Der moralische Nebel lichtet sich

Von | 7. September 2016

(JÜRGEN POCK) Langsam aber sicher lichtet sich der moralische Nebel. Die tugendreichen Verdikte, welche noch zu Beginn der Flüchtlingskrise vor mehr als einem Jahr, von der Moralistin Merkel und ihrer sittengetreuen Anhängerschaft proklamiert und von den linken Leitmedien bejubelt wurden, verblassen zunehmend. Der immer und immer wieder zitierte humanitäre Imperativ als Motto für die Willkommenskultur wird nach und nach hinterfragt und angezweifelt.
Vergessen scheinen die moralisierenden Leitartikel und die rührenden Fotostrecken, die sich seit der Völkerwanderung zwischen Mitleidsinflation und Katastrophen-Kitsch bewegten, um den übersättigten westlichen Wohlstandsbürger ins Gewissen zu reden. Gleichsam vergessen scheint die selbstgefällige Ignoranz der Moralinstanzen, welche multiple Rechtsbrüche mit Hilfe von Gesinnungsethik und humanitärer Zwangsverpflichtung zur politischen Tugend erhoben. Alles Schnee von gestern. Man lese und staune heutigentags: Das linksliberale Wochenblatt Die Zeit, einst Merkels medialer Steigbügelhalter im Sinne ihrer Flüchtlingspolitik, übt in der jüngsten Ausgabe tatsächlich Kritik an der deutschen Kanzlerin. Immerhin ein journalistischer Anflug von Einsicht. Wenn auch um viele Monate zu spät.
Der mediale Dauerapplaus für Merkel ebbt also ab, das Projekt der multikulturellen Völkervereinigung unter der Schirmherrschaft der Kanzlerin wird offen als gescheitert betrachtet. Nachdem der Kontinent in der Krise unterzugehen droht und die etablierte Parteienlandschaft quer durch Europa vom politischen Erdboden verschwindet, zieht ein Hauch von Vernunft in die Redaktionen ein.

Merkels Entscheidung, Tür und Tor zum gelobten Land zu öffnen, „hätte in dieser Form nicht fallen müssen“, so Die Zeit. Auch eine vielmals verneinte Binsenweisheit lässt nicht lange auf sich warten: „Stattdessen kamen nicht nur Asylberechtigte, […], sondern auch Armutsflüchtlinge und Glücksritter in so großer Zahl ins Land, dass sie bis heute nicht vollständig registriert werden konnten.“
Seinerzeit wurden solche Selbstverständlichkeiten in die rechtsextreme Ecke verbannt, die unsäglich überstrapazierte Schublade des Populismus wurde auf und zu gezogen, nun werden diese Erkenntnisse von der Zensurliste gestrichen und dürfen als publizistische Weisheit Eingang in die Berichterstattung finden. Die kommentierende Klasse traut sich getrost mit längst bekannten Plattitüden an die Öffentlichkeit und lüftet den Schleier der politischen Korrektheit ein Stückchen weit. Das Spiel mit der Scheinheiligkeit geht demnach dem Ende entgegen.
Seite an Seite mit den Medien verkünden auch die Volksvertreter die Grenzen der Toleranz und predigen den neuen Realismus. Getrieben von den konstant miserablen Umfragewerten und der unbändigen Angst vor der nächsten Wahlschlappe praktizieren die etablierten Politiker ein Wendehalsmanöver nach dem anderen und inszenieren einen politischen Gezeitenwechsel. Das Stimmvolk schluckt die politischen Stimmungsaufheller nicht mehr, die Placebo-Effekte schlagen um in Zweifel, Intoleranz und Verständnislosigkeit.
Zurück zum Ursprung. Merkel hält fest an ihrer selbstformulierten Doktrin, ihr Mantra wird allenfalls aufgewärmt, ihre politische Schwäche durch trotzige Festhalteparolen mehr denn je offenkundig. Ihr jüngster politischer Super-GAU: Das CDU-Debakel in ihrer Wahlheimat Mecklenburg-Vorpommern oder ihre darauf folgende Reaktion.

Merkel hält ihre grundlegenden Entscheidungen für richtig und denkt keinesfalls an eine Kehrtwende in der Flüchtlingspolitik. Sie möchte ihren Kurs beibehalten, auf jeden Fall bis zum nächsten Wahldesaster in Berlin.

17 Gedanken zu „Der moralische Nebel lichtet sich

  1. Fragolin

    Honeckers Bagage leiß in den letzten Monaten der DDR auch winzige Dosen an Kritik in die Parteipresse ziehen, um dem Volk das Gefühl zu geben, doch in einem freien Land zu leben.
    Wer dem Irrtum verfiel, man dürfe jetzt den Mund aufmachen, bekam trotzdem Besuch von Mielkes Leuten, den gleichen, die das jetzt für Maas erledigen.
    Das Ende ist bekannt und gibt Hoffnung – es hat alles nix genutzt.
    Allerdings haben erst Honeckers Fadenzieher in Moskau ihre Marionatte fallen lassen müssen. Sollte Trump gewählt werden, stehen die Chancen nicht schlecht, dass Merkels Strippenzieher in Washington ebenso handeln…

  2. Thomas Holzer

    Ich, im Gegensatz zum Autor dieses Beitrages, sehe leider noch keinen Silberstreif am Horizont!
    Man möge nur die gestrige ZDF-“Doku” “Haben’s wir geschafft” “nachsehen”; natürlich wird leise kritisiert, aber nur deswegen, weil die vielen Fehlentwicklungen nicht mehr unter den Teppich gekehrt werden können. Das Diktum, das Festhalten an den Fehlentscheidungen, wird nicht hinterfragt, geschweige denn geändert.
    Bezeichnend die Aussage eines Migrationsforschers, wohl eher eine Drohung an alle Deutschen, in dieser Doku: Schaffen wir die Integration, gewinnen wir ca. € 20 Milliarden für Deutschland, schaffen wir sie nicht, kosten uns die Neubürger zumindest € 400 Milliarden.

    Was natürlich nicht erwähnt wurde, daß die nächsten Hunderttausenden schon in den Startlöchern ungeduldig scharren

  3. Selbstdenker

    Nachdem sich abzeichnet, dass eine immer größere Zahl an Schäfchen aus der politmedialen Matrix ausbüchst, müssen diese wieder eingefangen werden. Man lockt sie mit etwas frischen Gras, Wasser und einem Mineralienstein an um dann die Zaunlücke wieder schließen zu können.

    Wenn es um den Schutz vor legaler geistiger Emigration vom autochthonen Wahlvolk aus dem Merkel-Reich geht, klappt sogar in Deutschland der Grenzschutz und die Rückführung.

    Die moralische Herrenrasse sendet aus dem politmedialen Führer_*Innen-Bunker geheuchelte, leicht mit Selbstkritik parfümierte Durchhalteparolen um das Vertrauen der Bürger wieder zu gewinnen so dass die anstehende “historische Aufgabe” zum finalen Abschluss gebracht werden kann.

  4. mariuslupus

    Schön dass es unter uns noch Optimisten gibt. Super-Gau ist nicht ein kleines Beben, bei dem paar Bilder wackeln, Super-Gau bedeutet es bleibt nichts erkennbares stehen. Die Wahlen in MeckVorPom waren eine leichte Brise, kein Hurrican. Merkel ist weit davon entfernt sich deswegen einen Friesenpelz und wasserdichte Stiefel anzuziehen. Merkel ignoriert die Unbotmässigkeit einer Minderheit ihrer Untertanen. Auch Genosse Erich wurde von Genossen Mielke wöchentlich darüber informiert, wie viele der DDR Volksgenossen ihn hassen. Besonders beeindruckt hat ihn das nicht. Hat dem General der VoPo befohlen, “Weiter so”.
    Kein einziger Parlamentarier hat gegen seine, durch Merkel vorgenommene Kastration protestiert und wird auch nicht protestieren. Merkel hat sich durch ihre arrogante, selbstherrliche Behauptung:”WIR,……….(ist mir zu blöd es zu wiederholen)” über das Parlament und den Rechtsstaat gestellt. Niemand hat bis jetzt im Parlament oder in der Regierung Merkel gezwungen diese Behauptung zu widerrufen und zuzugeben, dass es nicht um “Flüchtlinge” gegangen ist, sondern um widerrechtliche Machtusurpation. Eigentlich sollte das Verfassungsgericht die Einhaltung des Grundgesetzes garantieren, und die Legislative kontrollieren. Aber die Exekutive kontrolliert effektiv die Legislative und die Justiz, d.h. das Verfassungsgericht ist mangels Auftrag arbeitslos. Zustände wie in einer Diktatur.

  5. MM

    @stiller Mitleser: Mein Lieblingsabsatz daraus:

    (Die Zeit aus Hamburg nennt die Regionen, die sie besucht hat, verödet.)

    Die Provinz ist abgehängt: Das hört niemand gern, der seine Heimat mag. Es gibt natürlich Regionen, in denen es eher schlecht läuft, aber auch dort kommt man ab und zu mal raus und sieht Junkies in den Kaufhauseingängen von Hamburg, Dealer in Berlin und die Ergebnisse überschuldeter Ruhrpottmetropolen. Offen gesagt kenne ich im Umkreis von 150 Kilometer nichts, was auch nur ansatzweise so von unserer sauberen Lebensrealität abgehängt, dreckig, kaputt und fertig aussieht, wie grosse Teile von Hamburg und Berlin.

  6. sokrates9

    Die Merkel`sche Willkommenspolitik geht munter weiter! Es machen sich immer mehr Afrikaner auf am Goldrush teilzuhaben!

  7. Falke

    Bemerkenswert, wie sich Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur von “Die Zeit”, die ja bei den Willkommensklatschern in der allerersten Reihe stand, gestern bei Markus Lanz Asche aufs Haupt gestreut und zugegeben hat, dass die Medien (einschließlich seiner Zeitschrift) in der Flüchtlingsfrage das Blaue vom Himmel heruntergelogen haben. Er sagte das zwar mit etwas milderen Worten, aber in der Sache genau das. Das passte einem anwesenden Linksschmierer vom “Stern” zwar überhaupt nicht, die Lorenzo beharrte aber auf seiner Sicht der Dinge und konnte auch mehr oder weniger nachvollziehen, dass die Menschern deswegen erstens den Medien überhaupt nichts mehr glauben und zweitens massiv zur AfD überlaufen.

  8. Thomas Holzer

    @Falke
    Die Ratten sind meistens die Ersten, welche das sinkende Schiff verlassen…hoffen sie doch, auf Treibgut überleben und ans rettende Ufer gelangen zu können

  9. Lisa

    @stiller Mitleser: kann mich dem Dankeschön der andern nur anschliessen. Sachlich, unaufgeregt und praxisnah.

  10. stiller Mitleser

    @ Thomas Holzer, MM, Lisa

    Don Alphonso (Rainer Meyer) hat in der FAZ zwei Blogs:
    – “Stützen der Gesellschaft”
    -“Deus ex Machina”
    auch seine älteren und die ganz alten Beiträge sind lesenswert und seine liberale Kommentarpolitik ist für ein Zeitungsblog exceptionell.
    Er twittert auch als Don Alphonso und liefert sich harte Wortgefechte mit Berliner Genderfeministen und
    AntiFas; die Aas ist auch schon hinter ihm her.

  11. Gerald Steinbach

    Obs in Berlin wirklich ein Wahldesaster geben wird, glaube ich nicht, selbst habe ich beruflich bedingt zwei Jahre in Berlin gelebt und hatte danach schon zwei Besuche hinter mir
    Die alimentierten sind sicher nicht weniger geworden, der typische Berliner wurde durch den typischen Türken ersetzt, die meisten sind dort so weit links , das links schon zu weit rechts ist, da werden sogar “rassistische “Straßen unbenannt und das Stadtbild hat sich noch stärker verändert, mag sein das die AfD ein paar Prozente gewinnt, aber Gewinnen wird die SPD, trotz einen Maas oder einen Erzengel

  12. Reini

    TH… bin auch Eckardts Meinung, Flüchtlinge müssen arbeiten, zuerst einmal alle Aufwendungen der Asylkosten, der Mindestsicherung, Schulungen, Integrationskosten, Wohnungs- und Verpflegungskosten, und alle anderen Verursachten Kosten abarbeiten! … fragt sich nur wo!

  13. Thomas Holzer

    @Reini
    Vielleicht sollten die “Flüchtlinge” all diese Kosten im Ausland abarbeiten 😉

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