Der große Multi-Kulti-Betrug

(WERNER REICHEL) Die Schweizer haben falsch abgestimmt. Sagt die EU. Der Ausgang der Volksabstimmung hat die politisch-korrekte Elite in Europa in Rage gebracht und in Panik versetzt. Es wird geschimpft, gelästert und gedroht. Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble: „Das wird eine Menge Schwierigkeiten für die Schweiz verursachen.” Die Grünen sprechen von einem „historischen Rückschritt“. Und ausgerechnet der Vorsitzende der Linken, Bernd Riexinger, meint: „Was Europa als Letztes braucht, sind neue Mauern.” Das kann man wohl nur mit Humor nehmen. Riexinger fordert jedenfalls so wie die Eurokraten eine „deutliche Antwort der EU”.

Und die gibt es auch prompt. Erste Strafmaßnahmen sind bereits eingeleitet worden. Als kleinen Vorgeschmack hat die EU die Verhandlungen über das milliardenschwere Forschungsabkommen „Horizon 2020“ und das Studentenaustauschprogramm „Erasmus“ auf Eis gelegt. Wer nicht hören will, muss fühlen.

Die weitgehend hysterischen und überzogenen Reaktionen werden einerseits mit den vermuteten Vertragsbrüchen begründet, vor allem aber appellieren die „gutmeinenden“ Hüter der politisch-korrekten Moral an die „Vernunft“ der Schweizer. Ohne einen permanenten und möglichst unkontrollierten Zustrom an Zuwanderern wird das Land wirtschaftlich, sozial, kulturell und was nicht noch alles den Bach runter gehen.

Nebenbei unterstellt man den Schweizern, in deren Land derzeit über 23 Prozent Ausländer leben, auch gleich Xenophobie, die politisch-korrekte Allzweckwaffe gegen alle Kritiker der europäischen Einwanderungspolitik. Dass die Schweizer keine Mauern errichten und die Zuwanderung auch nicht stoppen, sondern nur über deren Ausmaß selbst bestimmen wollen, lässt die EU-Nomenklatura dabei gerne unter den Tisch fallen.

Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner hat das so ausgedrückt: „Geistige Abschottung kann leicht zur Verblödung führen.” Die Schweiz hat offenbar einen wunden Punkt erwischt. Es geht um die Grundfesten und um das Glaubensbekenntnis der Multikulti-Ideologie respektive -Religion. Wenn diese angezweifelt und in Frage gestellt werden, dann fährt die EU schwere Geschütze auf. Zumal viele EU-Bürger ähnlich wie die Schweizer denken. Das haben einige Meinungsumfragen deutlich gezeigt. Multikulti gehört so wie Genderismus oder Ökultismus zu den unverrückbaren Säulen der EU.

Wer sich gegen Massenzuwanderung ohne sinnvolle Regelungen und notwendige Rahmenbedingungen ausspricht, der ist deshalb ein Ketzer. Denn, so das wichtigste Dogma der europäischen Multikulti-Religion, nur möglichst unkontrollierte Zuwanderung garantiert einer Gesellschaft oder einem Staat Fortschritt, Wohlstand und eine rosa bis bunte Zukunft. Das wird den Europäern täglich auf nicht besonders subtile Art eingehämmert. Aber ist das tatsächlich so? Gibt es dafür eigentlich Belege, tragfähige Argumente, Erfahrungswerte und wenn ja: Warum hält man sie vor den Bürgern versteckt?

Nach den Theorien des Herrn Stegner und seiner linken Genossen müssten etwa die Japaner vollkommen verblödet und degeneriert sein. Schließlich war Japan in der Edo-Zeit fast völlig isoliert. Auf Ein- und Auswanderung stand damals sogar die Todesstrafe. Erst nachdem Commodore Matthew C. Perry 1853 mit seinen 3 US-Kriegsschiffen in der Edo-Bucht landet, öffnet sich das Land. Doch diese Öffnung betrifft nur die Wirtschaft, die Handelsbeziehungen, die Außenpolitik, Wissenschaft und Forschung, nicht jedoch die Zuwanderung. Japan ist bis heute kein Einwanderungsland und hat nach wie vor eine weitgehend homogene Bevölkerungsstruktur.

Dennoch ist Japan weder rückständig noch verarmt oder gar verblödet. Im Gegenteil. Japan ist, und das sollte sich auch bis zur SPD durchgesprochen haben, eine der größten, innovativsten und erfolgreichsten Volkswirtschaften auf diesem Globus. Und das auch ohne massenhafte Zuwanderung. Ja, ja hohe Schulden haben die EU und die USA auch. Ein Multikulti-Paradoxon?

Mitnichten. Denn es gibt noch andere – sogar bessere – Beispiele. Etwa Südkorea. Die dortige Bevölkerung ist in ethnischer Hinsicht weitgehend homogen. Die einzige größere Minderheit sind die knapp 200.000 Chinesen. Auch hier greift die Stegnersche Verblödungsthese nicht. Innerhalb kürzester Zeit hat sich Südkorea von einem rückständigen Agrarland zu einer der führenden Wirtschaftsnationen der Welt aufgeschwungen. Viele europäische Neosozialisten telefonieren sogar mit den innovativen und schicken Smartphones aus dem bösen Monokultireich. Starke Weltkonzerne, erstklassige Infrastruktur, tolles Schulsystem mit ausgezeichneten PISA-Ergebnissen und das alles ganz ohne multikulturelle Bereicherung. Wie machen das die Südkoreaner? Das dürfte es laut der politisch-korrekten Elite eigentlich gar nicht geben.

Sollte den Multikulti-Apologeten der Blick über den europäischen Tellerrand allzu schwer fallen, dann tut es auch die Beschäftigung mit der jüngeren Geschichte Deutschlands oder Österreichs. Denn die beiden Länder haben es nach dem Zweiten Weltkrieg mit Unterstützung der Amerikaner auch ohne Massenzuwanderung schnell zu Wohlstand und wirtschaftlichem Erfolg gebracht. Offenbar ist Massenzuwanderung, entgegen den Multikulti-Glaubenssätzen, keine unabdingbare Grundvoraussetzung für Erfolge in Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung oder Kunst. Von Verblödung ganz zu schweigen. Die dürfte eher in Brüssel rasant voranschreiten. Die von der EU propagierte Alternativenlosigkeit der Massezuwanderung ist jedenfalls nichts anderes als eine Lüge.

Dabei geht es gar nicht darum, Zuwanderung zu verurteilen oder zu bewerten. Es geht vielmehr um eine sachliche und ehrliche Auseinandersetzung, basierend auf Fakten und echten Argumenten. Doch die scheuen Europas Mainstream-Politiker. Europas Linke hat Massenzuwanderung zum quasireligiösen Dogma erhoben, um sie gegen jede Art von Kritik und Einwände zu immunisieren. Wer auch nur leise Zweifel anmeldet, der kann, ohne dass man die ohnehin kaum vorhandenen Argumente bemühen muss, mit der Rassismuskeule mundtot gemacht werden. Das ist zwar für die politisch-korrekte Elite recht praktisch, aber das Gegenteil von demokratisch oder gar liberal.

Außerdem gibt es ja genügend gute Gründe für (kontrollierte) Zuwanderung. Schließlich hat Europa intelligente, fleißige und leistungsorientierte Einwanderer durchaus nötig. Doch darum geht es längst nicht mehr. Die machen nämlich einen großen Bogen um die EU, weil andere Länder und Regionen mehr Möglichkeiten und eine bessere Zukunft bieten. Die etwa vollmundig angekündigte Rot-Weiß-Rot Card hätte ebendiese Menschen nach Österreich locken sollen. Sie hat sich als totaler Flop erwiesen. Wer es zu etwas bringen möchte, für den sind die leistungsfeindlichen Sozialstaaten in der EU immer seltener eine Option.

Wobei es bei der Debatte um Zuwanderung und Einwanderungspolitik ohnehin immer weniger um Wirtschaft oder Fortschritt geht. Die Grüne Katrin Göring-Eckardt hat es so ausgedrückt: „Wir brauchen Migranten, die sich in unserem Sozialsystem wohl fühlen.“ Wobei sich die Frage stellt, wer mit „wir“ gemeint ist. Sollte sie damit aber die Grünen und die andern linken Parteien meinen, so ist das wahrscheinlich richtig.

So wie die Zuwanderung derzeit von den EU-Staaten gehandhabt wird, ist der Schaden größer als der Nutzen. Mit den falschen Signalen und Anreizen ist Europa vor allem für die bildungs- und leistungsfeindlichen Schichten attraktiv geworden. Die Rahmenbedingungen in den EU-Staaten sind schlicht die falschen. Die negativen Folgen dieser Politik werden immer offenkundiger.

Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum die europäischen Politiker so hysterisch und panisch auf das Ergebnis der Schweizer Volksabstimmung reagiert haben. Sie wollen nicht direkt vor ihrer eigenen Haustür vorgeführt bekommen, wie falsch sie mit ihren Multikulti-Thesen und ihrer Einwanderungspolitik liegen.

Werner Reichel ist Journalist und Autor aus Wien. Vor wenigen Tagen ist sein neues Buch „Die Feinde der Freiheit“ erschienen.

23 comments

  1. M. Sastre

    Die verantwortlichen europäischen Politiker sehen die Schweiz offenkundig bereits als einen festen Bestandteil ihres Machtbereichs. Anders ist ihr anmaßendes und erpresserisches Verhalten nicht zu erklären. Die vielen bisher angestrebten Verträge dienten dazu, einen Beitritt bzw. die Bindung an/in die EU durch die Hintertür vorzubereiten. Dabei ist die Schweiz in der Vergangenheit sehr gut mit ihrer eigenständigen Neutralität gefahren und ich empfehle, daran festzuhalten, zumal sich das Experiment EU ohnehin seinem erkennbaren Ende nähert.
    Sehr kurios ist es, dabei mit anzuschauen, wie unsere “hohen europäischen Führer” krampfhaft versuchen, sowohl die EU als auch die Eurozone geographisch weiter auszubauen, während die ersten Staaten bereits die Reissleine ziehen und einer weiteren Integration eine Absage erteilen. Sicher will man sich noch die Türkei, die Ukraine und so manchen anderen Staat einverleiben, währen im Zentrum der Zusammenbruch voranschreitet. Ein typisches Merkmal überdehnter Reiche; an den Grenzen aggressiv expandierend und im Inneren bereits der fortschreitende Verfall.
    Wenn wir uns nicht im Auge des Sturm befänden, könnte man diese Schauspiel fast genießen!

  2. Herbert

    Ja, die Schweizer haben schon viel überstanden, Habsburger, Nazis….
    In die EU wollen hingegen nur noch unterentwickelte Staaten, die die EU-Gelder dringend brauchen. Die reiche Schweiz und Island geben ihr hingegen einen Korb. Ist für das tolle EU-Projekt irgendwie peinlich. Die EU ist eben ein Auslaufmodell

    Hoffentlich bleiben die Schweizer (trotz ihrer linken Politiker) standhaft. Ein neuer Rütlischwur gegen die EU muss her

  3. M. Sastre

    Man möchte weltweit, zumindest aber europaweit, nach dem freien Waren- und Geldverkehr für Unternehmen (nicht für Privatleute) nun als drittes den freien Verkehr von Arbeitskraft forcieren, um diese an jedem gewünschten Ort innerhalb Europas für die Wirtschaft verfügbar zu machen. Dieses Konzept von Globalisierung ist eines, daß es den Konzernen möglich macht, letztendlich an jedem Ort der Welt die für eine Produktion notwendigen Ressourcen kostengünstig und kurzfristig zusammenzuziehen. Wo genau das ist, entscheiden die Firmen ständig neu, entsprechend den jeweiligen Rahmenbedingungen heute hier und morgen dort. Diese Entwicklung ist keineswegs zum Nutzen des Einzelnen – er wird in letzter Konsequenz zum entwurzelten Arbeitsnomaden, der den zeitlich befristeten Arbeitsgelegenheiten folgen muss wo immer sie sich bieten.
    Die Versprechungen vom Fortschritt und Wohlstand für alle haben sich längst als Illusion und Verkaufsargument für den Rückbau nationaler Souveränität entpuppt. Wer jetzt die Südperipherie Europas verlässt und nach Deutschland, oder eben auch in die Schweiz, kommt, der tut dies nicht mehr um die Welt zu entdecken oder sich persönlich zu entwickeln, sondern aus wirtschaftlicher Not. Die Schweiz würde dadurch auch zu einem Ventil, um das revolutionäre Potential in den Krisenländern zu entschärfen.

  4. helvetia

    Meine lieben Mitmenschen im Aus-und Inland. Der Entscheid war ein Volksentscheid, und der Bundesrat hat ihn innert Frist umzusetzten. Nur wird es diesmal ein bisschen anderst sein, das erste Mal soll ein Gremium, aus Wirtschaftsvertretern, die Kantone und der Partei (SVP) mitbehilflich sein. Nicht nur das Ausland war total geschockt, sondern auch unsere Regierung, denn es war eine schallende Ohrfeige an den Bundesrat, ja auch die Herren und Damen müssen das erste Mal richtig ackern, und Farbe bekennen, der Volkszorn brodelte schon lange über die vielen Gesetzte, die erlassen wurden, entweder wurden Sie nicht umgesetzt oder so ver(eu)isiert, dass schlussendlich nicht mehr viel übrig war. Unter anderem ist es sehr mühsam, dass in einem unabhängigen Land das eigene Bundesgericht, das laut Schweizer Verfassung das höchste Organ ist noch von Brüssel bevormundet wird.
    Ich denke die grösste Angst, der EU ist der Nachahmungseffekt, denn die wissen, dass wenn so ein kleiner Zwerg gegen Goliath geht, dann machens die andern nach. Ich bezeichne unseren Entscheid als Vorbildfunktion und ein Mutmacherli für andere Staaten ihre Souveränität zurückzuholen. Meine grösste Hoffnung, dass dies auch geschieht, und die EU, dieser despotische, Geld fressende Moloch, ganz natürlich in sich selbst zerfällt.
    Übrigens amüsieren wir uns köstilich über dieses EU-Gegoggel.
    Wir freuen uns auch über die deutsche Resonnanz, denn wir haben in den grenznahen Gebieten Deutschlands excellente Wirtschaftbeziehungen mit sehr guten Sinergieeffekten, und hier wird sich jeder überlegen was er tun will.
    Der humanitäre Auftrag, den die Schweiz seit x-Jahren erfüllt, wird nicht verringert, aber er wird wieder vermehrt in den Ländern selbst geschehen, wir die Schweizer Bevölkerung ist überzeugt, dass Sozialer Frieden nur durch eine selbstbestimmte und zufriedene Bevölkerung erhalten werden kann.
    Der neue Rütlischwur hat soeben seine Geburt erlebt.

  5. world-citizen

    Thema verfehlt! Hier geht’s nicht um “Multikulti” sondern zum überwiegenden Teil um Menschen, die allesamt Träger der europäischen Kultur sind.
    Und bisher gab es von diversen Personen Meinungsäußerungen zum Thema, die allesamt ausschließlich privater Natur waren.
    Die EU hat bisher darauf überhaupt nicht reagiert, weil sie auch keinen Handlungsbedarf hat. Es sind die Schweizer Politiker, die in Brüssel anklopfen müssen, wenn sie Vertragsänderungen wollen. Und auch der freundschaftliche Besuch des Schweizer Bundespräsidenten in Berlin wird nichts daran ändern, dass Angela Merkel weder befugt noch legitimiert ist, diesbezüglich irgendwelche Zugeständnisse zu machen. Ansprechpartner sind Parlament und Kommission. Und da zur Zeit bekanntlich Wahlen anstehen, wird es wohl mindestens bis zum Herbst dauern, bis das neue Parlament konstituiert und die neue Kommission angelobt ist. Bis dahin liegt die Sache auf Eis.
    Und so lange dies der Fall ist besteht auch die Rechtsunsicherheit. Manche Dinge sind einfach zu komplex um sie Leuten zu überlassen, deren Informationsstand aus einem täglichen Konsum von 15 Min. Blick-Zeitung gespeist wird.

    http://wirtschaftsblatt.at/home/nachrichten/europa/1560910/Die-Schweiz-hat-kaum-eine-Idee-Europa-fordert-Konsequenzen

  6. Thomas Holzer

    @WC
    “Manche Dinge sind einfach zu komplex um sie Leuten zu überlassen, deren Informationsstand aus einem täglichen Konsum von 15 Min. Blick-Zeitung gespeist wird.”

    Auch wenn Ihr Informationsstand umfangreicher sein sollte, als der von Leuten, wie von Ihnen oben angeführt, würde ich trotzdem/oder gerade deswegen, gar nichts Ihnen (zur Entscheidung) überlassen; 😉

  7. M. Sastre

    @WC,

    da spricht der Kosmopolit und erklärt den Schweizern und den anderen Dummerchen erst einmal, wie falsch sie doch liegen. Das es bei einer Abstimmung immer wieder um Meinungsäußerungen geht, die von privater Natur sind, versteht sich von selber. Welche Meinung sollen die Bürger denn sonst haben, als eine eigene, und die ist nunmal von privater Natur? Mag sein, daß der Vorstand von Nestle oder der UBS hier eine andere, natürlich professionellere, Meinung gehabt hätte, aber es ging eben nicht um die Geschäftsinteressen von Unternehmen
    Ich glaube allerdings auch nicht, daß Sie wirklich weit herumgekommen sind, denn dann würden sie sicherlich mit der Plattitüde, alle seien irgendwie ja auch “Träger der europäischen Kultur” etwas vorsichtiger zu Werke gehen. Das es historisch gewachsene kulturelle Parallelen gibt, heißt eben nicht, das wir nun alle gleich wären. Gerade die kulturelle Vielfalt auf relativ kleinem Raum ist typisch für unseren Kontinent. Und diese droht zunehmend verloren zu gehen!
    Das was wir hier erleben, ist die Erpressung eines kleinen Landes mit der Androhung einer fortdauernden wirtschaftlichen Belagerung, sollte es sich nicht mit der weiteren Aufnahme von Zuwanderern abfinden.
    Mit den Amerikanern verhandelt man doch jetzt auch über eine umfassende Freihandelszone, inkl. Investitionsschutzklauseln, ohne daß wir dabei kategorisch verlangen, Europäern den Zugang zum Arbeitsmarkt und in die Sozialversicherungssysteme zu ermöglichen. Die Amerikaner würden sich solch eine Frechheit auch nicht bieten lassen.
    Aber es ist halt unheimlich schick, als Weltbürger unterwegs zu sein und den ganzen Hinterwäldlern mal ein wenig Weitsicht einzuhämmern, äh, ich meinte: einzuflössen.
    Wahrscheinlich sitzen Sie, während sie ihre Kommentare schreiben, in Ihrem alten Ballonseidentrainingsanzug auf Ihrem geerbten Ikea-Sofa mit Lederimitat und sind noch nie in irgendeine Himmelsrichtung über Kärnten hinaus gekommen. (Ironie aus)

  8. world-citizen

    >>>>>>>>>>>>>>>>> Mit den Amerikanern verhandelt man doch jetzt auch über eine umfassende Freihandelszone, inkl. Investitionsschutzklauseln, ohne daß wir dabei kategorisch verlangen, Europäern den Zugang zum Arbeitsmarkt und in die Sozialversicherungssysteme zu ermöglichen. <<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<

    In den USA gibt es keine Zuzugsbeschränkungen, wenn etwa ein Hawaiianer nach Chicago ziehen will.
    Und ich als Bürger Europas will mich nicht an ein enges Alpental fesseln lassen, wenn ich mich am Meer wohler fühle. Ich bin nicht bereit, mich dauerhaft an einen bestimmten Ort zu binden, nur um irgendeine regionale Tradition aufrecht zu erhalten. Traditionen leben so lange, wie es Menschen gibt, die sie freiwillig pflegen. So bald die Freiwilligkeit zu Zwang wird, ist sie schon gestorben.
    Aber das Gesetz der Evolution verlangt nun mal, dass immer etwas altes sterben muß, damit etwas neues entstehen kann. Nun ist eben die Zeit gekommen, in der die Nationalstaaten im Begriffe sind, abzusterben. Jeder Versuch, das Unvermeidliche hinauszuzögern ist sinnlose Zeitvergeudung und ein Verbrechen an der jungen Generation.

  9. world-citizen

    >>>>>>>>>>>>>> denn dann würden sie sicherlich mit der Plattitüde, alle seien irgendwie ja auch “Träger der europäischen Kultur” etwas vorsichtiger zu Werke gehen. <<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<

    Für Europäische Ohren sprechen alle Chinesen chinesisch, obwohl es in Wahrheit dort mindestens ebenso viele Sprachen wie in Europa gibt; nur für uns klingen sie alle gleicht.
    Nicht anders dürfte es in Europa Chinesen ergehen – für die sprechen wir alle europäisch. Und in der Tat sind alle europäischen Sprachen indogermanischen Ursprunges und alle Sprachen verwenden Buchstabenschriften.
    Die Unterschiede sind zwar vorhanden aber marginal. Ein Franzose in Genf oder Laussanne ist Träger der selben Kultur, wie ein eingeborener Westschweizer. Ein Italiener in Lugano oder Bellinzona ist Träger der selben Kultur, wie ein eingeborener Tessiner.

  10. Thomas Holzer

    @WC
    “Und in der Tat sind alle europäischen Sprachen indogermanischen Ursprunges ”

    Und in der Tat, da liegen Sie aber mehr als nur falsch!

    Politisch betrachtet sind Sie nicht Bürger des geographischen Europa, sondern nur(sic!) des EU-Europa; daher haben Sie maximal das Recht, sich in EU-Europa frei zu bewegen.
    Mit Belarus, dem europäischen Teil von Russland und der Türkei wird es schon schwieriger, Ihren Wunsch nach Freiheit zu erfüllen; auch wenn die genannten Länder bei Erlassung ihrer Gesetze sicherlich nicht an Sie gedacht haben.

  11. Thomas Holzer

    @WC
    “Die Unterschiede sind zwar vorhanden aber marginal.”

    Ja, die Unterschiede sind wirklich marginal, ein Finne in Helsinki ist Träger derselben Kultur wie ein Sizilianer in Palermo, und ein Niederländer in Den Haag wie ein Grieche auf Zakynthos….

    Geht’s noch?!

  12. world-citizen

    >>>>>>>>>>>>>>>>>>> daher haben Sie maximal das Recht, sich in EU-Europa frei zu bewegen. <<<<<<<<<<<<<<<<<<

    Und die Schweiz hat mit der EU Verträge geschlossen, die nicht nur den EU-Bürgern das Recht einräumt, sich in der Schweiz niederzulassen, sondern auch Schweizer Bürgern in allen Ländern der EU. Mehr als 500000 haben davon Gebrauch gemacht und sich z.B. Altersdomizile im sonnigen Süden angeschafft.
    Die Verträge beruhen auf Gegenseitigkeit und ich hoffe für alle beteiligten, dass diese auch in Hinkunft gewahrt bleiben wird. Eine Sonderregelung, die Schweizern Rechte einräumt, die die Schweiz anderen nicht gewähren will soll und darf es nicht geben.

  13. gms

    WC,

    “In den USA gibt es keine Zuzugsbeschränkungen, wenn etwa ein Hawaiianer nach Chicago ziehen will. Und ich als Bürger Europas ..”

    Wenn Sie versprechen ganz tapfer zu sein, will ich Ihnen drei gut gehütete Geheimnisse anvertrauen. Erstens ist die EU nicht Europa, zweitens ist die Schweiz nicht bei der EU und drittens gibt es keine europäische Bürgerschaft (vielleicht verwexeln Sie da ‘was mit Australien).

    “Die Unterschiede sind zwar vorhanden aber marginal”

    Ignoranz war noch selten eine Tugend. Tun Sie mir nachfolgenden Gefallen? — Missionieren Sie versuchsweise doch mal Japaner, Taiwanesen oder Südkoreaner mit Ihren Es-ist-eh-alles-marginal-Thesen. Die werden Sie daraufhin zwar ebenfalls für einen infantilen Trottel halten, aber anders als hierzulande sagt man es Ihnen wenigstens nicht ins Gesicht.

  14. world-citizen

    >>>>>>>>>>>>>>>>>> Japan ist bis heute kein Einwanderungsland und hat nach wie vor eine weitgehend homogene Bevölkerungsstruktur. <<<<<<<<<<<<<<<<<<<<

    Sieht man mal davon ab, dass Japan ausschließlich aus Inseln besteht und Südkorea seit 1953 eine de facto Insel ist, weil alle Landwege zum Rest des Kontinents abgeriegelt sind, fallen mir gerade bei Japanern die negativen Auswirkungen dieser "homogenen Bevölkerungsstruktur besonders auf – insbesondere wenn man Japanische Touristen beobachtet, die immer und überall nur in Gruppen auftreten. Einzelreisende sieht man so gut wie nie.
    Individualismus ist dort faktisch unbekannt – eine Entwicklung, die auch einst die Nazis mit den Deutschen vor hatten.
    Eine Aufarbeitung des WK II so wie in Deutschland hat in Japan übrigens niemals stattgefunden. Sogar der Kaiser wurde auf seinem Thron belassen.
    Japan ist wahrhaftig kein Vorbild für die humanistische Welt.

  15. Thomas Holzer

    @WC
    Bitte nicht persönlich nehmen, aber Sie sind auch kein Vorbild für eine/die humanistische Welt!

    Ach die bösen Japaner, haben doch glatt den Kaiser behalten dürfen; das scheint ja in Ihren Augen der Ausbund von Unkultur zu sein; dann müssen ja die Briten auch ganz böse inhumane Menschen sein, haben die doch glatt vor 2 Jahren ihrer Queen fast ohne Unterlaß zugejubelt…

  16. gms

    WC,

    “Nazis [..] Japan ist wahrhaftig kein Vorbild für die humanistische Welt.”

    Nachdem Sie hier einmal mehr Godwins Law strapazieren: Wollen Sie sich nicht mal versuchsweise an der Einwanderungspolitik von Australien, Kanada und Neuseeland abarbeiten? Um Ihrem Ergebnis vorwegzukommen: Es sind gewiß alles verkappte Nationalsozialisten dort, legen sie doch allesamt Wert auf ein nicht zu unterschreitendes Mindestniveau ihrer Zuwanderer.

  17. world-citizen

    >>>>>>>>>>>>>>>> Missionieren Sie versuchsweise doch mal Japaner, Taiwanesen oder Südkoreaner mit Ihren Es-ist-eh-alles-marginal-Thesen. <<<<<<<<<<<<<<<<

    Wie viel wollen wir wetten, dass Sie als Europäer auf den ersten Blick nicht die japanische, die koreanische und die chinesische Schrift unterscheiden können. Und für einen Chinesen, der keine Fremdsprachen gelernt hat, dürften wohl die lateinische, die griechische und die kyrillische Schrift auch schwer unterscheidbar sein. Es ist alles relativ.

  18. world-citizen

    >>>>>>>>>>>> drittens gibt es keine europäische Bürgerschaft <<<<<<<<<<<<<<<<<<

    Die Unionsbürgerschaft gibt es sehr wohl – seit den Verträgen von Maastricht.
    Und außerdem gibt es nicht den geringsten Grund, Dinge die bisweilen noch nicht existieren zu schaffen.

  19. world-citizen

    >>>>>>>>>>>>>>>> ein Finne in Helsinki ist Träger derselben Kultur wie ein Sizilianer in Palermo, und ein Niederländer in Den Haag wie ein Grieche auf Zakynthos <<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<

    Die Unterschiede zwischen einem Finnen und einem Sizilianer entsprechen ziemlich genau den Unterschieden zwischen einem Chinesen aus Harbin (http://lh3.ggpht.com/-7ZDzqjrc6_M/TwVQGO9V_JI/AAAAAAAATXg/pDc3RT4-uu8/harbin-ice-festival-2012-112.jpg?imgmax=800) und einem Chinesen aus Hainan (http://images.fotocommunity.de/bilder/china/hainan-island-haikou/die-chinesische-tropen-insel-hainan-cb95af37-a946-4a62-b27e-7777fd148149.jpg). Der eine lebt im hohen Norden und der andere im tropischen Süden.

  20. M. Sastre

    @WC,

    so langsam wird mir klar, welche Problematik in ihrem Alpental vorherrscht. Ich empfehle Ihnen ganz dringend, ausreichend Augenmerk auf eine ausreichende genetische Variabilität zu richten. Insofern kann ich Ihr Interesse am Zugang zu schweizerischen Nachbartälern nun besser nachvollziehen.

    Aber mal im Ernst: Um die Globalisierung als notwendige Entwicklung gemäß den Gesetzen der Evolution zu beträchten, muss man aber schon etwas länger im eigenen Saft geschmort haben. Da erlebt der marx’sche Determinismus fröhliche Wiederauferstehung.
    Wenn ein Hawaiianer nach Chicago umzieht, bleibt er dabei im eigenen Land. Wenn jemand von Helgoland nach München zieht, verhält es sich genauso. Mit der Möglichkeit, über Staatsgrenzen hinweg in der EU seinen Wohnsitz zu wechseln, sind EU-Bürger bereits privilegiert. Die Schweiz will sich dem nun mal nicht anschließen, genau wie Russland, Indonesien, die südlichen Kapverden und Sansibar es nicht wollen. Aber dies hat gms Ihnen bereits versucht klarzumachen.
    Eigentlich wollte ich etwas detaillierter auf ihre Argumentation eingehen aber der Salat aus indogermanischem Sprachtum, japanischen Gruppenreisenden mit falschem Kaiser, europäischen Buchstabenschriften und Finnen, die doch tatsächlich gleichzeitig Sizilianer auf Zakynthos sind verwirrt mich zusehends.
    Wenn das mit dem Aussterben der Nationalstaaten alles so evolutionär und unvermeidbar ist, warten Sie doch einfach noch ein bisserl ab, bis es den Schweizern wie den Dinosauriern geht und sie ausgestorben sind. Dann brauchen wir mit denen auch keine Verträge mehr zu schließen.

  21. world-citizen

    >>>>>>>>>>>>>>>> warten Sie doch einfach noch ein bisserl ab, bis es den Schweizern wie den Dinosauriern geht und sie ausgestorben sind. <<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<

    Ja, die Dinosaurier waren eine Spezies, die ausgestorben ist. Schweizer dagegen sind keine Spezies sondern Exemplare der Spezies Homo Sapiens. Und diese ist bekanntlich in keinster Weise vom Aussterben bedroht, sondern vermehrt sich weiter – jedes Jahr um 80 Millionen. Und das Ende der europäischen Nationalstaaten wird weder das Ende der Menschheit, noch das Ende Europas sein. Wozu also die ganze Aufregung?
    Wenn nicht über Europa eine neue Eiszeit hereinbricht, werden auch in 200 Jahren in dem Gebiet, wo heute die Schweiz liegt Menschen leben. Who cares?

  22. Christian Weiss

    Und die Schweiz hat mit der EU Verträge geschlossen, die nicht nur den EU-Bürgern das Recht einräumt, sich in der Schweiz niederzulassen, sondern auch Schweizer Bürgern in allen Ländern der EU. Mehr als 500000 haben davon Gebrauch gemacht und sich z.B. Altersdomizile im sonnigen Süden angeschafft. – See more at: https://www.ortneronline.at/?p=27320#comments

    Jeder dritte Auslandschweizer wohnt in einem Nicht-EU-Staat. Von der Personenfreizügigkeit, die erst seit wenigen Jahren gilt, haben die wenigsten profitiert. Sie tun immer so, als gäbe es ohne Personenfreizügigkeit keine Migration mehr, und das ist einfach Unsinn.

    Ein Franzose in Genf oder Laussanne ist Träger der selben Kultur, wie ein eingeborener Westschweizer. Ein Italiener in Lugano oder Bellinzona ist Träger der selben Kultur, wie ein eingeborener Tessiner. – See more at: https://www.ortneronline.at/?p=27320#comments

    Und auch das ist einfach Unsinn. Es gibt ziemlich deutliche Mentalitätsunterschiede, die vor allem auch der demokratischen Geschichte der Schweiz geschuldet sind. Schweizer haben für gewöhnlich ein ganz anderes Staatsverständnis als Franzosen und Italiener.

  23. Thomas Holzer

    @Christian Weiss
    WC Diktion: Was nicht sein darf, kann nicht sein, wird daher zurecht gebogen (siehe die Behauptung nicht vorhandener Mentalitatsunterschiede)

    @WC
    “Der eine lebt im hohen Norden und der andere im tropischen Süden.”

    Der Mentalitätsunterschied zwischen einem Sizilianer und Lombarden ist auch evident; da ist es aber nicht weit her mit tropischem Suden und hohem Norden 😉

    Und zwischen Ost- und Westschweizern liegen auch nicht gerade Breitengrade, die Mentalitätsunterschiede werden jedoch als ganz selbstverständlich anerkannt und akzeptiert(sic!), als Bereicherung der Vielfalt und Unterschiedlichkeit innerhalb der Schweiz!

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