Die brutale Sparbuchsteuer ist längst da

Von | 30. Oktober 2021

(Christian Ortner/ “PRESSE”) Nehmen wir an, Finanzminister Gernot Blümel würde verkünden, die Regierung wird eine einmalige Vermögensabgabe von zehn Prozent auf alle Sparguthaben, Bargeldbestände oder Bankkonten einführen, um die Staatsfinanzen im Zuge der Corona- und Klimakrise wieder halbwegs ins Lot zu bringen. Man braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, was dann los wäre; erst würden die wütenden Massen den Ballhausplatz stürmen, und nächstes Jahr wäre Herbert Kickl als Rächer der Enteigneten wohl Bundeskanzler.

Falls Sie so etwas für undenkbar halten: In Wahrheit geschieht genau das, freilich ohne Aufstand der Beraubten. Wenn auch nur die jetzige Inflationsrate von über drei Prozent drei Jahre anhält, sind die Sparer ein Zehntel ihres Besitzes los, und zwar unwiederbringlich. Die zehn Prozent werden halt nicht auf einmal kassiert, sondern in drei Jahresraten. Das ist aus heutiger Sicht noch nicht das schlimmste mögliche Szenario. Denkbar ist, dass die Inflation an Tempo zulegen wird, ähnlich wie in den USA, wo bereits fünf Prozent Inflation gemessen werden.

Die Beteuerungen vieler Ökonomen, Politiker und Notenbanker, das Ganze sei nur ein vorübergehendes Phänomen, können wir getrost als das verbuchen, was es ist: Propaganda, um die Opfer der Enteignungskampagne einzulullen.

Von Tag zu Tag wird klarer sichtbar, wovor all jene schon lang gewarnt haben, die nicht an Voodoo-Ökonomie und die akademischen Leichtmatrosen der „Modernen Geldtheorie“ glauben: dass man nicht tonnenweise Geld drucken kann, ohne Inflation zu erzeugen. Versteht an sich jeder aufgeweckte Volksschüler, hält sich aber so hartnäckig wie der intellektuell ungefähr gleich anspruchslose Unfug der Coronaleugner.

Und jetzt ist Zahltag, die Bürger beginnen, den Preis für die staatlich organisierte Geldfälschung zu entrichten, in Form der Entwertung ihrer Sparguthaben. „Stretching the Euro“, sinngemäß „Verwässerung des Euro“, nennen das Ökonomen leicht zynisch.

Wäre das nicht schon übel genug, kommen jetzt noch drei Faktoren hinzu, die dem Prozess der Entwertung des Euro noch einen Turbo geben werden.
Erstens: Jens Weidmann verlässt die Spitze der Deutschen Bundesbank und damit auch den Rat der Europäischen Zentralbank (EZB), wo er einer der letzten Verfechter einer Politik des harten Geldes war. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Euro endgültig zum inflationsgeplagten Schrumpfgeld wird.

Zweitens: China, das in den vergangenen Jahrzehnten dank billiger Arbeit die Welt mit kostengünstigen Produkten versorgt und so die Inflation niedrig gehalten hat, wird plötzlich zum Inflationstreiber, einerseits weil in China die Einkommen stark gestiegen sind, andererseits wegen der zunehmenden Knappheit bei vielen Gütern wie Chips.

Drittens: Die in der westlichen Welt steigende Verhandlungsmacht der Gewerkschaften führt wahrscheinlich zu stärker steigender Löhnen, was in einer sogenannten Lohn-Preis-Spirale enden könnte, die der Inflation eine besonders gefährliche Dynamik verschaffen könnte. Das liegt einerseits daran, dass Arbeitskräfte in der westlichen Welt immer knapper werden, auch aus demografischen Gründen, was den Preis der Arbeit (Lohn) nach oben treibt; andererseits auch die Konkurrenz aus China immer weniger relevant wird. Und: Der zunehmende politische Linksruck, von den USA unter Joe Biden bis Deutschland, wo demnächst wohl ein SPD-Kanzler übernehmen wird, stärkt ebenfalls die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften, was den Preis der Arbeit und in der Folge die Inflation erhöht, weil Unternehmen die steigenden Kosten natürlich an die Kunden weiterreichen und die Lohn-Preis-Spirale damit an Tempo gewinnt.

All das zusammen könnte, mit ein bisschen Pech, mittelfristig zu Inflationszahlen führen, mit denen verglichen eine einmalige Vermögensabgabe von zehn Prozent geradezu human erschiene.

6 Gedanken zu „Die brutale Sparbuchsteuer ist längst da

  1. TomM0880

    “dass man nicht tonnenweise Geld drucken kann, ohne Inflation zu erzeugen. Versteht an sich jeder aufgeweckte Volksschüler, ”

    Da muss ich widersprechen, in Österreich lernen Schüler nichts über Wirtschaft bzw Misswirtschaft und deren folgen. In der Schule wird man animiert freitags blau zu machen. Und genau das ist die Ursache dieses Problems, die meisten verstehen die Tragweite der Lawine, die da auf uns zurollt.

  2. Susi

    Das muss der Herr Blümel gar nicht, dass plant die EU und ihre “dilettantische Führung” bereits, daher wollen sie ein europaweites Vermögensregister. Durch die Vereinheitlichung des Bankensystems, Kontonummern, IBAN etc, haben sie dann auch direkten Zugriff auf alles was sie sich wünschen, wollen, brauchen….(komisch, dagegen protestiert niemand?) Aber wenn der Herr Blümel DAS verkünden würde, dann bliebe das Geld wenigstens im Land, so aber finanzieren wir die reformunwilligen Südländer damit sie ihre “Verschwendungssucht” weiter treiben können.

  3. Johannes

    Der Glaube an und die Angst vor dem Ökokommunismus wird eine Zeitlang die eingeschüchterten Bürger unterdrücken.
    Wenn sich aber dann die Lawine der falschen Geldpolitik in Bewegung setzt sind wir alle nur noch mitgerissene Passagiere.
    Man muss schon jetzt vorsorgen mit beständigen Werten wobei es sehr wahrscheinlich ist das diese Werte konfisziert werden.

    Was danach kommt ist nicht vorhersehbar, entweder eine lange Nacht des Kommunismus oder ein bitterer Neuanfang einer liberalen Gesellschaft die wieder für ein paar Jahrzehnte gelernt hat das Geld nicht auf Bäumen wächst.

  4. Falke

    Herr Ortner unterschätzt, glaube ich, die Leidensfähigkeit der Österreicher bzw. überschätzt deren Fähigkeit und Willen, ihren Zorn in politische Umstürze umzusetzen. Ich darf daran erinnern, dass es ähnliche Ereignisse schon gab: einmal die als “Sparbuchsteuer” bezeichnete Einführung der ZESt (später KESt), und dann (unter Grasser) – entgegen aller Versprechungen und Schwüre – die Aufhebung der Anonymität der Sparbücher. Es gab zwar beide Mal viel Wut und Zorn, doch eine Revolution blieb aus, auch an der Wahlurne.

  5. Sven Lagler

    Viertens: immer mehr Babyboomer erreichen das Pensionseintrittsalter deren Ansprüche im längst nicht mehr ausreichenden Umlageverfahren, zumindest nominell, gedeckt werden müssen

    Fünftens: Investitionen in den Klimaschutz mit Geld welches nicht erwirtschaftet wurde

    Sechstens: die angefallenen Schulden und laufenden und zukünftigen Ausgaben für Covid und die Migration welche nie gegenfinanziert waren

    Übrigens gibt es, analog zu den guten und schlechten Steuern, was immer das ist, eine gewünschte / gerechte (Fleisch, Verkehr) und eine unerwünschte Inflation (Wohnen) obwohl die Inflation immer nur auf eine Erhöhung der Geldmenge zurückzuführen ist. Bei einer fixierten Geldmenge müssten sonst bei steigenden Preisen andere Preise sinken.

  6. CE___

    Es gibt aus den USA die sehr interessante Website Shadowstats.

    Berechnung der Teuerungsraten mit den Berechnungsmethoden aus den 1970ern und 1980ern.

    Derzeitige Teuerung in den USA so zwischen 10 – 15 % per annum. Die Jahre davor war es auch nicht viel weniger.

    Ich getraue mich dies einmal so eins zu eins die Euro-Zone umzulegen.

    Also sind wir schon weiter als bei einer Vermögensabgabe von 10%.

    Die Teuerung bei den Lebenshaltungskosten wird sich nolens volens in einer Lohn/Gehalts-Teuerung auswirken, schlicht weil sich sonst das Arbeitengehen nicht mehr auszahlen würde bzw. in einer Brutto-für-Netto-Schattenwirtschaft samt Sozialgeldbezugs ein höheres Einkommen zu erzielen möglich wäre, das ist meine Vermutung.

    Und ja, relativ gesehen würde damit auch eine VR China wieder wettbewerbsfähiger werden.

    Es halt derzeit ein weltweites Rennen im Kaufkraftverlust der Währungen im Gange, einmal ist der Gigl voran, dann der Gogl, und alles eilig-aufgeregt berichtet von “Volkswirtschaftlern” und (Wirschafts)Medien.

    Nur noch, der Vergleich “Teuerungsleugner” mit “Coronaleugner” hinkt extrem.

    Ich kenne viele Leute die sagen es gebe ja doch keine Teuerung, ich kenne aber keinen der sagt das Coronavirus existiere nicht.

    Um dass was es bei Corona geht ist ob Politiker und Bürokratie spielende Bürger das Recht haben (dürfen) ihren Mitbürgern ein notfallzugelassenes und im Grunde ungeprüftes Zeug in den Körper hinein zwangszuadministrieren zu lassen, ansonsten einen die Teilhabe an einem öffentlichen sozialen Leben verwehrt wird.

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