Des Präsidenten Ehrenrettung

(JÜRGEN POCK) Ausnehmend sendungsbewusst arbeitete Hans Rauscher, Koluminst beim” Standard”, Van der Bellens umstrittene Äußerung über Kopftuchträgerinnen auf, die es medial über den Atlantik geschafft hat. Sogar die Washington Post berichtete über den Bundespräsidenten-Sager und merkte dabei auch noch kritisch an, dass sein im selben Interview gebrauchter Vergleich mit Dänemark in der Zeit der Nazi-Besetzung falsch sei. Nichtsdestotrotz setzte sich Herr Rauscher in publizistisch nobler Manier für Van der Bellen ein und versuchte sich an einer Ehrenrettung.

Rauscher beginnt sein Plädoyer für den Bundespräsidenten mit der sinngemäßen Wiedergabe einer Maxime des deutschen Gesellschaftskritikers Kurt Tucholsky, „die wir allerdings immer und immer wieder missachten“: Ironie, so Tucholsky, sei stets in Kursivschrift zu setzen. Mit dem Hinweis auf die rhetorische Figur der Ironie war auch schon der Rahmen für die noch kommende Relativierung gesetzt. Und da das Social-Media-affine und zugleich empörte Publikum augenscheinlich nicht in der Lage war, die doppelbödige Aussage Van der Bellens als solche zu entziffern und durch den Filter der Ironie laufen zu lassen, half Rauscher mit entsprechender Hingabe etwas nach. Immerhin sei die Kunstfertigkeit des böswilligen Missverstehens besonders in den sozialen Medien ausgeprägt. Diese Ironie-Ignoranz von Seiten des einfältigen Auditoriums habe laut Kommentator schließlich dazu geführt, dass „die frivolen Anspielungen“ und „witzigen Hyperbeln“ im Zusammenhang mit muslimischen Sitten falsch interpretiert worden seien.

Der ältere Herr in der Hofburg hat wohl darauf vergessen, dass er seit kurzem der Präsident „einer „Nation von habituellen Ernstnehmern“ ist.
Eigentlich unverständlich, warum der spottlustige Meisterironiker Van der Bellen gerade dieses Mal auf die sogenannten Ironiesignale wie Mimik, Gestik und Betonung verzichtet hat. Einzig Hans Rauscher wähnte sich in der intellektuellen Position des Begreifens und erkannte in den Worten des Wirtschaftswissenschaftlers eine „ironisch klingende Zuspitzung zum Thema Islam/Kopftuch“. VdB lief also in die Falle, er hat seine Zuhörerschaft überschätzt, „es wird ihm eine Lehre sein“, wünschte sich Hans Rauscher.
Bittere Ironie: In einem offenen Brief übten auch Menschenrechtsaktivistinnen aus muslimischen Ländern scharfe Kritik an den naiven Aussagen bezüglich des Kopftuchs und des politischen Islams. Somit beherrschen neben Nutzern von Facebook & Co. auch Frauenrechtlerinnen aus Saudi-Arabien, Iran, Irak, Pakistan, Afghanistan, Algerien und Mazdonien die Kunstfertigkeit des böswilligen Missverstehens, will man der Analyse des Standard-Autors Glauben schenken. Van der Bellens Spiel mit der Ironie bei einem eher sensiblen Thema hat mit Blick auf die bunt gestreute Kritik letztlich nur mäßig Erfolg gehabt. Dies bestätigt auch eine aktuelle Umfrage von Research Affairs, nur wenige Tage bevor VdB seine ersten 100 Tage im Amt absolviert haben wird. In dieser Befragung schneidet der Ex-Grüne mit einem positiven Saldo von nur drei Prozent ab und darf sich über den schlechtesten Wert eines Bundespräsidenten im Rahmen dieser Erhebung freuen. Solidarisch mit VdB zeigte sich hinauch die ähnlich beliebte Vizebürgermeisterin Wiens. Maria Vassilakou, Teil des auserwählten Kreis der Verständigen, verspürte zwar keine Lust auf Kopftuch-Diskussionen, erkannte aber in Van der Bellens Meinune keinen verbalen Ausrutscher, sondern handfeste Ironie.

28 comments

  1. Mona Rieboldt

    Ah ja, wenn eine politische Äußerung dieses BP zu starker Kritik führt, dann wird es schnell zu einer Ironie umgedeutet. Ich bin gespannt auf die nächste bekloppte Äußerung dieses Mannes, wie dann umgedeutet wird.

  2. Herbert Manninger

    Alle Achtung, wie sich Herr Rauscher im doch schon fortgeschrittenen Alter noch verbiegen kann. Aber gut, jahrelange Gymnastik im Dienste der linksgrünen Sache mag solche Wendigkeit erklären.

  3. Thomas Holzer

    War dann eigentlich der ((mit Absicht?!)falsche) Vergleich mit den Juden in Dänemark auch ironisch gemeint?!
    Diese Frage wäre noch dringend zu klären; vor allem von anscheinend so profunden Kennern dieses Mannes wie dem Herrn Rauscher und der Frau Vassilakou 😉

  4. CE___

    Sehr guter Kommentar.

    Es zeigt wirklich diese penetrante, absolut penetrante, mittlerweile zum Himmel stinkende, Bigotterie des ganzen links/rot/grünen Gelichters und ihrer Journaille blendend auf.

    Ned’ das dieses Gelichter zu den gemachten Aussagen steht und “Verantwortung übernimmt” und beschämt schweigt, genauso wie von anderen unentwegt eingefordert und eingemahnt wird.

    Nein, bei sich selber war dann halt alles “Ironie”, haha, lustig, und im übrigen seid ihr anderen überhaupt zu blöd um unsere intellektuell überlegene Geistesblitze zu verstehen.

    Waah, bei solchen Leuten dreht sich mir der Magen um….

  5. Matthias Wolf

    Erstens gibt es Themen, bei denen sich „frivole Anspielungen“ und „witzige Hyperbeln“ von selbst verbieten. Wie zum Beispiel emotional aufgeladene Debatten, denn das Missverständnis ist vorprogrammiert. Ein Mann im Alter UHBPn sollte das wissen.

    Zweitens habe ich den Clip gesehen. Keine Spur von Ironie in Stimme oder Gesichtsausdruck. Im Gegenteil, Sprechpause und dann mit “Alle!” noch eins draufgesetzt.

    Herr Rauscher: nicht genügend, setzen.

  6. Reini

    Jetzt ist VdB auch bei den Muslimen unten durch, … man könnte es auch als Verarschung des Islam sehen wenn alle aus Solidarität ein Kopftuch tragen.
    Herr VdB sollte es als Solidarität vorzeigen! 😉 ein BP mit Kopftuch! …

  7. Selbstdenker

    Bei der fabrizierten “Brüderle-Affäre” und dem erzwungenen Rücktritt von Sir Timothy Hunt haben wir gesehen wie es um den “Humor” der Linken – insbesondere der Feministinnen – steht.

    Wer sich das Video vom VdB angesehen hat, dem wird aufgefallen sein, wie “ironisch” diese Aussage gemeint war. Diese versuchte Relativierung mit Unterstützung der üblichen Verdächtigen aus der Journaille ist nur mehr peinlich.

  8. KTMTreiber

    Vermutlich hatte sich Herr VdB morgens, vor dem Interview,- sein Kopftuch (… tragen Männer auch Kopftücher ?) zu eng gebunden. Selbiges (wenn nicht zu eng gebunden) schützt zwar gegen “sauren Regen”, das “Ozonloch”, das “Waldsterben”, Vergewaltigung, Aids und Umweltverschmutzung allgemein, – doch leider nicht gegen dümmliche Aussagen …

  9. bill47

    Ich möchte nur wissen, ob der Hinweis, die inkrimnierten Aussgagen seien doch Ironie gewesen, auch vor dem Richter hält, wenn jemand nach den neuen Regeln über “Verhetzung” angeklagt wird.

  10. KTMTreiber

    @bill47

    Bei allem Respekt, – diese Frage können Sie sich wohl selbst beantworten. Dafür haben ein “Herr” H. Maas in Deutschland und ein “Herr” W. Brandstetter” in Österreich, wohlweislich vorgesorgt.

  11. Dr.Fischer

    zubill47 – wo kein Kläger, da kein Richter. Und es wird weder der eine noch der andere auftreten. Die vom Förderer der Linken im Project Syndicate konzertierten Medien werden darüber hinwegrauschen. Und Aus die Maus.

  12. ethelred

    Herrlich, diese Ironie von VdB. Fast wie die, vom Vorschlag auf Schnitzelverbot der GrünInnen. Und erst die Ironie auf die Ironie VdBs, von Herrn Rauscher. Nicht ganz einfach dahinter zu steigen, aber ich lach mich kugelig. 😉

  13. KTMTreiber

    Der Herr BP VdB möge kraft seines Amtes dafür eintreten, dass der “Genuss” von bewußtseinserweiternden Drogen, wie zB. Cannabis in Österreich (natürlich im gesetzlichen Rahmen / ab Wahlalter) legalisiert wird. Er würde uns “Wählern” neue Horizonte eröffnen (wir wären dann in der Lage, zB. Ironie von ernst gemeinten Aussagen zu differenzieren) und würden dem nordafrikanischem Drogenkartell die Grundlage, bzw. den Boden unter den sprichwörtlichen “Füßen” entziehen – Zwei Fliegen mit einer Klappe ! 😉

    … ich schreibe ihm mal einen Brief ….

  14. cmh

    Der dopplebödige Professor (war er eigentlich immer noch Kommunist?) hat in diesem Augenblick die Ironieironie erfunden und wird dafür sicher irgendeinen linxen Preis bekommen.

    Aber das Phänomen ist ja eigentlich schon bei den Roten der 1. Republik zutage getreten: All ihr Klasenkampfgeschrei war ja eigentlich nur Ironie und gemeint haben sie ja eigentlich die Demokratie westlich-moderner Prägung. Nur der Bernaschek hat das mit der Ironie nicht so richtig verstanden und dabei die VdBsche Ironieironie angewendet. Seitdem ist er ein Held. Wird der VdB ja sicher auch, wenn nicht wie alle besseren Rotfunktionäre einen gut bezahlten Posten im Exil annehmen muss.

  15. Mona Rieboldt

    KTM Treiber
    Wenn das Kopftuch gegen so vieles hilft, wie Sie schreiben, binde ich mir sofort diese Kopfwindel um, nicht zu fest natürlich 😉

  16. KTMTreiber

    @Mona Rieboldt

    Sehr geehrte Frau Rieboldt, – bitte tun Sie das nicht ! – Hilft nur bei Idioten(INNEN) die an diesen Schwachsinn glauben. Bleiben Sie grad so wie Sie sind ! 😉

  17. Rennziege

    Warum legt sich der Herr Bundepräsident nicht einen Burnus zu? Der würde ihm prächtig stehen und die Muslime (männlich und weiblich) augenblicklich zurück in seinen Fanclub bringen:
    https://www.google.de/search?q=Burnus+Foto&tbm=isch&imgil=LKYqKTlRjHSyqM%253A%253BWxXHDqT2ZTxc0M%253Bhttp%25253A%25252F%25252Fkarl-may-wiki.de%25252Findex.php%25252FBurnus&source=iu&pf=m&fir=LKYqKTlRjHSyqM%253A%252CWxXHDqT2ZTxc0M%252C_&usg=__3BqKfQ-qXshmQJItz93KabN0UHo%3D&biw=1189&bih=887&ved=0ahUKEwiqxq_SktHTAhWEXCwKHQvCDBUQyjcIQw&ei=1nIIWaqDKIS5sQGLhLOoAQ#imgrc=AWDfqAcrRfCdEM:

    Schon Kara Ben Nemsi (vulgo Karl May) begeisterte so die Anhänger des Propheten.

  18. Thomas Holzer

    @Rennziege
    Aber Kara Ben Nemsi (so ich mich recht erinnere) trug doch auch immer eine ziemlich beeindruckende Flinte mich sich herum, welche durchaus auch für Begeisterung sorgte, so er sie denn -gezwungener Maßen- einsetzten musste 😉

  19. Rado

    Wen juckts. Die Wahl ist vorbei. VdBs Wahlhelfer haben sich längst anderen Interessen zugewandt. Kaum einer hat sich öffentlich zu oder gegen Sascha den Herzeigbaren erklärt.

  20. Rennziege

    2. Mai 2017 – 14:13 — Thomas Holzer
    Wie recht Sie wieder einmal haben! Doch auch Muslime lieben beeindruckende Flinten, wie wir — nicht nur dank der IS-Bekehrer — täglich erfahren dürfen. Allerdings vergaß ich: Die sind not amused darüber, dass Karl May in seinen beiden Alter Egos den Hadschi Halef Ben Omar und den Winnetou zum Christentum bekehrte. (Mein alter Herr hat in seiner Jugend 75 Bände Karl Mays gesammelt, in denen ich als Kind eifrig schmökerte, dann nie wieder.)
    Fazit: Meine Postings sind entbehrlich, weil kindisch. 🙂

  21. Rado

    Die Romanfiguren von Karl May hatten BÜCHSEN und keine Flinten. Oh Schmerz! 🙁

  22. mariuslupus

    Der Wähler hat es so bestimmt. Nach dem Motto, blamiere mich wer kann, auch wenn es ein Genosse in der Rotburg ist. Und wie er dass Ansehen Austrias in der Welt vermehret. Austria als Witzfigurin.

  23. Johannes

    VdB hat ein weites Feld eröffnet, es gibt praktisch keine Möglichkeit mehr die FPÖ zu packen, wegen irgendeines flapsigen Sagers, denn flugs wird die Rechtfertigung das es nur ironisch gemeint war jede Grün-Kritik entkräften.
    Glawischnig wird nicht mehr tief betroffen, entsetzt, irgendetwas als unerträglich beschreiben können ohne das jeder an VdB denkt, denn es ist ja alles nicht so gemeint gewesen von ihren Kontrahenten, vielleicht ein bisschen zugespitzt was soll`s war ja nur ironisch sarkastisch gemeint wozu die Aufregung Vorbild dabei war ja nur unser sehr geehrter HBP.

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