Der neojakobinische Weg in die Knechtschaft

(JOSEF STARGL) Die Neojakobiner verstehen sich als Avantgarde berufsrevolutionärer Bewusstseinsbildner, die mit ihrer („richtigen“) Sprache, mit ihren „absoluten Wahrheiten“, mit ihren moralischen Imperativen und mit ihrer Gesinnung(sethik) die Bürger und die Gesellschaft verändern wollen. Ihr Ziel ist der neue Mensch für eine neue (totalitäre) Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung, in der alles politisch ist und die Gesinnung die Urteilskraft sowie ihre Moral den liberalen Rechtsstaat ersetzt.

Das Sprach-, Wahrheits-, Moral- und Gesinnungsmanagement der Neojakobiner findet vor allem in den Schulen, in den Universitäten, in den verschiedenen kulturellen Einrichtungen und in den (meisten) Medien statt.

Die Neojakobiner behaupten, dass sie nicht irren können und, dass sie keine Fehler machen. Abweichende Fragen und Positionen, Argumente, Kritik und Widerlegung sind unerwünscht und werden nicht geduldet. Die Wirklichkeit wird ausgeblendet. Der erörternde Dialog wird im Interesse der Gesinnung nicht zugelassen. Wer eine andere Sprache verwendet und anders denkt, der ist nicht nur mit Wettstreitvermeidungsstrategien und mit Immunisierungsstrategien, sondern auch mit einem (empörten) Aufzeigen von Abweichung, mit Denk- und Meinungsverboten, mit intoleranten Zensoren, mit Denunziation und mit „Exkommunikation“ sowie mit einer Belohnung von Selbstzensur („der Schere im Kopf“) konfrontiert.

Die Avantgarde betrachtet Denunziation als oberste „Bürgerpflicht“. Die Sprach-, Meinungs- und Gesinnungstüchtigen erhalten einen “neojakobinischen Tugendausweis“, der sie schützen und privilegieren soll.

Die Avantgarde beansprucht die politische Deutungshoheit. Nur sie weiß, welche Sprache, welche Meinungen, welche Wahrheiten und welche Moral der neojakobinischen Gesinnung dienen. Die Avantgarde ermächtigt sich selbst, Andersdenkende als Ketzer und als politische Feinde zu verfolgen und zu verurteilen.

Für die neojakobinischen Wächter gibt es keine klare Unterscheidung von Recht und Moral und keinen den individuellen Grund- und Freiheitsrechten verpflichteten Rechtsstaat. Sie kennen keine Verantwortungsethik. Die Avantgarde akzeptiert keine rechtliche Begrenzung ihrer moralischen Überzeugungen. Wer sich nicht umerziehen lässt, wird (im Namen ihrer „Humanität“) intolerant behandelt.

Die Politisierung von immer mehr Bereichen des Lebens der Bürger und die zunehmende Moralisierung der Politik durch die „Empörungs- und Einschüchterungsexperten“ enden in einem Totalitarismus.

Haben wir doch den Mut, zu mehr eigenverantwortlichem und freiem Denken – Toleranz gegenüber der Intoleranz zerstört die liberale rechtsstaatliche Demokratie.

9 comments

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  3. TomM0880

    Ich finde diese Texte ja immer sehr lesenswert, nur wird hier nichts geschrieben, was die jahrelangen Leser dieses Blogs nicht schon wissen.

    Wenn man seinen Freunden und Bekannten zuhört, bekommt man nur noch Bauchkrämpfe. Oft hat man das Gefühl, man ist allein auf weiter Flur. Diskutieren bringt nichts, denn für Argumente sind die Programmierten nicht empfänglich.

    Neue Freunde finden, die einem nicht ständig die Magensäfte zum Kochen bringen ist ab einem gewissen Alter auch schwer. Deshalb lebe ich nach dem Motto: Will man seine Freunden behalten (die zweifelsohne gute andere Qualitäten besitzen), redet man nicht über Religion und Politik.

    Ich würde mir wünschen, dass solche klugen Beiträge wie von Herrn Stragl, auch in Zeitungen erscheinen. Vielleicht würde das ein Umdenken bei manchem Menschen (hoffentlich auch bei manchen Freunden) bewirken.

  4. Selbstdenker

    @Tom:
    Bei der Frage, was gerade vor sich geht, gibt es derzeit keine großen Überraschungen mehr. Viele der von den Hass-Linken ausgebrüteten Strategien sind mittlerweile decodiert. Es gilt nun zur Reconquista zu schreiten. John Mark hat dazu einige interessante Analysen durchgeführt und Strategien ausgearbeitet:
    https://youtu.be/mX0QG2o4_us

  5. Max Mustermann

    solchen Neojakobinern (eine Menschengruppe, die es zu allen Zeiten bereits gegeben hat) muß man mit eiserner Härte begegnen. Das heißt, keine Freundschaft, Ausschluß aus der eigenen Lebenswelt, Geschäfts- und Kommunikationsverweigerung und letztendlich pure Verachtung ist hier die notwendige Devise.

  6. astuga

    Das Problem sind ja nicht so sehr die “Neojakobiner”.

    Ihre Wirkung erzielen militante Gruppen jeglicher Couleur immer durch die zahlreichen Sympathisanten.
    Durch jene die glauben sie könnten sie für eigene Zwecke benutzen und durch die “Biedermänner und Brandstifter”.
    Und wenn erstmal auch nur der Anschein von Deutungshoheit und scheinbarer moralischer Überlegenheit etabliert wurde, dann knicken ohnehin so gut wie alle Menschen ein.
    Weil es in unserer Natur liegt (zumindest nach außen hin) immer mit dem Strom zu schwimmen.

    Und viele sind auch ohnehin komplett mit ihrem Alltag ausgelastet, da sind die wenigsten an zusätzlichem Ärger oder Konflikt interessiert.
    Vor allem in der Mitte des Lebens.
    Wer den Neojakobinern etwas entgegenstellen will hat nur Erfolg wenn er die Jugend und die jungen Erwachsenen erreicht und begeistert.

  7. Max Mustermann

    @Astuga
    “Wer den Neojakobinern etwas entgegenstellen will hat nur Erfolg wenn er die Jugend und die jungen Erwachsenen erreicht und begeistert.”

    Sicherlich wäre dies eine gute Option für viele, aber nicht für mich. Ich bin kein Missionar bzw. ein Don Quijote. (die grenzen zwischen den beiden modellen sind oft fließend)

  8. Johannes

    Ihre ganze Argumentation hat einen Haken, während die Jakobiner sich als Revolutionäre eine unumschränkte Macht ohne freie Wahlen durch das Volk sicherten hätten die von ihnen beschriebenen Unterdrückten alle vier bis fünf Jahre die Möglichkeit das zu ändern.
    Wahrscheinlich ist es die geschickte Strategie und das Zusammenspiel der Neojakobiner das der Souverän, das Volk sie immer weiter wählt.
    Aber sie bekommen Konkurrenz, langsam aber sicher werden durch die Völkerwanderung Mächte entstehen welche die Neojakobiner nach und nach verdrängen und irgendwann bedeutungslos werden lassen.
    Dann bricht eine neu Epoche an ähnlich der Besiedelung durch die Mauren welche die inneren Konflikte der Westgoten nutzen konnten um sie zu besiegen.

  9. astuga

    @Max Mustermann
    Das war jetzt auch nicht als Aufforderung gemeint persönlich die Jugend zu missionieren oder anzufeuern. 😉

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