Der Shitstorm der Ruling Class

Von | 2. Juli 2014

(LUKE LAMETTA) Warum am Ende immerzu die falsche Front vorangetrieben wird. Warum Liberalalas und Nominalkonservative ein Totalausfall und ganz besonders große Waschlappen sind. Warum ich es seit über 10 Jahren für das größte Versäumnis in der Neigungsgruppe “liberal und/oder konservativ” halte, so was wie einen “kulturellen Resonanzboden” völlig zu vernachlässigen und die Lehren Antonio Gramscis nicht volley zu nehmen.

Weil ganz wesentliche, nennen wir sie mal “atmosphärische”, Diskurse unserer Zeit, dargestellt anhand zweier akuter Beispiele, ungefähr so laufen:

1) Ein Volks-Rock’n’Roller oder, noch schlimmer, der siebte Zwerg von rechts, achte Reihe, Kragenweite “F”PÖ-Jugend Burgenland spüren, dass irgendwas im Land völlig schief läuft (https://www.facebook.com/RFJ.Bgld/posts/706540692716428 |http://orf.at/stories/2236265/ | http://derstandard.at/2000002538989/RFJ-Stereotype-gegen-Gender-Wahn)

2) Sie kommunizieren es notorisch unterkomplex, ungeschickt und mit tendenziell debilen “Argumenten” (“Hab ich so gelernt”, “echte Frauen sind so und so”, etc., etc.). Die Frage, inwiefern politische Kommunikation in einer anonymen Massen- und Mediendemokratie ohnehin nicht anders kann, als auf “dumbing down” zu setzen, sei hier mal außen vor.

3) Es bricht unter wolllüstigem Inzest von GIS-Blase, Holzmedien-Blase sowie Vereinten Linken und deren fünftem Rad am Trabi aller Korrektheitsfadiane, nennen wir es das “liberalala und nomninalkonservative”-Rad, der Shitstorm der Ruling Class (vide Codevilla) aus.

4) Die Ruled Class sucht sich daraufhin ein Ventil im allerletzten Rückzugsort der Meinungsfreiheit, das ihr (noch) geblieben ist: Teh Interwebz. Social Media und Online-Foren.

5) Unschwer zu erraten, wer von beiden sich A) dabei geschickter anstellt und B) das mächtigere Werkzeug hat, welches C) von ratet mal zwangsfinanziert werden muss.

6) Fürderhin beginnen sämtliche Schweigespirale-Mechanismen (vide Noelle-Neumann) damit, ihre niederträchtige Zahnrädchen ineinander greifen zu lassen:
“Wie? Du fandest es ganz originell, dass Andreas Gabalier bei einem Event eines privaten Veranstalters die Hymne eigenwillig so gesungen hat, wie sie ihm gefällt?”
“Du bist wohl Sexist, entwertest gerne Frauen, lebst hinterm Mond, achtest wohl auch andere Gesetze nicht und legitimierst damit die Morddrohungen gegen Gabriele Heinisch-Hosek!”
“Wie? Hast du grad auch ‘Gender-Wahn’ gesagt?”
“Du bist wohl Kellernazi wie Barbara Rosenkranz, fürchtest dich vor emanzipierten Frauen, hast ein kleines Spatzi und würdest gern eine blonde, blauäugige Eva als Gebärmaschine an den Herd ketten sowie eine Sexsklavin samt Zweitfamilie in einen Amstettener Keller sperren!”

7) Dann Liberalalas und Nominalkonservative so: “Wir fürchten uns einfach vor jenen zu Tode, die im unumschränkten Besitz der Deutungshoheit über alles und jeden sind. Unsere größte Angst besteht darin, dass uns die urbane Links-Schickeria ‘irgendwie rechts’ finden könnte. Ja gut, die werden uns natürlich trotzdem nie wählen und sie sind schon auch manchmal verstrahlt, aber hey, Gleichberechtigung ist doch eine legitime Sache? Wie? Das sei hier ein völlig sachfremdes straw man argument? Ganz laut Lalalala singen! Ohren zuhalten! Und sich dabei immer wieder gegenseitig versichern: Nur ned anstreifen! Lieber als für liberale und/oder konservative Werte eintreten, wollen wir in erster Linie Teil der Ruling Class werden. Oder bleiben.”

8) Und damit endet sämtlicher, erregungsindustrielle Firlefanz regelmäßig mit dem gefühlt 5863928538. Triumph des Kulturmarxismus, und ja, das muss man so hart benamsen. Start-Ziel-Siege im weiten Feld der Gramscischen “kulturellen Hegemonie”. Warum diese deutlich wertvoller als sämtliche Wahlsiege sind? Weil solche ja zum einen nur -Folge- atmosphärischer Verschiebungen um 1 AE sind und zum anderen ja auch die vermeintliche “Opposition” dazu voll erfasst hat.

Die “adelig-untadelig” verheiratete, faux-konservative Maria Rauch-Kallat,Andreas Unterbergers “Zukunftshoffnung” Lukas Mandl oder die betont “liberale” Beate Meinl-Reisinger seien exemplarisch als pars pro toto erwähnt. Grüne sind im Verhältnis zu ihren Prozentpünktchen nicht nur die mächtigste Kraft der falschen Front, sondern dienen sich ja ohnehin schon heute bei jeder Gelegenheit dem rotschwarzen Bipartisanship als Mitmarschierer an. Team Untot hat mit einer de facto leeren Kassa zu kämpfen und ist irgendwas zwischen ohnehin schon gehirntot und hoffnungsloser Wachkoma-Patient. Die “F”PÖ aus den dargelegten, völlig kulturlosen Gründen indiskutabel. Das nur für all jene, die ihre Hoffnungen grundsätzlich in “Veränderbarkeit durch Politik” setzen.

Den Gipfel der Unverschämtheit aber erklimmt am Ende verlässlich und regelmäßig ein “organischer Intellektueller” (vide Gramsci) der Ruling Class: Etwa der notorische Küniglberg-Biwakierer Peter Filzmaier, der dort unter Armin Wolfs Schreibtisch campt und beim Standard völlig unumwunden und freimütig erklärt: “[Es gibt] Themen, wo die Differenz zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung besonders groß ist – und wir hoffen auf die Schweigespirale. [sic]”

Und der millionenschwere Drill Sergeant der SPÖ-Kommunikation, PR-Betriebsführer Dietmar Ecker sekundiert ebenso beim Standard, und ebenso schamlos, mit dem Rat des deutschen Grün-Abgeordneten Volker Beck: “Einmal kurz abschütteln und weitermachen.”

Man hat es mit einem durch nichts irre zu machenden Hass auf alles, was man von Wortführern und Lehrstuhlinhabern der radikalen Linken als irgendwie “unmodern”, gar “unzivilisiert”, eingeredet bekommen und als inhärenten, unnachgiebigen Bestandteil des eigenen Habitus inkorporiert hat, zu tun. Als sei es etwas im Range von “Sehr geehrte Damen und Herren”.

Es sind dies alles Dokumente eines mittlerweile völlig offen geführten Kulturkriegs einer winzigen Klasse gegen eine sehr große. Dafür, dass letztere erstere mit allerlei Zwangsabgaben deutungshoheitsmäßig fett füttern muss, bestellt diese ihr tagtäglich: “Wir verachten euch regelrecht. Habituell. Intellektuell. Und weltanschaulich. Wir tun das völlig ungehemmt. Uns kann nichts passieren. Und damit das ein für allemal klar ist: Wir sind hier einfach die Herrenmenschen. Weshalb wir uns auch sämtliche Rechtfertigungen dafür einfallen lassen (und in Auftrag geben), weshalb -du- uns gefälligst bezahlen -musst-.”

Sollte sich dieses eklatante Mobbing, das kaum mehr kaschierte diktatorische Umerziehungs-Gehabe samt flagranter räuberische Erpressung durch chattering und political class und ihr mächtiges Monopolprivileg einer mit Zwangsabgaben der Opfer finanzierten Brechstange des Medien- und Staatsinterventionismus eines Tages mal ein anderes Ventil als Shitstorms und Kreuzchenmalen suchen:

Ganz ehrlich: Wessen Genugtuung dabei wäre heimlicher Natur?

 

22 Gedanken zu „Der Shitstorm der Ruling Class

  1. Luke Lametta

    Die liebste Lüge der Politik und aller, die sich ihrer bemächtigt haben, lautet: “Der Staat, das sind wir alle. Und wir sitzen alle im gleichen Boot”.
    Nein.
    Sind wir nicht.
    Tun wir nicht.

    “Die Welt ist nun einmal so!”, weiß der Realist.
    Und vergisst dabei, dass sie nicht immer so war.
    Und keinesfalls immer so bleiben wird.
    Aber wie wird sie werden, die Welt?
    Das wissen weder Realist noch Idealist.
    Der Idealist jedoch weiß, wie sie sein soll.
    Und nur sein Ziel bewegt die Welt.

    Das gälte auch für authentische Liberale.
    Gilt aber im Hier und Heute für die radikale Linke.

  2. S.M.

    Dank an Luke Lametta für die in Buchstaben gegossene Verkörperung der Richtung, in die dieser Blog geht. Jeder weitere Kommentar erübrigt sich.

  3. Selbstdenker

    Lasst Euch doch nicht narrisch machen. Dieses Shitstorm-Getue war von Anfang ein Hobby einer Minderheit, die sich für die Mehrheit hält. Die tatsächliche Mehrheit hört ganz einfach nicht mehr hin, weil es nur noch nervt und für niemanden Lösungen bringt.

    Stell Dir vor es kommt ein Shitstorm und keiner geht hin.

    PS: ausnahmsweise muss ich der FPÖ recht geben. Wer möchte, kann mich dafür hassen. Ich pfeiffe darauf!

  4. Rennziege

    2. Juli 2014 – 14:01 Selbstdenker
    Wer sollte Sie dafür hassen, ausnahmsweise nach dem letzten Strohhalm zu greifen, der dem Mähdrescher der politischen Korrektheit ab und zu Paroli bietet?

  5. Selbstdenker

    @Rennziege:

    Niemand, wenn man sich zu dem bekennt wofür man steht. Die Masche mit der Empörung, dem Hass und dem Shitstorm funktioniert nur bei Leuten, die sich davon einschüchtern lassen.

    Mittlerweile haben sich die Linken in derart viele Widersprüche verstrickt – und das wissen diese inzwischen auch – dass es ihnen verschämt die Sprache verschlägt, wenn jemand nicht ihrer Meinung ist.

    Die Offensiven der Linken, die immer mehr ohne Wirkung verpuffen, lassen sich inzwischen hervorragend zu Gegenoffensiven des Hausverstandes nützen:

    Dem Singen der Bundeshymne mit dem originalen statt dem politisch verschandelten Text wird so zu einem Zeichen, welches der bislang sprachlosen Mehrheit wieder ihre Stimme zurückgibt.

    Das Plakat mit der halbnackten Dame wäre gar nicht weiter aufgefallen, wenn es (a) nicht von der FPÖ stammen würde bzw. (b) ein – meiner Meinung nach gelungener Seitenhieb – auf das von oben aufoktoryierte Gender Mainstreaming wäre.

  6. Selbstdenker

    Noch ein Wort an den – von mir geschätzten – Luke:

    Um dauerhaft ein Unterdrückter zu sein, muss man das Spiel des Unterdrückers nach dem von ihm aufgestellten Regeln mitspielen.

    Ich raunze zwar auch, aber ich spiele grundsätzlich beim PC Spiel nicht mehr mit. Die spießige Empörung der PC’ler erheitert mich inzwischen geradezu. Und je mehr sie aufgeregt umhergackern, desto mehr weiss man, dass man gerade mitten ins Schwarze getroffen hat.

  7. Luke Lametta

    @S.M.: “Verkörperung der Richtung, in die dieser Blog geht” – wie ist das gemeint?

    @Selbstdenker: Eh. Für mich sind solcherlei Selbstgespräche bei Fcbk ein rein psychohygienisches Ventil.

  8. Selbstdenker

    @Luke: alles was in FB länger als drei Zeilen ist, überfordert die dortigen Nutzer. Bei Twitter ist man da schon ehrlicher: da begrenzt man von Haus aus die Textlänge.

    In FB komplexere Gedankengänge oder ausführliche Analysen darzulegen hat in etwa die gleiche Wirkung wie einer Kindergartengruppe Differentialgleichungen zu erklären.

    Schreiben Sie doch mal einen Gastkommentar bei der Presse oder geben Sie eine Stellungnahme zu neuen Gesetzen bei http://www.parlament.gv.at ab.

  9. Rennziege

    2. Juli 2014 – 14:53 Thomas Holzer
    Schau, schau, “Die Presse”! Erfreulich, dass sie so was gelegentlich noch abdruckt. Bezeichnenderweise aber nicht von einem Redaktionsmitglied verfasst, sondern von einem Gastkommentator. Das lässt tief blicken.

  10. Thomas Holzer

    @Rennziege
    Herr Ortner dient ja in der “Wiener Zeitung” auch als Feigenblatt der politischen “Unkorrektheit 😉

  11. Luke Lametta

    @Selbstdenker: Eh, gut beobachtet. Aber mir ist Reichweite ziemlich wurscht. Ich mach das -wirklich- nur zwecks Psychohygiene. Und dafür ist Fcbk ein “öffentlicher” quick fix. Reicht mir schon.

  12. Luke Lametta

    Außerdem bestellt mir dort Lukas Mandl, dass ich “nichts kapiert habe”, meine Energie in “christdemokratische Arbeit investieren solle” und “nur eskalieren kann”.

    Das ist sehr schön.

  13. Karl K.

    Lieber Herr Lametta, alleine, dass sie der liebe Luki Mandel, das pausbäckige zu groß geratene Kind, sie offenbar nicht mag, ehrt Sie.
    Der Luki hat schon als ÖAAB General hauptsächlich Mist gebaut. Aber nachdem er des Sonntags brav in die Kirche geht mag ihn der Herr Unterberger….
    Der einzige der nichts kapiert hat ist Luke selbst. In der Privatwirtschaft härter keine Chance.

  14. Thomas Holzer

    Wer als Beruf u.a. “Begleiter von Menschen im politischem Wettbewerb” angibt, dem ist sowieso schwerlich zu helfen 😉

  15. Luke Lametta

    Ihn schmerzt besonders, dass ich mich einer “Terminologie bediene, die prima vista Verwechslungen mit dem von ihm gelebten Werten zulassen.” –Lukas “die Grünen Frauen haben recht” Mandl

    Ne ne, Fcbk ist schon voll ok.

  16. Thomas Holzer

    @Luke Lametta
    Ich denke eher, die “Werte” des Herrn Mandl sind genauso beliebig wie die des Herrn Rupprechter 😉 das Einzige, was diese beiden Herren in ihren “Werten” eint, ist der Drang, sich an den von den Steuerzahlern befüllten Futtertrögen gütlich zu tun

  17. Halmstan

    Guter Artikel, dan Folgerungenkann man wohl nur zustimmen. Frage mich nur in welcher Sprache der Beitrag eigentlich verfasst ist bzw. welches Idiom hier simuliert werden sollte?

  18. Luke Lametta

    Lingua Lametta. Ich nerv mich manchmal eh selber. Es ist mein Tonfall für innere Monologe bei der Masochismusmaschine Social Media.

  19. Herr Karl jun.

    Ad Lukas Mandl:
    Ich erinnere mich noch gut, als Hr. Mandl er in einer kleinen Veranstaltung am Hayek-Institut die Abneigung Hayek’s gegen staatliche Interventionen in der Wirtschaft bekräftigte. Dann eilte er flugs davon, um beim Flughafen Wien an einem Treffen der ÖAAB-Manager [sic!] teilzunehmen. Luki sah darin keinen Widerspruch…

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