die Möglichkeit aktiv mitzugestalten.
    Da braucht es keine Kammern mit Zwangsmitgliedschaft etc….

  13. H.Trickler

    @Christian Peter:
    Ihr Vorschlag an Rohrlack ist falsch (dort gibt es sehr viele Eingriffe), polemisch und trägt nichts zur konstruktiven Diskussion bei.

    Gerade bezüglich dem Rauchen sind die hiesigen Staatseingriffe äusserst fragwürdig.

  14. H.Trickler

    @Peter Brauneis:

    Nur nicht vorpreschen, der Amtsschimmel kommt noch früh genug selber drauf, dass man Übergewichtige, Untergewichtige, Raucher, Säufer, Kiffer, Krethi und Plethi bestrafen muss.

  15. Thomas Holzer

    @Ehrenmitglied
    Für “wehret den Anfängen” ist es meiner Meinung nach leider schon zu spät. Die große Mehrheit des Wahlvolkes wurde anscheinend leider schon einer erfolgreichen Umerziehung unterzogen

  16. Christian Peter

    @Ehrenmitglied der ÖBB

    ‘ihr Argument mit dem Kongo ist überflüssig’

    manchmal bedarf es solcher Vergleiche, um den naiven Irrglauben mancher Liberalen zu widerlegen, die Welt wäre eine bessere, wenn es bloß keine staatlichen Eingriffe gäbe.

    @H.Trickler

    ‘der Vorschlag ist falsch, im Kongo gibt es sehr viele Eingriffe’

    woher haben sie diese Information ? Ohne nennenswerte staatliche Strukturen kann es in schwachen Staaten wie dem Kongo auch kaum staatlichen Eingriffe geben. Nicht einmal die allernötigste Infrastruktur, wie etwa Straßen, sind vorhanden.

    ‘gerade bezüglich Rauchen sind die hiesigen Staatseingriffe fragwürdig’

    machen Sie sich nicht lächerlich. Der Staat ist verpflichtet, die Freiheit der Nichtraucher zu schützen.

  17. Thomas Holzer

    “Der Staat ist verpflichtet, die Freiheit der Nichtraucher zu schützen.”
    Sagt wer? CP?

    In Ihrer Diktion müsste der Staat das Rauchen gerade! im öffentlichen Bereich verbieten, und eben nicht Privaten, so man diese Unterscheidung noch tätigt, was bei Ihnen anscheinend nicht der Fall ist

  18. Fragolin

    @Christian Peter
    “Der Staat ist verpflichtet, die Freiheit der Nichtraucher zu schützen.”
    Danke für diesen erhellenden Einblick in die blockwartige Denkweise eines Untertanen.
    Ich dachte irrigerweise immer, der Staat wäre verpflichtet, allen Bürgern zu dienen und ihre Freiheit und Sicherheit zu verteidigen. Irgend sowas steht auch in der Verfassung, aber das muss ja nichts heißen. Der Staat steht Ihrem Weltbild nach einzig und allein im Dienste der Nichtraucher. Die Freiheit von Rauchern ist irrelevant, bei jenen Menschen handelt es sich Ihrer Denkweise nach also nicht um vollrechtlich anzuerkennende Bürger sondern um Vogelfreie.
    Übrigens, wie ist das übrigens mit der Freiheit von Menschen, die wegen chronischer Erkrankung oder weil sie einfach noch zu klein sind auf den Herdenschutz durch Impfen angewiesen sind? Deren Recht auf Gesundheit und Leben stellen Sie kaltschnäuzig in Frage, indem sie Impfgebote gegen Seuchen vehement ablehnen. Aber Verbote gegen Raucher, da jammern Sie plötzlich wieder nach dem Nannystaat. Fordert der Staat etwas, das Ihnen nicht passt, sind Ihnen die Folgen für andere egal, Sie fordern persönliche Entscheidungsfreiheit. Trifft diese aber wieder auf jemanden, der Ihnen nicht passt, fordern Sie plötzlich wieder Verbote und staatliche Eingriffe.
    Also was denn jetzt? Ein Nannystaat der Raucher bestraft und Sie zum Impfen zwingt oder ein freier Staat, der Ihnen das Recht gibt, selbst zu entscheiden ob sie Impfen oder Rauchen oder sich mit Rauchern überhaupt abgeben wollen? Oder alles so wie es nur der Herr Peter will?

  19. Christian Peter

    @Thomas Holzer

    ‘der Staat dürfte Rauchen nur im öffentlichen Raum verbieten’

    Wie oft soll man Ihnen das noch erklären ? Wenn private Räume ‘öffentlich zugänglich’ sind, bedarf es selbstverständlich auch hier Rauchverbote, um Nichtraucher zu schützen. Nach ihrer kleingeistigen Auffassung müsste man auch das Rauchen am Arbeitsplatz erlauben, da es sich um private Einrichtungen handelt. Dann könnte man gleich auf alle Rauchverbote verzichten, da sich Nichtraucher auf diese Weise nicht schützen lassen.

  20. Christian Peter

    @Fragolin

    Raucher haben alle Freiheiten und sind Nichtrauchern rechtlich völlig gleichgestellt. Allerdings haben Raucher nicht das Recht, mit ihrem Qualm Unbeteiligte zu belästigen und diesen mit ihrem Suchtverhalten Gesundheitsschäden zuzufügen.

  21. Christian Peter

    Das Zitat : ‘Die Freiheit des Einzelnen endet, wo die Freiheit des Anderen beginnt’, bringt es auf den Punkt.

  22. Thomas Holzer

    Wenn private Räume öffentlich zugänglich sind und sich als Rauchräume deklarieren, bedarf es keines Schutzes eines seiner geistigen Fähigkeiten nicht beraubten Nichtrauchers, da dieser deklarierte Raucherräume wohl nicht betreten würde, es sei denn, er nennt sich CP und erdreistet sich -so wie “unsere” Politikerdarsteller- anderen vorzuschreiben, wie diese zu leben haben.
    Warum Nichtraucher insistieren, bewußt erkennbare! Raucherlokalitäten zu betreten, um sich danach über diese Lokalitäten und die dort existierende Geruchs- und Gesundheitsbelästigung zu alterieren, ist und bleibt mir unverständlich.
    Mir ist kein Raucher bekannt, welcher eine Nichtraucherlokalität nur zu dem Zweck betritt, um dort demonstrativ die anwesenden Nichtraucher einzunebeln

  23. Thomas Holzer

    Wenn Arbeitnehmer und Arbeitgeber Raucher sind und sich darauf einigen, daß weder den einen noch den anderen das Rauchen stört, warum nicht; und dies gilt auch, wenn einer der beiden Nichtraucher ist
    So etwas nannte man vor gar nicht so langer Zeit noch Vertragsfreiheit, Privatautonomie.

    Aber Sie haben ja recht; wenn der Staat sich schon erdreistet, den Unternehmern vorzuschreiben, daß diese mit allen kontrahieren müssen, egal persönlicher Präferenzen, dann darf er natürlich auch in allen anderen Bereichen den Untertanen seine (die staatlichen) Vorstellungen aufzwingen, egal in welchem privaten Bereich

  24. Christian Weiss

    “Und warum fordert die Gesundheitsministerin kein Berufsverbot für Übergewichtige?”

    Gute Frage. Die wahrscheinliche Antwort: Übergewichtige sind eine schützenswerte und/oder diskriminierte Minderheit, solange das Schönheitsideal – zumindest bezüglich Hochglanzheftchen und Filmleinwänden – sich immer noch richtig wenig Fett, Athletik und Waschbrettbäuchen bei Männern orientiert.
    Rein vom Standpunkt des “andere vor sich selber zu schützen”, wie es im Gouvernantenstaat sonst eigentlich üblich ist, müsste man Übergewichtigen noch eher ein Berufsverbot geben als Untergewichtigen. Dürften die gesundheitlichen Risiken sich etwa die Waage halten, so sind doch in westeuropäischen und nordamerikanischen Gefilden deutlich mehr Leute zu dick als zu dünn. Und während sich nur wenige Leute durch Magermodels auf Plakaten zu Essstörungen wie Magersucht verleiten lassen, ist es nachweislich so, dass Dicke gerne die Gesellschaft von Dicken suchen und in harmonischer Gemeinsamkeit fetter werden, weil Bekannte und Freunde nun mal eher Einfluss auf das eigene “Wie möchte ich sein” haben als wildfremde Personen. So kaputt ist unsere Gesellschaft dann eben doch nicht, dass jeder Schwachsinn, den irgendein Promi ablässt, gleich zu einer Hirnerweichungspandemie führt.

  25. Thomas Holzer

    @Christian Weiss
    Sie schreiben es!
    Dicke oder wie immer man diese Menschengruppe in Zeiten von PC p-correct bezeichnet, werden dicker/fetter, vor allem weil sie in Solidarität/Gemeinschaft sich das junkfood in die Figur ziehen.
    Menschen, welche an “Magersucht” leiden, sind -soweit ich weiß- zu 99,99% Einzelgänger. Mir sind keine Fressverweigerungsgruppenorgien bekannt; der gemeinschaftliche Samstag- Sonntag- und Wochentagausflug zu McDonalds jedoch sehr wohl 😉

  26. Christian Peter

    @T.Holzer

    mit Leuten wie Ihnen zu diskutieren, ist reine Zeitverschwendung. Einerseits werden Nichtraucher nur in den seltensten Fällen den gemeinsamen Besuch eines Raucherlokals mit Rauchern ablehnen, andererseits gibt es dort Angestellte, die durch rauchende Besucher massiv an der Gesundheit geschädigt werden (kommen’s aber jetzt nicht wieder mit dem dämlichen Spruch : Man kann sich den Arbeitsplatz doch aussuchen).

  27. de Voltaire

    “werden Nichtraucher nur in den seltensten Fällen den gemeinsamen Besuch eines Raucherlokals mit Rauchern ablehnen”

    @ CP
    Selten dämlich, aber auch selten ehrlich. Sie können sich gegen ihre Freunde nicht durchsetzen, daher kämpfen sie hinterücks in der Wahlzelle gegen diese? Der Staat hat in Ihren Augen die Aufgabe, Sie vor Ihren Freunden zu beschützen? With a little Help against my friends?
    Es sind Aussagen wie diese, warum ich … ach, lassen wir das.

  28. Christian Peter

    @de Voltaire

    der Staat hat die Aufgabe, die Freiheit der Nichtraucher zu schützen. Daher kann das Rauchen nicht an allen Orten der Erde erlaubt sein – einfach lächerlich, darüber lange Diskussionen zu führen.

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