Der Rückschlag der Nazikeule

Von | 24. Juli 2017

(GEORG VETTER) Immer wenn es im ehemaligen Ostblock zu Unruhen unter der Bevölkerung kam, die nicht mehr zu verheimlichen waren, griffen die Propagandaabteilungen zu den gleichen Methoden: revisionistische, faschistoide Gruppen hätten sich gegen das Volk verschworen und müssten mit allen Mitteln in die Schranken gewiesen werden. Die Nazikeule ist aber auch in den Demokratien eine beliebte Waffe gegen nichtlinke Politiker. Gut erinnere ich mich noch an einen Wahlsieg Margaret Thatchers, die von lauten „fascist“-Rufen begleitet wurde. Auch Franz Josef Strauß musste sich viele Hitler-Vergleiche gefallen lassen.

In die gleiche Kerbe schlagen heute die Gegner unseres Außenministers, wenn sie ihn wegen seiner Aussagen zur Migrationspolitik in die Nähe des Nationalsozialismus rücken möchten. Natürlich ist das völliger Unsinn. Doch in der politischen Propaganda scheint keine Schublade zu tief zu sein – schon gar nicht jenen, die bei sonstigen Gelegenheiten jede Kritik an sich selbst und ihresgleichen als Verhetzung zu pönalisieren versuchen.

Aber auch die Nazikeule ist rückschlaggefährdend und wirkt zunehmend gegen ihre Träger. Wer seine politischen Gegner nicht mit Argumenten bekämpft, sondern den Extremismusvorwurf bemüht, stellt sich zunehmend selbst ins Eck. Wer aufrechte Demokraten des Nazismus zeiht, verharmlost nicht nur letzteren, sondern offenbart immer offensichtlicher seine eigene Hilf- und Inhaltslosigkeit So wie seinerzeit die Bevölkerung im Osten einen Aufstand gegen die Diktatur witterte, wenn die Machthaber über kleine revisionistische und faschistoide Gruppen herzogen, muss der Außenminister etwas ziemlich Richtiges gesagt haben, wenn ihn seine Gegner in politisch braunen Farben zu malen beginnen.

Abgesehen von wenigen politisch völlig Fixierten glaubt kein Mensch daran, dass die Verwüstungen in Hamburg anlässlich des G20-Gipfels auf die „Provokationen“ der Polizei zurückzuführen sind. Solcher Unsinn offenbart mehr über die Propagandisten und als über irgendjemanden sonst. Genauso ist es auch mit der Nazikeule.

 

 

8 Gedanken zu „Der Rückschlag der Nazikeule

  1. Fragolin

    Die ganze linke Ideologie ist auf Selbstbetrug und Lüge aufgebaut, deshalb gibt es keine Fakten, mit denen man dafür argumentieren kann. Wenn also emotionales Floskeldreschen nicht mehr hilft oder irgendwer mit lästigen Fakten daherkommt, haben sie keine andere Strategie als den Gegner auf der persönlichen Ebene (auf Sachebene sind sie ja komplett unbewaffnet) zu diskreditieren und mit Hass und Hetze zu übergießen.
    Deshalb werfen sie auch genau das allen anderen vor: sie können sich gar nicht vorstellen, dass andere nicht aus den gleichen niederen emotionalen Instinkten heraus agieren sondern der Rationalität den Vorzug geben.
    Tauben am Schachbrett eben.

  2. waldsee

    na viel Glück dabei der Antisemitismus und Antinazi -Industrie die Grundlage zu entziehen.
    Das wird echt mühsam.

  3. gscheithaufen

    Nur a geistigs Nockerbazi
    Mocht aus jedn Bock a Nazi

  4. namor

    Die Linke hat eine Rolle der Religion übernommen, die Hüterin der Moral. Sie hat nachvollziehbarerweise die christliche Moral gewählt, da diese in den Köpfen fest verankert ist. Erbsünde (WK II, Kolonien, Klimawandel, etc.), Nächstenliebe (überbordender Wohlfahrtsstaat) und Feindesliebe (“man muss den Attentätern mit Liebe begegnen”).

    Drei Schwierigkeiten für die Aufklärung möchte ich benennen.
    1) Kein Trennung von Kirche und Staat; die Linke ist nicht nur Hüterin der Moral sondern auch politisch
    2) Antiklerikal; anders als die christlichen Kirchen ist die Linke so defacto nicht angreifbar. Baut jemand Mist (Stalin, Castro, etc.) war es eben nicht die linke Lehre. Je nach dem vor wen man spricht, kann man die Lehre situationselastisch anpassen.
    3) Keine grundlegende Texte und Verfasser; die man der Kritik unterziehen könnte. Am ehesten noch Marx, der aber über die praktische Gestaltung der Neuen Welt nichts sagte, zudem zu theoretisch und kompliziert, ungeeignet für die öffentliche Meinung.

    Es fällt auf, dass die ersten beiden Punkte auch auf den Islam zutreffen. Die letzten beide Punkte zeigen die Postmoderne. Anything goes. Alles kann dergestalt analysiert werden, dass das Ergebnis beliebig wird. Es lebe der Unterschied (den ohne Unterschied keine Identität), es lebe die Gleichheit (keiner ist besser [als ich, mimimi]).

    Nun zu Glück im Unglück. Was wenn dies der Lauf der Dinge wäre? Wie Oswald Spenglers Untergang, spätrömische Dekadenz ala Westerwelle, Max Webers “Wenn der Reichtum kommt, schwindet der Glaube”, etc. Was dann? Was wenn der Mensch zu immer größeren Gebilden und Gleichmacherei neigt, weil dies in kleineren Gesellschaften notwendig ist und tief in uns steckt? Was dann?

    Dann müßte sich dei Führungsriege inkl Spitzenbeamte überlegen wie man da raus kommt, bzw wie man dauerhaft in diesem Zustand gut leben kann. Und den Menschen die Sache ehrlich erklären, bruhaha. Da ist es wohl besser dem Karren noch ordentlich Schwung mitzugeben, um Siechtum zu vermeiden.

  5. Falke

    Man muss gar nicht so weit zurückschauen (Thatcher, Strauß), um Hitlervergleiche der Linken zu finden. Ganz aktuell: Bekanntlich wird auch Donald Trump im In- und Ausland hauptsächlich mit der Nazikeule bekämpft.

  6. Lisa

    Warum gerade Deutsche dazu neigen, frühere Schuld auf sich zu nehmen? Hat sich je ien Franzose wegen Vichy geschämt oder ein Italiener sich wegen des Duce im Staub gewälzt? Ganz zu schweigen von Ex-Jugoslawien, Ruanda, Korea oder auch den Vereinigten Staaten oder der ehemaligen Sowjetunion. Ob die Deutschen und mit ihnen die Österreicher – immerhin war der Sünder ja gebürtiger Braunauer – das haben, was man pathologisierend eine coscientia scrupolosa nennt? Als Volk der Dichter und Denker schon möglich… Darum schockten auch jeden denkenden und fühlenden Menschen die Unmenschlichkeiten von damals mehr, als wenn sich “primitivere” Völker massakrieren… Die Film- und Literaturindustriie wird ja auch 70 Jahre nach Kriegsende nicht müde, immer mal wieder Scheusslichkeiten von damals aufzubereiten und das Klischee des “bösen Deutschen” wirkt viel stärker als das der Erfinder und Musiker, der Techniker und Literaten. Ein unbedarfter Roman hat trotzdem Erfolg, wenn darin irgendwas Übles mit Nazis vorkommt, egal, ob tatsäch so oder ähnlich geschehen oder frei erfunden.

  7. mariuslupus

    Die Nazikeule ist in bester Verfassung und als Gebrauchsgegenstand äusserst effektiv.
    Alle die mit der EU nicht im Gleichschritt mitmarschieren wollen, werden als Nazis oder Kryptonazis bezeichnet. Orban, als Nazi und Antisemit. Nur so ein Pech, wird vom Netanjahu gelobt. Kaczynski auch ein polnischer Nazi, nichts neues. Polnische Kommunisten haben auch die Mitglieder der AK als Nazis bezeichnet. Trump, und im Rahmen der Sippenhaft, auch die ganze Familie als Nazis bezeichnet.
    Aber, wer ist ganz sicher kein Nazi ? Dass sind die vermummten, schwarzen Schlägertrupps der Antifa und die islamischen terroristischen Einschüchterer. Alle die im Mittelmeer Schwarzafrikaner nach Europa transportieren, sind auch keine Nazis. Aber wer diesen illegalen Menschenhandel kritisiert, ist automatisch ein Nazi.

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