Die EU und ihre Kritiker

(LUKE LAMETTA) Die meisten EU-Skeptiker waren m.E. in den 90ern für den EU-Beitritt Österreichs etc.pp – so auch ich. Das war, bevor Brüssel Beute gut organisierter, kleiner, meist linksdralliger Lobbys wurde, demokratische Entscheide in den Mitgliedsstaaten schlicht annulliert und sämtliche EU-Verträge mit der allergrößten Selbstverständlichkeit gebrochen wurden. Also bevor die “politische Union” statt einem gemeinsamem Europa mit freiem Verkehr für Waren, Dienstleistungen und nicht zuletzt Menschen das Credo all jener Wahnsinnigen wurde, die sich im Besitz der einzig gültigen Wahrheit wähnen und deshalb jedwede Systemkonkurrenz ausmerzen möchten.
Wer erinnert sich an die vehementesten EU-Beitrittsgegner in den 90ern? Grüne. Wer kann 2016 gar nicht genug von der gebenedeiten EU bekommen? … – das hat ja alles nen Grund. Der Backlash tröstet mich etwas. Der Brexit war nur der erste Streich. “Peace, commerce, and honest friendship with all nations — entangling alliances with none.”
The future’s so bright, you’ve gotta wear shades.

29 comments

  1. Thomas Holzer

    @Luke Lametta
    “………meist linksdralliger Lobbys…..”

    Das “meist” erachte ich als wohl mehr als nur überflüssig 🙂

  2. stiller Mitleser

    Recht bald nachdem man gegen den Beitritt gewettert hatte, traten dann aber die Kritiker mit den Verbesserungsvorschlägen auf (Voggenhuber, Puntscher-Rieckmann habilitierte sich zu dem Thema),
    die zwar etwas Demokratisierung, aber eben auch die verstärkte politische Union forderten. Die grüne EU-Vize
    (auch in der bürgerlichen Presse freundlich akklamiert) war dann der Schluß/Höhepunkt.

  3. sokrates9

    Kissinger hat sich ja immer beklagt dass Europa nicht eine Telefonnummer sondern 35 verschiedene hätte! Mittlerweile gibt es eine einzige Nummer: Die von Merkel!
    zweck erfüllt, Vasallenstaat errichtet!

  4. Christian Peter

    Das politische Gebilde EU ist eine Diktatur in Reinform, Europas Parlamente sind Schattenparlamente, denn diese haben nichts mehr zu entscheiden. Würden die Bürger mitbekommen, was hier abläuft, würde es einen Volksaufstand geben, denn Österreich ist wegen der Entmachtung der Parlamente längst keine parlamentarische Demokratie mehr.

  5. Fragolin

    Die EU ist ein glorioses, geradezu göttlich anmutendes Gebilde aus Frieden, Liebe und jeder Menge Eiapopeia; sie bringt Glück, Wohlstand, Sonnenschein und sexuelle Befriedigung für Jedermann, Jedefrau und Jedeswasweißichnoch. Hier scheint alternativlos immer die Sonne, es ist das Paradies auf Erden, der gelebte Glückstaumel, ein 24/7-Orgasmus. Wir sind die Eloy!
    Ein solches Paradies kann nicht kritisiert werden, ergo gibt es auch keine Kritiker sondern nur verstockte rechte Hetzer, Konterrevolutionäre, EU-Feinde, Dreckspack, elendes Geschmeiß, das beim kleinsten Zucken eliminiert gehört, ausgeschlossen, ausgeschaltet!!!
    Ist doch logisch, oder?
    Erinnert ein bisschen an die Propaganda der Kommunisten vor ’89. Also an dem Ort und zu der Zeit, als die deutsche Kaiserin Europas sozialisiert wurde…

  6. Fragolin

    @Christian Peter
    Die Bürger bekommen es mit. Sie reagieren mehrheitlich schulterzuckend (“Kann man eh nix moch’n, oba i will nua mei Ruah!”). Das Volk steht nicht auf. Dazu ist der Fernsehsessel zu weich und die Hängematte zu bequem.

  7. Christian Peter

    @Fragolin

    Glaube nicht, dass die Bevölkerung mitbekommt, was eigentlich abläuft, denn dieser wird stets vorgegaukelt, als gäbe es mit dem Europäischen Parlament ausreichend Bürgerbeteiligung.

  8. Fragolin

    @Christian Peter
    Die meisten interessiert es nicht einmal, dass es ein EP gibt; das ist für sie ebenso weit weg wie die Kommission oder der Rat oder der ganze Rest dieses komplizierten Gebildes. Oder Moskau oder Peking oder wasweißich. Die bevölkerung bekommt nichts mit, weil sie gar nichts mitbekommen möchte.
    Welche Quote erreichen n-tv oder gar cnn selbst in brenzligen Krisen? Und welche das RTL-Dschungelcamp? Das sagt doch alles.

  9. sokrates9

    Christian Peter / Fragolin

    Glaube gibt 2 Denkrichtungen der Österreicher : Die Alten, von den Nazis noch geprägt, der Vision des Großreiches das wir brauchen um den bösen Chinesen/ Russen/ Amerikanern Paroli bieten zu können, mit einem Führer der alles regelt und dem Volk beim Denken hilft und der jungen Generation, die keine komplexen Zusammenhänge mehr versteht, und stolz ist den Pass nicht mehr herzeigen zu müssen! Dass man selbst auf Flugstrecke Linz – Wien Pass braucht und ohne pass sofort “Ordnungsstrafe” fällig wird, übersieht man gerne! – Man hat ja schließlich eh einen Pass ( inkl. Fingerabdrücken -die man vor 20 Jahren nur Verbrechern abgenommen hat))

  10. Fragolin

    @sokrates9
    Und zwischen diesen Generationen der ganz Alten und der ganz Jungen wird die Generation der Mitte zerbröselt. Klingt fast logisch…
    Zu dem Fingerprint – wie groß war der Widerstand gegen solches Begehren (in Deutschland war der Vorreiter der vorbeugenden erkennungsdienstlichen Erfassung Aller übrigens mal wieder Schäuble…) und wie groß die Datenschutzbedenken – und kaum kommen ein oder zwei Millionen identitätslose Zuwanderer mit erkennbarem Prozentsatz an kriminellen Elementen und schon schreien alle nach dem Fingerprint für Alle.
    Was für Zufälle aber auch immer wieder passieren…

  11. Zaungast

    Ich habe 1994 gegen den EU-Beitritt gestimmt und war in den Jahren danach erfreut über Euro, diverse Erleichterungen und auch die Brechung heimischer Politik. Dann zeigte die EU ab ca. 2004/2005 immer mehr ihr hässliches Gesicht und ich war immer weniger erfreut. Heute bin ich längst wieder da, wo ich 1994 war.

  12. Christian Peter

    @Zaungast

    Die EU war 1994 eine ganz andere als heute. Hätte die österreichische Bevölkerung gewußt, in welche Richtung sich diese EU bewegt, hätte es niemals eine Mehrheit für den Beitritt gegeben. Alle späteren Entwicklungen der EU zu einer Diktatur (insb. : Vertrag von Lissabon) erfolgten ohne Zustimmung der österreichischen Bevölkerung.

  13. Rennziege

    7. Juli 2016 – 11:58
    sokrates9
    Christian Peter / Fragolin

    Gentlemen:
    “Die Alten, von den Nazis noch geprägt, der Vision des Großreiches …” deckt doch längst der grüne Rasen, die sind alle six feet under. Man nenne mir einen einzigen Österreicher, der noch heute so stumpfgeistig tickt; ich wage zu bezweifeln, dass Sie einen auftreiben können.
    Das Problem wurzelt in der Verhaustierung der jungen Generation, deren Schulbildung systematisch nach unten nivelliert, mit PC-, Umwelt-, Sozial- und Gender-Wahn infiziert und mit der Verheißung eines sorgenfreien Lebens von der Wiege bis zur Bahre konditioniert wird — um fortan als lethargisches Urnenproletariat ihre chronisch lügenden Heilsbringer an der Macht zu halten. (Besonders österreichische Wahlen, aber nicht nur diese, offenbaren diese Misere immer wieder.)
    Luke Lametta zitiert den sarkastischen Satz “The future’s so bright, you’ve gotta wear shades.”
    Find’ ich gut. Denn eine Sonnenbrille filtert so vieles weg, was erbärmlich ist an der Realität unserer Zeit, verbirgt die Tränen, lässt aber das lachende Maul sichtbar. Und herzhaftes Lachen über die Degeneration einer weiland guten Idee namens EU ist der einzige Bonus, der überlebt.

  14. Mona Rieboldt

    Nach einer Flasche Himbeer-Obstler kann man Juncker und Co und deren EU viel besser verstehen und sieht dann auch die anderen Planeten, die sich um die EU sorgen. 😉 Lisa singt sogar nüchtern das Loblied auf Merkel.

  15. gms

    stiller Mitleser,

    “Recht bald nachdem man [als Grüner] gegen den Beitritt gewettert hatte, traten dann aber die Kritiker mit den Verbesserungsvorschlägen auf”

    Geschichtlich Kundige wissen ergänzend um die Aversionen österreichischer Sozialisten unter Kreisky zu einem Beitritt. Ausgerechnet Vranitzky polte die roten Genossen um, jemand, dessen Fäden wie die von Rudolf Scholten, Erhard Busek, Joschka Fischer und unzähligen anderen damaligen und heutigen EU-Phorikern an denselben Stellen zusammenlaufen.

    Je strahlender die herbeiphantasierte Zukunft, je ultimativer die Forderung nach Schleifung von Grenzen und je absurder das Gedöns über Demokratie und Menschenwürde, desto gesicherter die Wette, daß der Protagonist in den wenigen notorischen Kreisen wohl verankert ist oder zumindest seine Studienzeit im Ausland diesen Zirkeln verdankt.

    Wären bei jedem Talking-Head dessen Lebenslauf und Mitgliedschaften bei Vereinigungen eingeblendet, würde das Publikum sich im Verstehen um die Herkunft des Windes gelangweilt abwenden, es wüßte, wer mit welchen Motiven den europäischen Völkerkerker anstrebt und welche Mittel für dessen Errichtung verwendet werden.

    Was man nicht versteht, läßt sich nicht therapieren. Das zwischen Ignoranz, Fatalismus und Zorn pendelnde Volk schafft seine eigene Aufklärung nicht, doch dies ist der einzige Trumpf der Strippenzieher.

  16. Reini

    … die EU ist super, sorgt für aller Zufriedenheit … nur nüchtern darf man sie nicht betrachten!!! 😉

  17. Rennziege

    7. Juli 2016 – 16:41 — Mona Rieboldt
    Ihnen, liebe Schwester im Geiste, nicht aber im Weingeiste — eine picksüße Flasche Himbeer-Obstler ist ja zum Fürchten, da kann man ja gleich koksen gehen — antworte ich immer gern. Freilich haben Sie recht: Nur mit Junckers, Merkels und Schulz’ (aber auch Kerns und Mitterlehners) Bewusstseinstrübungen ist das ganze Schmierentheater noch zu genießen, sofern wir den Obstler trinken, der aus Kärntner und steirischem Fallobst gebrannt wird: Birnen, Zwetschken, Äpfel, halb verfault — was zur EU passt wie die F. aufs A. 🙂

  18. Thomas Holzer

    @Rennziege
    Obstler, aus Kärntner und! steirischem Fallobst?!
    Ich hoffe, der unterliegt einer EU-konformen Ursprungsbezeichnung, und wird auch EU-regelkonform gebrannt, ansonsten müsste die Brennung sofort verboten werden 😉

    Weil ohne EU-Norm und ohne EU-Sanktus darf es keine Lebensmittel -und Obstler zähle ich dazu- geben; wo kämen wir denn da hin, wenn man sich derart ostentativ gegen die “geheiligte” EU-Behörde stellt.

  19. sokrates9

    Rennziege 14:27:Die Alten, der Vision des Großreiches …“ deckt doch längst der grüne Rasen, die sind alle six feet under. Man nenne mir einen einzigen Österreicher, der noch heute so stumpfgeistig tickt..
    Kein Problem: Schaun sie sich doch nur das Eu – Team ÖVP von Karas abwärts bis zur Neos – EU Kandidatin ( Mlinar?) an: Alle erzählen, dass Europa doch gegen die “Großen” keine Chance hat zu bestehen! dass es noch nie gelungen ist mit einer Sprache zu sprechen und wir uns bei CETA usw dramatisch über den Tisch ziehen lassen wird gerne ignoriert! Handelsabkommen die Geheim sind und die Staaten nur die Rechnungen bekommen, solche Idiotien können nur im kollektiv geboren werden!!!

  20. Christian Weiss

    “„………meist linksdralliger Lobbys…..“

    Das „meist“ erachte ich als wohl mehr als nur überflüssig :)”

    Na ja. Die linksdralligen Lobbies alleine könnten womöglich gar nicht so viel Schaden anrichten. Inzwischen haben wir eine im Kern wirtschaftsfeindliche Konzernlobby in Brüssel, die den immer schwachsinnigeren Regulierungen nur zu gern zustimmt, weil sie sich damit Konkurrenz von mittleren und aussereuropäischen Unternehmen vom Hals hält. Die Grosskonzerne können den administrativen Wasserkopf, den die endlosen Zertifizierungen und Nachweise fordern, vergleichsweise gut bewältigen. Der kleine und mittlere Unternehmer guckt in die Röhre. Und was uns von den Brüsseler Bürokraten als Konsumentenschutz verkauft wird, verdreht sich dann rasch ins Gegenteil: Der Endkonsument hat die Wahl zwischen minderwertigen Produkten zu überhöhten Preisen.
    Auf die Schnauze fallen die Konzerne allerdings abseits des Heimmarktes, wenn die anderen Grossgebilde und Wirtschaftsräume auch dem Protektionismus und der Überregulierung verfallen. Es ist nicht ganz verwunderlich, dass VW mit dem Abgasskandal in den USA auf die Fresse fiel. Diesel haben schlechtere Abgaswerte als Benziner. Da kann man als Land, dessen Autohersteller vor allem Benzinmotoren verwenden, dann mittels Emissions-Richtlinien ganz gut die Konkurrenz aus dem Ausland in die Schranken weisen.

  21. gms

    sokrates9,

    > und wir uns bei CETA usw dramatisch über den Tisch ziehen lassen wird gerne ignoriert!

    Im Kontext Brexit haben TTIP und CETA ungewöhnliche Sonnenseiten. Während aktuell europäische Feudalisten per Erlaß verlautbaren, das UK könne als kommendes Nicht-Mitglied keine “Rosinenpickerei” betreiben, beweisen bestehende und kommende Abkommen ohne jeden Zweifel das fehlende Junktim zwischen Freihandel und Niederlassungsfreiheit respektive Zahlungen ins EU-Budget.

    Also, liebe Eurokraten, trinkt doch mal euer eigenes Gift und verhandelt bei TTIP und Konsorten die offenkundig noch fehlende Personenfreizügigkeit, so ihr der vorherrschenden Meinung widersprechen wollt, die ominösen europäischen Werte lägen einzig in Vertragsbruch, Betrug und Prinzipienlosigkeit.

  22. Thomas Holzer

    Das von verschiedenen (EU)-Politikerdarstellern geforderte “Europa der zwei oder mehreren Geschwindigkeiten” ist auch nichts anderes als “Rosinenpickerei”

  23. Thomas Holzer

    Man höre sich nur den Herrn Blair in diesem Interview an!
    Genauso lernresistent und in seiner eigenen Welt lebend wie (fast) alle anderen Politikerdarsteller in der EU
    http://www.bbc.co.uk/programmes/p040ptpf

    am 07.07.2016 zu behaupten, daß sich die Region zusehends stabilisiert, erachte ich mehr als nur verwegen; und dieser Mann ist “Nahostbeauftragter”, man müsste lachen, wäre es nicht so tragisch

  24. Gerald Steinbach

    …fehlt nur mehr der Zusatz: ” Dank meines unermüdlichen Engagement “”

  25. stiller Mitleser

    gms

    Ja, als Kritiker aufzutreten der sich dann doch überzeugen und einbinden ließ hat sich schon bei den Karrieren nach 68 ausgezahlt und bei der EU scheint es besonders lukrativ zu sein. Moderation, Behübschung und kulturelles Dekor sind einträglich. http://www.european-republic.eu/

  26. gms

    stiller Mitleser,

    european-republic.eu — zwei Klicks weiter, und diese ach so tolle Jugendbewegung demokratiehungriger Heranwachsender mit ihrer Vision eines strahlenden Europas endet erwartungsgemäß bei den üblichen Verdächtigen, im gegebenen Fall via europeanrepublicblog.wordpress.com bei Ulrike Guérot, Direktorin des “European Democracy Lab” und mit ihrer Verankerung beim German Marshall Fund, Open Society Initiative for Europe und European Council on Foreign Relations eine der umtriebigsten Frontfiguren der Plutokraten.

    Daß die 68er sich besonders gewandelt hätten, läßt sich nicht behaupten, sind sie doch ein Kunstprodukt und Dank der ihnen indoktrinierten Dialektik die denkbar besten Erfüllungsgehilfen. “Warum schweigen die Lämmer” — Ein redlicher Linker, Rainer Mausfeld, mit einigen Feststellungen dazu: youtube.com/watch?v=UxUby8zVWUA

  27. Luke Lametta

    ‘meist’ linksdrallig deshalb, weil all diese in Armeestärke in Brüssel antichambrierenden Lobbyistengeschwader, die beispielsweise Haftungsübernahmen, Subventionen oder eben Bailoutorgien fürs Big Business organisieren, nur unsereins als ebenfalls ‘links’ (weil ‘interventionistisch’) gelten, landläufig aber originellerweise als ‘neoliberal’ (weil ‘pro Konzerne/Multis/Großbanken’) etikettiert werden etc.pp. – entsprechend mein Gedankengang, bitte so verstehen, vielen Dank.

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