Deutschlands seltsames Konzept von Privatsphäre

Von | 6. Juli 2013

“…Warum fürchten wir Deutschen uns so davor, dass jemand anderes weiß, wer mit wem telefoniert hat? Vermutlich liegen die Gründe in unserer Vergangenheit. Deshalb muss nun alles anders werden: Die ersten träumen nach der Atomwende bereits von der Datenwende…” (Jan Fleischhauer, “SpOn”)

11 Gedanken zu „Deutschlands seltsames Konzept von Privatsphäre

  1. FDominicus

    Tja warum nur?
    Kleiner Tip:
    1)1000 jährige Reich
    2)DDR

    Wenn das der Herr Fleischhauer nicht weiß, dann ist der Spiegel noch unterirdischer als ich mir das vorstellen konnte.

  2. gms

    @FDominicus

    Kleiner Tip? – Fleischhauer beantwortet seine rhetorische Frage selbst, indem er schreibt: “Ein Land, das zwei Diktaturen durchgemacht hat, ist aus gutem Grund sensibler, was die Gefahren totaler Kontrolle angeht.”

    Daß er danach mit einem polemischen Seitenhieb dieses Big-Brother-Subthema abschließt, mag man ebenso wohlwollend wie irritiert zur Kenntnis nehmen: “Wir wissen ja, wie das geht: Wenn die demokratische Maske fällt und in uns allen wieder Hans und Sophie Scholl erwachen, ist es besser, die dunklen Mächte haben von uns kein Bewegungsprofil.”

    Ob damit wirklich alles gesagt ist, sei dahingestellt.

  3. Mona Rieboldt

    Es gibt bald die Vorratsdatenspeicherung von Telefon und Internet in Deutschland, und zwar von allen Bürgern. Schon jetzt ist die Telefonüberwachung weit ausgebaut. Jedes Konto können die Ämter einsehen, es gibt kein Bankgeheimnis mehr. Über Personalausweis und Pass haben sie uns ohnehin unter Kontrolle.
    Es ist mir nicht bekannt, dass es dagegen massiven Widerstand gibt.

    Und wer bei Facebook und Twitter soviel von sich preisgibt, kann nicht wirklich an Privatsphäre interessiert sein.

    Wie hieß es so schön: Lidl spioniert seine Angestellten aus. Ja, wenn denn sonst, sagte Lidl, die Kunden geben uns doch freiwillig ihre Daten.

  4. Der Grenzwolf

    Im Grund ein psychologisches “Problem”. Und ganz besonders eines aus Gründen der Un-Bildung ….

  5. Wolf

    Wozu gibt es denn Datenschutzgesetze? Damit jeder Bürger nur das über sich preisgeben kann, was er/sie auch will. Warum bzw. was er befürchtet, wenn der Staat sich auch andere Daten holt, ist seine Sache und geht niemanden etwas an. Persönliche Daten sind auch persönliches (Pivat-)Eigentum und unterliegen ausschließlich dem Willen des Eigentümers. Facebook, Twitter? Bitte, ist ja freiwillig. Ich z.B. bin dort aus gutem Grund nicht dabei. Ich heiße auch nicht tatsächlich “Wolf” (obwohl es ja hier wenig Grund zum Fürchten gibt).

  6. Rennziege

    @Wolf

    Jan Fleischhauer liegt wieder einmal total richtig. Geheimdienste spionieren, solange es Menschen gibt. Aber bleiben Sie ganz entspannt, Wolf: Solange Sie politisch korrekt argumentieren, brav tschendern, 27 geschlechtliche Orientierungen anerkennen und Heteros für Perverslinge halten, rote und grüne Faschisten lieben, kein unangemeldetes Patent in der Mache haben, weder Mafia-Gelder waschen noch Sprenggürtel basteln — so lange wird Ihnen kein Haar oder Byte gekrümmt. 🙂

  7. FDominicus

    @gms
    Dann wär es eine gut Sache auch mehr zu zitieren. Ich vermeide beim SPON vorbeizusurfen, es hat sich bisher fast immer bewahrheitet, mehr PC wäre zu auffällig….

  8. Regninnam

    @Rennziege
    Sie wollen es noch immer nicht einsehen: Geheimdienste spionieren, Fact, gut, …. aaaber: wenn sie dabei den Boden der Rechtsstaatlichkeit verlassen und kriminell agieren, dann muss das den Weg in die Öffentlichkeit finden dürfen und Konsequenzen haben, … und wenn man mithilfe der Dienste tausende Menschenleben retten könnten, was ich jedoch sehr bezweifle, wenn ich die zahlreichen Versageraktionen der Amis anschaue. Die NSA erstickt in der Verwaltung ihrer eigenen Daten und hat keinen Begriff von den informellen Netzen des Terrors.

  9. Wolf

    @Rennziege
    Und nicht einmal da ist man sicher: sollte man vielleicht bei einer möglichen Einreise in die USA (die ich allerdings nicht plane) einen für die dortigen Grenzanalphabeten mit einem “Terroristen” ähnlich klingenden Namen haben, ist man sofort verhaftet und – wenn man Glück hat – abgeschoben; wenn man Pech hat, landet man aber möglicherweise gleich in Guantanamo.

  10. gms

    Wolf :
    .. mit einem “Terroristen” ähnlich klingenden Namen

    Neben der potentiellen Verwendung der gesammelten Datenhalden durch unredliche Player innerhalb des Systems für andere Zweckes als jene der Kriminaliätsbekämpfung (Stw. Erpressung, Diskredierung), thematisieren Sie zutreffend einen weiteren entscheidenden Aspekt der anlaßlosen Schnüffelei:

    Je mehr Sachverhalte dokumentiert sind, desto größer wird zwangsweise die Wahrscheinlichkeit, aktenkundlich tatsächlich über ein paar Ecken mit Verbrechern im selben Bett zu liegen. Neben aufgelegten Fehlalarms werden Menschen zusehends sich dafür rechtfertigen müssen, mittelbar über A und B mit einem gewissen C in Verbindung zu stehen, wobei C wiederum begründet einer Straftat verdächtig sein mag.

    Die wenigsten Unschuldigen werden in Guantanamo landen, aber allein der Umstand, sich ggfs. rechtfertigen zu müssen und Indizien für die eigene Unschuld liefern zu müssen, selbst nicht Teil eines kriminellen Netzwerkes zu sein, wird unbescholtenen Bürgern hinkünftig ausreichend oft den Tag verhageln.

    Erst wenn jene Ich-habe-ja-nichts-zu-verbergen-Sager selbst mal am System anstreiften und auf einer No-Fly-Liste landen oder zur Erteilung von Auskünften an bestimmte Orte zitiert werden, wird bei diesen ein Umdenken einsetzen. Alles was dokumentiert ist, /kann/ gegen redliche Bürger verwendet werden. Warum? — Ein System, das Verdachtsmomenten nicht nachgehen würde, führte sich selbst ad absurdum.

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