Der Kuscheltier-Amtisemitismus

Von | 27. Juni 2017

( Alexandra Margalith) Inzwischen wurde die von ARTE und dem WDR in Auftrag gegebene Dokumentation „Auserwählt und ausgegrenzt“ also gezeigt. Einmal für 24 Stunden online durch Bild und im Anschluss daran in der ARD, samt medizinischem Beipackzettel (zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie unsere Disclaimer und fragen Sie unseren Faktencheck) und mit anschließender Diskussionsrunde. Mehr noch als der Film selbst hat die Diskussion um ihn, vor, während und nach seiner Ausstrahlung, eines klar gemacht: neben den Antisemiten, die im Film als solche dargestellt werden, gibt es noch eine Art:

Die Antisemiten, die noch nicht einmal merken, dass sie welche sind.

Das sind diejenigen, die ich als „Ich habe ja nichts gegen Juden, aber“-Antisemiten bezeichne. Diesen hält der Film einen Spiegel vor die Nase. Und in den Diskussionen, die ich in den sozialen Medien und meinem privaten Umfeld zu der Dokumentation führte, zeigte sich immer wieder, dass das Spiegelbild diesen Menschen nicht sonderlich gefällt.

Diese Menschen haben tatsächlich nichts gegen Juden per se. Weder glauben sie an die jüdische Weltverschwörung, noch daran, dass wir das Blut kleiner Kinder benötigen, um zum Passah-Fest Matzen zu backen. Sie haben jüdische Bekannte und Freunde. Wie eben auch mich.

Es sind genau jene, denen der Teil des Films, der in Israel, Gaza und der Westbank gedreht wurde, so aufgestoßen ist. Die wieder und wieder darauf zurückkamen, dass es keinen Sinn mache, wenn ein Film über Antisemitismus in Europa zur Hälfte im Nahen Osten spiele. Menschen, die nicht sehen wollten, dass Israel inzwischen, auch in ihren eigenen Augen, zum Juden der staatlichen Weltgemeinschaft geworden ist, dem man alles vorwerfen kann, von der Brunnenvergiftung bis hin zum Genozid.

Bekannte Stereotypen

Diese Menschen hüten sich zwar, Juden und Israelis in einen Topf zu werfen, aber sie suchen, wenn sie ihre „legitime Israelkritik“ zum Besten geben, nach dem Juden, der Israel ebenfalls kritisch sieht. Als bräuchten sie einen Koscher-Stempel auf ihrer Meinung. Ein jüdisches Zertifikat, das sie berechtigt, ihre Ansichten zu vertreten. Damit ziehen sie genau jene Verbindung zwischen den Juden und Israel, die sie vorgeben, nicht ziehen zu wollen.

Dass dieser „Legitimationsjude“ in der Regel eine absolute Mindermeinung vertritt, ficht sie nicht an. Es ist für sie völlig irrelevant, dass der Rabinplatz schon 400.000 Menschen und mehr gesehen hat, wenn gerade mal 10.000 für Frieden und eine 2-Staaten-Lösung demonstrieren, dass die Kantorin, die mit Steinmeier posiert, einer liberalen Reformgemeinde weit ab vom Mainstream angehört, oder der Sohn zweier Holocaustüberlebender, der als „Experte“ bei Maischberger sitzt, in der jüdischen Gesellschaft grundsätzlich aneckt und nicht ernst genommen wird.

Hauptsache, ein Jude, irgendein Jude, sagt das, was sie sagen. Halten sie ihre Kritik, wenn sie nicht durch einen „Legitimationsjuden“ gestützt würde, vielleicht selbst nicht für „legitim“? Und wenn man sich einer Sache nicht sicher ist, sondern irgendeinen Juden braucht, um seine Meinung zu legitimieren, was ist man dann, wenn nicht antisemitisch?

Gerne verstecken sich diese Menschen dahinter, dass es nicht angehen kann, dass man Israel nicht mehr kritisieren dürfe, ohne als Antisemit abgestempelt zu werden. Aber ist das denn wirklich so? Darf man Israel tatsächlich nicht kritisieren? Ich habe zum Beispiel weder als Jude noch als Israeli irgendein Problem damit, wenn man Israel kritisiert. Ich selbst kritisiere mein Land auch. Und zwar reichlich! Nur zeigt sich leider allzu oft, dass diese Menschen Israel eine Sonderstellung in ihrem Leben zukommen lassen. Oder kritisieren sie auch andere Staaten in diesem Ausmaß oder mit dieser Vehemenz? Sicher nicht. Stattdessen versuchen sie, mir und anderen zu erklären, dass sie Israel besonders ins Herz geschlossen hätten und es daher für wichtig hielten, es von der schiefen Bahn abzubringen. Natürlich zum Wohle Israels.

Die tatsächlichen Kenntnisse der Umstände vor Ort sowie der historischen und tagesaktuellen Fakten sind für sie leider ebenso irrelevant wie meine Frage, mit welchem Recht und welcher Arroganz sie sich eigentlich herausnehmen, zu entscheiden, was für uns gut, richtig oder überlebensnotwendig zu sein habe.

Doppelte Standards

Angesprochen auf die Doppelstandards und auf das Mikroskop, unter dem jede Bewegung der israelischen Regierung und Bevölkerung seziert wird, verglichen mit dem Radar, unter dem Menschenrechtsverletzungen in –zig anderen Staaten unbemerkt vor sich hin fliegen können, erklärt man mir immer wieder, dass Israel, wenn es eine Demokratie sein wolle, sich eben an anderen Standards messen lassen müsse als irgendein muslimischer Staat, an den man ohnehin keine großen Erwartungen stelle.

Falsch, meine lieben Antisemiten, die ihr nicht sehen wollt, dass Ihr solche seid! Ihr messt an Euren Standards. Diesen wird man gerecht oder nicht. Wenn Ihr Eure Erfüllungserwartungen oder gar die Standards hoch oder runterschraubt, je nachdem, über wen Ihr gerade richtet, und an Israel und die Bevölkerung dort weltweit die höchsten Ansprüche stellt, was seid Ihr dann, wenn nicht antisemitisch?

Kein Wunder also, dass der Teil des Films, der sich mit dem Nahen Osten befasst, diesen, ihren eigenen Antisemitismus nicht erkennen wollenden Antisemiten so aufstößt. Er legt den Finger ganz tief in die Wunde. Er zeigt ganz genau, wie sehr sie durch die einseitige Berichterstattung manipuliert werden und das allzu gerne hinnehmen, wie wenig sie in ihrer Wahrheit von Tatsachen gestört werden wollen, wie besessen sie von der Verurteilung des Juden unter den Staaten – kurz: wie antisemitisch – sie sind.

Dazu passt dann auch, dass diese Menschen den Film für „handwerklicher Mängel“ kritisieren, die letztlich niemand beurteilen kann, der nicht zumindest eine Ahnung von Dokumentarfilmen hat: von keinem von ihnen habe ich je ein kritisches Wort zur oft erwiesenermaßen falschen Berichterstattung über den Nahen Osten gehört.

Relativierung des Holocaust

Der „Ich habe ja nichts gegen Juden, aber“-Antisemit erwartet von einem Antisemiten, dass er Glatze und Springerstiefel trägt. An ihrem Outfit sollt ihr sie erkennen. Den „Palästina-Solidaritäts-Antisemitismus“ der Linken erkennt er nicht. Schließlich gehe es ihm ja nicht um Juden sondern um Solidarität mit den Palästinensern. Wobei er, dieser Nachsatz muss gestattet sein, nicht verstehen könne, dass die Juden das, was man ihnen angetan hat, heute den Palästinensern antun. Gaza sei ein Konzentrationslager, Israel sei ein Apartheidstaat, betreibe ethnische Säuberung und einen schleichenden Genozid. Wie können die Juden so wenig aus ihrer eigenen Geschichte gelernt haben?

Damit setzt er den Holocaust mit der Besatzung gleich. Das ist nichts anderes als Holocaustrelativierung, das ist nichts anderes als antisemitisch.

Die palästinensische Seite mit all ihren Facetten, von der Verbreitung von Lügen, der Aufwiegelung zur Gewalt bis hin zum Terror, wird kaum thematisiert und die Hauptschuld sowie die Macht zur Beilegung des Konflikts wird allein auf israelischer Seite gesehen. Dabei leben in Israel rund 20% Araber. Sie sind absolut gleichberechtigt, haben aktives und passives Wahlrecht, Zugang zu allen Universitäten, sie sind Polizisten, Ärzte, Richter bis hin zum israelischen Obersten Gerichtshof. Täglich passieren hunderte Lastwägen die Grenzen nach Gaza, gefüllt mit Lebensmitteln, Medizin, Gütern aller Art. Hätte Israel zu irgendeinem Zeitpunkt 6 Millionen Palästinenser vernichtet, gäbe es diesen Konflikt heute nicht.

Der Kuscheltierantisemit

Neben den bereits genannten gibt es auch den Antisemiten, der seinen Antirassismus beweist, indem er sich bedingungslos einer neuen Minderheit zuwendet, den neu angekommenen Muslimen. Wogegen im Grunde nichts zu sagen ist. Ich finde es begrüßenswert, sich mit anderen Kulturen und Religionen auseinanderzusetzen. Ich finde es lobenswert, sich für die Aufnahme und gegebenenfalls für die Integration von Kriegsflüchtlingen einzusetzen.

Aber einen Muslim wie jeden anderen Menschen zu behandeln impliziert auch, sich gegebenenfalls mit dessen antisemitischem Gedankengut auseinanderzusetzen. Wer ihn stattdessen wie ein Kuscheltier umarmt, um ihn vor allem Übel zu bewahren und sich selbst an der eigenen Moral zu wärmen, verschließt nicht nur die Augen vor der Wirklichkeit sondern handelt wiederum rassistisch.

Dann verstellt das neue Kuscheltier den Blick auf Antisemitismus, auch auf den eigenen. Dann ist es plötzlich kein Antisemitismus sondern gewöhnliches Mobbing unter Kindern, wenn ein jüdischer Schüler an einer integrativen Schule von muslimischen Mitschülern dermaßen drangsaliert wird, dass er die Schule wechseln muss. Dann ist auch kein Antisemitismus, wenn irgendwo eine Synagoge angezündet wird, sondern nur Vandalismus als Ausdruck von Verzweiflung und Chancenlosigkeit. Jemandem die Kippah vom Kopf zu schlagen oder den Davidstern vom Hals zu reißen, wird zum bloßen Machogehabe. „Du Jude“ als Schimpfwort, nun ja, wie oft hört man von Jugendlichen auch „Du Spasti, du Schwuchtel“, das hat sich eben in den Sprachgebrauch eingeschlichen. Überhaupt sollten Juden aufhören, in solchen Vorkommnissen den Antisemitismus zu suchen, sonst würden sie sich nie vom Leid des Holocaust befreien können und das Leid würde sie weiter begleiten.

Also sagt man mir, natürlich um mir was Gutes zu tun, was Antisemitismus ist und was nicht.

Manche mögen das einfach als dumm einstufen. Im Gesamtbild zeigt sich allerdings, dass diese Menschen oft alles andere als dumm sind. Sie sind nur auf dem muslimisch-antisemitischen Auge blind. Aber wenn jemand den Antisemitismus aus muslimischen Kreisen partout nicht erkennen will, nur weil damit das neue Kuscheltier in ein unvorteilhafteres Licht gerückt werden könnte, was ist er dann?

Wo der muslimische Antisemitismus nicht unerkannt bleibt, wird er relativiert, um dem Rassismus keine Chance zu geben, zumindest nicht jenem, der sich gegen Muslime richtet. In viel zu vielen Diskussionen, lange bevor das Debakel um diesen Film überhaupt an die Öffentlichkeit geraten war, wurde mir erklärt, die Muslime seien zwar irgendwie antisemitisch, aber das sei in der Regel eine Projektion aus dem Konflikt zwischen Palästina und Israel. Die Muslime solidarisierten sich eben mit den Palästinensern, oft aus Unwissenheit und ja, dem müsse man mit Aufklärung entgegenwirken.

Aha. Muslimischer Antisemitismus ist also eine Projektion. Aus diesem einen Konflikt. Dem Konflikt, den man in einem Film über Antisemitismus nicht zeigen soll und nicht sehen will, weil er ja nichts mit Antisemitismus in Europa zu tun habe.

Doch wenn dieser Konflikt und das Unwissen darüber bei Muslimen Antisemitismus schüren können, dann stellt sich zwingend die Frage: was schüren dieser Konflikt und das Unwissen darüber bei einem selbst?   (Quelle: Schlaglichter.at)

49 Gedanken zu „Der Kuscheltier-Amtisemitismus

  1. dna1

    Der Begriff “Antisemitismus” ist die ultimative Masterkeule schlechthin und kommt immer dann zum Einsatz, wenn einem Juden etwas nicht passt. Daraus entsteht das Problem, von dem hier die ganze Zeit gesprochen wird, und das wäre einfach zu lösen, wenn man diesem Begriff seine (ab)wertende Bedeutung nähme.
    Wie man sehr schön anhand dieses Artikels sieht, kann man bei etwas Willen alles und jeden als Antisemiten bezeichnen und damit abstrafen. Bestimmt wird auch dieser Kommentar von mir als grenzenlos antisemitisch gewertet, aber damit kann ich leben.
    Liebe Grüße

  2. Der Realist

    Ich brauche nicht irgendein Zertifikat das mich berechtigt, meine Ansichten zu vertreten. Ich stelle mir schon die Frage, mit welchem Recht und Arroganz sich mansche herausnehmen, zu entscheiden, wer ein Antisemit ist und wer nicht. Ich habe auch Kenntnis von historischen Begebenheiten, sehe diese aber auch als historisch. Als Antisemit bezeichnet zu werden, ist für viele noch immer eine Punzierung, es gibt aber auch viele, die damit überhaupt kein Problem haben. Jemanden als Antisemiten zu bezeichnen ist ja oftmals der Versuch, Meinungsterror auszuüben, Andersdenkende zu manipulieren. Es ist auch nicht statthaft, aus der Geschichte bestimmte Rechte zu beanspruchen, wie zum Beispiel das Recht, nicht kritisiert zu werden. Genauso unverständlich ist es, dass sich die heutige Generation, größtenteils unwidersprochen, noch immer eine Mitschuld an historischen Begebenheiten geben lässt.

  3. Thomas Holzer

    “Aber wenn jemand den Antisemitismus aus muslimischen Kreisen partout nicht erkennen will, nur weil damit das neue Kuscheltier in ein unvorteilhafteres Licht gerückt werden könnte, was ist er dann?”

    Meiner bescheidenen Meinung nach:
    a.) Abgrundtief dumm und/oder naiv
    und/oder
    b.) einer, der wissentlich und willentlich sich partout weigert, der Realität ins (hässliche) Auge zu sehen

  4. raindancer

    @dna1
    –>und das wäre einfach zu lösen, wenn man diesem Begriff seine (ab)wertende Bedeutung nähme.

    Sie meinen also gegen Juden per se zu sein, einfach weil sie Juden sind, sollte nicht mehr abwertend sein?

  5. waldsee

    Text”””Die Antisemiten, die noch nicht einmal merken, dass sie welche sind.”””es fehlt nur mehr das Wort Islamophobie und schon weiß man nicht mehr ,ob man überhaupt irgendetwas denken,feststellen,schreiben ….. darf.
    Ehe ich vom Thema rede ersuche ich auch über jüdischen Bolschewismus,Holodomor ,Kaganowitsch …….nachzulesen.Auch heute findet wieder ein Kampf zwischen Nationalismus und Internationalismus statt, (die refugees haben religiöse und weltliche Väter) Nach dem Lesen dieser Metapedia- Artikel muß man eine Pause für die Verwunderung einlegen.

  6. raindancer

    @waldsee
    wer sind ihrer Meinung nach die religiösen und weltlichen Väter der rapefugees?

  7. stiller Mitleser

    @ waldsee
    “Pogrom” haben Sie in Ihrer Aufzählung vergessen, verehrter waldsee (was für ein romantischer nick, btw)

  8. raindancer

    ein drummer Begriff: Progrom ..man kann auch gegen oder für eine Gruppe sein, wodurch auch immer diese sich definiert, die Frage ist was zeichnet die Gruppe aus ..welche Schandtaten oder Heldentaten begeht sie.

  9. stiller Mitleser

    @ raindancer
    neinneinnein: POGROM, der Alltag der Aschkenasen über Jahrhunderte, was sie, die einzig Schriftverehrenden,
    die, obgleich arm, lesen, schreiben, denken konnten, bewog sich für die Revolution zu engagieren
    (und wenn Sie was wirklich Gescheites übers Judentum lesen wollen, lesen sie was Joseph Roth drüber schrieb!)

  10. astuga

    “Die Antisemiten, die noch nicht einmal merken, dass sie welche sind…”

    Auch der norwegische Autor Jostein Gaarder (Sophies Welt) fiel vor Jahren als ein ebensolcher auf.
    Ich habe damals für mich den Begriff “Gagasemit” geprägt.
    Aber letzlich ist das überflüssig, man kann und darf diese Leute ruhig als das bezeichnen was sie sind.

  11. stiller Mitleser

    PS: verzeihen Sie bitte das zweite, kleingeschriebene “Sie”!

  12. raindancer

    @stiller Mitleser
    Der Begriff (der oder das) Pogrom bezeichnet die gewaltsame Ausschreitung gegen Menschen, die entweder einer abgrenzbaren gesellschaftlichen Gruppe angehören oder aber von den Tätern einer realen bzw. vermeintlichen gesellschaftlichen Gruppe zugeordnet werden. Häufig sind es politische Gruppen (z. B. Mitglieder einer Partei) oder Angehörige von Religionsgemeinschaften (z. B. religiöse Minderheiten).

    Darauf hab ich mich bezogen, man kann eine Gruppe aus vielen Gründen ablehen, nicht weil es ein Generalverdacht ist, sondern weil diese Gruppe gewisse Absichten verfolgt. Das ist in gewisser Weise natürlich ein Generalverdacht, aber möglicherweise ein berechtigter.

    Der Antisemitismus ist ein Ablehnen von Juden, weil man ihnen entweder unberechtigte und unbelegbare schlechte Absichten nachsagt, oder es ist überhaupt eine Ablehnung ohne Gründe.

    Genau diesen Unterschied wollte ich herausstreichen.
    Ob sich nun Teile der Juden den Bolschewiken angeschlossen haben ist für mich in dieser Diskussion irrelevant.

  13. dna1

    @raindancer
    Gegen Juden zu sein, nur weil sie Juden sind, ist nicht abwertend, sondern rassistisch und blöd.
    ..und sie, werter Raindancer, versuchen hier lediglich mir die Worte im Mund zu verdrehen, ohne auf den Inhalt meines Kommentars einzugehen. Eigentlich schade, sonst haben sie meist sehr interessante Meinungen und konstruktive Beiträge, aber beim Thema “Antisemitismus” trifft man bei Ihnen offenbar auf einen schmerzhaften Punkt. Daran sollten sie arbeiten, die Welt heute ist eine andere geworden.
    mit bestem Gruß

  14. raindancer

    @dna1
    ich bin vielleicht nicht gebildet und vielleicht vertu auch ich mich in der Formulierung ..aber gewisse Formulierungen sollten unmissverständlich klar erklärt werden.
    Ich gehe daher auf den zweiten Satz auch noch ein
    “Wie man sehr schön anhand dieses Artikels sieht, kann man bei etwas Willen alles und jeden als Antisemiten bezeichnen und damit abstrafen.”
    Das stimmt, man kann auch jeden abstrafen und behaupten er gehört zum Klu Klux Clan.
    Die Frage ist immer was sind die Fakten.

  15. Lisa

    Minderheiten in einer m.o.w. erkennbaren Mehrheitsgesellschaft haben immer die Tendenz sich gegen diese Mehrheit zusammenzutun. Das goutiert die Mehrheitsgesellschaft meist nicht, weil sie sich durch solche Verbandelungen in ihrer Selbstverständlichikeit bedroht fühlt. Ob das die Kirche ist, die Sekten/Splittergruppen nicht akzeptiert oder die junge Kopftuch tragende Frau in der Bahn, die jeder am Kopftuch erkennbaren (offensichtlich unbekannten) Mitreisenden ein Lächeln schenkt, gibt ihr Kraft: ich bin nicht allein mit meiner “Art”. So begrüssen sich eben auch Kippaträger in Europa, während sie das in Israel nur tun, wenn sie sich kennen. Oder Schwarze in einer mehrheitlich weissen Gesellschaft nennen einander Bruder, während sie sich in der Heimat u.U. die Köpfe einschlagen. Es sind die einfältigen Schlagworte z.B, diejenigen auf -ist, -ismus, die den Blick auf die eben nicht einfältige, sondern mannigfaltige Realität verzerren. Jeder hat Vorurteile: sie vereinfachen die komplexe Welt der Tatsachen und wir benutzen beim Denken immer Kategorien, die auf Ähnlichkeiten, Gemeinsamkeiten beruhen. Sprache ist nicht nur ungenau, was die Beschreibung der Realität betrifft, sondern sie führt auch zu ungenauem pauschalisierenden Denken und Sprechen: ich frage in Diksussionen oft zurück; kannst du das mal definieren? Da kommen manche ganz schön ins Schleudern…

  16. Christian Weiss

    “Der Begriff „Antisemitismus“ ist die ultimative Masterkeule schlechthin und kommt immer dann zum Einsatz, wenn einem Juden etwas nicht passt.”

    Wer ständig Israel für Dinge kritisiert, die es entweder nicht getan hat, oder für Dinge kritisiert, die ihm bei anderen Staaten völlig am Arsch vorbeigehen, wer ständig unterschiedliche Massstäbe anwendet und am Ende noch über den einzigen Staat im Nahen Osten, der Meinungsfreiheit kennt, behauptet, man dürfe ja nichts sagen, weil ja sonst wieder ein Jude seine Opferrolle reklamiere, und am Ende dieses Sermons auch noch glaubt, er sei ganz sicher kein Antisemit, dessen in hohem Masse pathologische Geistesverwirrung kann man mit einem einzigen Wort ausdrücken: Antisemitismus.

  17. mariuslupus

    Es gibt Antisemiten und es gibt die Helfer der Antisemiten. Die ersten überrenen im Namen ihrer Ideologie Europa, die zweiten sind voller Lobes auf die ersteren, die von ihnen unterstützten Antisemiten. Die Ersten erledigen die Drecksarbeit, die Zweiten werden pfeifend zuschauen.

  18. KTMTreiber

    … genau diese Diskussion war einer der Hauptgründe, die mich damals (als meine Reinkarnation kurz bevorstand und wir (die Besten 😉 ) uns aussuchen konnten, wo wir erneut “durchzustarten” haben), bewogen, ein Ticket nach Österreich / Tirol (und nicht nach Israel) zu nehmen … 😉

  19. dna1

    @Christian Weiss
    quod erat demonstrandum
    🙂

  20. raindancer

    genau aus diesem Grund weil diese Thematik so komplex ist, hat mich zb die Vermischung der Asylfrage mit der Frage inwieweit es einen moderaten Islam gibt sehr gestört.
    Denn das eine ist , verträgt Österreich diese Asylschwemme, funktioniert das mit den Sozialgeldern, sind die Asylgesetze adäquat ausgeführt, sind Asylgesetze in der derzeitigen Form sinnvoll.
    Die nächste Diskussion ist die Terrorismusdiskussion.
    Die nächste Diskussion ist inwieweit passt der Islam in der Masse nach Europa.
    Das Vermengen all dieser Themen hat zu einer Überforderung geführt und wurde von den Ideologen mit Islamophobie und Rassismus abgewehrt.
    Wenn es ein Pokerspiel wäre würde ich sagen, es wurde vergessen zu sagen: will sehen!

  21. stiller Mitleser

    @ KTMTreiber
    Sie konnten wählen? dann müssen Sie unbedingt einen Essay in religiöser Komparatistik drüber verfassen!
    Hinduistisch nämlich gibt’s keine Wahl und theosophisch-anthroposophisch gibt’s ja den Geschlechtswechsel zwischen den verschiedenen Inkarnationen, bitte vergessen Sie also nicht zu beschreiben, wie Sie sich als
    Pocahontas/Marie Antoinette/Mata Hari/Mutzenbacherin gefühlt haben, ja ?

  22. Weninger

    @KTMTreiber
    Nun Ihren Beschreibungen zufolge lebt es sich in Innsbruck nicht gerade idyllischer als in Tel Aviv, zumindest was die Kriminaltät betrifft?

  23. Christian Weiss

    “dna1
    @Christian Weiss
    quod erat demonstrandum
    🙂”

    Ja. Aber nicht das, was Sie meinen.

  24. KTMTreiber

    @stiller Mitleser:
    ein Essay in religiöser Komparistik ist in Vorbereitung ! 😉

    @ Weninger:
    zur Zeit geht’s noch. Die Mädchen in Tel Aviv haben jedoch (sinnigerweise) schon größere
    “Taschenalarme”, als die unseren … –> http://i.imgur.com/dHDgFmr.jpg

  25. Weninger

    @KTMTreiber
    Sieht martialisch aus, aber wenn einem einer mit dem Messer an die Gurgel springt von beschränktem Wert, sag ich mal als jemand, dem der Umgang mit Feuerwaffen nicht fremd ist.

  26. Mona Rieboldt

    KTMTreiber
    Das muss es sein. Ich kenne Sie aus einem früheren Leben 😉 Da waren Sie aber auch ganz Mann 🙂
    Zu Ihrem Link von Jasinna, das habe ich gesehen, ich kannte diese Sachen über 90%, lediglich diesen jungen Intensivtäter nicht.

  27. Mona Rieboldt

    Antisemitisch sind die Doppelstandards. Israel ist heute der Jude unter den Staaten. Deutsche Politker und ihre Presse wollen Israel sagen, wo sie bauen dürfen und wo nicht, obwohl es ein eigenständiger Staat ist. Baut Israel einen Zaun, in Teilen Mauer, um sich gegen arabische Attentäter zu schützen, ist das Geschrei in der hiesigen Presse groß. Jetzt baut die Türkei Zaun und Mauer gegen Syrien, damit keine “Flüchtlinge” mehr kommen, ist in der deutschen Presse und von deutschen Politikern das Schweigen im Wald. Man braucht gar nicht in die Geschichte zurück gehen.

  28. Falke

    “Aber wenn jemand den Antisemitismus aus muslimischen Kreisen partout nicht erkennen will, nur weil damit das neue Kuscheltier in ein unvorteilhafteres Licht gerückt werden könnte, was ist er dann?”
    Leider ignoriert die Autorin (oder vielleicht weiß sie es gar nicht?), dass zu jenen, die den Antisemitismus der massenweise eingewanderten Muslime nicht erkennen (wollen), ausgerechnet die Verteter der Juden sind, also der “Zentralrat der Juden” bzw. die “Israelitische Kultusgemeinde”, die einerseits die “Willkommenskultur” der betreffenden Regierungen voll begrüßt haben und andererseits diejenigen Parteien, die sich dagegen ausgesprochen haben (AfD, FPÖ) weiterhin als “rechtsextrem” ablehnen, obwohl man ihnen keineswegs irgendeinen Antisemitismus vorwerfen kann, ganz im Gegenteil: Antisemitismus findet man heute eher links.

  29. mariuslupus

    @waldsee
    Leider wurde dieser Begriff von den linken Kreisen, immer dann eingesetzt, wenn etwas gesagt wurde dass nicht der linken Ideologie entsprochen hat. Bin auch dafür diesen Begriff fallenzulassen, und dafür den Begriff Judenhasser einzusetzen. Leider ist die Tatsache, dass die Linken antisemitisch geblieben sind, auch wenn sie ihren Hass als Kritik an Israel tarnen, und seit 2 Jahren islamische Judenhasser en gross importieren.
    Eine persönliche Bemerkung. Habe im meinen Leben noch keinen Antisemiten getroffen. Lehne es auch ab dafür verantwortlich zu sein was vor 80 oder 70 geschehen ist.

  30. raindancer

    es gibt Antisemiten. aber sicherlich mehr im Nahen Osten als in Europa.
    Und die NaziKeule ist halt allzu beliebt bei Argumentationsmangel und um das offene Europa zu propagieren.

  31. raindancer

    die Formulierung passt mir noch immer nicht

  32. KTMTreiber

    @Weninger:

    Wenn Ihnen der Umgang mit “Feuerwaffen” nicht fremd ist, dann sollten Sie für den Fall, dass einer mit dem Messer an ihre Gurgel springt, auch eine handliche FFW und als Backup- Waffe ebenfalls etwas “spitzes” bei sich führen … 😉
    Kleiner Tipp: “Gefahrenradar” – checken Sie ihr Umfeld, im Sekundentakt, wenn Sie sich an “Brennpunkten”, oder Orten, “an denen Sie sich nicht wirklich wohl / sicher fühlen” und Sie werden nicht in diese Verlegenheit kommen – weil vorbereitet – dermaßen konditioniert, läuft der (O-Ton Wenninger) “von beschränktem Wert” in Ihre Klinge 😉

  33. KTMTreiber

    @Mona Rieboldt

    Freut mich, dass sie sich die Zeit nahmen. Die Frau (Jasinna) macht, wie ich finde, keine schlechten Video- Beiträge. 😉

  34. Weninger

    @KTMTreiber
    jaja, werter Treiber, ich bin zwar Hobbyschütze und Waffeninteressierter, aber kein Söldner, Siedler oder so, ich warne nur immer wieder davor, sich mit einer Schusswaffe allzu stark zu fühlen, schon manch einer wurde mit der eigenen Puffn erledigt. Und nein, ich schieße zwar gern hin und wieder, würde mich aber auch nicht jeder Krisensituation gewachsen fühlen und habe dies auch nicht notwendig.
    Wohin unnützer Schusswaffengebrauch führt, demonstrieren amerikanische Polizisten leider nur allzu häufig. Und dafür Unschuldige aus Überreaktion zu töten, kann es nie eine Entschuldigung geben.

  35. Weninger

    @KTMTreiber
    PS ad “Sie werden nicht in diese Verlegenheit kommen” … es hat schon Bessere erwischt.

  36. Weninger

    @KTMTreiber
    Falls Sie es wirklich falsch verstanden haben: Das Sturmgewehr ist von “beschränktem Wert” im Nahkampf, nicht der Angreifer, dessen Wert lernt man erst kennen. Man sollte ihn aber keinesfalls unterschätzen 🙂

  37. KTMTreiber

    @Weninger:
    Keine Bange, – ich habe sie nicht missverstanden; -)

  38. fxs

    Natürlich wird wieder betont, dass eIsreal kritisieren dürfe, ohne Antisemit zu sein, um dann jede Kritik an Israel als Antisemitismus zu diskreditieren. “Oder kritisieren sie auch andere Staaten in diesem Ausmaß oder mit dieser Vehemenz? Sicher nicht.” Natürlich nicht, weil kein anderer Staat, der von sich behauptet, der “westichen Wertegemeinschaft” anzugehören, diese so systematisch und unverholen bricht, wie Israel. Dies wurde ja sogar von der UNO-Vollversammlung mehrfach festgestellt. (Resolutionen 57,57,61,89,92,100,101,106,111,237, 242, 243, 248, 256, 262, 271,280, 316, 317, 332 ,337, 452, 468, 469,573, 592, 605, 607, 608, 611, 636, 641,…)

  39. Oliver H.

    @fxs

    “Natürlich nicht, weil kein ..”

    .. anderes Volk derartig viele innere Brüche ausweist, wie das jüdische. Reden wir von Sepharden oder Aschkenasen, von Gläubigen oder Säkularen, und wenn gläubig, von Tora- oder Talmud-Anhängern? Die einen legen die Idee der Auserwähltheit ab und wollen unter ihresgleichen banal in Frieden leben, was für andere vollkommen unvereinbar ist mit dem Eintreffen des Erlösers. Manch Säkulare wiederum schließen sich aus irdischen Überlegungen dieser religiösen Überzeugung an und bilden damit als Symbolzionisten die stärkste Front des innerjüdischen Antizionismus.

    Selbst als redlicher und übervorsichtiger Goyim kann man eingedenk dieses Knäuls nirgends ohne Auslösen des Feuerzeugs hingreifen, aus dem die Stichflamme “Antisemit!” hochschnellt. Wer das einmal verstanden hat, denn kümmern diese heißen Anfeindungen nicht mehr, die zugleich ein vermeidbares Ausweichen auf die Metaebene darstellen und auf den rhetorischen Brandstifter zurückfallen, notabene jene, die am Dogma einer kollektiven Erbschuld festhalten.

    Fast wollte man es schon mit dem Spruch der Briten bewenden lassen: “Let Allah sort it out!”, würde man nicht wiederholt selbst in innerjüdische Konflikte hineingezogen.

  40. Rado

    Wenn der letzte Holocaust Zeitzeuge verstorben ist, wird diese Diskussion ebenso wie der Grundungsgedanke Israels eine andere Richtung nehmen. Man merkt es jetzt auch schon.

  41. waldsee

    @Oliver H. Innerjüd.Konflikte gab es immer ,aber die internationalist.Ausrichtung bleibt und die linke sowieso.Ein kleines Beispiel : Die jüd.Lehre verbietet zwar Homosexualität ausdrücklich (bei Steinigung) , aber für die Gois muß es der neue Lebensinhalt sein.Wie nennen sie ein solches Vorgehen?

  42. Weninger

    @waldsee
    “Die jüd.Lehre verbietet zwar Homosexualität ausdrücklich (bei Steinigung) ,”
    Das wird der Mehrzahl der säkulariserten Juden ebenso Wurscht sein wie ein Kondom- oder Vorehelichesexverbot des Papstes.

    @Oliver H.
    Sehr gut analysiert, und jedes Gschwätz bezüglich “der” Juden relativierend. Gefällt mir.

  43. Oliver H.

    “Sehr gut analysiert, und jedes Gschwätz bezüglich „der“ Juden relativierend. Gefällt mir.”

    An meiner Einschätzung dir gegenüber ändert auch Süßholzraspeln nicht das Geringste.

  44. Oliver H.

    @Rado

    “Wenn der letzte Holocaust Zeitzeuge verstorben ist, wird diese Diskussion ebenso wie der Grundungsgedanke Israels eine andere Richtung nehmen. Man merkt es jetzt auch schon.”

    Was ebenfalls merkbar ist: Die zunehmend intensiver behauptete Achse zwischen mehr oder minder wesensbedingt faschistischen Deutschen im Allgemeinen und deren islamistischen Gegenstücken. Das erbärmliche Verhalten tatsächlich antisemitischer Linker wird dabei auf alle Deutschen übertragen, es wird ein Gesamtfeind in den Raum gestellt, dessen Beseitung a) moralisch geboten ist und b) zu ganz bestimmten politischen Veränderungen führen soll, vor der Liberale nur eindringlich, mit allem Nachdruck warnen können.

    All das kann man bemerken und dennoch jedem Juden auf Erden, sei es in Israel oder in der Diaspora, von Herzen alles erdenklich Gute wünschen und sich dem Gedenken an vergangene grauenhafte Verbrechen anschließen.

  45. Oliver H.

    @waldsee

    “Innerjüd. Konflikte gab es immer, aber die internationalist. Ausrichtung bleibt und die linke sowieso. [..] Wie nennen sie ein solches Vorgehen?”

    Dialektisch.

  46. Weninger

    @Oliver
    Was Sie von mir halten ist mir egal. Ihr Missachtung trifft mich nicht sehr tief. Das ändert nichts daran, dass manche Ihrer Ansichten zu teilen sind, das meiste von dem wirren Zeug allerdings nicht. Aber natürlich haben Sie das Recht auf eine eigene SIcht der Ding, die entgegen Ihrer Auffassung halt nicht alle teilen mögen. Aber wie Sie über meine Äußerungen denken, beschäftigt mich nicht weiter, da Sie ohnehin fast mit jdeme außer ein paar Hardcore-Fans ins Kabbeln kommen und Ihre Luke eh nie halten können vor lauter Eitelkeit platzend der Überchecker der Weltläufte zu sein. 🙂

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