“Der Staat darf nicht zu einem gigantischen Versorgungsapparat degenerieren”

(MARCUS FRANZ)  Sozialleistung ist auch eine Leistung. Und zwar nicht der Empfang derselben, sondern ihre Aufbringung. In der von der ÖVP initiierten Debatte um die Mindestsicherung und die Neuausrichtung derselben wird von den Gegnern einer Veränderung dieser Sozialleistung die wichtigste und grundlegende Wahrheit gern ausgeblendet: Jeder Cent, der als soziale monetäre Transferleistung jemandem zufließt, muss zuerst immer von jemandem anderen verdient oder erwirtschaftet werden. Erst Leistung macht Sozialleistung möglich.

Das heisst mit anderen Worten, dass die Anstrengung und der Fleiß des einen Menschen der Linderung der Not eines anderen Menschen zugute kommen soll. Das ist der soziale Grundsatz dahinter. Er nennt sich Solidarität. Ursprünglich sind Solidarmaßnahmen dafür entwickelt worden, Menschen in finanziellen Krisenzeiten (wie zB Arbeitslosigkeit) über die Runden zu helfen. Im Wohlfahrtsstaat übernimmt die Sozialversicherung die Verwaltung und die Verteilung der durch Fremdleistung aufgebrachten Gelder. Der Einzelne als Leistungsträger und Einzahler ins System hat keinen direkten Einfluß, wann wo welche Summe wem warum zukommt.

Die einzige Möglichkeit, Einfluß auf die Umverteilung zu nehmen und in die Sozialsysteme einzugreifen, besteht im demokratischen Procedere, also im Parlament und/oder in den Landtagen über die gewählten Interessensvertreter namens Fraktionen und Abgeordneten.

Ein leider negatives Kennzeichen aller sozialen geldbezogenen Maßnahmen ist, dass sie eine nach oben offenen Tendenz zeigen und linksorientierte politische Gruppierungen das auch unterstützen. Im Sinne des marxistischen Opfer-Gestus soll der Staat den Opfern des Kapitalismus die über Steuern und Sozialabgaben zwangsweise lukrierten Gelder zukommen lassen. Sie verdienen es zwar nicht, aber sie haben es verdient. So ist die Logik. In einer insgesamt in sozialer Hinsicht linkslastigen Gesellschaft wie der unsrigen ist dies demzufolge der Status quo.

Die Leistungsträger können mit diesem Grundsatz aber nur bis zu einem gewissen Grad konform gehen. Jeder normale Mensch hat ein soziales Gefühl und wird daher nichts gegen sinnvolle und angemessene Zuwendungen an Bedürftige haben. Im Gegenteil, man wird das sogar gerne tun, denn jede(r) kann in problematische Situationen geraten und ein gewisses Maß an Altruismus ist daher in jeder Gesellschaft essenziell notwendig, um Elend zu verhindern.

Wenn aber dieses Gefühl und vor allem der Leistungswille der Einzelnen ausgenützt wird und diverse Imbalancen in den sozialen Systemen entstehen, die den Eindruck erwecken, dass die Einzahler und Erhalter desselben die Gefoppten sind, dann wird jeder Leistungsträger eines Tages die Lust an der Leistung verlieren. Und wenn das leistungslose Einkommen Höhen erreicht, die an das Einkommen durch Arbeit heranreichen oder dieses sogar übersteigen, ist der Endpunkt erreicht, da muss im Sinne der Leistungsträger gehandelt werden – und zwar von den oben genannten Interessensvertretern.

Es darf daher kein Tabu sein, über die Höhe der Mindestsicherung zu debattieren und eine Anpassung zu fordern. Und man muss im Sinne der Solidarität auch darüber nachdenken, Sachleistungen statt Geldleistungen zur Verfügung zu stellen. Das ist weder unredlich noch “menschenverachtend”, wie dies von linksideologischen Vorkämpfern moniert wird, sondern der Situation entsprechend. Solidarität ist keine einseitige Verpflichtung, sondern immer auf Fairness aufgebaut, sonst scheitert sie.

Auch und gerade bei hoher Arbeitslosigkeit müssen Anreize gesetzt werden, nicht in der Mindestsicherung zu verharren, sondern zum aktiven Leistenden zu werden und sich um sein Auskommen selbst zu kümmern. Der Staat darf nicht zu einem gigantischen Versorgungsapparat degenerieren, wo eine Gruppe zum Erhalter und alle anderen zu Empfängern erklärt werden. Das ist ein Missbrauch der Staats-Idee.

28 comments

  1. Steyn

    “Jeder Cent, der als soziale monetäre Transferleistung jemandem zufließt, muss zuerst immer von jemandem anderen verdient oder erwirtschaftet werden.”

    Nicht nur erwirtschaftet muss jeder Cent werden, sondern auch unter Androhung von (staatlicher) Gewalt eingetrieben werden. Das ist das zweite Gesicht und die dunkle Seite der “sozialen Gerechtigkeit”: die Bereitschaft zur Gewalt bei der Eintreibung von Abgaben, Beiträgen und Steuern. Und das mit dem Ziel, etwas “Gutes” zu tun!

  2. sokrates9

    Im Sinne einer Versicherung hat ja jeder Verständnis wenn für unverschuldet in Not geratene hier mitgeholfen wird seine ” Not” zu lindern. Anders sieht es aus wenn Menschen, die noch nie einen Cent in unser Sozialsystem einbezahlt haben, flankiert von linkslinken Richtern – alle Menschen sind gleich -genau denselben Betrag kassieren wollen, der den ” Einheimischen ” zusteht!!

  3. Der leiwaunde Johnny

    Ist schon unfassbar. Es wird wieder agiert, als hätte es den Ostblock nie gegeben. Kann sich wirklich niemand mehr daran erinnern wie diese Städte und Dörfer hinter dem eisenen Vorhang ausgesehen haben? Das Ergebnis totaler Leistungsfeindlichkeit war doch jahrzehntelang live zu besichtigen! Die reale Gefahr von links, die uns tatsächlich heute bedroht, wird nicht thematisiert. Aber die nicht erkennbare Gefahr von rechts ist medial allgegenwärtig.

  4. Thomas Holzer

    “Und man muss im Sinne der Solidarität auch darüber nachdenken, Sachleistungen statt Geldleistungen zur Verfügung zu stellen.”

    Wo besteht hier der Zusammenhang mit “Solidarität”?

    “Auch und gerade bei hoher Arbeitslosigkeit müssen Anreize gesetzt werden, nicht in der Mindestsicherung zu verharren,….”

    Mit Verlaub, aber das nenne ich Chuzpe, passt aber zur Diktion des Herrn Lopatka, welcher ja den Beziehern der Mindestsicherung pauschal den Hang zur Faulheit, einen ungesunden Lebenswandel und Alkoholismus unterstellte.
    Die Abgehoben- und Überheblichkeit der Politikerdarsteller ist manchmal, eigentlich meistens, erschreckend.

  5. Lisa

    Gut, dass mal auf die Fairness hingewiesen wird: Die Mindestsicherung u.ä. ist keine “Solidarität mit den Armen”, denn Solidarität müsste gegenseitig, also fair sein. Was nach dem Krieg unter Dorf- und Stadtbewohnern üblich war, würde ich Solidarität nennen: da halfen sich die Leute beim Hausbau, bei der Ernte – in der Stadt mit Tauschhandel; solidarisch sind Menschen , wenn sie bei Unwettern helfen, Sandsäcke zu schleppen oder Leuten Unterschlupf zu bieten, bis die Wassersich verziehen. Also: Nachbarschaftshilfe, Familie, Genossenschaften, do ut des – das ist Solidarität. In armen Ländern sind die Menschen solidarischer als in reichen Sozialstaaten – einfach weil gegenseitige Hilfe dort nötig ist, hier nicht. Die Mittellosen im Sozialstaat sind nicht solidarisch, nicht mal Sandler unter sich, es sei denn, sie finden einen gemeinsamen Feind, das ist aber nicht Solidarität, sondern eine IG, eine – faschistoide – Zusammenrottung von Menschen gegen Menschen (Da täuschen sich manche Sozis: die „Arbeiterschaft“von früher gibt’s längst nicht mehr, das ist heute ein Mix aus Lumpenproletariat und egoistischen Gierhammeln) Sozialhilfebezüger – oder auch die Massen der Migranten – helfen sich nicht gegenseitig, sondern betteln einzeln bei der zuständigen Verteiler-Behörde, froh, ein paar Euros mehr herauszuschinden als ein anderer. „Die im Dunkeln sieht man nicht“ – das Elend war vielleicht zu Brechts Zeiten so verborgen: heute verstecken sich “Bedürftige” nicht mehr, sondern stellen Forderungen ohne irgendwelche Gegenleistung oder nur wenigstens Dankbarkeit den Leistungsträgern gegenüber, denen sie die Hilfe verdanken (Geldsäcke, Ausbeuter, Sch*kapitalisten) Und das ist nicht fair. Sie sind keine “Opfer des Kapitalismus”, sondern selbst Kleinkapitalisten.

  6. Christian Peter

    Weit teurer als Mindestsicherungsbezieher kommen in Österreich politische Parteien : Diese erhalten aus Steuermitteln ca. 300 Millionen Euro direkte Subventionen, inklusive indirekte Förderungen wie Rundfunkzwangsgebühren und Regierungsinserate, etc. weit über 1 Milliarden Euro pro Jahr. Zum Vergleich : Die Gesamtausgaben für Mindestsicherung betragen etwa 600 Millionen Euro.

  7. Christian Peter

    @Marcus Franz

    wie sehen ihre Werte als Berufspolitiker aus ? Sie Leben doch ebenfalls auf Kosten der Steuerzahler. Auf wieviel Geld verzichten Sie als vom Steuerzahler fürstlich entlohnter Abgeordneter freiwillig ?

  8. Thomas Holzer

    @CP
    Aber, aber! Unsere Demokratie muß uns das schon wert sein (sagte einmal sinngemäß ein Herr Cap) 😉

  9. Christian Peter

    @Thomas Holzer

    Demokratie soll auch etwas wert sein, Österreich leistet sich jedoch die teuerste Demokratie der Erde.

  10. Christian Peter

    Zum Vergleich : Politische Parteien kosten den Steuerzahler in Österreich 3 x so viel wie in Deutschland und 6 x so viel wie in der Schweiz. Zahllose Indirekte Subventionen sind dabei unberücksichtigt.

  11. Lisa

    Sind Parteien ein Garant für Demokratie? Da muss ich mal drüber nachdenken… (ich wär ja eher für ein generelles Parteienverbot und generelle Untersagung jegicher Zusammenrottung von mehr als einem Dutzend Menschen. Das würde man dann aber wohl Ausrufung von Notstand nennen… 😉 )

  12. Hanna

    Ich war auch eine zeitlang Mindestsicherung-Bezieherin. Das mit den Sachleistungen halte ich für grundlegend gut, wenn es da nicht ein riesiges Problem gäbe: Wer bestimmt, was “ich” brauche, und was ich zu akzeptieren habe, an Sachleistungen? Auch so “sozial kompetente” Leute, wie sie am AMS oder in der MA40 sitzen, dass einem schon graust, auch nur das Haus zu betreten, weil man weiß, was einen erwartet – Kaltschnäuzigkeit, gepaart mit mangelnder Bildung, Informiertheit, psychologischer Schulung oder überhaupt Einblick in die Lebenswelt von MS-BezieherInnen. Überraschung – es gibt nämlich “solche” und “solche”.
    Wenn es heißt „Auch und gerade bei hoher Arbeitslosigkeit müssen Anreize gesetzt werden, nicht in der Mindestsicherung zu verharren, …“ möchte ich schon wissen, wie diese “Anreize” aussehen sollen. Es gibt viele viele viele MS-BezieherInnen, die gerne voll arbeiten würden, allein, es gibt keine Jobs. Und wer einmal bei einer AMS-Maßnahme war, wo des Deutsch Unmächtige sich offiziell weigern konnten, Jobs anzunehmen, ohne Sanktionen befürchten zu müssen, während ein/e Einheimische/r nur bedroht, beleidigt und unterdrückt wird – der wird als Akademiker halt nicht unbedingt putzen oder Geschirrwaschen gehen … für jene Leute, die im Land noch nix beigetragen haben, aber für die man dann putzen soll. “Anreize” braucht jemand, der/die gerne arbeiten möchte nicht. Wir haben alle täglich immer Arbeit gesucht, uns ununterbrochen beworben, haben Vorstellungsgespräche gehabt … aber wir wurden nicht genommen. Weil wir “zu alt” und “zu teuer” sind. Wer sich für Jobs bewirbt, für die man eindeutig überqualifiziert ist, wird nicht genommen … denn es gibt so etwas wie “Versicherungszeiten-Auszüge”, in welchen steht, was man wo wann wie und für wieviel Geld gemacht hat. Ist man in einer Branche gut und erfolgreich gewesen, zahlt einem heute niemand die Erfahrung, und auch wenn man für einen Hungerlohn zu arbeiten bereit wäre, geht das nicht, denn in Ö gibt es ein Gesetz, dass “Selbstausbeutung verboten” ist! Und bewerbe ich mich für einen Job, der eigentlich Leuten ohne Ausbildung zugemutet werden könnte, nimmt man mich nicht – s. Selbstausbeutung – schon deshalb nicht, weil es heißt “Na, Sie, mit Ihrer Ausbildung, werden uns ja nicht bleiben”: Also gibt es nur eines: Minijobs, fallweise Jobs, aber dazu muss man immer um die ausgleichende MS ansuchen. Und das tun viele. Die sind auch in der Statistik. Soll heißen – diese Leute arbeiten eh. Aber kriegen keine Vollzeit oder Teilzeit-Jobs! Ich habe mich dann selbständig machen müssen, freiberuflich gearbeitet. Dann blieben die Aufträge aus – weil die Firmen Personal einschränken mussten, weil sie nicht mehr genug Einkommen hatten. Jetzt wieder MS. (Warum kein Arbeitslosengeld-Anspruch? Weil zu lange im Ausland gewesen, in Ö abgemeldet; Es sagt einem kein Schw*in vorher, aber wenn man keinen Nebenwohnsitz in Ö behält, verliert man den Anspruch aufs Arbeitslosengeld, auch, wenn man jahrzehntelang vollbeschäftigt und sich dumm und deppert gezahlt hat. (So ist Ö. F*ck it.)

  13. Rennziege

    Sehr geehrter Herr Dr. Franz,
    vielen Dank für einen weiteren Besinnungsaufsatz aus Ihrer Feder. Wie immer blumig und reich an eh-scho’-wissen-Forderungen wie “sollte”, “müsste”, “könnten”, “darf nicht” und so weiter. Aber arm an konkreten Umsetzungsvorschlägen, zu denen ein Parlamentarier sehr wohl in der Lage sein muss — auch auf die Gefahr hin, in seiner Fraktion anzuecken.
    Als erfahrener Äskulapjünger können Sie ja in Diagnostik und Therapeutik schwerlich mit Konjunktiven arbeiten, sondern müssen klare (und überwiegend flinke) Entscheidungen treffen, für deren Umsetzung Sie mit Ihrem Namen und Ihrer Berufsehre einstehen. “Put your money where your mouth is”, sagt man hierzulande.
    Ich wünsche mir von Ihnen, dass Sie auch als Politiker mit Indikativen arbeiten; mit wortreichen Aufsätzen ist es nicht getan. Sie müssen dafür auch das Risiko auf sich nehmen, am österreichischen Sozialtraum zu scheitern.

  14. mariuslupus

    Ist er schon. Die Anzahl der Empfänger der staatlichen Segnungen übersteigt bereits Anzahl der Gerupften, auch Steuerzahler genannt. Der locker verteilende Sozialstaat hat für seine Wohltaten nach dem Giesskannenprinzip, den grössten Posten im Budget, reserviert. Alle Gesetze im Sozialbereich die in der letzten Zeit verabschiedet wurden, haben eins gemeinsam. Die Lobby der sozialistischen Geldverteiler hat immer neue Gruppen entdeckt und Bedürfnisse kreiert, nur um weitere Sozialhilfemfänger , die vom Staat abhängig sind, zu schaffen
    Aber die sozialistischen Staaten, Österreich, Deutschland suchen unermüdlich wen sie noch beglücken könnten. Zum Glück gibt es die Asylsuchenden. Der Beitrag die taxifahrenden Asylanten betreffend, zeigt dass der Fantasie und Entschlossenheit der sozialistische Geldverteiler, weiteres Geld zu verschenken, keine Grenzen gesetzt sind.

  15. gms

    Marcus Franz,

    Angenommen, es handelte sich bei diesem Forum nicht um den rhetorischen Marktplatz einer kleinen deutschsprachigen liberalen Selbsthilfegruppe, sondern statt dessen um den Kapitelsaal eines Benediktinerklosters. Nehmen wir weiter an, der Abt lüde zu gemeinschaftlichen Aussprachen von Zeit zu Zeit dorthin Mönche anderer Orden ein, und einer dieser Gäste betonte in gediegener Rede ausgerechnet die Wichtigkeit von Beten und Arbeiten.

    Eigenartige Vorstellung? In der Tat dünkt solch imaginiertes Preaching-to-the-Converted sonderbar, doch es erführe eine gar eigentümliche Wendung, so der hypothetische Gastredner einem Treuegelübte seinem eigenen Ordensvorstand gegenüber unterworfen wäre, der selbst weniger einer puren christlichen Dogmatik, denn viel mehr anlaßbezogener und zum Teil verdammt irdischer Pragmatik folgt. Dabei steht schon mal der Verbleib in den Gemächern des Vatikans im Vordergrund oder schlimmer noch das weitgehend unbeobachtete Durchziehen ziemlich unchristlicher Pläne.

    Die Gretchenfrage: Wie halten Sie’s mit dem Liberalismus? Was taugt der umfassendste Schwur, so er durch Clubzwang zum gigantischen Lippenbekenntnis degeneriert?

    Der am vergangenen Mittwoch mit den Stimmen von Ihnen, Vetter und Nachbaur im Parlament beschlossene Patriotact ist, der Analogie folgend, ein Sündenfall sondergleichen, der jene kleinen Mönche, die an der Wahlurne einer der genannten Personen die Vorzugsstimme gaben, in einem Mix aus Ratlosigkeit, Verratenwordensein und biblischem Zorn zurückläßt.

    Sie sagen: „Der Staat darf nicht zu einem gigantischen Versorgungsapparat degenerieren.“
    Ich sage: „Der Staat darf nicht zu einem gigantischen Überwachungsapparat degenerieren.“
    Sie sagen: „Die ÖVP muß von innen heraus auf den richtigen Kurs gebracht werden.“
    Ich sage: „Sie haben exemplarisch einmal gewaltig versagt und werden es auch weiterhin.“

    Solange Herzjesu- und Gamsbart-Sozialisten in der ÖVP das Sagen haben oder Sicherheitsfetischisten mit abartigen Vorstellungen über bürgerliche Freiheiten, solange sind dort Sie und jene, denen man im Zweifel noch das Hochhalten liberaler Prinzipien konzediert, bestenfalls entmündigte Manövriermasse zum Handheben. Und als wäre dieser heftige Vorwurf allein nicht überzeugend genug, stützt ihn das offensichtlich unabding- und unvermeidbare Packeln mit Linken zusätzlich.

    Was wollen Sie, Herr Franz, uns hier einen ausuferndenden Versorgungsstaat betreffend verkaufen? — Dies Frage ist trivial beantwortbar, schwieriger ist die Replik darauf, was Sie uns verkaufen können.
    Wären hierzulande persönliche Glaubensbekenntnisse von Abgeordneten entscheidend, und nicht die Burgen, in denen sich straff organisiert politische Besatzungsmächte roter und schwarzer Provenienz verbarrikadieren, würden wir hier Belangloseres debattieren. Man würde Ihren Ausführungen beipflichten, da und dort noch Fußnoten setzen und darauf vertrauen, das skizzierte Produkt demnächst in freier Wildbahn anzutreffen. Statt dessen aber wird der gelernte Österreicher mit einem Schlag nach dem anderen in die Magengrube in seinen Vorurteilen bestätigt.

  16. Thomas Holzer

    @gms
    Meinen Sie Franz und Lopatka mit Mönch und Abt?! 😉
    Kein Orden würde diese Menschen aufnehmen, sind sie doch Beispiele für nicht mal deklarierte “Fähnchen im Wind”
    Wie heißt es schon seit Jahr(hundert)en: wes Brot ich ess, des Lied ich sing
    Wir erleben derzeit -leider- genügend Beispiele.
    Diese Beispiele phrasologisieren über “Liberalität”, sind aber gestandene Etatisten, von den Futtertrögen der Steuerzahler abhängig, daher auch zu keinen positiven Veränderungen bereit, im Gegenteil, nur für die eigene Macht Zementierende, dafür aber auf die Untersten eindreschend.
    Wahrlich “christlich-sozial”

  17. Thomas Holzer

    “……denen man im Zweifel noch das Hochhalten liberaler Prinzipien konzediert………”

    Was verleitet Sie zu dieser Annahme?!
    Weder im Zweifel und schon gar nicht aus Überzeugung. Gamsbartkommunisten nenne ich die Vertreter dieser Partei schon seit Jahrzehnten

  18. Marcus Franz

    @gms und @holzer – Ihre comments in alle Ehren, aber was ich nicht verstehe: warum wagen Leute wie Sie, die offenbar so viel so genau und vor allem besser wissen, nicht den Gang in die Realpolitik? Und gründen eine Partei? Warum machen Sie nichts Reales? Oder gehen zumindest in Foren, Zeitschriften etc an die Öffentlichkeit?
    Das Kommentieren von Kommentaren von jemand, der es mit viel Risiko immerhin gewagt hat, sich die Politik “in echt” anzutun, ist halt recht leicht.
    Schreibtischtäter bleiben halt imme nur am Schreibtisch.
    Glaubwürdig wird nur der, der auch das Risiko nimmt.
    Also, kommen Sie raus aus der anonymen Besserwisser-Ecke, trauen Sie sich was!
    Besten Gruß,
    MF

  19. Christian Peter

    @Marcus Franz

    einen Unterschied gibt es : Bürger wie Thomas Holzer oder gms machen die Arbeit gratis, während Menschen wie Sie als Berufspolitiker für fragwürdige Tätigkeiten dem Steuerzahler auf der Tasche liegen.

  20. Rennziege

    30. Januar 2016 – 19:32 Marcus Franz
    “Glaubwürdig wird nur der, der auch das Risiko nimmt.”
    Nichts anderes habe auch ich vorhin gesagt. Herzliche Grüße!

  21. Thomas Holzer

    @Marcus Franz
    Mit Verlaub, aber welches Risiko haben Sie genommen?!
    Sie waren -zumindest coram publico- begeistert von Stronach, schlossen sich aus -zumindest coram publico- tiefster Überzeugung dem TS an, welches Sie nach wenigen Jahren (oder waren es nur Monate) mit Begeisterung- zumindest coram publico- in Richtung ÖVP verlassen hatten.
    Das aus Steuergeldern finanzierte Gehalt “lief immer mit”; das nenne ich wahres Risiko.
    Ich konzediere, daß Sie sich ab und zu die Zeit nehmen, auf “unsere” Vorhaltungen zu antworten, aber Ihre Antworten sind mit keinerlei Risiko verbunden.
    “Oder gehen zumindest in Foren………..”
    Wir sind! in Foren! Ich schreibe unter meinem realen Namen hier, auf “derSubstandard.at”, “DiePresse.at” und “KleineZeitung.at”.
    Ich denke, jeder kann sich ausrechnen, wessen Risiken “höher” sind in einem -auch von Ihnen sanktionierten- Überwachungsstaat.
    Schlußendlich: “Dummheiten” – man möge mir dieses Wort verzeihen- in einem Parlament abzusegnen zeugt nicht gerade von etwas “Realem”, und auch nicht von “Risiko nehmen”, eher vom Gegenteil.
    Bezeichnend auch, daß Sie weder auf meine noch auf gms konkrete Vorhaltungen Stellung genommen haben, sondern “nur” das Faktum der Kritik kritisiert haben

  22. gms

    Marcus Franz,

    vielen Dank für Ihre offenherzige Replik.

    “Ihre comments in alle Ehren, aber was ich nicht verstehe: warum wagen Leute wie Sie, die offenbar so viel so genau und vor allem besser wissen, nicht den Gang in die Realpolitik?”

    Ich war schon dort in den 90ern und werde aktuell noch laufend darauf angesprochen, das zu wiederholen. Kausal fürs Unterlassen eines Wiedereinstiegs ist das gesicherte Wissen um den Unterschied zwischen Politk und Realpolitik.

    “Und gründen eine Partei?”

    Als Lawrence von Liberalien, der die notorisch zersplitterten bürgerlichen und liberalen Kleingruppen vereint? Ja, ich weiß, irgendwer muß es ja tun, wenngleich mir aus dem Stand zehn hierfür Prädestiniertere einfallen, die um Potenzen geeigneter sind und aus denselben Gründen dankend ablehnen, wie ich selbst.

    “Warum machen Sie nichts Reales? Oder gehen zumindest in Foren, Zeitschriften etc an die Öffentlichkeit?”

    Ihr Vorwurf ist berechtigt, man kann tatsächlich immer mehr machen.

    “Das Kommentieren von Kommentaren von jemand, der es mit viel Risiko immerhin gewagt hat, sich die Politik „in echt“ anzutun, ist halt recht leicht. Schreibtischtäter bleiben halt imme nur am Schreibtisch.”

    Korrekt, doch dabei können besagte Täter ihren Prinzipien treu bleiben und Sachverhalte kompromislos darstellen, ohne Rücksicht auf jene, die man morgen vielleicht als Verbündete zum Wechseln politischen Kleingelds brauchen könnte. Nichts fehlt dem geknechteten Österreich mehr als ein radikales Gegengewicht zum vorherrschenden politmedialen Monster, und wenn dieses Gegengewicht dem Schreibtisch entwächst, soll es mir recht sein.

    “Glaubwürdig wird nur der, der auch das Risiko nimmt.”

    Ich anerkenne Ihr Engagement und schätze insbesondere, wie sie dabei untergriffige Opponenten abtropfen lassen. Prinzipienfestigkeit, Wissen um die eigenen und gegnerischen Argumente, Eloquenz, Angstfreiheit und Standhaftigkeit in der öffentlichen Auseinandersetzung, wie etwa auch Frauke Petry sie an den Tag legt, so sie von notorischen Kläffern bedrängt wird, ist notwendig und hilfreich, linken Schwätzern den Stecker zu ziehen, damit deren Kartenhäuser aus feuchter Transparenzfolie auch als solche für jedermann erkennbar werden.

    Auch Sie riskieren täglich, gezielt mißverstanden und diffamiert zu werden. Sie starten Aktionen und nehmen Rückschläge hin. Daß Sie das aufsich nehmen, ist ohne Abstriche honorabel.

    “Also, kommen Sie raus aus der anonymen Besserwisser-Ecke, trauen Sie sich was!”

    Wir verstehen einander, und dieser Umstand möge besser sein, als er oberflächlich den Anschein hat.

  23. Marcus Franz

    @gms 🙂 das war eine gute Antwort. Selbiges gilt für Rennziege.
    Auf die der anderen Herren (Damen?) möcht ich jetzt nicht so eingehen, da scheint mir doch auch so etwas wie eine sublimierte Missgunst mitzuspielen.
    Nur soviel: ich habe als täglich aktiver und arrivierter Arzt einen arbeitsintensiven “Zivil”-Beruf, der auch aus mir einen Bürger mit einer (sogar weit überdurchschnittlichen) Steuer- und Abgabenlast macht. Die Missgunst ist daher deplaziert.

  24. Thomas Holzer

    @Marcus Franz
    “…………da scheint mir doch auch so etwas wie eine sublimierte Missgunst mitzuspielen.”

    Sie überschätzen sich und Ihr “Risiko”

  25. Christian Peter

    @Dr. Marcus Franz

    Selbstverständlich entfalten Steuerzahler Missgunst, wenn politische Parteien und Politiker den Staat als ihre Beute betrachten. Kein vernünftiger Mensch wird in einer Bananenrepublik wie Österreich den Weg eines Berufspolitiker in einer der etablierten Parteien beschreiten.

  26. Gerhard

    Ich schätze die Ausführungen von Dr. Franz sowie den beiden Damen gms und Rennziege sehr. Dem “Rebell” Marcus Franz noch mehr Engagement abzuverlangen, ist realpolitisch nicht möglich. Er dosiert korrekt, um in der Medizinersprache zu bleiben.

  27. Christian Peter

    ‘Der Staat darf nicht zu einem gigantischen Versorgungsapparat degenerieren’

    Der Staat ist längst zu einem gigantischen Versorgungsapparat degeneriert – für politische Parteien, Berufspolitiker und deren Günstlinge in der Verwaltung und staatsnahen Wirtschaft – das ist in Parteienstaaten wie Österreich das größte Problem.

  28. Rennziege

    Kleiner Nachsatz zum Sozialstaat, gefunden in den “Salzburger Nachrichten”, die sich — schaumgebremst natürlich — über die dortige Uni und deren posthume Verstoßung eines der bedeutendsten österreichischen Wissenschaftlers lustig macht:
    Apropos Koalition. “Sie werden es nicht glauben”, sagte Lorenz einmal, “aber es gibt soziale Staaten, die tatsächlich von den Klügsten regiert werden. Das ist bei den Pavianen der Fall.”
    http://www.salzburg.com/nachrichten/meinung/kolumne/purgertorium/sn/artikel/die-evolution-der-uni-salzburg-182319/

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