Die Eurozone als studentische Wohngemeinschaft

Von | 17. März 2013

“….Denn leider funktioniert der Euro genau wie eine WG: Wer sich unter einem Dach zusammentut, braucht gute Nerven – und spart selten Geld….” (Focus)

5 Gedanken zu „Die Eurozone als studentische Wohngemeinschaft

  1. Reinhard

    Ich vermisse heute auch hier im Blog Reaktionen darauf:

    http://www.tagesschau.de/wirtschaft/zypern310.html

    Der Damm ist gebrochen, jetzt werden erstmalig Sparkonten geplündert und Sparer enteignet.
    Jeder Schritt geht weiter: die ersten Hilfen wurden fast verschenkt, dann wurden Bedingungen estellt, jetzt werden Privatleute enteignet. Erst bis 10% und dann?
    Bis wir selbst am Ende sind (und wir stehen bereits auf der Klippe) werden wohl 100% dran sein. Oder eher 300%. Was heißt, wir blechen wieder die Reparationen für das nächste Jahrhundert…

    Ich für meinen Teil habe nur noch ein Girokonto.
    Den Rest sieht keine Bank mehr.
    Bin mal gespannt, was jetzt der Goldpreis aufführen wird.

  2. Thomas Holzer

    @Reinhard
    Sorry, Privatleute wurden schon bis dato enteignet!
    Unterschied zur “Zypernrettung”:
    bis dato wurden die Bürger sowohl über den ESM als auch durch die Inflation enteignet; nunmehr zusätzlich auch durch die direkte “Steuer/Abgabe” der Kontoinhaber (euphemistisch – teilhabend 😉 )

    Stellen Sie sich mal vor, wenn alle 27 -in Bälde 28 EU-Staaten- unter dem ESM Platz nehmen werden 🙂 da wird’s dann richtig eng und heimelig

  3. gms

    @Thomas Holzer

    Bei Tageslicht betrachtet würde(*) bloß das schon vor Jahrzehnten begonnene Werk finalisiert, wonach eine Zentralgewalt, die bar jeglicher Einschränkung und Legitimität Geld erschaffen kann, selbiges ebenso nach eigenem Gutdünken wieder einzieht.

    “Würde” (=Konjunktiv) deshalb, da die parlamentarische Abstimmung mit einer erwartbar knappen Mehrheit erst morgen Montag stattfindet. Geht die Enteignung durch, werden selbst die naivsten EUphoriker den Braten riechen. Scheitert die Abstimmung aber, wird Zypern sich nur schwer im Euro halten können. Da die Zyprioten, wie auch die sonstigen Südländer, um alles in der Welt im Euro bleiben wollen, wird damit – so meine Prognose – durch die Politik die schließlich stattfindende Enteignung begründet werden.

    Völlig erbärmlich aber wird die Chose durch die sich abzeichnende Schonung sonstiger Gläubiger. Schuldenschnitt? – Niemals! Man beachte die Begründung hierfür ….

    “Welt” vom Freitag, Zitat: —
    Freilich gilt in Brüssel ein klassischer Schuldenschnitt, in dem private Gläubiger generell auf Forderungen verzichten, als ausgeschlossen. Der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker warnte eindringlich vor einem solchen Schritt, wie er im laufenden Hilfsprogramm für Griechenland vereinbart worden war. Juncker, der als damaliger Eurogruppen-Chef die Griechenland-Verhandlungen geleitet hatte, erinnerte daran, dass die Minister damals beschlossen hatten, die Privatgläubigerbeteiligung solle ein einmaliger Schritt bleiben. „Wenn wir mit Zypern gleich wie mit Griechenland verfahren, gefährden wir unsere Glaubwürdigkeit“, sagte Juncker. Es gebe aber „andere Möglichkeiten“.

  4. gms

    Von 1,30 am Freitag ging der Euro zum Dollar heute bei Handelserföffnung auf unter 1,29, was einem satten Minus übers Wochenende von 1,4% entspricht. finance.yahoo vom vergangenen Samstag:

    The €10 billion in assistance the EU members and IMF initially reported was smaller than the €17 billion officials said was needed to fill the void the country’s financial system was facing, but they had a plan to compensate. In a remarkable upgrade to the region’s ‘crisis fighting’ toolkit, Eurogroup President Dijsselbloem announced that a ‘bank levy’ will be placed on foreign and domestic deposits. The 9.9 percent levy on accounts over €100,000 and 6.75 percent below that mark is a bold step in the Eurozone’s ongoing financial fire fight. As much as this can close the gap without promoting further ire from taxpayers in other countries, it can potentially spark a panic amongst investors and citizens in the region. Regardless of Cyprus’ size or influence in the economic and monetary union, a dangerous precedence could be interpreted in this move. Despite vows that this was a unique situation, what is the likelihood that this could be an option in Greece if ‘regular’ measures keep falling short? Could it be an option for a ‘core’ member? Watch the Euro on the open.
    —-

    Seit Sommer 2008, als der Euro noch weit jenseits der 1,50 notierte, zeigt das Chartbild ein fallendes Dreieck mit Basis bei 1,20. Soviel Dollars kann offenbar die FED garnicht in den Markt pumpen, aldaß dies die Geldinhaber mehr beunruhigen würde, als die Aktivitäten der Zauberlehrlinge im Euroland.

    CNBC von heute morgen:
    Over the weekend, analysts warned the decision by the euro zone to force bank depositors in Cyprus to contribute towards a bailout—a first in the euro zone debt crisis—could hurt other peripheral nations, the euro and the global stock market rally.
    That warning appeared to be coming true as the euro edged lower at 1.2934 against the dollar, in early trade on Monday morning local time in New Zealand, the first global market to start trading. […]
    Bailout is a ‘Disaster’
    Still, the structure of the bailout shocked many, including Sharon Bowles, chair of the European parliament’s economic and monetary affairs committee, who called it a “disaster” for European Union rules and the single market.

    Auch für die Börsen wirds heute Montag dem Wetterbericht nach verdammt ungemütlich werden. Politische Willkür hat eben ihren Preis.

  5. Reinhard

    Erstaunlich, dass ausgerechnet Juncker sich Sorgen um Glaubwürdigkeit macht. Das einmal gegebene Wort wiegt scheinbar mehr als die schriftlichen Verträge, die vorher gebrochen wurden.

    @Thomas Holzer: Das ist mir durchaus bewusst, aber das ließ sich so fein unsichtbar durch die Hintertür bewerkstelligen. Das reicht nun nicht mehr, jetzt wird ganz offen und vor aller Augen in die Portemonnaies privater Menschen gegriffen.
    Der heutige Tag wird spannend; bleibt der bank run der Europäer aus, transferieren sie nicht ihre Guthaben in Edelmetalle oder unter das Kopfkissen, dann wird der nächste Schritt interessant. Mit der Inflation geschah dies bisher versteckt, wer rechnen konnte fiel auf die zinsrechnung nie herein, aber am Konto sah es wenigstens so aus, als würde es mehr werden; jetzt begreifen die Sparer, dass sie die Schlachtschafe der Zocker sind. Immerhin werden Kredite nicht angegriffen – logischerweise müssten diese ja um den gleichen Satz erhöht werden, wie Sparkonten minimiert. Lerne: der Prasser wird geschont, der Sparer wird geschröpft. Früher verschämt unter der Tuchent versteckt, steht das jetzt ganz offen mit Leuchtschrift im Rampenlicht.
    Zypern ist ein Probelauf.

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