Der Klimawandel und das Gratis-Mittagessen

(ANDREAS TÖGEL) „Green Deal“ nennt sich der Dirigismus, der unter der Führung der neuen Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ins Werk gesetzt wird. Gigantische Summen sollen demzufolge bis 2030 in die „Klimaneutralität“ der Alten Welt gesteckt werden. Der Rest der Welt schaut amüsiert zu, zeigt jedenfalls keine Lust, dem schlechten Beispiel Eurolands zu folgen. Dass es sich bei den von der EU geplanten Ausgaben keineswegs um klassische Investitionen, sondern eher um eine Geldverbrennung in allergrößtem Stil handelt, wird jedermann einleuchten, der sein Geld außerhalb geschützter Werkstätten verdient und zwei und zwei zusammenzählen kann.

Die Fähigkeit zu investieren unterscheidet den Menschen vom Tier, das nur im Augenblick lebt. Das Wesen einer Investition ist es nämlich, durch einen heute erbrachten Konsumverzicht morgen umso mehr konsumieren zu können – also sein Wohlstandsniveau durch die Entwicklung und den Einsatz dafür geeigneter Technik(en) zu erhöhen. Ziel einer Investition ist es also, seine materielle Situation zu verbessern – nicht, sie zu verschlechtern.

Da Investitionsentscheidungen – mangels zufriedenstellend funktionierender Kristallkugeln – stets im Zustand der Ungewissheit getroffen werden müssen, können sie natürlich auch daneben gehen. Das beste Korrektiv gegen Fehlentscheidungen ist allemal die persönliche Verantwortung des Entscheiders, der das Risiko zu tragen hat – seine eigenen Mittel dafür einsetzt, seine Haut dafür aufs Spiel setzt, wie Nassim Taleb es formulieren würde.

Sinnvolle Investitionen sind daher regelmäßig das genaue Gegenteil dessen, was politische Potentaten mit dem Geld ihrer Tributpflichtigen anzustellen pflegen. Sie tragen ja nicht ein Fünkchen Verantwortung für ihr Tun, denn für ihre am laufenden Band erfolgenden Fehlentscheidungen haben schließlich andere geradezustehen: die eben genannten Steuerzahler. Wo hätte im demokratisch verfassten Wohlfahrtsstaat jemals ein Politiker mit seinem Privatvermögen und seiner persönlichen Freiheit für eine Fehlentscheidung gehaftet (man denke etwa an den Bau des zwar beinahe fertiggestellten, aber niemals in Betrieb gegangenen AKW Zwentendorf)?

Wenn nun die hochmögenden Kommissare der Union zum Schluss kommen, eine Billion (!) der von den Steuersklaven sauer verdienten Euros in die „Klimaneutralität“ (allein die blödsinnige Wortschöpfung verursacht Magenschmerzen) „investieren“ zu müssen, so ist offensichtlich, dass damit die Axt an die Wurzeln der Wohlstandsproduktion gelegt wird. Denn wäre „Klimaneutralität“ ein von den Bürgern der Union tatsächlich angestrebtes Ziel, würden sie freiwillig dafür bezahlen. Die Mittel dafür müssten nicht im Wege von CO2-Steuern aus ihnen herausgeprügelt werden.

Planwirtschaften zeichnen sich, wie die Geschichte durch zahlreiche Beispiele eindrucksvoll belegt, nicht nur durch ihre sagenhafte Ineffizienz aus, die gewöhnlich dem Informationsmangel der Politbüros geschuldet ist, sondern – und das ist wesentlich schlimmer – zeigen eine starke Tendenz zum Totalitarismus. Weil es ja schließlich ums große Ganze geht, ums Gemeinwohl (billiger als mit dem der ganzen Menschheit gibt’s die EU-Kommission nicht), sind auch alle zur Verfügung stehenden Zwangsmittel erlaubt.

Man geht recht durchtrieben zu Werke: beispielsweise werden unerreichbare Ziele definiert, wie etwa der für Personenkraftfahrzeuge angepeilte Ausstoß von lediglich 59 Gramm CO2 pro gefahrenem Kilometer, was einem Verbrauch von rund 2,2, l Diesel auf 100 Km entspricht. Eine utopische Forderung. Damit soll das von den Obertanen angepeilte Ziel der totalen Elektromobilität erzwungen werden – und zwar auf Basis der absurden und technisch natürlich unzutreffenden Annahme, dass ein batteriebetriebenes Fahrzeug keinerlei Schadstoffe produziert. Dass der Auspuff des Elektroautos nicht am Fahrzeug selbst, sondern am Kohle- Öl- oder Gaskraftwerk montiert ist (Atomstromgewinnung wird von der Kommission erstaunlicherweise nicht als klimaneutral angesehen und entsprechend gefördert), wird einfach ignoriert.
Mittlerweile liegen mehrere seriöse Untersuchungen vor, wonach der „CO2 – Fußabdruck“ eines Elektroautos größer ist als der eines Fahrzeuges mit einem modernen Dieselmotor. Es geht also offenkundig um die Verwirklichung grüner Ideologie und nicht um die Einsparung von Schadstoffemissionen .

Wer mit Subventionen Politik macht (wie auch die neue Österreichische Bundesregierung, die eine großzügige Bezuschussung des öffentlichen Verkehrs auf ihre Fahnen geschrieben hat), handelt schlicht gegen die Interessen der Marktteilnehmer – also gegen die Bürger und Wähler. „Es gibt kein freies Mittagessen“ stellte Milton Friedman einst knochentrocken fest – irgendjemand hat stets für die Kosten jeder Party aufzukommen.

Warum nicht diejenigen, die daran teilnehmen, sondern alle anderen? Warum jemanden bezuschussen, der sich den Luxus leisten kann und will, die Straßen mit einem Elektrokarren unsicher zu machen? Weshalb sollte der Fahrer einen sparsamen Dieselautos diesen Spleen mit seinen Steuern quersubventionieren?
Weshalb chronisch unzuverlässige öffentliche Verkehrsmittel mit dem Geld von Autofahrern und Fußgängern bezuschussen, damit Liebhaber schlechter Luft und großen Gedränges billiger mit der U-Bahn fahren können?

Gerade der Fetisch öffentlicher Verkehr zeigt, wohin die Reise geht: um eine Umverteilung in großen Stil. So viel Geld kann nämlich gar nicht gedruckt werden, wie nötig wäre, um auch noch den letzten Weiler in attraktiver Weise ans öffentliche Verkehrsnetz anzubinden. Wer das private Fahrzeug dem Bus vorzieht, tut das aus gutem Grund – zum Beispiel einfach aus Alternativlosigkeit.

Nutznießer der Förderung des öffentlichen Verkehrs werden ausschließlich die Städte und deren Bewohner (überwiegend Linkswähler) sein, während die Provinzler auf dem flachen Land (überwiegend Rechtswähler) als Verlierer dastehen. Das ist wohl auch genauso bezweckt.

Hernach können sich die Angehörigen der Nomenklatura dann langwierigen Betrachtungen des Phänomens Landflucht hingeben und wortreich beklagen, dass Städter einen größeren ökologischen Fußabdruck hinterlassen als Landbewohner. Woraufhin sie – zu unser aller Schaden – die nächste Drehung der Interventionsspirale in Gang setzen werden.

15 comments

  1. Mourawetz

    Klimaneutralität“ hätte zum Unwort des Jahres gewählt werden sollen, nicht „Klimahysterie“, darin angeblicheanklingende frauenfeindliche Unterton erscheint mir angesichts der Hysterikerinnen von Jung bis Alt bei den Frauen zb Thunberg, von der Leyen durchaus gerechtfertigt.

  2. Herbert Manninger

    Keine Chance, Klimahysterie ist stark in Mode, und die Mehrheit folgt ihr, auch wenn’s weh tut und zwickt.
    Sie zwängt sich ja auch in engste Jeans, lässt sich mit Piercings diverse Körperteile zunieten und in die Haut großflächige Ornamente brennen….

  3. Kluftinger

    Die Frau von der Leyen war als Verteidigungsministerin schon überfordert.
    Aber als Kommissionspräsidentin wird ihre Inkompetenz jetzt in eine europäische Dimension überführt?

  4. aneagle

    Wunder wirken kann eine Demokratie, wenn sie ausgleichend tätig wird und verschiedene Wahlmöglichkeiten für mündige gut informierte Bürger zur Verfügung stellt.

    Bestehen die Mehrheiten aber aus gelenkten Vollpfosten, wird Demokratie zum Glücksspiel für die Bevölkerung. In dieser Situation ist das reine Diktat der Mehrheit beunruhigend, ja offen destruktiv. Diese Schwäche der Demokratie kann erst behoben werden, wenn sie genug Schaden angerichtet hat

  5. Falke

    Ein kleiner Nebenaspekt der E-Auto-Hysterie, der sogar vom ORF (natürlich ganz spät abends im Weltjournal) angeprochen wurde: Der Abbau von Lithium, dem Grundstoff für die Produktion der Batterien, ist erstens extrem umweltschädlich und entzieht zweitens der einheimischen Bevölkerung in Argentinien und Bolivien die Lebensgrundlage. Die in den Abbaugebieten lebenden Indios können durch den Entzug des für die Lithiumprodukton notwendigen Süßwassers ihre Landwirschaft und Lamazucht in den ohnedies sehr kargen Gebieten nicht mehr weiterführen und wehren sich mit gerichtlichen Klagen gegen die Firmen, die den Lithiumabbau betreiben. Das ist aber den – ach so menschenfreundlichen Grünen und sonstigen Linken – wohl absolut egal.

  6. Der Realist

    Von Politikern und speziell von denen in Brüssel, ist man ja so manchen Irrsinn gewohnt. Was mich allerdings schon länger stark irritiert ist, dass sich kaum Kritiker und Vernünftige zu diesem Wahnsinn äußern, zumindest nicht in der breiten Medienlandschaft. Da wird doch tatsächlich jenen das Feld überlassen die überzeugt davon sind, dass sogar das winzige Österreich imstande ist, das Weltklima zu retten, man braucht nur Kogler zuhören.

  7. sokrates9

    Dieselmotore sollen ab 2030 verboten werden! Wenn man die Entwicklungszeiten der Automobilfirmen ansieht müsste sofort die Entwicklung eingestellt werden! Kein Mensch regt sich da auf! Eine Strominfrastruktur für großen E – Autos Bedarf herzustellen in diesem Zeitraum ist völlig unmöglich! Laakirchen möchte morgen in das Kino gehen! Anfahrtszeit mit Öffis 2 – 3 Stunden ( Regau, Ebensee oder Lenzing)Erübrigt sich aber weil es ab 20 Uhr ohnehin keine Rückfahrmöglichkeit gibt. Da hilft mir ein 1/2/3 Euroticket auch nicht weiter.

  8. Kluftinger

    @ sokrates9
    Das traurige an der Sache ist, dass die besagten Politiker nicht über den neuesten Stand der Technik informiert sind. Wären sie es, wüssten sie, dass die Euro 6 Diesel beinahe schadstofffrei sind. (eher noch besser als manche Benziner im Vergleich).
    Aber dann wäre die Parforcejagd auf den Lieblingsfeind vorbei und man müsste sich ein neues Feindbild suchen?

  9. Ralph Baumgärtner

    Wofür 1 Billion Euro ausgegeben werden soll weiß man nicht, über die Höhe ist man sich aber bereits einig.
    Bleibt zu hoffen, dass wir eines Tages aufwachen und merken, dass wir in einem Zeichentrickfilm gelebt haben.

  10. sokrates9

    Kluftinger@Es gibt noch andere Tabus! Die heutigen Atomkraftwerkbauer haben die letzten 20 Jahre auch nicht geschlafen und bieten da durchaus überlegenswerte Lösungen an!

  11. aneagle

    Jene Politiker, die der Einfachheit halber oder aus Kalkül auf den Klimaschutz setzen , werden schneller als sie glauben ein totes Pferd reiten. Denn die Ansammlung von Irrwitz- Aktivitäten bekehrt zuverlässig jeden, der sich weniger leisten können wird. Den einen halt früher, den anderen etwas später. Und diese Menschen werden nicht dem Herrn Kogler böse sein, der weiss es nicht besser, deshalb habe ihn nur 13.9% gewählt. Sehr wohl aber dem Basti, der aktiv ihren Lebensstandard für nichts und wieder nichts geopfert hat. Ganz schlechte Karten für eine Wiederwahl. Also: Rasch in jeder österreichischen Hauptstadt eine große Sackgasse nach Greta Thunberg benennen und raus aus dem Großflächen-Öko-Experiment, so lange es noch geht.

  12. Cora

    Klimawandel schön und gut, aber, wenn dann alle mit den Öffentlichen fahren, wer in alle Welt bewahrt die Nettosteuerzahler vorm Krankenstand durch die Tröpfchenansteckung? Wer wischt die Haltestangen ab? Wer passt auf, dass in der Straßenbahn alles schön sauber ist? Und dann wäre da noch was: Die Krätze ist exponentiell angestiegen, man weiß nicht warum, vor allem in engen Räumen, seltsam oder? Wer krank sein will, fährt öffentlich und zwar direkt in den Krankenstand. Solange Ansteckungsgefahr bei den Öffentlichen existiert: no way! Das Gesundheits-Hemd ist mir näher als der Klimawandel-Rock. Macht mal eure Straßenbahnen sauber!

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