Der Zweite Kalte Krieg hat längst begonnen

“… Die USA und China kämpfen um den Status der Hegemonialmacht im 21. Jahrhundert. Henry Kissinger hat dies jüngst ausgesprochen, und er hat recht. Wer aber wirklich verstehen will, was China im Schilde führt, muss die futuristischen Romane von Liu Cixin lesen. NZZ, hier

4 comments

  1. CE___

    Hat der “erste Kalte Krieg” denn je geendet?

    Näher liegt doch die Annahme dass der Kalte Krieg, definiert als Systemkampf zwischen Demokratie/Marktwirtschaft einerseits und totaltärem Kommunismus andererseits, doch nie geendet hat.

    Zumindest auf der kommunistischen Seite, die ihren Kampf im kalten stillen Schatten ununterbrochen weitergeführt hatte und hat, im kleinen die DDR-Kader und deren Fünfte Kolonnen die BRD unterwandert und mittlerweile besetzt haben, vollends den fast weltweiten akademischen und medialen Raum übernommen hat, und im großen eine VR China die immer mehr die Glacee-Handschuhe fallen lässt um dem totalitären kommunistischen System mehr Raum in der Welt zu verschaffen, und viele andere Beispiele dazu.

    Das was bisher geschah ist das die andere Seite, der Westen, für 30 Jahre die Waffen beiseitegelegt hat um seine blinde und hirnlose Gier auf der Jagd nach billigen Produkten einerseits und andererseits die Gier nach Krösus-Reichtum zu befriedigen auf der Jagd nach (rotchinesichen) “Riesenmärkten”. 30 Jahre lang ist der Westen blind und hirnlos dem Strick nachgelaufen mit dem er nun aufgeknüpft werden soll.

    Der vorgebrachte Grund warum der Westen die Annäherung an die VR China gesucht hat war angeblich um einen Keil zwischen die Achse Peking und Moskau zu treiben.

    Nun gut, die Taktik kann Sinn machen, sie hatte aber dann mit dem Zerfall der Sowjetunion ihren Sinn komplett verloren und der Westen hätte seinen Kampf voll auf die VR China konzentrieren können.

    Tat er aber nicht, die Gier is’ a’ Hund. Und heute leidet die ganze westliche Welt an den Folgen.

  2. CE___

    Ich erlaube mir noch einen kleinen Nachschub.

    Ich denke dass die Annäherung und Öffnung des Westens zu der VR China in den 1970ern aus strategisch-militärischer Sicht keinen Sinn machte, auch wenn dies als Rechtfertigung vorgeschoben wird, angeblich um einen Keil zwischen Moskau und Peking zu treiben.

    Eine VR China war politisch/industriell/wirtschaftlich/gesellschaftlich/ideologisch zerrüttet nach diversen jahrzehntelangen Rechtsabweichler-Kampagnen, dem “großen Sprung nach vorn”, und weiteren kleinen und größeren Sprüngen salopp gesagt in den Gatsch. Sozusagen “Flasche leer”, fast am Kollabieren.

    Der Grund war ein anderer, nämlich die westlichen Inflations-Bänkster in den diversen Hauptstädten die glaubten superschlau zu sein.

    Die 1970er waren die Zeit der grossen Stagflation im Westen. Um eine ernsthafte Diskussion über das Fiatgeld und Teilreservesystem und seine extrem inflationären und teuerungsmäßigen Ergebnisse zu vermeiden und die Bürger in Nordamerika und Europa zu täuschen musste möglichst schnell ein Weg her um Verbilligung von (Konsum)gütern und Dienstleistungen zu erreichen.

    Die bisherigen Konsumgüter-Importe aus den “Tiger-Staaten” in Asien reichten dafür nicht aus, zumal diese Volkswirtschaften nicht noch mehr Produktionsverlagerung verkraftet hätten ohne dort riesige Teuerungsschübe auszulösen, die sich dann auf die für den Export produzierten Konsumgüter niedergeschlagen hätten, und diese Übung obsolet gemacht hätte.

    Es musste ein Staat her der über so ein großes Reservoir an Arbeitskräften und Raum verfügt wo dieses (üble) Spiel in voller Breite und Tiefe der Wertschöpfungskette von Industrienationen vonstatten gehen konnte. Und die dortigen Arbeiter sollten auch fleissig sein.

    Da bot sich nur die VR China an.

    Und sicherte diesem totalitären kommunistischem System damit das Überleben.

  3. astuga

    Teilweise lässt sich das auch dem Wunsch zuschreiben, der sog. “Falle des Thucydides” (Thucydides Trap) zu entkommen.
    https://foreignpolicy.com/2017/06/09/the-thucydides-trap/
    Damit wird das Phänomen beschrieben, dass eine aufsteigende Macht die bereits etablierte Macht in ihrer Stellung bedroht, was unausweichlich zu einem bewaffneten Konflikt führen muss.
    So die Theorie.
    Das kann man natürlich zu vermeiden suchen indem man junge Großmächte einbindet und zB am Wirtschaftssystem und dem Wohlstand partizipieren lässt.
    Man also einen Teil der wirtschaftlichen und politischen Macht abgibt.
    So wie man das bei Japan und Deutschland getan hat, aber auch erst nach dem 2. Weltkrieg.
    Ich weiß, das ist jetzt stark verkürzt und man könnte dazu einiges kritische anmerken.

    Wie auch immer, so etwas funktionert halt auch nur wenn eine junge Großmacht eben nicht nach unbedingter Vorherrschaft strebt, und sich so oder so maximal ausdehnen will.
    Dazu hat China gerade jetzt ein historisches Zeitfenster, das sich in absehbarer Zeit wieder schließen wird.
    Denn die wirtschaftliche und demographische Entwicklung ist nicht mehr auf ihrer Seite.

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