Der “Sparpakt” ist eine Farce

Jean-Claude Juncker hat eine Begründung, warum die EU-Kommission Frankreich schon seit Jahren Ausnahmen vom Euro-Stabilitätspakt gewährt: „Weil es Frankreich ist.“ Mit diesem Satz wendet Juncker die Aufmerksamkeit von einem noch größeren Skandal. Ausnahmen gibt es nämlich nicht nur für Frankreich, sondern für sehr viele Eurostaaten.

Was war der Sinn des Stabilitäts- und Wachstumspakts von 1997? Er sollte die Fehlkonstruktion des Euros zumindest in ihren Auswirkungen begrenzen. In der Währungsunion können alle Mitgliedsstaaten ihre Staatsdefizite indirekt monetisieren. So kann Italien großzügige Renten zahlen und das resultierende Haushaltsdefizit mit Ausgabe von italienischen Staatsanleihen begleichen. Diese Anleihen können dann italienische Banken erwerben und als Sicherheit für zusätzliche Zentralbankkredite bei der EZB hinterlegen. Die Banken können hernach ihre Kreditvergabe und damit die Geldmenge ausweiten. Tendenziell steigen hierauf die Preise, aber nicht nur in Italien, sondern peu à peu in der gesamten Eurozone. Somit zahlen die Deutschen letztlich einen Teil der üppigen italienischen Renten in Form eines relativen Kaufkraftverlustes des Euros.

Und nicht nur die italienische Regierung, sondern alle Mitgliedsstaaten haben einen Anreiz, sich über die indirekte Monetisierung ihres Defizits auf Kosten ihrer Nachbarn zu bereichern. Das macht die Eurokonstruktion so explosiv. Diese Anreize sollten mit dem Euro-Stabilitätspakt eingedämmt werden. Der Pakt begrenzte das Haushaltsdefizit auf 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und die Staatsschulden auf 60 Prozent des BIP. Da niemand den Stabilitätspakt durchsetzte und es keine glaubwürdigen Sanktionen gab, geriet er zur Farce. Allein bis 2010 gab es 74 Verstöße.

Auf dem Höhepunkt der Eurokrise kam es 2012 zu einem neuen, zweiten Pakt. Im Gegenzug für die Zustimmung zum Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) forderte Deutschland eine Verschärfung des Euro-Stabilitätspakts. Die deutsche Regierung konnte dem Bundestag so den ESM schmackhaft machen. Der Europäische Fiskalpakt war geboren. Im Konjunkturdurchschnitt soll nun der Staatshaushalt ausgeglichen sein, wobei ein Defizit von 0,5 Prozent als Erfüllung gilt. Ist die Konjunktur schlecht, darf das Haushaltsdefizit bis an die 3-Prozent-Grenze gehen. Bei guter Konjunktur sollen dafür Überschüsse verzeichnet werden. Laut Fiskalpakt greift bei einer Staatsverschuldung von über 60 Prozent des BIP eine Schuldenbremse. Die Schulden müssen mit 5 Prozent der Differenz zur 60-Prozent-Marke verringert werden. Bei einer Staatsverschuldung von z.B. 100 Prozent muss die Verschuldung 2 Prozent pro Jahr verringert werden (5 Prozent von 40 Prozent). Diese Vereinbarungen wurden im März 2012 unterzeichnet.

Wie sieht die Zwischenbilanz aus? Wie sich mit einem Blick auf die Infografiken erkennen lässt, reißen viele Staaten die Kriterien deutlich. Spanien war mit 3,2 Prozent Wachstum 2015 einer der Motoren Europas, sollte also bei guter Konjunktur einen Überschuss erzielen. Stattdessen lag Spaniens Defizit von gut 5 Prozent sogar noch über der 3-Prozent-Obergrenze bei schlechter Konjunktur. Italiens Staatsverschuldung steht bei 132 Prozent des stagnierenden BIP. Ein bedeutender Überschuss wäre erforderlich gewesen. Stattdessen gab es ein Defizit von 2,5 Prozent. Und Frankreich ist eben Frankreich. Der Fiskalpakt liegt in Trümmern. Warum hätte die staatliche Selbstbeschränkung auch dieses Mal funktionieren sollen, wo schon der Stabilitätspakt ein Reinfall war? Die politischen Anreize sind ja dieselben. Der Fiskalpakt war lediglich der Köder, um den Deutschen Bundestag zu einer Zustimmung zum ESM zu verleiten.

Die ökonomischen Folgen sind verheerend. Die Fehlkonstruktion des Euros wird sich weiter entfalten. Geldmenge, Staatsausgaben und Defizite können weiter wachsen. Die staatliche Ausgabenorgie hemmt das ohnehin schon schwache Wachstum des Privatsektors. Und eigentlich sollte, so erhofften es die Verfechter der Währungsunion, die Geldpolitik die Fiskalpolitik durch den Euro an die Kette legen. Es kam umgekehrt. Die Fiskalpolitik treibt die Geldpolitik vor sich her und hin zu Quantitativer Lockerung und Negativzinsen und damit zur Enteignung der Sparer.

Werden Regeln und Verträge nicht eingehalten,werden Institutionen und Vertrauen geschwächt. Wenn Politiker Verträge und Versprechen seelenruhig ignorieren und das als Lösung verkaufen, dann kann man nicht erwarten, dass die Bürger stoisch moralische Prinzipien hochhalten. Sie verlieren Respekt vor dem Gesetz im täglichen Leben. Dies ist vielleicht die fatalste Folge der Eurorettungspolitik. (hier)

29 comments

  1. Gerald

    Genau aus diesem Grund wird der Überwachungsstaat über uns ausgebreitet. So soll der sinkenden Steuermoral begegnet werden.
    Europa brauch eine Revolution, raus mit dem nur noch abnickenden Gesindel aus den Parlamenten, raus mit den Neubürgern und von vorne beginnen mit dem Aufbau der wirtschaftlich geführten Nationalstaaten. Und nur noch direkte Demokratie wie in der Schweiz. Kein Staatsfernsehen, keine Staatsbahn, kein Staatsbetrieb, keine Kammern, Unternehmensfreiheit für alle.

  2. Zaungast

    Man hätte sich mit einer einfachen Regel vieles ersparen können: Die EZB kauft Staatsanleihen von Ländern, die mehr als 60% verschuldet sind, nur mit steigendem Abschlag an. Und ab einer Verschuldung von 120% gar nicht mehr. Damit hätte sich vieles von selbst geregelt. Aber etwas einfach und funktionierend zu gestalten, dafür fehlt der “politische Wille”.

  3. Thomas Holzer

    @Zaungast
    Mit Verlaub – falsch!
    Es gibt keinen einzigen rationalen Grund, warum die EZB überhaupt Staatsanleihen aufkauft, egal von welchem Staat; es gibt auch keinen rationalen Grund für den Aufkauf von Unternehmensanleihen durch die EZB

  4. cmh

    Das ist nicht die Fehlkonstruktion des Euro, sondern die Krankheit jeglichen Geldes: sofort nach der Ausgabe machen sich die Klipper und Wipper ans Werk, um sich ein Stückchen des WErtes abzuschneiden.

    Hat sich schon einmal jemand gefragt, warum Münzen an den Rändern gezackt sind? Damit man sie nicht abfeilen kann, ohne dass man es merkt. Das war bei den Goldmünzen ein Verbrechen, bei den Staaten (Münzverschlechterung) gängige Praxis.

    Mit dem Euro ist es gleich. Lässt man die Staatskanzleien in die Lenkungsgremien, wird das Geld weniger wert.

    Umgekehrt: eine Währung, die nur nach den Mengenzielen ausgerichtet ist und nicht nach den Schulden der Staaten wäre eine ideale Währung. Das bedeutet, dass der Euro schon eine tolle Sache wäre. Denn wo steht denn geschrieben, dass sich Staaten über eine mehr oder weniger kriminelle Seniorage refinanzieren dürften? Wo steht denn geschrieben, dass ein und die selbe Leistung in allen Eurostaaten gleich viel kosten muss?

    Das einzige Problem des Euro ist, dass die Staaten mehr kriminell sein können, ohne dass es den Bürgern klar ist.

  5. Zaungast

    @Thomas Holzer

    Googeln Sie bitte mal “Pensionsgeschäft” und informieren Sie sich bitte über den Mechanismus der Liquiditätsversorgung von Geschäftsbanken durch die Notenbank.

  6. gms

    Zaungast,

    > Googeln Sie bitte mal „Pensionsgeschäft“ ..

    Was hindert Sie daran, Ihr Argument mit eigenen Worten vorzutragen? Offensichtlich ist es die Tatsache, daß Sie keinen Tau von der Materie haben, sind besagte “Pensionsgeschäfte” doch kurz- und mittelfristig mit Anleihen besicherte und von Zentralbanken vergebene /Kredite/.

    Zur Debatte stehen aber /Ankäufe/ solcher Papiere. Das wiederum sind Eigentumsüberträge, vollständig bezahlt mit herbeigeklicktem Fiatmoney, das anders als bei Lombardgeschäften kaum oder garnicht zu sterilisieren ist, weil niemand den rechtzeitig losgewordenen Ramsch jemals retour will.

    Die 80 Mrd pro Monat summieren sich auf eine knappe Billion im Jahr, bei rund 300 Mio. Einwohner der Eurozone macht das rund 3.200.- pro Nase, was wiederum bei einem jährlichen durchschnittlichen BIP pro Kopf von rund 30.000.- über 10% ausmacht, mit der jeder analog sein privates Portfolio aus eigenem Einkommen aufstocken müßte für denselben Effekt.

    Weil aber die Geiseln der Euro-Zone aus freien Stücken niemals auf die Idee kämen, von sich aus solche Phantasiesummen in die Banken zu pumpen, machen es die Plutokraten für sie, und dann finden sich noch Leute mit Latten vorm Kopf, die das mit einem hingerotzen “Googlen Sie mal” abhandeln wollen. Idiocracy!

    “und informieren Sie sich bitte über den Mechanismus der Liquiditätsversorgung von Geschäftsbanken durch die Notenbank.”

    Dummes Geschwätz. Zentralbankgeld ansich ist schon eine Perversion, die mit der aktuellen Art und Weise der Ventilierung ihren Höhepunkt erreicht.

    Nun, eine weitere Steigerung gibt es noch, und wie lebten nicht in interessanten Zeiten, würde diese nicht schon vom IMF im Gleichklang mit allen anderen monetären Gottspielern auf Schiene gebracht. In der nächsten Evolutionsstufe soll es keine privatrechtlichen Verbriefungen durch Geschäftsbanken mehr geben (Giralgeld), sondern einzig die 100%ig wertlosen Fetzen und Bits der Kartellzentralen. (imf.org/external/pubs/ft/fandd/2016/03/kumhof.htm)

    Propagandistisch hält man das Volk hinter dem Lattenzaun, ein Kleinwenig von der Realität darf man sehen, ja man soll es für die beabsichtigte Wirkung sogar, bloß die Masse behirnt nicht, daß es sich dabei um handfeste Scheuklappen handelt.

    [1] imf.org/external/pubs/ft/fandd/2016/03/kumhof.htm

  7. Zaungast

    “Unter einem Pensionsgeschäft versteht man den Kauf eines Vermögensgegenstandes mit gleichzeitiger Vereinbarung des Rückkaufs zu einem späteren Termin. Häufig handelt es sich bei dem Vermögensgegenstand um Wertpapiere.” (Zitat Deutsche Bundesbank)

    “Es gibt keinen einzigen rationalen Grund, warum die EZB überhaupt Staatsanleihen aufkauft…” (Thomas Holzer)

    Der rationale Grund sind Pensionsgeschäfte zur Liquiditätsversorgung der Geschäftsbanken.

  8. gms

    Zaungast,

    Sie zitieren selbst: “.. mit gleichzeitiger Vereinbarung des Rückkaufs zu einem späteren Termin”. Damit firmieren diese Geschäfte, anders als von Klickipedia nahegelegt, als Lombard-KREDITE.

    “Der rationale Grund sind Pensionsgeschäfte zur Liquiditätsversorgung der Geschäftsbanken.”

    Soll man es Ihnen in Braille auf die Stirn punktieren, was es rechtlich und mengenmäßig mit dieser Billion pro Jahr aufsicht hat, nachdem Sie sich schon erkennbar ausgerechnet der von Ihnen strapazierten Ratio verschließen?

  9. Zaungast

    Nur zur Präzisierung, um Missverständnisse zu vermeiden:

    1) Die EZB kauft den Geschäftsbanken im Rahmen der Pensionsgeschäfte Staatsanleihen ab.

    2) Die EZB kauft zusätzlich Staatsanleihen außerhalb der Pensionsgeschäfte.

    Punkt 1) ist notwendig*), Punkt 2) ist optional.

    *) Es müssten nicht unbedingt Staatsanleihen sein. Praktisch gibt es aber wenig Alternative.

  10. gms

    Zaungast,

    Sie beugen keinen Mißverständnissen vor, Sie wälzen sich mit Inbrunst d’rin und gießen noch mehr ins Bad, nachdem Sie sogar im dritten Durchgang nicht kapieren, es gäbe einen entscheidenden Unterschied zwischen einem echten Kauf (jetziges Treiben) und einem Lombard-Kredit (Pensionsgeschäft -> zwingender Rückkauf).

    Zu diesem juristischen und betreffend Eigenkapital entscheidenden Unterschied gesellt sich Ihre hartnäckige Ignoranz über die aktuellen *Größenordnungen*, dienen Pensionsgeschäfte doch der Feinsteuerung, der kurzfristigen Liquidität, und definitiv nicht dem langfristen Aufbau von Eigenmitteln.

    Nach Ihrer strunzdummen Logik bucht die Zentralbank in allen Fällen irgendwelche Geldsummen, also wäre alles andere egal. Diskriminieren Sie, bitte, auch wenn’s Ihnen der Vormund hundertmal verboten hat.

  11. Zaungast

    Auch Anleihen müssen vom Schuldner bei Fälligkeit zurückgekauft werden. Das nennt sich Tilgung (bilanzverkürzend).

    Pensionsgeschäft und sonstiger Staatsanleihenkauf sind beides bilanzverlängernd. Die Residualgröße Eigenkapital verändert sich durch Gewinn oder Verlust im Laufe der Zeit. Die Art des Geschäfts ist dafür einerlei.

  12. Zaungast

    @Thomas Holzer

    Naja, vereinfacht gesagt, wenn Sie beim Bankomaten Bargeld rausziehen wollen, muß die Bank das Geld vorher besorgen und einfüllen. Dazu dienen diese Pensionsgeschäfte (nicht nur, aber auch).

    “Österreichische” Ideologen träumen vielleicht von einem anderen Geldsystem, wo man z. B. Gold in Münzen prägt und als Geld verwendet…

  13. Thomas Holzer

    Also, vereinfacht getippt: keine Pensionsgeschäfte durch die EZB, kein Geld im Bankomat.

    Jetzt wird mir auch verständlich, warum Staatsanleihen bei Geschäftsbanken nicht mit Eigenkapital unterlegt werden müssen und als absolut sicher gelten 😉

  14. Zaungast

    @Thomas Holzer

    Dieses “Staatsanleihen ohne EK-Unterlegung und absolut sicher” halte ich auch für eine Sünde. Aber wie gesagt, wenn die EZB die Staatsanleihen von hoch verschuldeten Staaten nur mit großem Abschlag oder gar nicht akzeptiert, würde sich vieles ganz von selbst einregeln…

  15. gms

    Zaungast,

    “Auch Anleihen müssen vom Schuldner bei Fälligkeit zurückgekauft werden.”

    Hätten Sie nicht schon vollends den Überblick verloren, wäre es ja noch halbwegs amüsant. Damit Sie wieder die Rille Ihrer hängenden Platte finden: Thema war und ist immer noch, wer sich aktuell mit welchen Praktiken zum /Gläubiger/ in Billionenhöhe macht.

    > Das nennt sich Tilgung (bilanzverkürzend).

    Irgendwer schuldet irgendwem irgendwas, also ist alles andere egal, gell? Daß diese Bilanzverkürzung dank der Wertlosigkeit des angekauften Ramsches allein über Abschreibung bewerkstelligbar ist, zählt in Ihrem geldsozialistischem Kosmos sprichwörtliche Elf, weil verkürzend ist verkürzend.
    Daß zugleich andere weniger verkürzen müssen, weil sie den Schrott über dem Marktpreis loswurden, ficht Sie auch nicht an.

    > Die Art des Geschäfts ist dafür einerlei.

    Für diskriminierungsaverse Geister mit Zaunlatten vorm Kopf ist es einerlei, ob jemand an Altersschwäche, Krankeit, ärztlichem Kunstfehler, Suizid oder fremder Gewalteinwirkung stirbt, genau genommen ist es für solche Linke sogar egal, wer überhaupt ausblutet, seien es die Bürger oder alternativ Eigentümer der Geschäftsbanken, weil so oder so irgendwer tot ist. Keyensianismus wirkt.

    “Naja, vereinfacht gesagt, wenn Sie beim Bankomaten Bargeld rausziehen wollen, muß die Bank das Geld vorher besorgen und einfüllen. Dazu dienen diese Pensionsgeschäfte (nicht nur, aber auch).”

    Wollen Sie selbst die Summe am umlaufenden Bargeld nennen und in Relation zu Draghis Billionen bringen, oder möchten Sie einmal mehr von anderen Leuten hier am Nasenring vorgeführt werden?

    “„Österreichische“ Ideologen träumen vielleicht von einem anderen Geldsystem, wo man z. B. Gold in Münzen prägt und als Geld verwendet…”

    Sozialistische Forentrolle träumen vom Geld aus der Steckdose, gespeist durch einen Generator, der an einem Perpetuum-Mobile hängt, dessen Drehzahl in Frankfurt per Mausklick bestimmt wird.

  16. Zaungast

    @Thomas Holzer

    Ganz ohne Staatsanleihen läuft die Chose nicht. Irgendwelche “Vermögensgegenstände” muß die Notenbank ankaufen, damit überhaupt erst einmal Bargeld in Umlauf gelangt…

  17. Zaungast

    Weil hier danach gefragt wurde: Das in Umlauf befindliche Bargeld macht mit ca. 1088 Mrd aktuell etwa 1/3 der Bilanzsumme der EZB aus.

  18. Zaungast

    Eine ganz interessante Frage: “wer sich aktuell mit welchen Praktiken zum /Gläubiger/ in Billionenhöhe macht.”

    Vielleicht gibt’s ja Antwortvorschläge von geneigten Mitlesern?

  19. gms

    Zaungast,

    “Ganz ohne Staatsanleihen läuft die Chose nicht. Irgendwelche „Vermögensgegenstände“ muß die Notenbank ankaufen, damit überhaupt erst einmal Bargeld in Umlauf gelangt…”

    Bullshit, ist das Geld für diese Anleihen doch zuvor schon im Umlauf gewesen und von dort an die Schuldner geflossen. Daß Sie ‘Vermögensgegenstände’ unter Anführungszeichen setzen, offenbart Ihre Beckenrandschwimmerei trefflich. Irgendwer macht irgendwie irgendwas, und weil man das nicht durchdringt, fordert man Mitleser hier zum Googlen auf, damit die eigene Unbelecktheit weniger auffällt.

    Milton Friedman, seines Zeichens einer der naivsten Liberalen und dessen eingedenk Monetarist, glaubte noch an die Weisheit und Redlichkeit der Gottspieler und das Aufrechhalten einer Gelddeckung, bloß heute wäre auch er restlos bekehrt.

    “Weil hier danach gefragt wurde: Das in Umlauf befindliche Bargeld macht mit ca. 1088 Mrd aktuell etwa 1/3 der Bilanzsumme der EZB aus.”

    Sehr brav. Und nun erklären Sie, weshalb die Bilanzsumme der ECB sich innerhalb von zwei Jahren um eine Billion erhöhte, warum der Bargeldbestand aber gleich blieb und was zum Henker das mit den von Ihnen gebrachten Pensionsgeschäften zu tun haben soll.

  20. gms

    Zaungast,

    > Eine ganz interessante Frage: „wer sich aktuell mit welchen Praktiken zum /Gläubiger/ in Billionenhöhe macht.“
    > Vielleicht gibt’s ja Antwortvorschläge von geneigten Mitlesern?

    Daß Sie selbst die Antwort nicht liefern und trotzdem zugleich über Pensionsgeschäfte phantasieren, die im Takatuka-Land ja auch irgendwie mit Zentralbanken und Geldflüssen zu tun haben, ist zwar nicht der Höhepunkt Ihres bisherigen Herumeierns, aber damit perfekt im Einklang. Wenigstens können Sie ‘Bankomat’ schreiben, egal ob Sie das Wort zuvor googeln mußten oder nicht.

  21. Thomas Holzer

    “Ganz ohne Staatsanleihen läuft die Chose nicht. Irgendwelche „Vermögensgegenstände“ muß die Notenbank ankaufen, damit überhaupt erst einmal Bargeld in Umlauf gelangt…”

    Gewagte These, dafür aber immer wieder in den Raum gestellt. deswegen aber noch nicht “bewiesen” 😉

  22. Zaungast

    @Thomas Holzer

    Welcher Beweis schwebt Ihnen vor?

    Was würden Sie als Zentralbank ankaufen, um u.a. einen Banknotenumlauf von 1088 Mrd zu ermöglichen? Gold? Silber? Immobilien?…

  23. gms

    Zaungast,

    > Welcher Beweis schwebt Ihnen vor?

    Wie wäre es mit einem plausiblen, ohne Formeln oder axiomatische Begriffe ohne eigene innere Beweiskraft?

    “Was würden Sie als Zentralbank ankaufen, um u.a. einen Banknotenumlauf von 1088 Mrd zu ermöglichen? Gold? Silber? Immobilien?…”

    Echtes Geld entsteht niemals durch einen Eigentumsübertrag (=Verkauf), sondern durch *Verbriefung*. Echtes Geld ist ein Bezugsrecht, es wächst mittelbar sogar auf Bäumen. Klingt komisch, ist aber so.

    Stellen Sie sich vor, es gibt überhaupt noch keine Geld. Gelungen? Ok, und nun stellen Sie sich vor, jemand, nennen wir ihn Adam, braucht Geld, weil er einen Apfelbaum sein eigen nennt, aber keinen Korb zum Ernten besitzt.

    Bert ist ein reputabler Mann und bekannt dafür, Vereinbarungen einzuhalten. Adam geht zu Bert, beschreibt ihm sein Anliegen und gemeinsam vereinbaren sie, daß Adam dem *Verbriefer* Bert in einem Monat sechs Äpfel aushändigt. Dafür stellt Bert einen Schein aus, lautend auf “Fünf Äpfel, gezeichnet: Bert”. Damit geht Adam zum Krämer Kurt, der ihm im Tausch für das Papier einen Korb übergibt.
    Nach einem Monat liefert Adam dem Verbriefer sechs Äpfel, und irgendwann löst der Krämer seinen Schein ein, so er ihn nicht weitergab, sprich die Note zu zirkulieren begann. Zugleich ist Adam vorsichtig, ruft seine Freundin Vera an, und schlägt ihr vor, sie bekomme einen halben Apfel, wenn sie ihm dafür das Risiko abnimmt, daß Adam’s Ernte den Bach runter geht.

    Egal wie die Chose ausgeht, Bert ist mit seiner Verbriefung ein Risiko eingegangen, muß dafür geradestehen und kann einzig auf jene rekurrieren, mit denen er selbst Verträge schloß. Echtes Geld hat demzufolge eine nachvollziehbare Haftungskette. Echtes Geld kann sogar ein Vorgriff auf die Zukunft sein. Fiatmoney der Zentralbanken im Gegensatz dazu ist nichts, null, niemand kann gewürgt werden, falls es hierfür keine Gegenleistung gibt. Für einen angelieferten feuchten Lappen gibt der amtliche Verbriefer des zentralen Irrtumskartells nämlich einzig und allein einen neuen her.

    Weil Zentralbanken für nichts haften, brauchen sie auch keine am freien Markt zwingend erforderliche Leistung zu erbringen. Eben dies — keine Leistung — betreiben sie den ganzen Tag, und damit sie das können, bedarf es eines Gesetzgebers, der sagt, das müsse so sein und der Beweis hierfür hätte irgendwas mit Anleihen des Staates zu tun, welche die Zentralbank ankaufen müsse, damit die Leute Äpfel zum Sattwerden bekommen.

  24. Zaungast

    Na, das ist doch eine ganz nette Veranschaulichung, die unser hitziger Kollege “gms” hier gebracht hat: Einen Kreditnehmer Adam, der seinen Apfelbaum verpfändet, eine Bank Bert und einen Krämer Kurt, der auf Kredit einen Korb liefert.

    Der Ansatz ist gut, danach wird’s etwas dogmatisch:

    “Fiatmoney der Zentralbanken im Gegensatz dazu ist nichts, null, niemand kann gewürgt werden, falls es hierfür keine Gegenleistung gibt.”

    Nun, dazu sagen wir mal: Zahlen Sie Ihre Steuern nicht und schauen Sie, was passiert. Die naheliegende Vermutung: Der Staat wird Sie würgen.

    Schon seit der Antike waren Besteuerungsrechte begehrt und als “Vermögensgegenstand” geschätzt.

    Hinter dem “Fiatmoney” (Kreditgeld) steht zu einem Teil die Besteuerungsmacht des Staates. Zu einem anderen Teil hilft die Staatsmacht, Ansprüche gegen säumige Adams (private Kreditnehmer) durchzusetzen. Das Eigenkapital von Zentralbank und Geschäftsbanken als weitere Haftungsmasse vernachlässigen wir wegen seiner relativ geringen Größe.

    Wenn sich der Staat etwas auf Kredit kauft, ist das durch seine Besteuerungsmacht gedeckt. Der Steuerzahler bürgt und wird gewürgt. Wenn sich ein Privater etwas auf Kredit kauft, hilft der Staat, ihn im Bedarfsfall zu würgen.

    Selbstverständlich gilt in jedem Fall: Einem Nackten kann man nicht in die Tasche greifen. Geschädigte Gläubiger gibt es seit tausenden Jahren.

  25. S.M.

    @Zaungast

    Wenn Sie das Wesen des Geldes nicht begreifen, dann lassen Sie es. Das Besteuerungsrecht hat damit Nüsse zu tun…

  26. gms

    Zaungast,

    “Nun, dazu sagen wir mal: Zahlen Sie Ihre Steuern nicht und schauen Sie, was passiert. Die naheliegende Vermutung: Der Staat wird Sie würgen.”

    Jeder kann alles sagen, oder wie Sie aktuell sogar wirr lallen, ist doch Papier sprichwörtlich geduldig.

    “Schon seit der Antike waren Besteuerungsrechte begehrt und als „Vermögensgegenstand“ geschätzt.”

    ‘Vermögensgegenstand’ unter Anführungszeichen wurde hier schon einmal zerlegt. Entweder sind Sie zu feige, Dinge beim richtigen Namen zu nennen, oder eine ihrer verbliebenen Gehirnzellen feuerte Ihnen im Wissen um den Kontext des Threads erfolgreich ein Veto ins Keyboard.

    Im aktuellen Fall, dem Ankauf von Staatsanleihen durch Zentralbanken, handelt es sich nämlich erkennbar um verschobene Unvermögensgegenstände, was aber für ECB und Konsorten insofern irrelevant ist, alsdaß sie auch ausrangierte Röhrenmonitore aus den 90ern um drei Milliarden Währungseinheiten pro Stück ankaufen könnten.
    Rostige Fahrräder ohne Räder und Rahmen, die restliche Lebensleistung eines Hospizpatienten, Schürfrechte auf Alpha Centauri bis Ende 2016 — die Liste der “Vermögensgegenstände” (sic!) ließe sich beliebig erweitern.

    Wer für nichts haftet und keinerlei Leistung erbringen muß, kann und darf Entitäten beliebige Werte zuschreiben und sie Dank eigener Monnopolstellung um die entsprechende Summe herbeigeklickten Luftgeldes erwerben. Das kann man als trivial als Betrug respektive illegitme Begünstigung des jeweiligen Verkäufers erkennen, oder man lallt wie Sie in typisch geldsozialisischer Manier um den Brei rum.

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