Der Untergang der Fünften Republik

Von | 16. März 2017

(JÜRGEN POCK) In Paris geht es in wenigen Wochen um das Schicksal ganz Europas. Der Untergang der Fünften Republik naht in riesigen Schritten. Die Zerstörung der europäischen Ordnung steht kurz bevor. Aber nur, wenn „das größere Übel“ (Der Spiegel), Marine Le Pen, nicht gestoppt werden kann. Falls die Chefin des Front National als Siegerin aus dem Präsidentschaftswahlkampf hervorgeht, droht die Alte Welt unter einem Tsunami aus Totalitarismus und Rechtspopulismus unterzugehen. Die zahlreichen Klagelieder und Abschiedsreden auf Demokratie und Rechtsstaat vor und nach der Brexit-Trump-Panne klingen noch immer im Ohr, da wird schon wieder das Ende der Tage verkündet. Zu groß ist die Versuchung, aus dem moralischen Schützengraben heraus, auch diesmal vor den Tücken der Volksherrschaft zu warnen, insofern sie erneut falsche Wahlentscheidungen trifft.
Das flatternde Geschäft mit der Demoskopie sieht Le Pen zwar als Favoritin im ersten Wahldurchgang, verheißt ihr aber eine klare Niederlage in der entscheidenden Runde. So könnte es kommen. Aber eben auch ganz anders. Der Wählerwille korrespondiert nicht mehr mit den Absichten der etablierten politischen Parteien, er geht mittlerweile eigene Wege. Oder wie die Meinungsforscher zu verklären versuchen: Der Wählerwille bleibt einfach unberechenbar. Das große Zittern vor der 48-jährigen Parteichefin geht darum in die nächste Runde. Die Meinungsmacher haben sich strategisch darauf geeinigt, dass die Verteufelung Le Pens das Abrutschen der sogenannten Eliten in die Bedeutungslosigkeit bremsen kann. Die Zuschreibung von autoritären, freiheitsraubenden Attributen soll die Unvereinbarkeit der von ihr geforderten nationalen Eigenverantwortung mit den EU-Glaubenssätzen deutlich machen. Eine Stärke ausstrahlende Marine Le Pen tritt gegen eine stark schwächelnde Union an. Viele sind sich sicher: Die Vernunft wird den Wahlkampf zuungunsten von Le Pen entscheiden. Auch wenn diese arrogante Haltung in jüngster Vergangenheit zum wiederholten Male zu politischer Katerstimmung innerhalb der tonangebenden Kreise geführt hat.
All jene, die permanent gegen die Präsidentschaftsanwärterin gegeifert haben, sind längst von der Bildfläche verschwunden. Die Sozialisten haben nach Hollands historischem Reinfall nichts mehr zu melden und die Konservativen zerfleischen sich gerade selbst. François Fillon startete eben erst seinen Alleingang gegen die Medien, die Justiz und den Rest seiner Partei. Ganz nach Trump sprach er von „Bürgerkrieg“, „Staatsstreich“ und „Mord“. Sein parteiinterner Kontrahent, Alain Juppé, warf nach anfänglichen Ambitionen, Fillions Kandidatur zu beerben, das Handtuch. Nun stehen die Konservativen am Anfang vom Ende. Während François Fillon immer schärfere Töne anschlägt, bemüht sich Le Pen um Mäßigung. Beide buhlen um den Gewinn konservativer Stimmen. Wer diese parteiübergreifende Revolution für sich entscheiden wird, bleibt trotz der Werte, die eindeutig für Le Pen sprechen, offen. Der Einzige, der sich neben Le Pen realistische Chancen auf die Stichwahl ausrechnet, ist Emmanuel Macron, ehemaliger Minister der sozialistischen Regierung und nun geläuterter Anführer der neuen Bewegung „En marche!“.
Es ist durchaus denkbar, dass die hochideologisierte und medial geschürte Debatte um Le Pen dazu führt, dass sich die Mehrheit hinter Macron stellt. Immerhin lässt er nichts unversucht, sich selbst als Held der Anti-Le-Pen-Front zu inszenieren. Aber die dauerhafte Pathologisierung Le Pens wird nicht dazu beitragen, die Probleme Frankreichs, die auch Probleme Europas sind, zu lösen. Ein beträchtlicher Teil der FN-Wähler hat das als alternativlos gepriesene System und seine Erhalter schlicht und einfach satt.

10 Gedanken zu „Der Untergang der Fünften Republik

  1. mariuslupus

    Die Medien sind in ihrer gezielten Beeinflussung der Abläufe in der Politik, in einen Machtrausch verfallen. Nur so ist zu erklären, dass sich die Medien in alles was Merkel schaden könnte, mit der Ausdauer eines Rottweilers verbeissen. Die Zeiten in denen die Medien verschwiegen, verdreht und gelogen haben, gehören der Vergangenheit an.
    Jetzt wird direkt bestimmt welche Meinung die Öffentlichkeit zu haben hat, wer zu wählen ist und wer auf den Pranger oder Scheiterhaufen gehört. Anders, sind die international koordinierten medialen Kampagnen gegen AfD, UKIP, Front national, Orban, Trump, FPÖ, nicht zu erklären. Wer diesen Machtrausch bezahlt ist auch klar. Dass sind die Auftraggeber dieser Kampagnen, die Machthaber, die sich noch als liberal, demokratisch oder christlich, tarnen.
    Der Untergang der Fünften Republik wird stattfinden. An dem Untergang wird Le Pen nicht beteiligt sein. Le Pen wird nicht gewählt. Die Koalition aus allen “fortschrittlichen” Kräften mit der Unterstützung von eingebürgerten Muslimen wird es verhindern. Der Untergang wird bis zu dem Zeitpunkt aufgeschoben, bis der nächste President, ein Muslim, Frankreich, nicht zu 6.Republik, sondern zu islamischen Gottesstaat, erklärt.
    (Zitat, habe mir erlaubt abzuschreiben, bin kein Plagiateur)

  2. Dr.Fischer

    Wird unvermeidlicherweise immer besser sichtbar, daß eine globale Koordination stattfindet.

  3. Falke

    @mariuslupus
    Aus Ihrem Schlusssatz entnehme ich, dass Sie wohl die “Unterwerfung” von Houellebecq gelesen haben. Dieses Szenario wird tatsächlich immer realistischer.
    Die EU macht den Fehler, als “Lösung” gegen die zentrifugalen Kräfte ihre Reihen noch fester zu schließen, also “more of the same”. Auf diese Weise wird allerdings ein Austritt anderer Staaten immer wahrscheinlicher. Wenn Frankreich die EU verlässt, ist das wohl ihr Ende. Die einzige Möglichkeit für eine Zukunft der EU ist wohl das Gegenteil, also weniger Zentralismus, mehr Subsidiarität, der endgültiltige Verzicht auf die “Vereinigten Staaten von Europa”; jedes Volk ist anders, hat andere Asprüche, Ideen, Vorlieben usw. und will vor allem nicht für die Defizite anderer Staaten aufkommen. Das muss man ihnen lassen und ihnen nicht zentrale Vorschriften aufzwingen, die niemand haben will.

  4. Christian Peter

    Bei den Wahlen in Frankreich geht es nicht um Parteien oder Personen, sondern um die katastrophale wirtschaftliche Lage, kaum ein Land in Europa leidet mehr unter dem längst gescheiterten EU – Binnenmarkt und der Einheitswährung. Die Frage wird daher lauten : Entscheiden sich Frankreichs Wähler andere, weit vielversprechendere Wege zu gehen oder wird das Leiden durch Aufrechterhaltung der Mitgliedschaft in der EU und im Euro um weitere 5 Jahre verlängert ?

  5. sokrates9

    Das schlimme ist, dass more of the same derzeit die einzige Denkrichtung der EU und der herrschenden klasse ist! Problem ist halt nur, dass das Volk zu blöd ist diese “Segnungen” zu begreifen! Die Alternative zu Globalismus und Internationalisierung ist halt ein Nationalismus – könnte auch Regionalismus heißen. Die gute alte österreichische Volkswirtschaftstheorie “Small is beautiful” entspicht auch mehr dem anthropologischen
    Verhalten, dass die nahestehenden Verwandten immer wichtiger als Fremde sind!

  6. Mona Rieboldtbe

    Frankreichs Wirtschaft leidet an restriktiven Arbeitsgesetzen, an Gewerkschaften, die jeden Arbeitgeber als Ausbeuter, als Feind betrachten. Die 30-Stunden-Woche treibt die Lohnstückkosten so hoch, dass Frankreich international nicht mehr wettbewerbsfähig ist. Damit hat der EU-Binnenmarkt gar nichts zu tun. Es sind selbstgemachte Probleme Frankreichs.

  7. Mona Rieboldt

    Leider ist bei meinem Namen am Ende ein “be” reingerutscht. Das ist ein Versehen beim vorigen Eintrag, daher muss der Beitrag erst freigeschaltet werden.

  8. mariuslupus

    @Falke
    Das Szenario das Houellebecq vorgelebt wird aktuell realisiert.
    Ob die Machthaber der EU einen Fehler machen, oder ob das Vorhaben alle Staaten der EU enger an die zentrale Befehlstruktur des ZK in Brüssel zu verpflichten, doch nicht aufgeht, ist mehr als offen. Man darf nicht den Denkfehler begehen das für tausend Jahre ausgelegte Reich, hat nur 12 Jahre gedauert. Das kommunistische Reich in Russland hat es auf 70 Jahre gebracht, die Staaten Mitteleuropas wurden 40 Jahre diktatorisch regiert, Maos Reich existiert, zwar modifiziert, noch immer. Die EU könnte zum Nachteil der Bürger Europas noch einige Jahre ihr Unwesen treiben.
    @Christian Peter
    Leider kann ich Ihren Glauben an die Lernfähigkeit der Wähler neue Wege zu gehen nicht teilen. Letzter Beweis. Die Wahlen in Holland. Nur jeder siebte Niederländer hat verstanden, was diese Wahl für ihr Land bedeutet.
    Mehr als 80% der Niederländer haben sich bewusst entschieden, die EU und Merkel, aktiv zu unterstützen.
    Für diesen Weg, mehr illegale Einwanderer, mehr Zentralismus, werden sich auch die Wähler in Frankreich entscheiden. Dazu braucht man keine prophetischen Gaben.

  9. Christian Peter

    @mariuslupus

    Holland kann man mit Frankreich nicht vergleichen, da die Wirtschaft in Holland floriert. Frankreichs Wirtschaft hingegen verliert wie die südliche Peripherie im Euro und im Binnenmarkt sukzessive an Wettbewerbsfähigkeit und wird daher früher oder später den Notausgang benötigen. In Südeuropa dasselbe, bei einer Jugendarbeitslosigkeit jenseit der 50 % (Tendenz : steigend) ist es nur mehr eine Frage der Zeit, bis EU und Euro in der heutigen Form zusammenbrechen.

  10. waldsee

    die Pathologisierung nicht linker Personen
    führt bei mir (und ich bin nicht allein) dazu,daß ich keinerlei Vertrauen in die mediale Vermittlung von Wissen,polit.Vorgängen… habe.Einen Vorteil gibts auch: ich wähle sorgfältiger aus.Trotzdem geschieht es ,daß ich “reinfalle”.

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