Die Babyboomer und ihre Hinterlassenschaft

Von | 15. Dezember 2020

(ANDREAS TÖGEL) Noch nie seit 100 Jahren hatte eine junge Generation im Westen so wenig Chancen, wohlhabend zu werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine hochinteressante Studie zur Vermögensverteilung aus den USA: https://www.visualcapitalist.com/charting-the-growing-generational-wealth-gap/ Diese für die USA ermittelten Ergebnisse gelten im Großen und Ganzen auch für Europa.

Mit den Babyboomern hat die westliche Welt den „Peak Wohlstand“ überschritten. Keine Generation davor hatte bessere Voraussetzungen, reich zu werden. Die Nachkommen der jetzt sukzessive aus ihren Berufslebenden scheidenden Boomer können zwar mit beachtlichen Erbschaften und Unterstützungen durch ihre Eltern rechnen, aus eigener Kraft aber kaum mehr Vermögen aufbauen. Dafür gibt es eine Reihe nicht schwer zu identifizierender Gründe:

  • Die nach dem Krieg – im „Wirtschaftswunder“ – erreichten Wachstumsraten gehören längst der Vergangenheit an. Das BIP-Wachstum liegt inflationsbereinigt seit vielen Jahren nicht mehr wesentlich über null Prozent in Europa und um die zwei Prozent in den USA. Während die Steuerlast kontinuierlich zunimmt, stagnieren die Masseneinkommen. Die frei verfügbaren Einkommen schrumpfen.
  • Eine Staatsquote in der Nähe von 50% oder gar darüber führt – Hand in Hand mit einer Überregulierung und Entmutigung unternehmerischen Handelns – zur Versteinerung der Volkswirtschaft. Den Betrieben fehlen qualifizierte Mitarbeiter. Produktive Arbeitsplätze wandern daher (nach Asien) ab, während die steuerfinanzierten Aktivitäten von Verwaltung, Kontrolle, Überwachung und Pflege zunehmen. Ergebnis: Weniger Nettozahler, mehr Transferempfänger – noch höhere Staatsquote. Eine Todesspirale.
  • Die seit Jahrzehnten betriebene inflationistische Geldpolitik bedingt eine Explosion der Immobilienpreise – mit dem Ergebnis, dass junge Leute kaum noch Wohnungseigentum bilden können.
  • Wohlstand kommt von der Waren- und Dienstleistungsproduktion und nicht vom Sozialministerium. Die Volkswirtschaften Europas haben allerdings den Sprung ins 21. Jahrhundert Großteils verpasst und leben immer noch von den im 19. Jahrhundert aufgebauten Industrien (Auto, Maschinenbau, Öl, Chemie, etc.). Diese werden im Furor des Klimawahns und dank einer autodestruktiven Energiewende soeben liquidiert oder nach Übersee vertrieben. Die an ihre Stelle tretenden Dienstleistungsbranchen sorgen indes für eine deutlich niedrigere Wertschöpfung. Was vielfach übersehen wird: Fahrrad- und Genderbeauftragte oder Umverteilungsbürokraten leisten keinen Beitrag zur Wertschöpfung. Kinder im Hort zu beaufsichtigen, massenhaft eingewanderte Analphabeten zu versorgen oder Alte zu pflegen, schafft keinen Wohlstand.
  • Die Qualität der Schul- und Universitätsausbildungen nimmt, dank einer seit Jahrzehnten betrieben, konsequenten Nivellierung dramatisch ab und zwar in allen Fächern (man unterhalte sich mit x-beliebigen Ausbildnern – vom Lehrherrn im Handwerk bis zum Universitätsprofessor). 10 Prozent von 100 im Kopf auszurechnen, gelingt heute nur noch wenigen Azubis. Der Vergleich mit den in Fernost erreichten Lernergebnissen macht sicher: Gegen chinesische, koreanische oder japanische Schüler hat der europäische Nachwuchs keine Chance.
  • Schulabsolventen drängt es nicht dazu zu arbeiten, zu produzieren oder zu verkaufen. Insbesondere die Absolventen akademischer Ausbildungen legen keinen Wert darauf, sich dem auf dem Markt herrschenden Wettbewerb zu stellen. Auch zieht es sie mehrheitlich nicht länger zu den für die Wirtschaft so wichtigen MINT-Fächern. Sie studieren lieber Genderwissenschaften, Soziologie oder Kunstgeschichte, wollen dann möglichst schnell beim Staat anheuern und sich in Wolkenkuckucksheim selbst verwirklichen.
  • Zudem werden viele Millenials von Helikoptereltern gesteuert, sind infolge der Negativauslese für die Lehrämter (gleichbedeutend mit deren weitgehenden Feminisierung) und die staatliche Zwangsbeschulung verweichlicht, unfähig, Konsumwünsche aufzuschieben und in der Realität des Lebens im irdischen, durch naturgegebenen Mangel gekennzeichneten Jammertal nie angekommen. Ostasiaten ticken da ganz anders. Und die werden den Westlern – besser gesagt, den Kindern und Enkeln der Babyboomer – zeigen, wo der Hammer hängt.

Wie schon erwähnt, werden die Millenials zwar beachtliche Vermögen erben, die von den Babyboomern und deren Eltern aufgebaut wurden, und viele von ihnen werden sich bis dahin einer großzügigen Unterstützung durch ihre Eltern erfreuen. Allerdings führt die negative Entwicklung der europäischen Volkswirtschaften gleichzeitig zur massiven Unzufriedenheit der Jungen mit ihrer eigenen Unfähigkeit, selbst etwas aufzubauen.

Die Folgen dieser Frustration haben sich in diesem Sommer bereits in vielen US-Städten und öfter auch schon in europäischen Städten wie Hamburg gezeigt: Gewalttätiger Pöbel randaliert, zerstört und plündert unter fadenscheinigen Vorwänden, wird dabei von einem antibürgerlichen, kulturmarxistisch inspirierten Polit-Establishment gedeckt und schad- und klaglos gehalten. Zudem tut die Covid-Krise das ihre dazu, auf dem Weg zur Knechtschaft hurtig voranzuschreiten.

Wenn in den vor uns liegenden Jahren kein Wunder geschieht – und Wunder treten bekanntlich selten ein – hat die über viele Jahrhunderte die Welt anführende Zivilisation ihre Zukunft hinter sich.

 

 

 

 

 

 

 

 

7 Gedanken zu „Die Babyboomer und ihre Hinterlassenschaft

  1. Wolfgang Niedereder

    Sehr geehrter Herr Ortner!
    Danke für den kritischen Artikel, dem man nur zustimmen kann. Eine verzweifelte Frage schließt sich allerdings an, wo bleiben die Gegenstimmen zu dieser Entwicklung? Niemand kann sagen, dass diese überfallsartig hereingebrochen wäre. Wo sind unsere Universitätslehrer, Wirtschaftskapitäne, Schrifsteller ? an Journalisten appelliert ohnehin schon niemand mehr. Selbstmitleid wäre noch die Krönung bei dieser traurigen Entwicklung.

  2. seerose

    @ wolfgang niedereder:
    Ja, wo bleiben die Gegenstimmen? Es gibt sie sicher: aber jeder der die Stimme dagegen erhebt, wird sofort niedergemacht, sei es beruflich oder menschlich. Ich bin zum ersten mal in meinem Leben dankbar für die frühe Geburt, dankbar darüber, dass meine Kinder keine Kinder haben.

  3. Sokrates 9

    Es gibt noch einen wesentlichen destruktiven Faktor:Die EU ist die groesste Kathastrophe die passieren konnte.Beginnend als Merkel erklärte Priorität sei nicht eine Wirtschafts sondern eine politische Institution!Seither wird nur gelogen und betrogen, keine Gesetze werden eingehalten,Bürokraten Regeln in kommunistischen Manier von der Glühlampe bis zum energiesparenden Staubsauger alles,Wirtschsftssanktionen als politisches Motiv,der einzelne Bürger tangiert diese Mafia in keiner Weise mehr.

  4. Falke

    ” … werden die Millenials zwar beachtliche Vermögen erben …” – Man kennt Herrn Tögel ja als durchaus realistisch denkenden Menschen. Hier muss man sich aber doch sehr wundern, woher er diesen Optimismus nimmt. Er müsste doch wissen, wie der Staat reagiert: Wenn er Geld braucht – und das braucht er zweifellos durch die Corona-Kosten in den nächsten Jahren mehr denn je – wird er sich keineswegs scheuen, massive Vermögens- und Ebschaftssteuern einzuführen, wodurch diese “beachtlichen Vermögen” letzlich zu einem besseren Taschengeld schrumpfen werden.

  5. Franz Meier

    Die Bürger Europas haben unfähige, undemokratisch-gesinnte, gefährliche Politiker mit gefährlichen, utopischen Visionen zu lange die Stange gehalten. Sie haben dieselben Politiker wieder und wieder gewählt. Gefährlich wurde es als die Deutschen unter Frau Merkel beschlossen, wieder Grossmacht zu werden und aus der wirtschaftlichen Union eine politische Union zu formen. Das haben sie psychologisch sehr schlau gemacht, kaum jemand hat es gemerkt: Die Griechenlandrettung, die Eurorettung, die Migration, die Klimahysterie und die diversen Rassismusdebatten dienen alle nur einem Ziel. Obendrauf die Hysterie um den US Präsidenten Trump als böses, gemeinsames Feindbild. Die Europäer, vor allem aber die Deutschen, sind darauf voll herein gefallen. Die Main Stream Presse war ein williger Erfüllungsgehilfe. Jetzt kann die FDJ Kommunistin zusammen mit ihren Kumpels in Paris und Brüssel frei schalten und walten. Die Engländer, die einzigen die dieses Theater nicht mitmachen wollten, sind draussen. Jetzt können die bösen Mächte in Berlin, Paris und Brüssel unseren Wohlstand in Europa ungestört vernichten, indem sie ihre demokratie-feindlichen, radikalen, utopischen Visionen umsetzen und unser Vermögen damit zerstören. So wie das die Linken immer gemacht haben, so wie sie es immer machen werden. Übrig bleiben wird nur das Vermögen der Oligarchen. Die sind geschützt.

  6. sokrates9

    Die Bürger Europas verstehen gar nicht wie sehr sie in einem undemokratischen System mit kommunistischen Zügen eingefangen wurden.Mit perfektem Medienkampagnien “Die Mutti weiß was wir brauchen”wurde die Basis gelegt, das Wesen einer Demokratie, die Spielregeln und Grundprinzipien werden nicht mehr unterreichtet was auch bei einer linksdominierten Lehrerschadft nicht gehen ksann. So wächst eine Generation von Playgamespielern heran die die Strukturen gar nicht mehr durchschauen und sich auch nicht wundern warum zB ein sozialistisches Venezuela mit den 4.höchsten Ölreserven der Welt eine Bevölkerung mit niedrigsten Lebensstandard hat.

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