Die Antiliberalen

Von | 20. November 2020

(JOSEF STARGL) Die Ideologien und die Strategien der Gegner einer „liberalen, rechtsstaatlichen Demokratie und Marktwirtschaft“ mögen verschieden sein, aber es eint sie das Ziel einer Zerstörung, einer Überwindung und eines Umbaues der bürgerlichen Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung.

Die Antiliberalen hassen die Errungenschaften der euro-atlantischen Zivilisation. Ihr Feindbild sind jene Andersdenkenden, die sich für die individuelle Freiheit unter dem Recht, für das Privateigentum, für die Eigenverantwortung, für den Wettbewerb und für eine Unternehmerwirtschaft engagieren.
Die Zivilisationsrevolutionäre polarisieren.

Sie betrachten sich selbst als die Guten und alle „Bürgerlichen“ als die Bösen. Ihre Unfehlbarkeitsanmassung ist mit einem Verzicht auf (Selbst-)Kritik, auf sachliche Argumente, auf eine „Debatte von Suchenden“ und auf Lernprozesse verbunden.

Die Tugendwächter ersehnen den neuen Menschen für eine neue Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung. Etatistische und kollektivistische Bewusstseinsbildung und Umerziehung stehen im Mittelpunkt ihrer missionarischen Tätigkeit in den Bildungs- und Kulturinstitutionen sowie in den Medien.

Die Moralisierer beabsichtigen, den „konformen Kollektivmenschen“ zu schaffen.
Freiwillige Unterwerfung und Selbstzensur sind erwünscht.

Desinformation, ein Verzicht auf abweichende Meinungen, eine verzerrte Darstellung von sachlichen Argumenten, eine Kontrolle der (ver)öffentlich(t)en Äußerung von Gedanken und eine Ausblendung der Wirklichkeit dienen der „totalitären Versuchung“. Verschweigungsspiralen sowie Verschleierungs- und Verniedlichungskaskaden kennzeichnen den „pädagogischen Tugendwächter-Journalismus“.

Die Gefährder der Meinungsfreiheit agieren als Sprachpolizisten und als „Umerziehungsexperten“. Sie fordern und fördern Denk- und Sprachverbote sowie ein Verbot bestimmter Inhalte von Aussagen.
Der „neojakobinische Moralbonzen-Journalismus“ erinnert an Wahrheits- und Tugendministerien. Er dient mit seinen „Tribunalen“ und mit seiner Medienjustiz der Zivilisationsrevolution. Den Bürgern soll vorgeschrieben werden, welche Ideen sie lesen, hören, artikulieren und schreiben/verbreiten dürfen.
Die machtbewussten und arroganten Antiliberalen ignorieren, dass nicht Anmassung von Wissen, Gleichschaltung/Gleichmacherei und Bevormundung, sondern „Freiheit, Vielfalt und Wettbewerb unter dem Recht“ die Quellen von Lernprozessen, des Erkenntnisfortschrittes und der Umsetzung von Neuerungen sind.

Es sind nicht die „guten“ Absichten der Konstruktivisten, die der „gemeinsamen Sache“ dienen. Selbstinteresse, Eigenverantwortung, Risikobereitschaft, Eigenleistungen, Innovationen und Produktivität fördern den „Wohlstand für alle“.

Der Wettbewerb ist ein Entmachtungsinstrument und ein Entdeckungsverfahren.
Die Antiliberalen fürchten sich vor der Freiheit Andersdenkender und vor dem Wettbewerb.

4 Gedanken zu „Die Antiliberalen

  1. Kluftinger

    Wenn wir nicht achtsam sind, verspielt Europa die Errungenschaften der Aufklärung.
    Wir lassen es zu, dass, wie der Autor schreibt, die Sprachregelung durchgesetzt wird. (der ORF entblödet sich ja nicht immer von Bürger und Bürgerinnen zu sprechen, als ob die grammatikalische Mehrzahl das nicht ohnehin beinhaltete! – und unsere Regierungsmitglieder folgen dem Beispiel).
    Aber wie sagte schon mein Freund aus der 68er Bewegung: “Zuerst besetzen wir die Begriffe, dann die Institutionen”.
    (Erhard Eppler hat in seinem Buch: “Kavalleriepferde beim Hornsignal – Die Krise der Politik im Spiegel der Sprache ”
    bereits auf diese Entwicklung hingewiesen. Aber niemand wollte ihn hören/lesen)

  2. wbeier

    Antiliberal? Dazu gehört erst einmal eine Standortbestimmung des Liberalismus (oder doch besser Liberalität). Sonst bleibt es wohl wirklich nur ein abgelutschtester Wieselbegriff.
    Liberal wie Libertär oder im Sinne der 1848er? Oder wie die FDP und gar die US-Demokraten? Oder gar linksliberal wie urbane Bildungsschichten und jene die dazugehören wollen? Was nun?

  3. Franz Meier

    Einverstanden: Der Begriff “liberal” wäre genauer zu definieren, denn jeder versteht darunter etwas anderes, stellt sich etwas anderes darunter vor, hat andere Erwartungen und Hoffnungen an den Liberalismus. Mich bewegt die Tatsache, dass wir 75 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges immer noch oder jetzt wieder vermehrt über den Liberalismus sprechen und nachdenken. Dass anscheinend gewisse Leute mit der unglaublichen Freiheit des Einzelnen, mit der Möglichkeit alles zu denken und alles zu sagen was wir wollen, mit dem Wohlstand, mit dem Frieden den wir im Westen durch den Schutzschirm der Amerikaner und der NATO hatten, nicht mehr klarkommen. Die Freiheit des Einzelnen und die Freiheit der Gedanken machen ihnen anscheinend Angst. Für ihre Denkverbote schieben sie den Humanismus, den Anti-Rassismus, die Menschenrechte und die Menschenwürde vor. Wie absurd. Sie überziehen unsere Gesellschaft mit ständigen Vorwürfen, dabei ist keine Gesellschaft je so tolerant und liberal gewesen wie die im Westen heute. Was wurde alles gefordert: Die totale Toleranz jedem gegenüber, die Freiheit alles denken und sagen zu dürfen, Gott lästern zu dürfen, die staatlich geförderte Abtreibung, die Ehe und alle bürgerlichen Werte zu hinterfragen und in den Dreck ziehen zu dürfen, 40 Stunden Woche, nein 35 Stunden Woche in Frankreich, Mutterschaftsurlaub, Karenzgeld, Kündigungsschutz, sechs Wochen Ferien, die Ehe für alle, LGBT, Vaterschaftsurlaub, gratis Studium und Bildung für alle, Abschaffung des Militärs, bedingungsloses Grundeinkommen, offene Grenzen, Liberalisierung aller Dogen, Umweltschutz, Kläranlagen, Mülltrennung, Doppelverglasung und Häuserisolation, Infrastruktur-Öffi, individuelle Mobilität. Und jetzt kommen neue Sittenwächter der “political corectness”, sprechen jede Menge Denkverbote und Meinungsäusserungsverbote aus, wollen die Geschichte des Westens umschreiben, umdeuten? Was ist passiert? Zeichen von spätrömischer Dekadenz? Selbstkastrierung? Kommt dann der Ruf nach dem starken Herrscher? Deutschland hat sie schon, die starke Herrscherin, die sich sehr clever und schlau über viele Gesetze und das Parlament hinwegsetzt, ihre gefährliche, kriminelle Zukunftsvision schon umsetzt. Diktatur und Meinungsdiktatur gibt es heute schon in Deutschland. Fanatisierte, spiessige Studenten, die Professoren niederschreien und nicht reden lassen. Nehmen psychische Probleme überhand? Journalisten die uns täglich anlügen und Tatsachen, Sachverhalte und Ereignisse verdrehen, entstellen, anders darstellen. Ich empfinde und erlebe den heutigen Main Stream Journalismus als moderne Form des Völkischen Beobachters und der Deutschen Wochenschau. Merken die das nicht was sie für einen Blödsinn reden? Was geht in den Köpfen dieser Leute ab? Wie konnte es so weit kommen? Sind diese Irren vielleicht doch zentral gesteuert von einer neuen Macht, die wir noch nicht kennen? Vielleicht sind sie gar nicht so links wie wir denken – vielleicht sind das sogar die neuen Faschisten?

  4. Falke

    “Anmassung”? (“Unfehlbarkeitsanmassung”, “Anmassung von Wissen”) Vielleicht meint der Autor, das hätte etwas mit “Masse” zu tun. Oder doch nicht? Dann hieße es nämlich “Anmaßung”.

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