“Der Märchenonkel als Präsident”

Von | 25. Mai 2016

“…..Der neue österreichische Präsident, Amtseinführung am 8. Juli, Alexander Van der Bellen, hat sein neues Amt mit einer Fehlanalyse begonnen. Er wiederholte nämlich die etwas merkwürdige Legende, die er und mit ihm seine Partei und Anhänger auch schon am Wahltag freudig überrascht propagiert hatte: Er, Van der Bellen, hätte mit samt seinem Team eine sensationelle „Aufholjagd“ gegenüber dem weit vorne liegenden Norbert Hofer, dem Kandidaten der Blauen, hingelegt. Die Zahlen geben vordergründig, ohne hinzuschauen und nachzudenken, dem ersten Anschein nach eine solche Behauptung, es hätte eine Aufholjagd gegeben, her. Hofer hatte im ersten Wahlgang vor vier Wochen 35 % der Stimmen erreicht, Van der Bellen dagegen nur rund 21 %. Fürwahr eine Riesendifferenz.

Nun war die Kandidatur des blauen Hofer seit ihrer Anmeldung Anfang des Jahres 2016 im Prinzip durchgehend vom Rest der Nation und den Spitzen Europas skandalisiert worden. Der Gegenkandidat Hofer war also allein auf sich und seine ihn tragende blaue FPÖ gestellt. Hofer war im ersten Wahlgang der „Schmuddelkandidat“, der „Rechtspopulist“, der „Störenfried“, und das blieb er auch im zweiten Wahlgang. Hofer schöpfte das blaue Wählerpotenzial im ersten und noch mehr im zweiten Wahlgang voll, mindestens zu 95 % aus. Das war seine Rolle im Wahlkampf.

Van der Bellen, der den parteilosen Grünen mimte, kam im ersten Wahlgang dank der Unterstützung seiner Grünen und dank der Unterstützung von einigen eigentlich geborenen SPÖ- und ÖVP-Wählern, die die eigenen Kandidaten ihrer atomisierten Parteien nicht mehr wählen mochten, auf sein grün-rot schwärzliches Ergebnis von besagten 21 %. Die Eintags-Protest-Feministenkandidatin Griss, die für alles und nichts gut war, aber eher mit dem etablierten Stallgeruch von rot-schwarz auftauchte, holte knapp 19%. Van der Bellen war also schon im ersten Wahlgang ein Abstauber unzufriedener rot-schwarzer Stammwähler. Das war nicht sein Verdienst im klassischen Wortsinn, aber zu seinen Gunsten lässt sich anfügen, dass er mit seinen Grünen nicht ganz so verbraucht war wie die etablierten ewigen Volksparteien Österreichs und deren Spitzenpersonal.

Vom 1. Wahlgang an konnte Van der Bellen machen, was er wollte, eines konnte er nicht verhindern: Das gesamte uralte österreichische Establishment in Politik, Gesellschaft, Kultur, Kunst und in den Medien apportierte ihm unter dem Rubrum des Verhinderungskampfes des blauen Norbert Hofer seine Unterstützung. Van der Bellen war, was schon am Abend der ersten Wahl feststand, der allseits promotete Gegenkandidat zum eigentlichen Gegenkandidaten Hofer.

Auch das europäische Establishment fieberte im Anti-Hofer-Kampf und drängte seine Unterstützung dem Kandidaten Van der Bellen, ob der es wollte oder nicht, auf. Und natürlich, Van der Bellen ist ja kein Kostverächter, er nahm alle milden Gaben, die seine Bewerbung um die Präsidentschaft erfolgreicher machten, dankbar an. Fehler vermeiden, aber im Prinzip nichts tun, als sich von einer Welle von Unterstützung zu dem hauchdünnen Wahlsieg tragen lassen, das war der Weg Van der Bellens zu seinem hauchdünnen Wahlsieg. Van der Bellen musste keine Menschen, keine Herzen, keine Köpfe erobern, sondern umgekehrt, die Hofer-Verhinderer drängten sich ihm auf.

Es gibt keine eine Dynamik implizierende Aufholjagd Van der Bellens. (weiter hier)

23 Gedanken zu „“Der Märchenonkel als Präsident”

  1. Wanderer

    Bislang ist das die fundierteste Analyse zur aktuellen politischen Situation in Österreich.

  2. sokrates9

    Van der Bellen wird niemals eine FPÖ an die Futterkrippe lassen! Meiner Meiniung müsste Streache sofort versuchen mit Volksabstimmung den ORF zu privatisieren ( rechnerisch müsste er da leicht 70% Stimmen zusammenbringen! Solange dieser Regierungsfunk unverschämt manipulieren kann und die Nazikeule immer neu ölt, hat Strache keine Chance!

  3. astuga

    Die vereinigten Angstwähler der SED (Sozialistische Einheitspartei) haben hauchdünn gewonnen.
    Das langsame Siechtum Österreichs geht in die Verlängerung, die Rechnung dafür bezahlen wir aber leider alle zusammen…

  4. Falke

    Ausgezeichnet analysiert. Dazu muss man allerdings hinzufügen, dass alles nichts genützt hätte, wäre Faymann nicht kurz zuvor zurückgetreten. Dadurch wurden viele “Wutbürger” etwas besänftigt und im letzten Augenblick doch davon abgehalten, für Hofer zu stimmen. Damit hat Faymann auch noch im Abgang der rot-grünen Gutmenschen-Hälfte einen Dienst erwiesen. Diese Anlyse stammt übrigens nicht von mir, sondern von einem Wahlanalysten im ORF (habe nur vergessen, wer es war), der das so ganz nebenbei geäußert hat.

  5. Thomas Holzer

    @Falke
    So ist es, der Herr Faymann ist der einzige, bei dem sich Herr VdB bedanken muß!
    Vielleicht wird ihm ja am 09.07.2016 vom BP VdB der Verdienstorden überreicht 😉

  6. gms

    Wanderer,

    “Bislang ist das die fundierteste Analyse zur aktuellen politischen Situation in Österreich.”

    Bettina Röhl spricht einmal mehr erfrischenden Klartext, Rahim Taghizadegan detto über die “verjausnete Zukunft”, wie auch der bislang hier noch nicht referenzierte Beitrag [1] Christian Zeitz’ vom 21sten Mai zur Causa Prima.
    Wie kaum ein anderer bislang bringt er die Hintergründe der aktuellen gesellschaftlichen Bruchline auf den Punkt durchs Verdeutlichen der sonderbar breiten Koalition, die jüngst als knapper Sieger vom Platz ging.

    [1] andreas-unterberger.at/2016/05/sterreich-mutiert-zur-syndikalistischen-diktatur/

  7. Thomas Holzer

    @gms
    Wieso finden sie diese als “sonderbar breite Koalition”?
    Mir erscheint da gar nichts sonderbar 🙂

  8. gms

    Thomas Holzer,

    “Wieso finden sie diese als „sonderbar breite Koalition“? Mir erscheint da gar nichts sonderbar.”

    Das ist sonderbar, so Sie’s als nicht sonderbar einschätzen, wurde bislang doch die Existenz dieser wirkmächtigen Allianz über vordergündige ideologische Barrieren hinweg mit dem kurzatmigen Verweis auf paranoide Spinnerei abgetan. Wer nun einwirft, besagte Koalition fände sich doch allein im kleinen Österreich, möge einen Blick nach Deutschland werfen und auch dort das übergeordnete Momentum erkennen.

    Was schrieb ich vor Monaten schon, wie sich der Kampf gegen Rrrächts auskristallieren würde und weshalb dieser mit aller aufbringbaren Unerbitterlichkeit und Ungustigkeit geführt werden würde? Für die herrschende Klasse der EU stand jüngst weit mehr auf dem Spiel, als die Barttracht des austriakischen Türstehers. Spätestens wenn die nächsten Weichenstellungen anstehen, wird diese Erkenntnis durchsichern, doch davor hat man’s einmal mehr nicht kommen sehen können, bedingte dies doch der Einschätzung, es seien potentere Kräfte am Werk, als man Bürgern mit Gschichtln über wechselnde Zweckbündnisse oder perpetuiertes redliches politisches Scheitern verklickert.

  9. Thomas Holzer

    Daß mittlerweile alle Kirchen (bis auf die Orthodoxen) und ehemals christlichen Parteien, sich der Nachäffung des Christentums, sprich dem Sozialismus, hingegeben und ausgeliefert haben, ist ja wirklich nichts neues, sondern eigentlich schon ein alter Hut.
    Bei den sog. Intellektuellen, Künstlern und anderen sich im Dunstkreis der etatistischen Sozialisten Bewegenden sollte uns dies auch nicht überraschen.

  10. Mona Rieboldt

    Das Gleiche wird nach der Bundestagswahl 2017 in Deutschland passieren. Da werden sich die Blockparteien, CDU, SPD, Grüne, Linke, FDP zusammen tun, um ja eine Regierungsbeteiligung der AfD zu verhindern, falls die stärker ist als gedacht. Und Merkel wird wieder Kanzlerin. Wir werden sie einfach nicht los.

    SPD MP Malu Dreyer aus Rheinland-Pfalz sagte schon im Fernsehen “alle Demokraten müssen sich zusammen tun, um Rechts (AfD) zu verhindern”. Der Bundestagspräsident Lammert sagte, er sei froh, dass in Deutschland nicht der Bundespräsident vom Volk gewählt werde wie in Österreich, sondern von Politikern.

    Offensichtlich, wenn es um die Futtertröge geht, ist auch jedes antidemokratische Verhalten der Parteien erlaubt.

  11. Thomas Holzer

    @Mona Rieboldt
    Ich “wundere” mich schon seit bald Jahrzehnten, daß sich nicht alle aufrechten Demokraten gegen die Gefahr von Links verbünden, um diese zu verhindern 😉
    Aber: da Demokratie die Herrschaft der Mehrheit ist, die Mehrheit erwiesener Maßen naiv, dumm, primitiv und zu faul zum Denken ist, wird in Demokratien Links (auf lange Sicht) immer obsiegen

  12. Falke

    Die übliche alte Leier: “Links” in allen seinen Schattierungen ist “demokratisch, menschlich, absolut gut”, “Rechts” ist immer “undemokratisch” (egal, wie viele Bürger so eine Partei wählen, auch wenn es die absolute Mehrheit ist), “menschenverachtend”, “rassistisch bis faschistisch”, jedenfalls “schlecht” und daher zu bekämpfen (auch mit undemokratischen Mitteln, da es ja um die gerechte und gute Sache geht). Und wenn das die Menschen eventuell gar nicht wollen, muss man das “blöde Volk” zu seinem Glück zwingen.

  13. gms

    Thomas Holzer,

    Wissen Sie, was mich tatsächlich überrascht? Die Feigheit, mit der sich Vernunftbegabte der Frage nähern, was es mit diesem immer rascher Fahrt aufnehmenden Linksshift aufsich hat und wer was hierfür wie motiviert in die Schlacht wirft.

    Halten Sie mich meinetwegen für abgehoben und anmaßend, aber schön langsam bekomme ich ein Gefühl für die 30er-Jahre in Deutschland, als die Masse, glaubt man späteren Bekundungen im Rückblick, ebenso blind war fürs Ablaufende, wie es gegenwärtig der Fall ist. Konnte man es nicht sehen, oder wollte man es vielleicht garnicht, ginge dies doch mit einer unvermeidbar schmerzhaften Enttäuschung einher, Opfer einer geschickt eingefädelten Verarschung geworden zu sein?

    Glauben Sie mir, auch ich /will/ festhalten an der These flächendeckender Verdummung, sei’s bei den Unter- oder den Obertanen gleichermaßen. Auch ich will glauben an eine fortgesetzte Abfolge von Zufällen und politischer Dummheit — allein dieser Befund widerspricht allen Fakten, denen man sich widmen kann, so man nur den verdammten Mut dazu aufbringt.

    Nix tut überraschen, Blöde machen Falsches, wenig Neues unter der Sonne, das war schon immer so und überhaupt kann man dagegen eh nichts machen. Da soll noch mal einer hier im Forum über die vox populi resonieren.

  14. Fragolin

    Ich trage keinen Aluhut. Trotzdem glaube ich an den Großen Beschiss. 😉
    Jetzt haben wir einen Kanzler, der gar nicht, und einen Präsidenten, der nicht so ganz rund und nicht wirklich von einer Mehrheit gewählt wurde. Beide lehnen demokratische Werkzeuge als unbrauchbar ab, VdB kündigt demokratiefeindlichen Amtsmissbrauch sogar vollmundig an.
    Die Staatsführung hat endgültig die überwältigende Mehrheit des eigenen Volkes gegen sich.
    Das Ziel, das Volk so lange zu provozieren, bis es knallt und die Staatsgewalt endlich mit aller Brutalität gegen jede Form der Opposition vorgehen kann, ist nahe.
    Mal sehen, wie lange wir hier noch so frei schreiben können.
    Ich vermute mal, zur nächsten Wahl hat die vorgehaltene Hand die Tastatur ersetzt…

  15. Thomas Holzer

    @gms
    Wollen Sie mir mit Ihrem posting mitteilen, daß ich die Intelligenz der Mehrheit unserer Mitbürger unterschätze?!

  16. gms

    Thomas Holzer,

    “Wollen Sie mir mit Ihrem posting mitteilen, daß ich die Intelligenz der Mehrheit unserer Mitbürger unterschätze?!”

    Nun, mehrmals implizit zumindest habe ich meine Abneigung gegen Foren als Chat-Ersatz artikuliert, bei dem es darauf hinausläuft, auf einen längeren Gedanken mit einem Einzeiler zu antworten.

    Worauf ich ergänzend hinaus will, kann sich jeder von Verstand und Mut selbst zusammenreimen, und wenn ihm das Ergebnis nicht paßt, darf er mich auch gerne einen krummen Hund heißen, was kein Jota daran ändert, daß ich Leute verachte, denen es zum Mut am Denken fehlt.

    Noch deutlicher? — Es ist mir scheißegal, wie Sie die Intelligenz unserer Mitbürger einschätzen, mein Augenmerk gilt jenen, die zwar 2 und 2 addieren können, aber sich zur identen Operation weigern, wenn statt einer 2 eine 200 auf dem Papier steht. Wollte ich aber noch klarer werden, schrammte es schon heftig an Unhöflichkeit.

  17. Thomas Holzer

    @gms
    Ich bin hart im Nehmen, keine Sorge; ansonsten habe ich mit Personen so meine Probleme, welche denken, Argumente mit Kraftausdrücken unterlegen zu müssen 🙂

  18. Christian Peter

    Der mit Abstand interessanteste Kandidat wäre nicht das Mitglied der Bauernfängerpartei FPÖ, Norbert Hofer gewesen, sondern Mag. Robert Marschall, dem es nicht erlaubt wurde, bei der Bundespräsidentenwahl anzutreten. Eine Wahlanfechtung vor dem VerfassungsGH ist in Vorbereitung, sollte dieser stattgegeben werden, muss die Wahl wiederholt werden.

  19. gms

    Thomas Holzer,

    ” .. ansonsten habe ich mit Personen so meine Probleme, welche denken, Argumente mit Kraftausdrücken unterlegen zu müssen”

    Ja, und? Gibt’s einen Sachbezug oder war Ihnen bloß langweilig.

    Wenn ich oben explizit und wahrheitskonform schreibe, es sei mir scheißegal, wie Sie die Intelligenz unserer Mitbürger einschätzen, so ist das weder ein Argument, noch die Unterlegung eines Arguments oder sonstwas zur Stützung einer These, sondern der Hinweis darauf, daß ein eingeschlagener Holzweg ein ebensolcher ist.

    Wie, das sehen Sie anders? Na dann elaborieren Sie doch mal über die Frage, welches Argument Ihre artikulierte Ablehnung von Kraftausdrücken stützt. Viel Spaß, baba and fall’n S’ nicht.

  20. Thomas Holzer

    @gms
    Sie haben ja so recht, schon simple Kommentare, Beiträge, Wortspenden scheinen Sie mit Kraftausdrücken unterlegen zu müssen; nicht alla natürlich, aber doch einige. Der Sinn hierfür bleibt mir aber weiterhin verborgen

    Keine Sorge, ich falle schon nicht. Aber: Danke für die Fürsorge und vorauseilende Anteilnahme

  21. Johannes

    Van der Bellen hat sich der Wahl gestellt und die Mehrheit bekommen, egal wie knapp er hat eine demokratische Wahl für sich entschieden und wird alles was dieses Amt für seine Ideologie hergibt nützen. Das mit den Gräben zuschütten, es gibt sie und sie sind tief, sollte man wohl nicht zu ernst nehmen. Ich glaube kaum das er seinen Nichtwählern nur einen Millimeter entgegenkommt er hat einen Zenit erreicht und da ist man nicht oben um dann die Zeit mit, wie sein Mentor Menasse es ausdrückte, Vollidioten zu vergeuden.
    Die Ereignisse gehen weiter sie lassen sich von einem gewonnen Kampf des Herrn Professor nicht beeindrucken.
    Wenn die Arbeitslosigkeit steigt, die Migration ungeahnte Massen ins Land führt, so sind die sozialen Ressourcen schnell erschöpft. Schon jetzt, heute erklärte der Finanzminister er werde am Pensionsalter ordentlich nach oben schrauben. Es bedeutet immer mehr Autochthone werden immer länger arbeiten es werden aber auch immer mehr Migranten ins Land gelassen die auf jene Sozialgelder angewiesen sein werden die dann bei den Pensionen fehlen werden. Ein Teufelskreis aus dem es mit den Parolen Xenophobie (früher Fremdenangst oder -hass) je nach Interpreten kein wirklich konstruktives herauskommen geben wird. Lassen wir die Van der Bellen Wähler feiern schon morgen werden sie Problemen gegenüberstehen für die es keine Antworten gibt, oder wie wollen sie einen stetig steigenden Islam als Zukunftsmodell erklären?

  22. Christian Peter

    Immer mehr Ungereimtheiten zur Bundespräsidentenwahl. Wahlkartenwähler hatten die Möglichkeit zur doppelten Stimmabgabe :

    outro=1

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