Die falschen Botschaften des Feminismus

Von | 29. Juli 2016

(Dr. med. MARCUS FRANZ)  Der Feminismus hat den Frauen eine neue „Freiheit“ gebracht: Sie müssen heute nicht mehr nur die Kinder gebären und erziehen, sondern sie können neben den traditionellen familienbezogenen Tätigkeiten auch noch arbeiten gehen oder auf Familie und Nachwuchs verzichten und sich überhaupt nur dem Beruf widmen. Viele Frauen sehen das als Fortschritt, denn in der veröffentlichten Meinung und gemäß der political correctness gilt, dass erst eine flächendeckende Berufstätigkeit die Frau unabhängig macht und ihr die Selbstverwirklichung ermöglicht. Last not least ist sie auch wesentlicher Teil der Gleichberechtigung.

Freilich kann man diese sogenannte Errungenschaft ebenso gut als Eintritt in eine neue Abhängigkeit, als Einengung der natürlichen weiblichen Lebenswelten und letztlich als eine große Täuschung der Moderne interpretieren. Die Realität straft ja alle feministischen Visionen der frühen Jahre Lügen: Berufstätige Frauen mit Kindern unterliegen der vielzitierten Doppelbelastung in Haushalt und Beruf, sie müssen Kinder und Job unter einen Hut bringen und stehen unter permanentem Druck.

Auch wenn sehr viele Männer gerne und fleißig die berufstätigen Mütter in der Kinderbetreuung und beim Waschen-Bügeln-Putzen unterstützen, auch wenn Haushaltshilfen und Tagesmütter viele der ehemals klassischen Hausfrauen-Aufgaben übernehmen, so bleibt der werktätigen Frau mit Kindern dennoch neben der Lohnarbeit ein großes Pensum an familiären Anforderungen. Speziell in den ersten Lebensjahren ist die Mutter-Kind-Bindung sehr stark und enorm wichtig für die Kinder, diese benötigen daher viel Zeit und viele Ressourcen der Mütter.

Die grassierende und die Demografie destabilisierende Kinderlosigkeit ist nur eine der aus diesen Fakten entstehenden negativen Folgen. Welche Frau will sich schon freiwillig und gern in die zitierten Nöte begeben? Karriere zählt doch zumindest in jungen Jahren mehr als Familie. Die Tretmühle des Berufslebens wird daher von sehr vielen jungen Frauen als erstrebenswerte Destination gewählt und der Mutterschaft vorgezogen, zumindest bis das Ticken der biologischen Uhr unüberhörbar wird. Ab dann wird’s eng, denn nun müssen unwiderrufliche Entscheidungen getroffen werden: Kinder? Beruf? Beides? Und wie auch immer die Frau sich entscheidet – sie wird etwas aufgeben müssen. Entweder ein Stück ihrer „Freiheit“ oder einen ureigenen Wesensinhalt ihrer Weiblichkeit, nämlich die Mutterschaft.

Weder die Politik noch die Frauenrechtlerinnen haben es in den Jahrzehnten der real existierenden Gleichberechtigung geschafft, den Frauen jene Möglichkeiten zu geben, welche ihnen von den 68ern und anderen Sozialromantikern versprochen wurden. Und das liegt definitiv nicht an der immer wieder behaupteten Reformresistenz der angeblich so chauvinistisch-patriarchalischen Männerwelt, sondern ganz einfach in der Natur: Frauen sind Frauen und keine Männer und nur Frauen können Mütter werden. So weit die banale Realität. Die lässt sich nicht ändern und die biologischen Gegebenheiten sind wie sie sind.

Die umfassende Eroberung der sogenannten männlichen Bastionen war daher von Anfang an zum Scheitern verurteilt und musste zwangsläufig zur Generalfrustration der Frauenwelt führen. Die Surrogate dieser durch Vorspiegelung falscher Möglichkeiten geschaffenen Enttäuschung sind die häufig zu vernehmenden Klagen über das geringere Einkommen der Frauen und die Kritik an der gläsernen Decke, die vielerorts die Frauen bei ihrem beruflichen Fortkommen behindert.

Damit jetzt kein Missverständnisse aufkommt: Es gibt einen gesellschaftlichen Konsens darüber, dass individuelle Wahlfreiheit im Leben an oberster Stelle stehen soll. Alle Frauen sollen frei entscheiden können, wie sie ihr Leben verbringen möchten. Dieser Konsens ist zu unterstützen und es wird heute kein ernst zu nehmender Mensch fordern, dass Frauen wieder jene Rolle einnehmen sollen, die sie bis in die späten 60er Jahre innehatten.

Allerdings muss die Gesellschaft die vorhandenen und frei wählbaren Optionen mit der entsprechenden Wertigkeit versehen. Es ist merkwürdig und prinzipiell zu kritisieren, wenn heute sowohl in den Medien wie auch ganz besonders in der Frauen-Politik vermittelt wird, dass ein Dasein „nur“ als Mutter gesellschaftlich nicht so viel wert sei wie eine berufliche Karriere ohne Kinder. Und es ist höchst befremdlich, wenn berufstätige Frauen, die sich für Kinder entscheiden, in der Gesamtschau schlechter gestellt sind als kinderlose arbeitende Frauen. Wir brauchen hier nicht nur ein Umdenken, es steht vielmehr eine Umwertung aller jener Werte an, die durch den Feminismus verrückt wurden.

Berufstätige Mütter haben neben aller Freude, die ihnen die Kinder bringen, ja insgesamt deutlich mehr an Arbeitslast zu bewältigen und definitiv mehr Sorgen zu tragen und mehr Aufgaben zu lösen als Kinderlose. Obwohl sie für die Gesellschaft durch ihre Nachkommenschaft Essenzielles leisten und obwohl sie die jeweils neue Generation hervorbringen, sind sie de facto auf vielen Ebenen benachteiligt. Daher müssen wir nicht nur eine Änderung des Meinungsklimas anstreben, sondern auch in der Familienpolitik konkrete neue Akzente setzen: Mütter und die Familien insgesamt sind besser und gezielter zu unterstützen.

Dazu gehört als erster Schritt, dass berufstätige Mütter weniger Steuern zahlen und dass überhaupt eine Reform der Familienbesteuerung (etwa wie in Frankreich) eingeführt wird. Auch ein Mütter-Bonus muss kommen, der zusätzlich zur Pension ausbezahlt wird. Berufstätige Frauen, die sich für Kinder entscheiden und generell alle Mütter müssen uns in der Gesellschaft ganz einfach mehr wert sein als dies jetzt der Fall ist. (unverwandt.at)

8 Gedanken zu „Die falschen Botschaften des Feminismus

  1. Antonia Feretti

    Sehr, sehr richtig! Zumindest bis zur Schulreife, besser bis zum 10. Lebensjahr sollten die Jahre zur Pensionsbemessung der Mütter voll gerechnet werden, Frauen, die nach den Kinderjahren wieder arbeiten wollen, gehören viel mehr unterstützt. Und die krasse Ungerechtigkeit der Individualbesteuerung gehört geändert, eigentlich abgeschafft.
    Man halte sich folgendes Beispiel vor Augen: ein verheirateter Mann, 3Kinder, Mutter zu Hause, verdient, sagen wir, 8000 € brotto. Sein Kollege, ebenfalls 8000 € brutto, ebenfalls verheiratet, kinderlos, die Ehefrau selbständige Rechtsanwältin. Beide Herren werden genau gleich besteuert, weil sie ja genau gleich viel verdienen, daß ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit aufgrund ihrer familiären Situation krass unterschiedlich ist, spielt keine Rolle. Die Transferleistungen fallen in diesem Vergleich kaum ins Gewicht ( diese sollten m. E. ohnehin besser durch Steuerabsetzbeträge ersetzt werden). Noch krasser wird das Beispiel, wenn man bedenkt, dass die, vermutlich recht grosszügigen, Pensionen der kinderlosen Doppelverdiener von den Kindern der zuvor schon Benachteiligten bezahlt werden müssen.

  2. sokrates

    Derzeit geht dadurch dass Frauen nicht mehr Muetter sein sollen unglaublichviel an gesellschaftlichem Entwicklungspotential verloren! Eine Mutter ist immer noch besser als eine sozialistisch indoktrinierte akademische Kindergaertnerin die die Kinder staatskonform erziehen und manipulireren kann!

  3. stiller Mitleser

    Frankreich, mit der höchsten Fertilität, hat sehr erfolgreiche demographische Anreize gesetzt; höchstqualifizierte Frauen haben 5-6 Kinder und garantieren so auch ein Weiterbestehen einer bildungsorientierten Mittelschicht, während bei uns sehr zweifelhafte generative Anreize gesetzt werden, die ein ständiges Ausdünnen der bildungsaffinen Schicht und einen Zuwachs zukünftiger Transferbezieher bewirken.
    Das, etwa im Ländervergleich, zu beforschen ist streng tabuisiert, dafür gäbs keine Mittel.
    Ein Problem allerdings sehe ich in der Übertragbarkeit des französischen Betreuungsmodells (mit 12 Monaten kommen Kinder dort bereits in die Krippe) das mit dem mitteleuropäischen Ideal in Konflikt steht, obwohl auch bei uns im Bürgertum die Kleinkinderbetreuung an Personal (Ammen, Kinderfrauen, – die Beziehung zur Mutter entstand nicht bei alltäglicher Körperpflege und damit verbundenem nahem Kontakt sondern etwas distanzierter, über Sprache und kulturelle Anpassungen, teilweise mit den z. B. durch die Freudschen Fallgeschichten überlieferten Folgen) delegiert und bei armen Müttern, die arbeiten mußten, an
    Reste der eigenen (in den Unterschichten war die Familie in der Regel unvollständig) oder ländliche Pflegefamilien (für die das einen Zuverdienst bedeutete) vergeben wurde. Lediglich im kleineren, städtischen, aufstrebenden Beamtentum, das aus Raum-und Geldmangel seinen Nachwuchs strikt (meist auf zwei) und zu Selbstdisziplinierung und “Lebensplanung” befähigt, beschränkte, war die Mutter alleine für alle Bereiche der Kinderpflege-und Erziehung zuständig.

  4. Falke

    Es würde ja schon genügen, das “Familiensplitting” nach deutschem Muster einzuführen: Das Familieneinkommen wird halb/halb auf Mann und Frau aufgeteilt und dann werden beide getrennt besteuert. Dadurch verringert sich die Steuer im Falle eines Alleinverdieners ganz wesentlich: Ein Einkommen von 6000 Euro wird wesentlich höher besteuert als zwei Einkommen von je 3000 Euro.

  5. Lisa

    @Antonia Feretti: Da gibt es eben zwischn alten und neuen Gesetzen und Regeln, zwischen alten und neuen Sozialstrukturen Interfrenzerscheinungen. Angesichts der heutigen Familienstrukturen wäre eine Individualbesteuerung in der Tat das Beste. Und statt Familien- und Kinderzulagen eine massive Steuererleichterung für Verheiratete mit Kindern. Das würde dem “besonderen Schutz der Familie durch den Staat” respektieren (unfd leichtfertige Scheidungen mit unverschämten Alimentenforderungen und staatlichen Beihilfen dezimieren!) und den Frauen, die lieber Karriere machen als Kinder aufzuziehen durch ihre höhere Steuerlast den Vorwurf ersparen, nichts für den Generationenvertrag zu tun (als ob der Zweck von Nachwuchs die Äufnung der Rentenkassen wäre! Das klingt ja wie beim Bauern, der noch zwei drei Söhne aufzieht, um sich Knechte zu sparen!)

  6. Marianne

    Die sog. Emanzipation durch Pille und Abtreibung bedeutet vor allem, daß Frau nun vollständig alleine für die Familienplanung zuständig ist. Ein gewaltiger Fortschritt in die grenzenlose Freiheit. Und so völlig frei von unangenehmen Nebenwirkungen wie Thrombosen etc.(wieso gibt es eigentlich noch immer keine Pille für den Mann? Vielleicht deswegen?)

  7. Selbstdenker

    Wer keine Kinder hat, erspart sich – solange ihm jemand im Alter den Hintern abwischt – sämtliche Gedanken an das Morgen. Trifft eh “nur” die anderen, stimmts?

    Ach ja: und dann noch das G’schichtl, dass man “den Richtigen” einfach nicht getroffen hat. Antwort: “den Richtigen” wird es – außer in Disney-Schnulzen – nie geben.

    Ich wünsche allen Angesprochenen viel Spaß beim (unsanften) Erwachen.

  8. Selbstdenker

    “Dangerous faggot” Mio Yiannopoulos bringt es auf den Punkt:

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