“Der ORF muss sich völlig neu erfinden”

(von WERNER REICHEL) Wer vom ORF-System finanziell, politisch, ideell  oder sonst wie profitiert, hat sich angesichts der laufenden Diskussion bereits einschlägig in Stellung gebracht. Bundespräsident Van der Bellen behauptet gar, eine Budgetfinanzierung mache den ORF „verwundbar“. Der ORF-Redakteursrat wehrt sich entschieden und leicht hysterisch gegen die Steuergeldfinanzierung. Und der ORF-Redakteur Stefan Kappacher sprach unlängst gar von einer „absoluten Horrorvision“.

Heinz Lederer, SPÖ-Stiftungsrat im ORF, nicht minder markig: „Wer Wind sät, wird Sturm ernten.“ Damit es kein linkes Lüfterl bleibt, tourt er zurzeit durch Österreich, um eine „Gegenöffentlichkeit“ zu formieren. Die SPÖ fürchtet um die „Österreichische Kulturidentität“.

All die Drohungen, Warnungen und Verwünschungen haben bisher wenig gefruchtet. Die FPÖ will nicht nur die ORF-Gebühren abschaffen, sie möchte dem ORF auch eine deftiges Sparprogramm verordnen. 20 Prozent Einsparungen nach dänischem Vorbild wünscht sich Vizekanzler Strache, so berichten es die Zeitungen.

Das wäre ein echter Hammer und das Ende des linken Rundfunkschlaraffenlandes. Der ORF zahlt seinen Mitarbeitern Gehälter weit über dem Branchenschnitt und auch seine Zulieferer entlohnt er meist fürstlich. Selbst die Barbara-Karlich-Show, billige TV-Stangeware ohne öffentlich-rechtlichen Anspruch, verschlingt laut der Zeitung Österreich drei Millionen Euro pro Jahr.

Daran soll sich im Großen und Ganzen nichts ändern, alles soll bleiben wie es ist.

Die Profiteure des Gebührensystem inszenieren sich deshalb als Opfer der türkis-blauen Regierung und geben vor, für einen unabhängigen ORF zu kämpfen. Eine Unabhängigkeit, die der ORF in seit seiner Gründung in den 1950er-Jahren nie hatte. Er war immer ein politisches Herrschaftsinstrument. Was sich geändert hat, ist die Regierung und der Wählerwille. Das will man am Küniglberg nicht zur Kenntnis nehmen. Deshalb versucht man der Öffentlichkeit einzureden, sie brauche den ORF, er sie ihr Sprachrohr. Was völlig absurd ist, wenn man die ORF-Nachrichten und Unterhaltungsprogramme kennt, wo der gemeine Österreicher, der nicht SPÖ, Pilze oder Grüne wählt, mehrmals täglich als rechter Depp am Nasenring durch die TV-Arena gezogen wird.

In Wahrheit kämpfen die Genossen dafür, auch nach der Abwahl der SPÖ ungestört ihre linke Propaganda auf Kosten der Steuerzahler fortsetzen zu können. Sie wollen das angenehme Rundfunkleben in ihrer geschützten Werkstätte wie bisher weiterführen, frei von den Sorgen und Ängsten, mit denen sich gewöhnliche Medienunternehmer und Mitarbeiter in der freien Markwirtschaft herumschlagen müssen

An vorderster Front: Alexander Wrabetz. Nachdem die Drohungen der üblichen Verdächtigen, von Menasse bis Kappacher wenig gefruchtet haben, hat er seine stärkste Waffe ausgepackt. Sollte der ORF gezwungen sein, die kolportierten 150 Millionen Euro einzusparen, dann müsse er eben die Landestudios zusperren. Das ist natürlich Unsinn. Sparen kann man an anderen Stellen besser und sinnvoller. Wrabetz versucht mit dieser Drohung die schwarzen Landeskaiser, die ihre tägliche TV-Bühne in den Bundesland-heute-Sendungen lieben und brauchen, gegen Sebastian Kurz auszuspielen. Nehmt ihr dem ORF etwas weg, nehme ich euch eure TV-Provinztheater für die 60-Plus-Wählerschaft weg. Bei den Landeskaisern funktioniert dieser Erpressungsversuch. Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer hat Sebastian Kurz bezüglich ORF-Budgetfinanzierung bereits ausrichten lassen: „Wir, die Länder, haben schon artikuliert, dass wir das nicht positiv sehen.“ Kürzungen im ORF-Budget bezeichnet Haslauer gar als „aberwitzig“. Alt-ÖVP und SPÖ sind sich wie so oft einig, man möchte die Uhren auf die Zeit vor Sebastian Kurz zurückdrehen.

Wrabetz pokert hoch, er droht die regionalen Inhalte zu streichen bzw. kürzen, also jene, die die „Österreichische Kulturidentität“ fördern und bewahren sollen. Er droht also bei den Kernaufgaben des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sparen, nicht dort, wo der ORF ohnehin nur macht, was Private besser und billiger können. Das ist seine Strategie und Argumentationslinie: Es sei eine Illusion, sagt Wrabetz, dass solche Kürzungen mit Einschnitten bei Spartenkanälen zu erzielen wären. Genau hier sollte er aber nicht sparen. Es sind Spartenkanäle wie ORF3, die den öffentlich-rechtliche Auftrag zumindest ansatzweise erfüllen. Die teure Bing-Bang-Theory-Dauerabspielstation ORF1 hat hingegen keinen „Public Value“ und damit auch keine Existenzberechtigung als öffentlich-rechtlicher Kanal.

Wie notwendig eine grundlegende Reform und ein Wechsel an der ORF-Spitze ist, demonstriert Wrabetz unter anderem mit folgendem Argument: Kauffilme und -serien würden den ORF derzeit rund 35 Millionen Euro kosten. Würden die eingespart: „Was spiel ich dann dort?“, fragt er sich ernsthaft.

Es kann ja nicht darum gehen, die vielen ORF-TV- und Radiokanäle mit möglichst billigen Inhalten und Ramsch von der Stange zu bespielen, nur damit keine Sendelöcher entstehen. Der ORF als Selbstzweck, der ORF als Ernährer einer abgehobenen Clique. Den ganzen Tag Big Bang Theory- und How I Met Your Mother-Wiederholungen unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit runterzunudeln ist nicht die Aufgabe einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt. Wenn es dem milliardenschweren ORF bereits jetzt schwerfällt, seine TV-Kanäle mit halbwegs vernünftigen öffentlich-rechtlichen Inhalten zu befüllen, wäre es das Klügste, einen oder mehrere dicht zu machen und sich auf die gesetzlich vorgeschriebenen Aufgaben zu konzentrieren. Davon hätten alle was.
Es ist angesichts von On-Demand- und Streaming-Angeboten und dem geänderten Mediennutzungsverhalten ohnehin nur eine Frage der Zeit bis man diesen Schritt wird machen müssen. TV-Ramsch in Dauerschleife abzuspielen, ist selbst für Privatsender kein zukunftsträchtiges Geschäftsmodell mehr.

Es ist absurd: Wrabetz droht der Regierung, sollten sie das ORF-Budget kürzen, werde er vor allem bei den öffentlich-rechtlichen Kernaufgaben sparen. Wrabetz agiert wie der Piratenkapitän in den Asterix-Heften. Er versenkt den ORF vorsorglich selbst. Der gute Mann hat den Ernst der Lage offenbar nicht erkannt. Der ORF muss sich, um seinen Existenz als gebühren- oder steuergeldfinanzierte Anstalt langfristig abzusichern, auf seine öffentlich-rechtlichen Kernaufgaben konzentrieren. Das beinhaltet auch objektive und unabhängige Berichterstattung. Etwas, was dem ORF manchmal eher fremd ist. Will er überleben, müssen sich so manche Mitarbeiter von linken Polit-Aktivisten auf Journalisten umschulen lassen.

Um hochwertige öffentlich-rechtliche Inhalte zu verbreiten, die tatsächlich einen Mehrwert für Gesellschaft und Land haben, braucht man im Jahr 2019 keine sündhaft teuren TV-Kanäle mehr. Da gibt es enormes Sparpotential. Und Unabhängigkeit, Anspruch und Qualität haben nichts mit linker Ideologie und politischer Korrektheit zu tun.

Der ORF muss sich völlig neu erfinden. Dazu braucht es den notwendigen Druck von außen, also von der Regierung und Gebührenzahlern sowie einen Chef, der dazu in der Lage ist. Herr Wrabetz ist das definitiv nicht. Er verkörpert und vertritt den ORF, der nur noch von seinen Mitarbeitern und linken Politikern gebraucht wird.

11 comments

  1. Sokrates 9

    Orf aus dem Budget zu bezahlen ist dasDeppenspiel:LinkeTasche-rechte Tasche! Es gibt nur eines:Privatisieru g und von mir ausein gewisses Budget an alle Medien fuerFoerderung oesterreichischer Identitaet!

  2. Erich

    I have a dream:
    Es genügt ORF1 nach dem Muster von BBC-World. Da haben auch die Bundesländer Platz. Wieso hier alle großen Sportübertragungen laufen obwohl es einen eigenen Sport+Kanal gibt?? OE1 genügt parallel als reiner Info-Sender durchmischt mit klassischer Musik. Alles andere als Pay-TV und -Radio (funktioniert ja schon via Satellit und Simply-TV). Popmusik (oder wie immer das heute heißt) holt sich die Jugend sowieso nur mehr über Spotify.

    Apropos OE1: 3 Minuten Nachrichten jeweils in englisch und französisch kurz vor 13h – sieht so internationales Radio aus??

    Natürlich wird kaum jemand für Parlamentsübertragungen zahlen (ORF III, angeblich Bildungskanal); das könnten die Parteien in ihren Streamingkanälen kostenlos übernehmen. So erzieht man übrigens mündige Staatsbürger, die die dort parteipolitisch gefärbten Sendungen kritisch beurteilen.

    50% Finanzierung durch die Werbung, der Rest aus dem Budget. Weg mit dem Stiftungsrat und allen Pseudo-demokratischen Publikumseinrichtungen, die nur Parteipolitik umsetzen.

    Objektiven Journalismus wird es dann wahrscheinlich immer noch nicht in den kostenfreien Sendern geben, aber die Kosten sind vielleicht nur 20%. Die Konkurrenz ist im Prinzip nicht sehr groß; selbst OE24 ist nur in homöopathischen Dosen erträglich. Der Hinweis auf die “Privaten” ist lächerlich, denn die müssen von der Werbung leben. Was dem Österreicher wirklich gefällt sieht man ja aus dem Programmangebot. Nur dafür zahle ich keine Zwangsgebühren!! Die Jugend kauft eh schon bei Netflix und anderen Kanälen; inwieweit Sky leben kann weiß ich nicht.

    Wo bleibt der Eingriff der Eigentümervertreter, wenn ein Generaldirektor aus Trotz mit Maßnahmen droht? Dabei sind m.M. nach die Bundesländerstudios überproportional personell besetzt (20 Minuten TV am Tag! Wer hört die ganztägigen Radioprogramme? Nur mehr die Alten).

    Kurz&Blümel: bitte hören Sie auf das Volk und weniger auf die Landeshauptleute. Es zahlt sich spätestens bei den nächsten Wahlen aus.

  3. Kluftinger

    Haslauer erstaunt den Zeitgenossen!
    Gerade er hätte eine guten Grund, die “rote Partie” im Salzburger Landesstudio zu domestizieren!

  4. Freund des öffentlich-rechtlichen Kernauftrag

    Zum Vergleich: BBC hat ein nur rund 5x höheres Budget und versorgt damit 66 Mio UK Bürger, >1Mrd Einwohner der Commonwealth Staaten und die ganze Welt mit Nachrichtenprogrammen auf Top-Niveau. BBC hat in den Kernprogrammen nicht einmal Werbung um völlig unabhängig auf Public Value zu fokusieren.
    Der ORF hingegen ist ein bis auf kleine Nischen (wie ORF 3) rein kommerziell agierender Medienkonzern, der den Schnabel nicht voll bekommt. Viele seiner einzigartigen Kommerzabenteuer sind verlustbringend (Flimmit) und sollen dann vom Gebührenzahler ausgelöst werden und fragwürdig. Ist es wirklich public value PlayboyTV zu vertreiben wie es der ORF über seine Pay-TV Tochter SimpliTV macht?

  5. Cora

    Die Gegenwehr der Linken bestätigt mich nur. Der ORF muss unabhängig werden, unabhängig von der ORF-Gebühr, er soll frei finanziert sein. Was Leute freiwillig zahlen, davon soll er leben und für diese produzieren. Wie komme ich dazu, linke Propaganda mitfinanzieren zu müssen? Soll zahlen, wer sich das anschauen will. Ich brauche keine Propaganda, weder linke noch rechte. Es muss endlich Schluss sein mit diesem totalitären Staatsfunk! Unnötig wie ein Kropf.

  6. Cora

    Die Gegenwehr der Linken bestätigt mich nur. Der ORF muss unabhängig werden, unabhängig von der ORF-Gebühr, er soll frei finanziert sein. Was Leute freiwillig zahlen, davon soll er leben und für diese produzieren. Wie komme ich dazu, linke Propaganda mitfinanzieren zu müssen? Soll zahlen, wer sich das anschauen will. Ich brauche keine Propaganda, weder linke noch rechte. Es muss endlich Schluss sein mit diesem totalitären Staatsfunk! Unnötig wie ein Kropf.

  7. Michael

    Die ORF Führung interessiert sich seit Jahren für den öffentlich-rechtlichen Auftrag nur um Gebühren und Subventionen zu kassieren. Ausgestattet mit diesen Privilegien haben sie einen aufgeblähten rein kommerziellen Medienkonzern gebaut. Vertrieb von PlayboyTV uber die ORF Pay-TV Tochter SimpliTV ist ein eher zweifelhaftes Verständnis von Public Value. Und wenn ein Kommerzabenteuer zum Millionengrab wird wie bei Flimmit dann sollen es bitte schön die Gebührenzahler ausbaden.

  8. Thomas F.

    Jetzt fehlt nur noch, dass Wrabetz mit seinem Rücktritt droht, sollte der ORF seine Unabhängigkeit verlieren.

  9. Sven Lagler

    Der ORF hat zu viele Kanäle, d.h. Überkapazitäten und somit reduzierbare Fixkosten ohne den Kernauftrag zu gefährden. Doppelmoderationen und mehrere Wettersprecher sind unnötiger Luxus für hochdotierte Versorgungsposten. Amerikanische Serien ohne Webeunterbrechung sind unfaire Wettbewerbsverzerrungen gegenüber Privatsendern und entsprechen keinesfalls ansatzweise einem Bildungsauftrag. Wenn Sportsendungen ausschließlich von Privaten ausgestrahlt werden, ergibt sich automatisch der wahre Wert der Übertragungsrechte.
    Wenn schon Dauerschleife, dann mit Eigenproduktionen a la Universum für die „Intellektuelleren“ und Liebesgschichtn, Kaisermühlen Blues etc. für die „Einfachgestrickten“
    Für die breite Masse ergibt sich dadurch keinerlei Verlust, für die Zwangesgebührenzahler aber eine reale Ersparnis. Produktionen sollten generell ausgeschrieben werden und alle Sender können ihre Konzepte vorlegen.
    Vermeide den ORF seit über 10 Jahren und bin besser informiert als je zuvor.

  10. Falke

    Was mich bei der ganzen Sache wundert, ist die Tatsache, dass das Volksbegehren gegen die ORF-Gebühren gerade einmal etwas über 300.000 Bürger unterschrieben haben, also etwa 5% der Wahlberechtigten. Sollte es tatsächlich so sein, dass der überwiegende Teil der Bevölkerung mit dem derzeitigen Zwangsgebührensystem einverstanden ist?

  11. Gerhi09

    @Falke
    Das ORF Volksbegehren wurde von sämtlichen Medien totgeschwiegen. Bei gleicher Publicity wie das skurrile Frauenvolksbegehren oder gar das Rauchverbotsvolksbegehren hätte das ORF Volksbegehren die Million leicht geknackt.

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