Der Insel der Seligen steht das Wasser bis zum Hals

Von | 27. April 2014

(von RA Dr. Wolf-Georg SCHÄRF)  Österreich ist heute an einen Kreuzungspunkt seiner Geschichte angelangt .Viele meinen, es ist ein Stillstand eingetreten, andere diskutieren über die Vorreiterrole Österreichs im Umweltschutz, und dass wir ein Musterland sind oder sein sollen.  Die allgemeine politische Diskussion ist in Wahrheit von einem Lagerdenken geprägt, die Intellektuellen  beteiligen sich nicht an den großen internationalen Diskursen, sondern verkünden, warum die Standpunkte einer Partei per se indiskutabel sind, ohne sich mit diesen unter Berücksichtigung der internationalen Fakten und Realitäten auseinanderzusetzen.

Das Bildungssystem liegt in Wahrheit darnieder, in den AHS können die Schüler teilweise nicht deutsch, sagen „GEMMA BILLA“, wenn sie einkaufen gehen meinen, die Ergebnisse in den PISA Tests in den letzten Jahren waren auch nicht überwältigend. Jetzt wurde die Durchführung der PSIA Tests aus fadenscheinigen Gründen abgesagt, die Diskussion darüber ist ein Abbild des Zustandes Österreichs.

 

Österreich ist nicht eine Insel der Seligen, irgendwo in der Weite eines Ozeans, von den Ereignissen in der Welt weit entfernt und von diesen nur marginal beeinflusst. Die Welt hat sich in den letzten 20 Jahren immer schneller zu drehen begonnen. Heute verändern Google, Facebook, Amazon sowie die anderen internationalen Tech Konzerne das Wesen unseres Lebens sowie die Art des Wirtschaftens. Die Krise über die Krim als auch der Zerfall der Ukraine, stellen die bisherigen Konzepte der Außenpolitik in Frage, Europa hat keine Antwort darauf gefunden.

 

Österreich ist ein Industrieland, selbst wenn viele es nicht glauben, wünschen oder wollen .Unser Wohlstand ist darauf aufgebaut. Es ist kein Land von Biobauern, intellektuellen Facharbeitern im urbanen Bereich, oder von Beamten  Ein erheblicher Prozentsatz der Bevölkerung ist direkt oder indirekt mit der Industrie verbunden. Die österreichische Industrie hat nur eine Chance zu überleben wenn sie Waren produzieren kann, die sich international verkaufen können. Dies bedeutet, dass diese qualitativ hochwertig, innovativ und preisgünstig sind. Damit werden vor allem auch Arbeitsplätze gesichert und geschaffen, die nicht in der Metropole Wien sind, sondern über Österreich verteilt, Menschen Arbeitsplätze geben, die Arbeiter sind.

 

Weiters muss allen klar sein, dass die Demographie eine Änderung des Sozialsystems sowie ein lebenslanges Lernen mit sich bringt.

 

Dank einer Anzahl von Bankskandalen und sonstiger Fehlentscheidungen sind auch die wirtschaftlichen  Möglichkeiten sich heute als auch in der Zukunft  Fehlentscheidungen leisten zu können, auf null geschrumpft.

 

Klargestellt muss werden, dass Österreich den Umweltschutz sich nur leisten kann, wenn es wohlhabend ist, Armut bedeutet nach den jahrhundertelangen internationalen Erfahrungen, dass der Umweltschutz oder der Schutz der Umwelt – dies ist besser –  nicht gewährleistet werden kann. Das gewünschte oder in der Öffentlichkeit transportierte Selbstbildnis ist nicht mehr aufrecht zu erhalten.

 

Da stellt sich die Frage, was zu tun ist. Zuallererst ist über den Tellerrand zu schauen. Österreich ist keine Insel sondern Teil dieser globalisierten Welt, somit haben sich die Intellektuellen mit den globalen Fragen mit den Auswirkungen auf Österreich zu beschäftigen. Dazu gehört auch eine unaufgeregte Diskussion über Einwanderung, Migrationsströme, Fragen der Kultur, Fragen der Identität. Dies alles muss unter Bedachtnahme der internationalen Erfahrungen, Fakten und den historischen Entwicklungen erfolgen.

 

Damit die Industrie blüht, sind auch niedere Energiepreise notwendig. Das Vorhandensein von qualifizierten Arbeitnehmern ist ein weiterer wichtiger Faktor. Dass die Industrie als auch die großen Handelsketten mit Inseraten Lehrlinge suchen, zeigt sehr deutlich auf, dass das Bildungssystem nicht in der Lage ist, entsprechend qualifizierte Schulabgänger zu stellen. Dieser Herausforderung muss sich Österreich ohne Vorbehalte stellen. Die Schule kann nicht ein Wohlfühlort oder Verwahrstelle für die Kinder und Jugendlichen sein. Andererseits sind diese Österreicher die Zukunft, dies bedeutet auch eine respektvolle Behandlung der Zukunft. Über diese Fragen muss ohne Vorbehalte und Tabus diskutiert werden müssen, vor allem über die Frage, welchen Sinn welche Bildung und welcher Bildungsweg haben.

 

4 Gedanken zu „Der Insel der Seligen steht das Wasser bis zum Hals

  1. Christian Peter

    ‘Österreich ist ein Industrieland’

    entspricht (leider) nicht ganz der Realität, mit einem Anteil von etwa 25 % des produzierenden Bereichs an der Gesamtwirtschaft liegt Österreich im internationalen Vergleich im Mittelfeld. Eine zunehmende Deindustrialisierung ist in allen fortgeschrittenen Volkswirtschaften zu beobachten, was meist an den hohen Produktivitätszuwächsen in diesem Bereich liegt. Die Unterscheidung zwischen Industrie und Dienstleistungssektor verliert zudem immer mehr an Bedeutung, weil sich diese Bereiche wegen starker Verschränkung immer weniger voneinander unterscheiden lassen.

    Braucht es einen hohen Industrieanteil an der Gesamtwirtschaft ?

    http://www.dievolkswirtschaft.ch/editions/201207/Busch.html

  2. gms

    Christian Peter,

    “Die Unterscheidung zwischen Industrie und Dienstleistungssektor verliert zudem immer mehr an Bedeutung, weil sich diese Bereiche wegen starker Verschränkung immer weniger voneinander unterscheiden lassen.”

    Eine allenfalls schlechte oder schlechter werdende Unterscheidbarkeit ändert nichts an der grundlegenden Reihenfolge, wonach erst das Handfeste, das Hergestellte jenen Wohlstand schafft, der eine Ausweitung der Dienstleistungen erst möglich macht.

    “Braucht es einen hohen Industrieanteil an der Gesamtwirtschaft?”

    Es ist unklug, aus einer Verkennung der Interpunktion einer Deindustrialisierung das Wort zu reden. Die Frage beantwortet sich von selbst, auf welchen Sektor man zur Not eher verzichten könnte respektive welcher Sektor mehr zum Wachstum des jeweils anderen beiträgt.

    Was den industriellen Maßstab anbelangt (Zahlen aus Wien von April 2014): Rund 200 Unternehmen des produzierenden Gewerbes dort haben über 100 Mitarbeiter. 60% aller in der Produktion tätigen Arbeitnehmer werken bei diesen Großen, erzielt werden dabei 75% der Wertschöpfung dieses Sektors.
    Als Anhänger von Leopold Kohr mag und schätze ich das Kleinräumige. Das jedoch steht nicht nicht im Widerspruch zu Skaleneffekten, welche erst jene Produktivitätssteigerungen ermöglichen, in dessen Windschatten wiederum der Dienstleistungssektor boomen kann.

  3. PP

    An der Hardware hängt jede Menge langfristige Wertschöpfung. Über den Lebenszyklus einer hochwertigen Anlage mit entsprechender Produktivität kommt da schon der Gewinn ein zweites Mal herein. Ersatzteile kosten halt oft >400% aber sie sind verfügbar oder irgendein Upgrade-Kit.
    Der Punkt ist: Wer die Hardware nicht entwickelt, produziert und verkauft, wird auch eher nicht am profitablen Servicegeschäft teilhaben.

  4. Christian Peter

    Eine funktionierende Industrie ist wichtig. Leider dient der Begriff ‘Industriepolitik’ heute im deutschsprachigen Raum hauptsächlich als Vorwand für die Milliarden – Subventionierung nicht mehr wettbewerbsfähiger Großunternehmen und Konzerne auf Kosten der mittelständischen Wirtschaft und Steuerzahler.

    ‘Her mit den Subventionen : Die Industrie hat alle Hemmungen abgelegt. Jedes Argument ist ihr recht, um an Subventionen zu kommen, mit dem Totschlagargument Arbeitsplätze, Ökologie, oder einfach Zukunft. Der Staat soll alles mitfinanzieren.’

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/staatsindustrie-her-mit-den-subventionen-1742.html

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