Die Ethik des Wettbewerbes

(JOSEF STARGL)  Walter Eucken (1891-1950) betrachtete die rechtsstaatliche Marktwirtschaft als „Wettbewerbsordnung“, die „einen Rahmen schafft, in dem die freie Betätigung des einzelnen durch die Freiheitssphäre des anderen begrenzt ist“. Er erkannte, dass „der Wille zur Wettbewerbsordnung eng mit dem Willen zur Freiheit verbunden“ ist.
Der Wettbewerb ist ein „Problemlösungsmechanismus“/ein Entdeckungsverfahren mit Vorteilen für alle. Er setzt auf die Leistungen vieler. Das fördert Neuerungen, die Produktivität und den „Wohlstand für alle“.
Wettbewerb ermöglicht Unternehmergeist. Unternehmerisch denkende und handelnde Persönlichkeiten können im Wettbewerb scheitern. Aber der Wettbewerb ist auch eine Lernchance. Er ist „ethisch wertvoll“.
Risiken sind immer auch Chancen. Im Wettbewerb werden neue Perspektiven und neue Möglichkeiten erschlossen. Es bieten sich Herausforderungen für Eigenleistungen. Chancen eines Neubeginns können ergriffen werden. Es ist aber auch ein Risiko, Chancen nicht zu erkennen und nicht zu nutzen.
Freiheitsliebe, Unternehmergeist und Wettbewerbsgeist (agonales Denken) sind moralisch wertvoll.
Immer mehr Bürger und vor allem Politiker dieses Landes sind davon überzeugt, dass „wenn der eine im Wettbewerb gewinnt, andere verlieren müssen“ und, dass „Vorteile im Wettbewerb nur auf Kosten von anderen erzielt werden können“.
Der einzelne kann im Wettbewerb akzeptieren lernen, dass auch andere erfolgreich sein können. Im Wettbewerb ist es möglich, in Freiheit nach mehr zu streben und seine eigene Position zu verbessern.
Der Wettbewerb ist auch mit Zuversicht und mit einem realistischen Optimismus verbunden. Freie Bürger können in einer Wettbewerbsordnung (mit Privateigentum, Vertragsfreiheit, Eigenverantwortung und Haftung) neue Möglichkeiten suchen, sich weiterentwickeln und „mehr aus sich machen“.
Der Wettbewerb fordert und fördert Begabungen und Talente, die etwas „schaffen“ wollen. Es ist möglich, sich im „Wettbewerb mit Regeln“ zu bewähren.
Es ist weder unmoralisch noch unsozial, im Wettbewerb gewinnen zu wollen. Warum sollte es anderen helfen, wenn der einzelne mit weniger zufrieden sein will und seine eigenen Fähigkeiten nicht umsetzt?
Eine Steuerung über den Wettbewerb ermöglicht vor allem auch ein Erlernen des eigenverantwortlichen Umgangs mit Veränderungen, mit unerwarteten und unbekannten Situationen.
Eine offene Wettbewerbsordnung fördert Vielfalt, Entfaltungsmöglichkeiten, unterschiedliche Ergebnisse für den einzelnen und mehr „Wohlstand für alle“.
Freie Bürger mit Mut zum Wettbewerb und mit Freude am Wettbewerb können im Wettbewerb auch lernen, die Ergebnisse des Wettbewerbes und andere Menschen in ihrem „Unterschiedlichsein“, in ihrer Individualität und in ihrer Menschenwürde zu akzeptieren.
Es gibt keine „offene Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung“ mit freien Bürgern ohne eine „Ungleichheit im Ergebnis“.
Eine „umverteilende Gleichmacherei“, die sich an der Idee einer „Ergebnisgerechtigkeit“ orientiert, fördert ein Sicherheitsdenken, eine Anspruchs- und Vollkaskomentalität, eine „Beziehungskultur“ und eine „Günstlingswirtschaft mit einer Bedienung von Sonderinteressen“.
Der „Umverteilungsgeist“ bewirkt Veränderungsscheu und Strukturkonservierung.
Die Orientierung an einer Gesinnungsethik in einer Zwangsumverteilungsordnung mehrt die Macht des Staates und bewirkt Wohlstandsverluste.
Haben wir doch mehr Mut zu einer Verantwortungsethik in einer Wettbewerbsordnung!

4 comments

  1. Kluftinger

    Es erstaunt immer wieder, dass die von Walter Eucken dargelegten Gedanken nicht breiter akzeptiert werden?
    Aber das Erbe des Marxismus ist halt schwer auszurotten, zumal die Vertreter dieser (ver-) altete(n) Philosophie zumeist eloquent aber nicht sehr gescheit sind. Sie bewegen sich zumeist in Koordinaten welche vor zweihundert Jahren existierten, aber man höre und staune, heute keine Gültigkeit mehr haben.
    Andererseits sind Vertreter einer Wettbewerswirtschaft, die wie oben angeführt, nicht willens alle geistigen Kräfte zu mobilisieren und zu kommunizieren, damit das Wettbewerbsmodell gewinnt.
    Z.B. der Widerspruch der franz. Revolution “egalite liberte fraternite” wird nicht aufgearbeitet, weil:
    Wenn ich Freiheit fordere kann die Gleichheit nicht für alle gelten.Oder eben nur unter besonderen Kriterien!
    P.S.: Der Wettbewerb zwischen Staaten und der Erfolg der Entwicklung (auch um den Preis der Gewalt ) wird im Buch von Niall Ferguson “Der Westen und der Rest der Welt; Die Geschichte vom Wettstreit der Kulturen” sehr gut aufgearbeitet. Ebenso, aus anderer Sicht: “Die Macht der Schönheit; Kulturgeschichte Italiens” von Volker Reinhardt. Auch hier spielt der ‘W’ettbewerb eine wichtige Rolle.

  2. Manuel Leitgeb

    @Kluftinger
    Eine (kleine) Korrektur bitte: Das Motto der franz. Revolution war kein Widerspruch, es wurde von Marxisten u.ä. nur für deren Zwecke mißbraucht.
    Die Egalité war nicht als Gleichheit in Allem gedacht, es ging um die Gleichheit von dem Gesetz/ Gericht.
    Weil man damals je nach Stand(!) für das gleiche Vergehen anders behandelt wurde. Ein niederer Stand wurde normalerweise härter bestraft.

    Marxisten und Co. wußten das natürlich, aber das hat die ja noch nie davon abgehalten, sowas für ihre eigene Propagande zu verwenden. Und naja, Widersprüche sind bei denen ja auch nichts Neues.

  3. Sven Lagler

    Zum Wettbewerb gehört auch das Risiko und damit die Möglichkeit des Scheiterns. Trial und Error sind ein integraler Bestandteil und führen letzten Endes zu Verbesserungen.
    Der öffentliche Sektor ist risikoavers; die meisten öffentlich Bediensteten wollen primär Sicherheit. Von daher können staatliche Einrichtungen keine Innovationen hervorbringen die unter realen Marktbedingungen konkurrenzfähig sind. Eine Kundenorientierung steht auch nicht im Vordergrund. Es besteht vielmehr die Gefahr, dass mit neuen Vorschriften Unternehmen unnötig neue Probleme bekommen, die sie im schlimmsten Fall zu deren Aufgabe zwingen.
    Vielleicht funktioniert Auftragsforschung an Universitäten, allerdings wird es spätestens bei der Vermarktung problematisch. Wenn jetzt staatliche Wirtschaftspolitik wieder in den Vordergrund gestellt wird, gibt es letzten Endes vorrangig Verlierer. Eine reale Marktwirtschaft in der Entscheidung und Verantwortung zusammenpassen, Eigenverantwortung übernommen werden muss, Privateigentum respektiert wird und nicht umverteilt werden will, Gesetzte eingehalten und nicht situationselastisch je nach moralischem Standpunkt interpretiert werden… wäre die Lösung, um die aktuellen Krisen zu überwinden. Die derzeitigen politischen Entwicklungen gehen in die entgegengesetzte Richtung.

  4. Kluftinger

    @Manuel Leitgeb
    Danke für die Ergänzung , es ist mir wohl bewusst, dass die Gleichheit vor dem Gesetz gemeint war ( daher: unter besonderen Kriterien ) und nicht so wie es die Sozialromantik sieht.

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