Die Apple-Händler in der Volksrepublik Österreich

Der österreichische Apple-Händler McWorld/McShark ist pleite. Betroffen sind 148 Arbeitnehmer und 133 Gläubiger. Laut Creditreform stehen den Aktiva des Unternehmens von rund 726.000 Euro an freiem Vermögen Passiva von rund 11,8 Millionen Euro gegenüber. Von der Pleite tangiert ist auch der Steuerzahler: Der staatliche “AWS Mittelstandsfonds” ist mit 30 Prozent an dem Unternehmen beteiligt. – Das überrascht nicht, gehört doch der Handel mit Apple-Computern bekanntlich zu einer der zentralen Aufgaben jedes Staates, so wie Landesverteidigung oder die Durchsetzung von Recht und Gesetz. Zumindestens in der Volksrepublik Österreich.

7 comments

  1. Gerhard Huemer

    Man kann natürlich darüber lästern, dass eine staatliche Fördergesellschaft (AWS) sich mit Eigen- oder Venture Kapital an einer Handelsfirma beteiligt. Tatsache ist aber, dass derzeit in ganz Europa mehr als 50% aller Investitionen in Venture Kapitalfonds von der öffentlichen Hand kommen und trotzdem das Gesamtvolumen nur einen Bruchteil jenes der USA erreicht. Lohnender wäre es daher, darüber nachzudenken, warum es in Europa sowenig Investoren in Risikokapital gibt.

  2. Thomas Holzer

    @Gerhard Huemer
    “Lohnender wäre es daher, darüber nachzudenken, warum es in Europa sowenig Investoren in Risikokapital gibt.”

    Könnte dieser Umstand vielleicht damit zusammenhängen, daß die durchschnittliche steuerliche Belastung in Europa wesentlich höher als in den USA ist?

    Vielleicht hätte sich ja McWorld ohne staatlicher Haftungen/Subventionen, von der Übernahme des wesentlich größeren Unternehmens McShark Abstand genommen.
    Wie heißt es so “schön”: Staatliche Eingriffe in die Wirtschaft führen unweigerlich zu finanziellen Fehlallokationen 😉

  3. Reinhard

    Keine Sorge, unsere Tatsachenverdreher werden sogar daraus noch die Notwendigkeit ableiten, den bösen neoliberalen Raubtierkapitalismus an die staatliche Kandare zu nehmen. Immerhin, wäre es ein 100%-Staatsbetrieb, wäre er nie in Konkurs gegangen. Koste es den Steuerzahler, was es den Politiker wolle…

  4. Thomas Holzer

    Bis dato konnte ich nirgendwo lesen, wie hoch eigentlich die Haftungen/Subventionen durch den AWS für dieses halbstaatliche 😉 Unternehmen sind

  5. gms

    Thomas Holzer,

    Die Beteiligungen hat die “aws-mittelstandsfonds Beteiligungs GmbH & Co KG” inne. Deren Homepage [1] beinhaltet unter [2] eine Liste aktueller Beteiligungen.

    Da findet man neben simplen Kistenschiebern wie McSharp und McWorld u.a. so innovatives Urgestein wie das seit Generationen bestehende “IndustrieMagazin” der Industriellenvereinigung oder etwa einen Franchise-Nehmer (!?) für den Handel mit Jeans.

    Auch hält die AWS eine Beteiligung am elektronisch feingetunten Gurkenhobel mit televisionärem Aufsteckvibrator namens “MediaShop Holding GmbH”, deren operatives Gravitationszentrum ausgerechnet in Liechtenstein residiert (MediaShop AG, Schliessa 3 LI-9495 Triesen) und von unzufriedenen Kunden im Internet regelrecht geschlachtet wird. Auf eigene Gefahr: mediashop.tv

    Besonders bemerkenswert am Konstrukt MediaShop Holding GmbH (*) ist die Tatsache, daß die AWS zu ihrem Einstieg 2012 ins seit 1999 bestehende Unternehmen ausgerechnet den 49%-Anteil der privaten Invest-AG übernahm.

    *) speziell für unseren Kommissar Pjotr: Mittelstand als Holding aka Konzern — brrrrr.

    [1] mittelstands-fonds.at
    [2] mittelstands-fonds.at/Download.aspx?&143=4877&145=162

  6. Rennziege

    14. Juni 2014 – 17:29 gms
    Hochinteressant! Sie beweisen, was zu beweisen war (vornehm: q.e.d.): Staatliches Dilettieren in der Wirtschaft ist für’n Hugo. Nur Insolvenzverwalter profitieren von diesen vergeudeten Steuergeldern.

  7. gms

    P.S. — Verzeihung, Herr Holzer, Ihre explizite Frage nach Haftungen und Subventionen beantwortet mein obiges Posting nicht. Nachdem der AWS auch atypische stille Beteiligungen hält, kann davon ausgegangen werden, diese Daten seien nicht an einer einzigen Stelle öffentlich einsehbar. Manches kann man sich stückweise zusammentragen, ie. [1][2]
    Das Fondsvolumen liegt bei 80 Mio. Euro und sollte also zumindest theoretisch angesichts sonstiger Malversationen in Österreich vernachlässigbar sein.

    [1] moneyhouse.at/en/c/mittelstandsfonds
    [2] landtag.steiermark.at/cms/beitrag/11400051/58064506/
    “Die stille Beteiligung der StBFG erfolgt in konsortialer Vorgangsweise zusammen mit der aws-Mittelstandsfonds Beteiligungs GmbH & Co KG (MF-KG).”

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