Der Tod zweier Manager

(ANDREAS UNTERBERGER) Zwei Selbstmorde auf der Vorstandsebene von Großkonzernen ließen in den vergangenen Tagen aufhorchen. Vielleicht macht das auch manchem Klassenkämpfer klar: Auf dieser Ebene verdient man zwar zeitweise exzellent, aber Druck und Arbeitsmenge sind so gewaltig, dass immer wieder Menschen darunter zerbrechen. Dabei geht es in beiden Fällen um durchaus gesunde Konzerne.

Von den gewerkschaftlich so empört abgelehnten gelegentlichen Zwölfstunden-Arbeitstagen kann man in solchen Jobs nur träumen. Ebenso wie davon, dass man einen Arbeitsplatz teilen könnte. Oder dass man in irgendeine Form der Karenz gehen könnte. Wer Verantwortung für 60.000 Arbeitsplätze und Ersparnisse von Hunderttausenden trägt, der muss selber ins Kreuzfeuer. Etwa in das eines Verwaltungsratspräsidenten, der wegen einer flauen Kursentwicklung Druck macht. Weder Verantwortung noch Wissen kann man teilen. Oder gar tageszeitmäßig begrenzen. Auch wenn das an Stammtischen oder im feministischen Traumland so verzapft wird.

Bei globalen Konzernen wie etwa dem Zürich-Konzern hat der Tag wirklich 24 Stunden. Irgendwo auf der Welt ist da immer ganz normale Arbeitszeit. Irgendwo kann immer die direkte und sofortige Entscheidung der obersten Ebene nötig werden. Ganz abgesehen von den zahllosen Meilen, die man ständig rund um den Globus fliegen muss, um sich vor Ort ein Bild zu machen, um bei Regierungen oder Institutionen zu antichambrieren.

Nun braucht man gewiss nicht vor Mitleid zu zerfließen. Aber Journalisten, Funktionäre oder „Wissenschaftler“ (die ihr ganzes Leben nur von den durch die böse Wirtschaft bezahlten Steuern leben) sollten halt schon auch die Realität kennen, wenn sie über die hohen Bezüge auf Vorstandsebenen stänkern.

An diesen Stänkereien ist noch etwas Zweites widerlich: Es wird immer nur groß geschrieben, wenn Vorstandsbezüge stark nach oben gehen. Stürzen diese in Krisenjahren hingegen steil ab, wird das meist totgeschwiegen. Dann kann man ja mit Neidreflexen keine Stimmung machen. So wurde es nirgendwo vermerkt, als am Höhepunkt der Krise der CEO einer der nun durch Selbstmorde belasteten Konzerne sogar ein Minuseinkommen hatte. Variable Bezüge mit dem Schwerpunkt auf Aktienoptionen können durchaus dazu führen.

Nochmals: kein Mitleid. Aber in der Summe sind es zweifellos primär die Manager der Industriewelt, die trotz des Drucks von immer mehr Gesetzen und Regulierungen, trotz teilweise konfiskatorischer Steuern, trotz querschießender Politiker die Maschinerie der modernen Industriewelt bisher irgendwie in Gang halten konnten.

Unpopuläre Worte? Gewiss. Jeder journalistische Anfänger weiß ja, dass man mit Attacken auf „Mächtige“ in Wirtschaft und Politik am leichtesten punktet. Trotzdem sind wir alle mehr von deren Qualität und Effizienz abhängig, als wir glauben. Daher sollten wir sie auch an ihrem Handeln bewerten, und dafür wenn nötig auch scharf kritisieren, aber nicht wegen der Größe von Dienstwagen oder Gehaltskonto. (TB)

Ich schreibe in jeder Nummer der Finanz- und Wirtschafts-Wochenzeitung „Börsen-Kurier“ die Kolumne „Unterbergers Wochenschau“.

2 comments

  1. Dr. Johann Schmit

    Unbestritten die Spitzen der Wirtschaft und Politik leisten ungeheuerlich viel. Sie beuten sich und ihre Familie aus. Aber es hat sie keiner mit vorgehaltener Pistole dazu gezwungen. Wie heißt es so zynisch-schön in der Neoliberalen-Bibel: “Jeder kann aus seinem Leben das beste machen”.

  2. Lodur

    Auch ein Manager ist im Normalfall nur ein Arbeitnehmer, der zur Mehrwertrealisierung und -produktion Wesentliches beiträgt und auch nur den Preis für seine Arbeitskraft in Form des Lohns bezahlt bekommt. Auch seine Arbeitskraft wird daher vom Arbeitgeber ausgebeutet, da er einen höheren Wert realisiert als er ausbezahlt bekommt. Außer natürlich wenn er (Teil-) Eigentümer des Unternehmens ist. Dann profitiert er direkt von den Wertschöpfungsprozessen anderer, sprich der Arbeitnehmer.

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