8 comments

  1. menschmaschine

    interessant.
    wie immer, wenn fr. stephan etwas zu papier bringt.
    allerdings verwundert es, daß in diesem text das wort “österreich” nicht vorkommt.

  2. Rennziege

    14. November 2013 – 14:08 — menschmaschine
    Dass das Wort “Österreich” nicht vorkommt, passt zu Clarks Erkenntnisssen. Denn die k.u.k. Monarchie war nach den ausgebliebenen Erfolgserlebnissen im Balkan und in Italien kriegsmüde. Dem “oiden Kaiser”, anno 1914 schon 84 Jahre alt, war die Ermordung seines ungeliebten Thronfolgers Franz Ferdinand in Sarajewo keinen Krieg wert. Franz Joseph, der sich immer als Soldat fühlte, auch wenn er nicht wirklich einer war, wusste auch um den ziemlich heruntergekommenen Zustand der k.u.k. Armee, die sich auch emotional von der Niederlage bei Königgrätz noch nicht erholt hatte, durch die der uralte Kampf um die Hegemonie In Kontinentaleuropa zugunsten Preußens ausging.
    Franz Joseph war 1914 unschlüssig und schweigsam. Wilhelm II., beflügelt durch den auf Königgrätz folgenden Sieg über Frankreich 1870/71 und lächerliche Ambitionen auf deutsche Dominanz der Weltmeere, nahm den kaiserlichen Mund wesentlich voller. Wie Clark mit ausführlichen Quellen darlegt, wäre es bei einem regionalen mitteleuropäischen Krieg geblieben, hätten die Briten nicht eingegriffen. Die damit den Untergang ihres Empire einläuteten, ohne es zu ahnen. (Womit ich aufhöre, denn Romane langweilen.)

    Christopher Clark ist nicht der erste Historiker, der diese Zusammenhänge auftut. Aber der gründlichste bisher.

  3. Der Unternehmer

    Der WK I war ein inszenierter Krieg gegen das ökonomisch aufstrebende deutsche Kaiserreich. Ein Kriegsgrund lässt sich immer finden.

    Nichts hätte den Weltmachtsanspruch der US-Strippenzieher so sehr gestört wie ein starkes Preußen-Deutschland. Auf britischer Seite war Churchill die treibende Kraft.

    Wie sagte Napoleon so treffend: Geschichte ist die Lüge, auf die sich alle geeinigt haben.

  4. Manuel Leitgeb

    @ Rennziege
    Etwas spät möchte ich hier noch eine Anmerkung machen: Die k.u.k. Armee war bei weitem nicht so heruntergekommen wie oftmals behauptet oder geglaubt wird. Sicher, die organisatorischen und bürokratischen Probleme (Vielvölkerstaat, Geldmangel etc.) waren auch damals ein Riesenproblem und sie konnte wohl nicht mit der “1. Liga” (England, Frankreich, Deutschlang) mithalten, aber in der “B-Gruppe” (Rußland, Italien etc.) war die Armee top. Man darf nicht vergessen, daß die “russische Dampfwalze” zugrunde ging und nach Karfeit Italien an der Grenze zum Ausscheiden und praktisch geschlagen war. Auch war im Krieg ein entscheidender Faktor, daß der Korpsgeist v.a. bei den Offizieren und nach dem Kriegseintritt Italiens auch bei den Mannschaften sehr stark war. Wer weiß heute noch, daß wichtige Strategen bei der Entente schätzen, daß sich Österreich-Ungarn entweder politisch oder militärisch nur wenige Woche würden halten können, oder dem (angeblich) italienischen Dio ci liberi degli Irredenti. Vergessen wird auch die Fähigkeit zum Improvisieren und die teilweise sehr guten technischen Leistungen (Skoda Mörser und Schiffsgeschütze, Mannlicher-Gewehre).

  5. Rennziege

    15. November 2013 – 11:09 — Manuel Leitgeb
    Danke für Ihre Replik. Sie haben recht: Waffen und Moral der k.u.k. Truppen waren keineswegs übel, wie auch Clark schreibt. Mit “heruntergekommenem Zustand” meinte ich die Generalität, die strategisch und taktisch partout nicht im 20. Jahrhundert ankommen wollte und den sicheren Feldherrnhügel immer noch als passenden “Dienstort” ansah, oft stundenlang im Unklaren über die Lage an der Front. Diese feudale geistige und körperliche Distanz zur kämpfenden Truppe war es auch, die dem Kaiser Bauchschmerzen bereitete. Er wollte diesen Krieg nicht, zumindest noch nicht.

  6. Manuel Leitgeb

    Ah, dann sind wir uns eh einig, was die oberste Führungsentourage angeht. Und daß der alte Kaiser den Krieg v.a. den ausufernden nicht wollte, dem stimme ich auch zu.
    Manchmal frage ich mich allerdings, was die Generalität betrifft, ob diese Haltung nicht allgemein Standard war, auch bei den Gegnern. Man denke z.B. nur an die Russen (Kommandanten wie Brussilev ausgenommen), die italienischen Kommandeure der Isonzo-Schlachten oder ganz besonders an den grausamen Ferdinand Foch (wie passend, daß seine Gebeine nebst den Tyrannen Napoleon gebettet sind).

  7. menschmaschine

    @ rennziege
    ich meinte wirklich nur “vorkommen”, nicht “als teilnehmer vorkommen”. allein was sie geschrieben haben, hätte man ja erwähnen können.

  8. Rennziege

    15. November 2013 – 14:40 — Manuel Leitgeb
    15. November 2013 – 16:14 — menschmaschine

    Gentlemen,
    es ist interessant, mit Ihnen zu diskutieren. Allerdings muss uns allen klar sein: So ein vielschichtiges Thema und seine tausendfach veröffentlichten Deutungen (manchmal auch ziemlich verbogen) lässt sich nicht in ein paar Zeilen ausloten. Wir können nur einzelne Aspekte herauspicken — in unserem Fall solche, die bislang unterdrückt oder unbekannt waren. Was uns einigermaßen gelang, in gebotener Bescheidenheit.
    Ein faszinierendes Thema wird er bleiben, dieser Erste Weltkrieg, von den Briten immer noch “The Great War” genannt, was bis heute ihre Überraschung darüber kundtut, dass es nicht bei der erwarteten Strafexpedition gegen “die Hunnen” blieb, die zu Weihnachten 1914 abgetan sein würde, wie sogar Churchill annahm. (Dessen militärische Karriere nur durch die vielen Watschen gedieh, die er dabei empfing.)

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