Die Dialektik des Eigentums

“Eigentum steht in schlechtem Ruf. Wer besitzt und Recht an seinem Besitz einfordert, gilt als profitgierig. Das ist gefährlich. Privateigentum ist der Schlüssel zu einer funktionierenden Gesellschaft…” (hier)

5 comments

  1. Selbstdenker

    Ein sehr lesenswerter Artikel.

    “Privateigentum ist der Schlüssel zu einer funktionierenden Gesellschaft”

    Diesen Satz kann man nicht oft genug hervorheben. Eigentum ist meiner Meinung nach unter anderem auch ein moralisch qualifizierter Besitz. Für eine reine Besitzaneignung und -ausübung reicht es aus seinen Willen durchzusetzen. Eigentum kann hingegen nur unter bestimmten zivilisierten Spielregeln erworben und übertragen werden; im Gegensatz zum reinen Besitz kann Eigentum grundsätzlich nicht mittels Täuschung und Zwang erworben werden.

    In einer amoralischen Gesellschaft zählt nur der Besitz und nicht das Eigentum. Es gilt dann das Recht des Stärkeren. Wenn Werte nach Belieben des jeweils (politisch) Stärkeren geklaut oder abgepresst werden dürfen, werden sie erst gar nicht geschaffen. Einer Phase des moralischen Niedergangs folgt zwingend die Phase des ökonomischen Niedergangs.

    “Die Ansicht, im Eigentum, und zwar im Privateigentum, liege die Wurzel der Armut und aller gesellschaftlichen Missstände, ist weit verbreitet.”

    Der weiter unten angeführte Hinweis auf Afrika ist sehr treffend. Das ultimative ökonomische Problem Afrikas ist das Fehlen bzw. die relativ schwache Stellung vom Privateigentum. Misswirtschaft, Fremdbestimmung und Tyrannei wachsen sich dort am meisten aus, wo sich der (politisch) Stärkere beliebig Besitz aneignen kann bzw. sich die Leute gegenseitig beklauen.

    Während westliche Intellektuelle die Bewohner eines ganzen Kontinents in eine permanente Rolle als “Opfer des Westens” reinschreiben wollen, kolonialisieren die Chinesen gerade Afrika in einer ähnlichen Weise wie es das British Empire mit den afrikanischen Kolonien getan hat: sie schaffen Prosperität indem sie die Infrastruktur aufbauen und in Teilbereichen de facto eine Eigentümerschaft ausüben. Die Afrikaner profitieren von einer Art Rente, die aber nur einem Teil der Erlöse aus dem Abbau von Bodenschätzen entsprechen. Ohne die Chinesen (früher: das Britisch Empire) gäbe es aber selbt diese Rente nicht.

    Als Katastrophe für Afrika haben sich die sozialistischen Konzepte erwiesen, mit denen westliche Intellektuelle im schwarzen Kontinent ein Exempel statuieren wollten. An diesen Folgen leidet Afrika bis zum heutigen Tag. Das Ende der Kolonialherrschaft wurde von ihnen zu einen toxischen Cocktail aus übersteigerten, künstlichen “schwarzafrikanischen” Ethnonationalismus und Sozialismus vermischt.

    Man hat dabei nicht nur ein ökonomisches Desaster angerichtet, sondern auch die Feingliedrigkeit der Stammeskulturen und Religionen unterschätzt. Die Afrikaner identifizieren sich in erster Linie über ihren Stamm, während westliche, sozialistischen Intellektuellen bis zum heutigen Tag die Hautfarbe als Kriterium für künstlich geschaffene “Kollektive” dient.

  2. Rennziege

    5. November 2017 – 11:53 — Selbstdenker
    Stimmt alles, was Sie sagen. Allein juristisch hakt es etwas; denn einem Eigentümer (proprietor) gehört sein Objekt voll und ganz, während ein Besitzer (owner) auch ein vertraglicher Pächter oder Mieter des Eigentümers sein kann, solange der Vertrag halt läuft. Diese Unterscheidung findet sich in den Gesetzbüchern aller westlichen Kulturen.
    Was den soliden Tenor Ihrer Mitteilung keineswegs abwerten soll.

  3. Rennziege

    5. November 2017 – 11:53 — Selbstdenker
    Stimmt alles, was Sie sagen. Allein juristisch hakt es etwas; denn einem Eigentümer (proprietor) gehört sein Objekt voll und ganz, während ein Besitzer (owner) auch ein vertraglicher Pächter oder Mieter des Eigentümers sein kann, solange der Vertrag halt läuft. Diese Unterscheidung findet sich in den Gesetzbüchern aller westlichen Kulturen. Einen “moralisch qualifizierten” Besitz gibt es rechtlich nirgendwo, höchstens in den Pamphleten diverser NGOs.
    Was den soliden Tenor Ihrer Mitteilung keineswegs abwerten soll.

  4. Selbstdenker

    @Rennziege:
    Es ging mir nicht um eine rechtliche Definition der Begriffe Eigentum / Besitz und die jeweilige rechtliche Rolle vom Eigentümer / Besitzer. Keineswegs möchte ich den NGOs das Wort reden.

    Im verlinkten Artikel ging es um den schwindenden Respekt vor dem Eigentum (anderer). Ich möchte aufzeigen, dass man Tatsachen (Besitz) leichter schaffen kann als das Recht an einer Sache (Eigentum).

    Zumal es für den Eigentumserwerb erheblich mehr bedarf als die bloße Durchsetzung vom Besitzwillen, erfüllt die Eigentumsordnung praktisch im Vorbeigehen eine ganz elementare moralische Funktion. Und zwar ganz ohne NGOs und Möchtegern-“Philosophenkönige”, die sich selbst als “Linke” bezeichnen.

    Der fehlende Respekt vor dem Eigentum anderer ist nichts anderes als ein fehlender Respekt vor der Person, der Eigentümer dieser Sache ist. Und fehlender gegenseitiger Respekt ist nicht gerade ein Wesensmerkmal einer hochstehenden Kultur.

    Unter einen wechselseitigen gegenseitigen Respekt verstehe ich nicht, dass man sich gegenseitig eine subjektive Moral aufzwingt, sondern dass jeder die Grenzen der eigenen Sphäre anerkennt sowie darauf vertrauen kann, das andere diese Grenzen nicht überschreiten.

  5. Lisa

    @Selbstdenker: Gerade dies war im 19. Jh. einer der Gründe, warum die Bevölkerung verarmte: obwohl Bauern einem Grundherrn unterstellt waren, der auch für sie in einem gewissen Mass zu sorgen hatte, konnten sie doch ziemloich frei wirtschaften. “Das LAnd denen, die es bebauen!” Da sie ihre Güter nun jedoch auch fei verkaufen konnten – also auf Eigentum verzichteten – mussten sie als Landarbeiter ihren Lebensunterhalt verdienen (oder bei den aufkommenden Fabriken anheuern). Ähnlich übrigens auch in Afrika und Ssüdamerika bei sog. Landreformen.

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