Der Tod und die Sozialversicherung

Von | 6. Dezember 2015

(ANDREAS UNTERBERGER) Ein sehr enger Familienangehöriger von mir hat sich im Vorjahr nach einer im Dunklen tappenden Arzt-Diagnose einer MRT-Untersuchung in einem Privatlabor unterzogen. Das Ergebnis dieser Untersuchung führte dazu, dass umgehend eine Gehirnoperation durchgeführt wurde. Sie war lebensrettend. Und zwar nur durch ihre rasche Durchführung, wie alle beteiligten Ärzte nachher bestätigten. Nach dem Willen des „Hauptverbands der Sozialversicherungsträger“ wäre der Patient hingegen heute tot. Denn wir haben für das MRT einen (niedrigen) dreistelligen Euro-Betrag bezahlt, um nicht zwei Monate warten zu müssen.

Nach der Operation war der Patient binnen kürzester Zeit beschwerdefrei. Seine ursprünglichen Beschwerden waren eigentlich Übelkeitsphänomene, deren Ursache längere Zeit trotz vieler Untersuchungen rund um den Magen unentdeckt geblieben ist. Dem Entschluss zum Kopf-MRT ging daher auch nur ein bloßes: „Na schauen wir halt auch das an“ voraus.

Aber ein Herr Wurzer von diesem Hauptverband hat jetzt allen Röntgeninstituten Klagen angedroht, wenn sie weiterhin solche privat bezahlten MRT- oder CT-Untersuchungen machen. Kassenpatienten, die nichts zahlen (wollen), würden ja acht Wochen warten müssen.

Mit Verlaub, Herr Wurzer, mit Verlaub alle Damen und Herren aus Arbeiter- und Wirtschaftskammer sowie Gewerkschaft, die sich da in den staatlichen Zwangsversicherungen ein dickes Geld verdienen, und die für diese Einstellung verantwortlich sind: Das ist ungeheuerlich!

  • Zum ersten, weil diese Sozialpartner-Funktionäre den Österreichern verbieten wollen, zur Rettung des eigenen Lebens aktiv zu werden. Das ist letztlich Mord durch Bürokratie (Mit Dolus eventualis, wenn in dieser Funktionärsschicht noch irgendjemand Latein verstehen sollte, was freilich ziemlich unwahrscheinlich ist).
  • Zum zweiten, weil diese Sozialpartner-Funktionäre selber dafür gesorgt haben, dass bei immer mehr Österreichern die katastrophale Wohlfahrtsstaat-Einstellung entstanden ist: Für meine Gesundheit gebe ich keinen Cent aus. Mein Geld brauche ich für Auto, Urlaub und Gasthaus. Für den Rest hat der Staat zu sorgen.
  • Zum dritten, weil diese Funktionäre der (Un-)Sozialversicherungen selber schuld daran sind, dass es einen Engpass bei MRT- und CT-Untersuchungen gibt. Sie haben nämlich die absurde Regelung eingeführt, dass solche Untersuchungen „gedeckelt“ sind, dass in jeder Periode nur eine bestimmte Anzahl stattfinden darf, die es dann zum Nulltarif gibt. Bisher ist der darüber hinausgehende Bedarf durch Bezahlung gedeckt worden. Und das soll künftig verboten sein.

Drastischer hätte der Unsinn der verstaatlichten Gesundheitsmedizin gar nicht vorgeführt werden können als durch dieses Vorgehen des „Hauptverbandes“. Das ist bekanntlich ein Verein, in dem sämtliche Schreibtische nach einem ehernen Sozialpartner-Proporzsystem zwischen zwei Kleinparteien aufgeteilt sind, die einst Großparteien gewesen sind.

Der Unsinn einer Staatsmedizin ohne jeden Selbstbehalt zeigt sich auch bei vielen Operationen, auf die Patienten oft ein halbes Jahr oder länger warten müssen. Manche dieser Eingriffe sind vielleicht überflüssig – man weiß nur oft nicht, welche. Manche Patienten müssen aber nur wegen der Absurdität dieses Systems monatelang starke Schmerzen ertragen.

„Gedeckelt“ ist in diesem System nicht nur die Zahl der Eingriffe, sondern vor allem die Intelligenz der Gesundheitsbürokraten. Übrigens ist dieses System einst von zwei Ministern dieser Regierung (jeweils in ihren früheren Funktionen) ausgehandelt worden: Sie heißen Stöger und Schelling, und sie haben das damals als eine tolle Reform verkauft. (TB)

 

17 Gedanken zu „Der Tod und die Sozialversicherung

  1. sokrates9

    Untersuchungen zu deckeln! Nur völlig linke Beamte, die noch dazu von uns bezahlt werden, können auf solche Ideen kommen!

  2. Christian Peter

    Klar, dass die Krankenkassen auf das Geld schauen, denn gerade in einem öffentlichen Gesundheitssystem werden Unmengen Geld verschwendet. Nach seriösen Schätzungen erfolgen etwa 1/3 aller Operationen und mehr als 50 % aller Medikationen ohne Nutzen für den Patienten. Bei MRT – Untersuchungen dürften wohl mindestens 50 % umsonst sein. Ein öffentliches Gesundheitssystem als Selbstbedienungsladen der Ärzteschaft – das kann keine Lösung sein.

  3. aneagle

    Auch sind die Österreicherinnen mit Januar 2014 schlagartig mehr als doppelt so gesund geworden als sie früher waren.
    Galt bis zu diesem Termin ein Brustkrebs-Screening mit einer jährlichen Mammographie-Untersuchung ab dem 40. Lebensjahr als state of the art (golden standard), ist seit diesem Termin, außer in Ausnahmefällen, eine Mammographie-Untersuchung alle ZWEI JAHRE ab dem 45. – 69.Lebensjahr, danach nur in Ausnahmefällen der state of the art (golden Standard) in Österreich.
    Die Röntgeninstitute wurden vehement davon überzeugt bei der Vorsorgereform mitzuziehen
    Blöd nur: die WHO wußte nichts über die rasante Gesundung der Österreicherinnen und beließ ihr state of the art auf den “total überholten” Intervallen.

    Das führt dazu, dass heute in der Slowakei, trotz niedrigerem Wohlstand und BIP, die jährlichen Kontrollen weitergelten und Omi mit 71 nicht nur in Ausnahmefällen nicht an Brustkrebs dahinscheiden muss, während Österreich ein modernes zukunftsweisendes Brustkrebs-Vorsorgemodell erhielt über welches sich den veranlassenden Beamten verschiedenster Ministerien stolz die Brust schwillt. Das kommt davon, wenn in modernen Ministerien vorausblickend das Gehirn “gedeckelt” wird.

  4. Christian Peter

    @aneagle

    fallen Sie nicht auf das Lobbying der Ärzteschaft herein. In Ländern wie Österreich herrscht eine massive Überversorgung mit ärztlichen Dienstleistungen, Österreich hat mit 477 Ärzten auf 100.000 Einwohner die größte Ärztedichte in ganz Europa. Dennoch wird von der Ärzte-Lobby seit Jahrzehnten von einem ‘Ärztemangel’ geschwafelt. In anderen Ländern wird viel weniger Geld für Gesundheit ausgegeben als in Österreich, und die Menschen sind dennoch gesünder.

  5. Fragolin

    Es gibt in Österreich ein 3-Klassen-System:
    Zwangsversicherung pur = Holzklasse, ein halbes Jahr warten auf einen Platz im 6-Bett-Zimmer ohne TV (Gemeinschaftsraumbenutzung erlaubt).
    Zwangsversicherung plus Bakschisch, äh, Zusatzversicherung = Stoffklasse, ein viertel Jahr warten auf einen Platz im 2-Bett-Zimmer mit Röhren-TV.
    Privatversicherung = Lederklasse, sofortige OP, Einzelzimmer, Smart-TV und WLAN.
    Nicht jeder kann mal eben locker ein paar Tausender extra abdrücken. Wenn man es doch tut und sein gesamtes Urlaubs- und Weihnachtsgeld für eine sofortige OP zusammenkratzt anstattt abzuwarten, ob einen das mit etlichen Tausendern im Jahr gemästete Personalmassenversorgungssystem rechtzeitig in eine Warteschlange einreiht, dann hat man das Recht darauf, bevorzugt behandelt zu werden!

    Frage an jene Politiker und Gewerkschaftsbonzen, die sich so sehr für das Verbot privater Untersuchungen stark machen: Wenn Sie selbst merken, dass es Ihnen dreckig geht und der Chefarzt lehnt eine Untersuchung ab, wohin fliegen Sie dann? Schweiz? USA?
    Ist doch fein, wenn man sich selbst im Ledersessel fläzt und anderen von oben herab schnippisch ausrichten kann, sie hätten sich gefälligst zu ducken und zu kuschen: Hunde, wollt ihr ewig leben?

  6. Christian Peter

    @Fragolin

    fallen Sie dem Lobbyismus der Ärzteschaft nicht zum Opfer – es gibt in Österreich keine Unterversorgung, sondern eine Überversorgung mit medizinischen Leistungen, die Ärztedichte in Östereich ist die höchste in ganz Europa und das Gesundheitssystem viel zu teuer.

  7. Christian Peter

    Österreich hat nicht nur die höchste Ärztedichte Europas, sondern mit 3.676 Euro auch die zweithöchsten Gesundheitsausgaben pro Kopf in der EU (EU – Durchschnitt : 2193 Euro). In kaum einem Land versickert mehr Geld im Gesundheitswesen, wie in der Bananenrepublik Österreich.

  8. Fragolin

    @Christian Peter
    Fallen Sie nicht Ihren eigenen Parolen zum Opfer! Es gibt nur ein Übel, und das haben Sie in den letzten Worten beschrieben. Es resultiert aus dem Zwangsversicherungssystem.
    Ärztedichte ist etwas, was sich dem Bedarf anpasst; jeder Markt funktioniert gleich. Abschaffung des staatlichen Gesundheitssystems, Schaffung einer Versicherungspflicht ohne Pflichtversicherung, stärkere Selbstverantwortlichkeit und Selbstbehalte – und schon richtet sich die Ärztedichte ganz von selbst nach Angebot und Nachfrage. Wie kommt es sonst, dass Privatkliniken, Unfall- und Ordensspitäler mit Gewinn wirtschaften können, während die staatlichen Spitäler in tiefroten Zahlen stecken?
    Aber da hört man dann die Schreihälse schon wieder plärren, oh weh, wenn der Oma schlecht wird und die Rettung länger als 5 Minuten zu ihr braucht, wo leben wir denn da…?

  9. gms

    Trompeter,

    “fallen Sie dem Lobbyismus der Ärzteschaft nicht zum Opfer”

    Als notorischer Dauerorgler der immer selben Phrasen bist du wohl vom Fach und glaubst daher wesensbedingt an die Wirkung von 7×24-Dauerbeschallung, nicht wahr?

    “es gibt in Österreich keine Unterversorgung, sondern eine Überversorgung mit medizinischen Leistungen, die Ärztedichte in Östereich ist die höchste in ganz Europa und das Gesundheitssystem viel zu teuer.”

    Sind dabei die von dir hochgejubelten Globuli-Schieber und Geisterheiler eingerechnet?

    Dessen ungeachtet würden intellektuelle Flachwurzler auch ein Überangebot an Bauarbeitern bei gleichzeitiger Kostenexplosion bekunden, wenn jeder Hilfshackler von staatswegen den ganzen Tag Luftlöcher buddelt. Für unseren kurzatmigen Formumsbrauen kann und darf der heißgeliebte Staat hierfür aber nicht in die Pflicht genommen werden, war es doch die Baulobby, die mit der Hacke am Kopf des Staatsdieners all die Mißstände herbeiführte.

  10. Christian Peter

    @Fragolin

    die Probleme liegen nicht im staatlichen Gesundheitssystem, sondern an der Selbstbedienungsmentalität der österreichischen Ärzteschaft – in keinem Land der Erde lebt es sich als Arzt besser auf Kosten der Steuerzahler/Beitragszahler als in Österreich.

  11. gms

    Trompeter,

    > die Probleme liegen nicht im staatlichen Gesundheitssystem

    Angenommen, man lauscht zwei Minuten lang der telephonischen Zeitansage. Was meinst du wäre dann schwieriger vorherzusagen: Der gesprochene Text der dritten Minute, oder jenes, was du hier als Ministrant des Staates im Minutentakt runterbetest?

    Damit du nicht sagen kannst, man wolle es dir unnötig schwer machen, hier ein paar Schnipsel zur Auffrischung deiner schon arg abgelutschten Textbausteinsammlung:

    — Selbst wenn auf der Autobahn über Nacht hinter jeder hundertsten Kurve mitten auf der Fahrbahn ein acht Meter breiter Betonpfeiler stünde, so hätten allfällige Unfälle nichts mit der ASFINAG zu tun.

    — Wenn irgendwas schiefläuft in Kakanien, dann deshalb, weil der Staat nicht genug eingegriffen hat.

    — Der Staat macht alles richtig, und was evident falsch ist, ist bloß jenen geschuldet, die das fraglos Richtige für ihre eigenen Zwecke mißbrauchen.

    Siehst du, ich komme dir sogar betreffend Mißbrauch entgegen, und als Hausaufgabe kannst du noch da und dort einfügen: “Und das ist kein Widerspruch.”

  12. Anton HARKAMP

    @christian peter.
    Was ist los mit Ihnen, sind sie ein Funktionär des HV der Sozialversicherungen? Anders lässt sich ihr blühender Unsinn. Nicht erklären. Bitte denken sie doch mit dann wirds auch für sie leichter .

  13. Fragolin

    @Christian Peter
    Ärzte können sich nur in einem staatlichen Gesundheitssystem “selbstbedienen”. In jedem anderen müssen sie ihre Honorare erarbeiten.

  14. Christian Peter

    @Anton HARKAMP

    ‘blühender Unsinn’

    nicht wirklich. Die Ärzelobby ist einer der einflussreichten des Landes und das bereits seit Jahrzehnten. In allen Bereichen werden Einsparungen gefordert, aber im Gesundheitssystem soll das Geld aus dem Fenster geworfen werden ?

  15. Christian Peter

    @Fragolin

    auch in einem staatlichen Gesundheitssystem wird kein Arzt gezwungen, mit Krankenkassen Verträge zu schließen. Es steht jedem frei, ausschließlich Privatpatienten zu behandeln.

  16. DucTom

    Eine maschiene wie ein MR oder Operationssaal verdienen nur dann geld wenn sie rund um die Uhr bespielt werden!
    Anders verursachen Sie Kosten durch Stehzeiten und die fallen der Allgemeinheit zu.
    Es ist allso ein logistisches Problem.
    So a Bledsinn auf den Schultern von Schmerzpatienten.
    Ich könnt Kotzen.

  17. Christian Peter

    @DucTom

    In kaum einem Bereich wird mehr Geld umverteilt (von Gesunden zu Kranken) wie im Gesundheitswesen – alleine aus diesem Grund sollte alles unternommen werden, um die Kosten der Behandlung von Kranken möglichst gering zu halten.

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