Die Feinde der Freiheit

(von WERNER REICHEL) Österreichs mediale, kulturelle und politische Landschaft ist eine Wüste. Mitten in dieser weiten Einöde steckt tief im Sand ein Schild. Darauf steht in dicken Lettern: „politisch korrekt“. Die meisten Bewohner dieser Wüste denken, leben und handeln nach demselben Muster. Auf den Bühnen, im TV und in der Literatur stets derselbe neosozialistische Meinungsbrei. Gleiches gilt für die Medien. Egal ob Qualitäts- oder Boulevardblätter, ob privates Unterschichten-TV oder regierungstreues Staatsfernsehen, alle bewegen sich im selben Meinungs- und Gedankenbiotop. Nur die Verpackung ist entsprechend der Zielgruppe eine andere, der Inhalt wird immer an die politischen Vorgaben angepasst. Egal ob kleiner Boulevardzeitungsredakteur oder Feuilletonist beim elitären links-„liberalen“ Blatt, alle verkünden dieselben Wahrheiten. Der politisch korrekte Untertan erfährt so, was opportun ist und wie und was er gerade zu denken und zu sagen hat. Die Grenze zwischen Gut und Böse ist, so wie einst im Kommunismus oder Nationalsozialismus, klar gezogen, um auch den einfachere gestrickten Gutmenschen die Orientierung zu ermöglichen, damit sie das Böse und den Feind klar erkennen und benennen können. Andernfalls kämen manche vielleicht auf die Idee, dass freie Marktwirtschaft, Eigenverantwortung oder Atomkraft so übel nun doch nicht sind und dass man mit Sozialismus, Männerdiskriminierung, Plastiksackerlverbot, Wind- und Fahrrädern nur sehr schwer die Welt wird retten können.

Dem gemeinen Bürger wird jedenfalls stets derselbe Meinungseintopf inklusive dem politisch korrekten Koordinatensystem serviert: An einem Ende der Skala (am bösen) stehen: Kapitalismus, (Neo)Liberalismus, freie Marktwirtschaft, Atomkraft, Gentechnik, Männlichkeit, Unternehmertum, traditionelle Familienstrukturen, Fleischkonsum, Eigenverantwortung oder strenge Zuwanderungskriterien. All das gilt es zu bekämpfen und auszumerzen, sei es mit Quoten, Gesetzen, Gewalt, Zuckerbrot und Peitsche, Propaganda, Marketing oder (Um)Erziehung. Die Mittel werden von Jahr zu Jahr drastischer, das politische Koordinatensystem immer weiter nach links verschoben. Haltungen, die vor zehn Jahren noch als bürgerlich galten, werden heute als rechts oder rechtsextrem bekämpft. Die einstmals konservativen europäischen Parteien wie ÖVP oder CDU passen ihre Überzeugungen und Ziele dem kontinuierlich nach links driftenden politischen Koordinatensystems brav und ohne großes Murren an. Im grünen Bereich des politisch korrekten Wertekatalogs finden sich: Linke, Feminismus, Gender-Mainstreaming, Buntheit, Greenpeace, Keynesianismus, Multikulti, Neosozialismus, Patchworkfamilien, Veggie-Day, Planwirtschaft, Windräder oder Einkaufstaschen aus fair gehandelter Jute. Das Ziel der europäischen neosozialistischen Gesellschaftsingenieure scheint jedenfalls ein gegenderter, technik- und fortschrittsfeindlicher, staatsgläubiger, antikapitalistischer, öko-muslimischer Einheitsbürger zu sein. Aber wo es genau hingehen soll, dürften die Apologeten der Öko-Gender-Multikulti-Ideologie selbst nicht so genau wissen. Jedenfalls will man, so wie einst der g‘schupfte Ferdl, möglichst schnell dort sein.

Vorerst geht es deshalb primär um die Zerstörung „überkommener Strukturen und Traditionen“, um das Ende des reaktionären, repressiven, kapitalistischen, patriarchalen Schweinesystems. Um das zu erreichen, müssen die Bewohner der politisch korrekten Meinungswüste von Kindesbeinen an auch ganz korrekt erzogen werden. Die Linke und die sich in einem Transformationsprozess befindlichen einstmaligen bürgerlichen Parteien drängen deshalb immer stärker auf möglichst viele verpflichtende Kindergartenjahre, auf Gesamt- und Ganztagsschulen, frei nach der alten Marketing-Binsenweisheit: Schnapp sie dir, solange sie jung sind. Die Kinder sollen, so wie einst im real existierenden Sozialismus Osteuropas, möglichst rasch dem schädlichen Einfluss der potentiell nicht-linken Eltern entzogen werden. In staatlicher Obhut sind die lieben Kleinen besser aufgehoben als im privaten Umfeld. Schließlich kennt jede Kindergartentante und jede Volkschullehrerin ihre Pflichten und Aufgaben ganz genau. Erst vor kurzem hat die linke und einflussreiche Amadeu Antonio Stiftung in Deutschland Maßnahmen gegen Kindergartenkinder von „rechten“ Eltern angeregt (laut Stiftung erkennt man diese geistig kontaminierten Kleinlebewesen übrigens daran, dass sie nicht auffallen und nicht mit dunkelhäutigen Kindern spielen). Ja die Feinde der schönen neuen Welt müssen rechtzeitig erkannt, enttarnt, und ausgesondert werden. Die Wächter der politisch korrekten Wüste vermuten hinter jedem Stein und jeder Düne einen Feind und Gedankenverbrecher. In unserer Gesellschaft wimmelt es deshalb nur so von Nazis, Rassisten, Populisten, Sexisten, Chauvinisten, Klimaleugnern, Schwulenhassern oder gierigen Kapitalisten. Und wer zu den Feinden gehört, das bestimmt die politisch korrekte Elite. Um zumindest den Anschein von demokratischer Legitimation zu haben, hält man sich in Universitäten, Bildungs- und Forschungseinrichtungen, NGOs und anderen von öffentlichen Geldern abhängigen Institutionen sogenannte Experten. Dieses Heer von pseudowissenschaftlichen Genderforscherinnen, Rassismusfachleuten, Soziologen, Klimahysteriker, Diversitäts- und Multikultipredigern prägen in Zusammenarbeit mit Politik und Medien das geistige Klima dieses Kontinents. Sie regeln unsere Sprache, legen fest, welche Worte man noch oder nicht mehr verwenden darf und welche Bedeutung sie haben, wie man sich fortzubewegen hat, welche Duschköpfe und Beleuchtungskörper man verwenden darf, welche Bücher man nicht mehr lesen soll oder welche Konzerte und Veranstaltungen man besser nicht besucht, so ferne sie überhaupt stattfinden dürfen (Stichwort: Frei.Wild). Die politisch korrekten Inquisitoren kennen kein Pardon. Ein unbedachtes Wort, eine falsche Redewendung, ein Lacher an der falschen Stelle bzw. kein Lacher an der geforderten, schon ist man verdächtig. Vor allem im Universitäts- und Medien-Betrieb ist der linke Gruppendruck enorm. Eigenständig denkenden Menschen werden durch die selbsternannten Rassismus-, Faschismus- und Sexismus-Wächter und deren politisch korrekten Hilfssheriffs und Blockwarten kontrolliert und gegängelt. Mit immer neuen und restriktiveren Sprachregelungen, Gesetzen und Verhaltensregeln wird die Meinungsfreiheit Schritt für Schritt eingeschränkt. Die Hüter der politisch korrekten Moral, die 68iger rund ihre Epigonen sitzen nach dem erfolgreichen Marsch durch die Intuitionen an den Schalthebeln der Macht, in den Medien, Universitäten, Gerichten, Ministerien, den NGOs, im Staats- und Kulturbetrieb.

Die neuen Jakobiner geben die Marschroute der Lemminge vor. Wer das von ihnen abgesteckte Terrain verlässt, die politisch korrekten Tabus bricht, Denkverbote ignoriert und an der propagierten Alternativenlosigkeit neosozialistischer Glaubenssätze zweifelt, der wird sozial ausgegrenzt, mit Berufsverboten belegt, verfolgt und diffamieret. Die Gutmenschen sorgen effektiv und gründlich dafür, dass ihre intellektuelle Wüste nicht von unerwünschten Gedanken, Ideen und Ideologien verschmutzt wird. Jede Oase wird ausgetrocknet, jedes aufkeimende Pflänzchen zertreten. Man möchte eine politisch korrekte Monokultur. Man fühlt sich in dieser tristen Umgebung wohl. Vor allem deshalb, weil man sie nicht als solche wahrnimmt. Die ständig wachsende Zahl an Ge- und Verboten werden nicht einmal als Einschränkung der persönlichen Freiheit begriffen. Einerseits weil all das selbstredend zu unser aller Wohl und zur Rettung des Planeten geschieht und weil sich die meisten Österreicher und Deutschen in den Armen des Staates traditionell wohlfühlen. Anderseits tummeln sich auch unter den braven Wüstenbewohnern unzählige Kritiker, Mahner und Querdenker, im Grunde sieht sich jeder aufrechte Gutmensch als kritischer Geist und Denker.

Als unbequem, couragiert und engagiert gilt man, wenn man päpstlicher als der Papst ist, sprich noch korrekter ist, als der politisch korrekte Mainstream. Nicht diejenigen, die die herrschende Ideologe hinterfragen gelten als unbequeme Kritiker, sondern die übereifrigen politisch korrekten Streber. So gaukelt man sich und den andren Pluralität und Meinungsfreiheit vor. Die, die den Veggie-Day auch mit Zwang durchsetzen wollen, die nach „No Borders“ rufen, die die „Reichen“ enteignen wollen, sind auch diejenigen, die von staatlichen und staatsnahen Institutionen mit Ehrungen und Preisen gewürdigt und mit Subventionen und Aufträgen belohnt werden. Für einen Gutmenschen ist das kein Widerspruch. Als mutig gilt, wer mit den Kojoten jault, offene Türen einrennt, und gegen den zuvor aufgebauten Popanz, also weitgehend virtuelle Gefahren und Feinde kämpft. Jeder schmalbrüstige Gymnasiast und jeder angepasste Soziologprofessor darf sich mit der richtigen politischen Einstellung als waschechter antifaschistischer Widerstandskämpfer fühlen.

Held sein zum Nulltarif im neosozialistischen Disneyland. Wer gegen Schießbudenfiguren, Plastikmonster und Leintuchgespenster kämpf, der braucht auch nichts zu riskieren. Henryk Broder brachte es auf den Punkt: „Die Abwesenheit von Faschismus ist die Grundlage für eine vitale Antifa“ Wer das politisch korrekte System hinterfragt und kritisiert wird mit der Nazikeule verprügelt bis er am Boden liegt, dem unterstellt man Geisteskrankheiten (Xeno-, Islamo- oder je nach Bedarf andere Phobien), der wird lächerlich gemacht, dessen berufliche Existenz wird vernichtet, so einer kann nur unredliche Motive haben. Wer nicht im politisch korrekten Mainstream schwimmt, der wird geächtet und sozial ausgegrenzt. Die großen öffentlichen Diskurse in Politik, Medien und Kultur sind deshalb nur Scheindebatten und Schaukämpfe, weil sie sich immer nur in einem ganz bestimmten vorgegebenen Rahmen bewegen dürfen. Grundlegende Kritik ist nicht mehr gestattet und wird zunehmend kriminalisiert, etwa durch den gummiartigen Verhetzungsparagraphen (§283 StGB): „(1) Wer öffentlich auf eine Weise, die geeignet ist, die öffentliche Ordnung zu gefährden, oder wer für eine breite Öffentlichkeit wahrnehmbar zu Gewalt gegen eine Kirche oder Religionsgesellschaft oder eine andere nach den Kriterien der Rasse, der Hautfarbe, der Sprache, der Religion oder Weltanschauung, der Staatsangehörigkeit, der Abstammung oder nationalen oder ethnischen Herkunft, des Geschlechts, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Ausrichtung definierte Gruppe von Personen oder gegen ein Mitglied einer solchen Gruppe ausdrücklich wegen dessen Zugehörigkeit zu dieser Gruppe auffordert oder aufreizt, ist mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren zu bestrafen (2) Ebenso ist zu bestrafen, wer öffentlich gegen eine der im Abs. 1 bezeichneten Gruppen hetzt oder sie in einer die Menschenwürde verletzenden Weise beschimpft oder verächtlich zu machen sucht..“ Vor solchen Formulierungen ist niemand sicher. Wehe man versucht Pädophile (auch eine sexuelle Ausrichtung) „verächtlich“ zu machen, schließlich (Achtung Ironie!) schauen die Linken auf ihre Leute.

Mit so einer Schützenhilfe kann die Gutmenschen-Kamarilla mit Unterstützung ihrer medialen Hilfssheriffs auch ganz einfach pseudowissenschaftlichen Erkenntnisse (die Geschlechterunterschiede sind primär ein gesellschaftliches Konstrukt, mit erhöhten Staatsausgaben lässt sich die Wirtschaft ankurbeln, soziale Ungerechtigkeit ist der primäre Auslöser für Gewalt, Hass und Konflikte, der Mensch verursacht den Klimawandel, etc.), als unumstößliche Wahrheiten postulieren, um so, so wie einst die Kirche, die Untertanen besser lenken zu können. In so einem gesellschaftlichen und politischen Klima fährt man am besten, wenn man seine eigenen Standpunkte von ihrer Mehrheitsfähigkeit abhängig macht. Deshalb werden in Kunst und Medien stets dieselben ledrigen Binsenwahrheiten Tag für Tag wiedergekäut. Adolf Hitler ist als untotes Schreckgespenst Dauergast in Medien, Talkshows, Romanen, Debatten, Theaterstücken, Universitäten. Ohne Unterlass wird die nationalsozialistische Vergangenheit „aufgearbeitet“. Und während man den Schuldkult pflegt und mit großen Gesten vor dem Wiederaufkeimen des Nationalsozialismus warnt, installiert man ohne großen Widerstand und vor aller Augen ein neues totalitäres faschistisches System. Und damals wie heute wollen die Feinde der Freiheit nur unser Bestes. Schließlich geht es darum, ob der Meeresspiegel in 50 Jahren um 4 oder um 4,2 Zentimeter (oder so) steigt. Wer bei dieser schmierigen Tragikomödie nicht mitspielt, hat es zunehmend schwerer. Für dezidiert nicht-linke Journalisten etwa gilt de facto ein Berufsverbot. In der medialen Einöde gibt es für Abweichler keine Jobs. Das Ergebnis: Laut mehreren repräsentativen Befragungen ordnen sich etwa 2/3 aller Journalisten dem linken politischen Spektrum zu, die Dunkelziffer ist noch weit höher. Liberale, konservative, rechte, ja selbst halbwegs neutrale Ansichten und Ideen sucht man in den großen Medien lange und oftmals vergebens.

Nur einige wenige nicht-linke „Hofnarren“ dürfen ab und an ihre Meinungen kundtun. Die Mainstreammedien fungieren als Gatekeeper, sie lassen nur zu, was opportun ist. Beim Entscheidungsfindungsprozess was gerade genehm ist und was nicht, helfen die vielen Inserate aus Öffentlicher Hand ungemein. Und weil kritischen Geistern der Zugang zu den großem Medien verweht wird, weichen sie ins Internet aus. Hier ist eine vielfältige kritische Meinungslandschaft, allerdings mit überschaubarer Außenwirkung entstanden. Bestrebungen in Brüssel dem einen Riegel vorzuschieben gibt es schon länger. Trotzdem ist es wichtig immer und immer wieder den Finger in die offenen Wunden zu legen, die Auswüchse der politisch korrekten Ideologie anzuprangern um den selbstgerechten Gutmenschen den Spiegel vor ihre totalitäre Fratze zu halten. Nicht, dass man mit solchen Texten besonders viel ändern oder bewegen kann, sie sind eher eine Bestandsaufnahme, eine Chronik des Niedergangs oder Dokumente fürs Archiv und nicht zuletzt Therapie für Autor und Leser. Dieser Text ist ein Auszug aus dem Vorwort zu dem in wenigen Wochen erscheinenden eBook „Die Feinde der Freiheit“ (Kindle Edition) von Werner Reichel.

20 comments

  1. world-citizen

    Freie Marktwirtschaft und strenge Zuwanderungskriterien sind zwei diametral entgegengesetzte Dinge die logischerweise einander ausschließen. Das ist so wie Duschen aber nicht nass werden wollen.
    Was den Menschen fehlt ist Toleranz und Ehrlichkeit, sonst nichts.

  2. Schnabeltierfresser

    Natürlich, freie Marktwirtschaft und strenge Zuwanderungskriterien sind schließen einander aus, aber man muss schon berücksichtigen, dass “neo”-liberal mit liberal ja wenig zu tun hat. Neoliberal (meine eigene bescheidene Definition) ist sowas wie die Verordnung von Freiheit von oben mit den kollektivistischen Mitteln des Staates, also eigentlich neokonservativ. Sowas wie globaler Josefinismus.

    Fehl nur noch, dass Herr Reichel Importzölle als das non plus Ultra einer freien Gesellschaft fordert.

  3. Reinhard

    @world-citizen
    Freiheit und Regeln (ein anderes Wort für “Kriterien”) schließen sich eben nicht gegenseitig aus, das ist ein ständig wiederholter Unsinn gegen den Liberalismus. Auch die Freiheit kennt Grenzen, auch die Marktwirtschaft muss Regeln folgen. Es ist nur zu hinterfragen, welchen Nutzen Regeln bzw. welchen Schaden deren Nichteinhaltung bewirken.
    Freie Zuwanderung potenzieller Leistender oder Kunden ist grundsätzlich begrüßenswert, allerdings muss man von jenen auch etwas verlangen dürfen. Wenn jemand in ein System aufgenommen werden will, muss er auch etwas dafür tun. Wenn jemand eine Leistung in Anspruch nehmen will, muss er eine Gegenleistung erbringen. Will ich im Gasthaus das Klo benutzen, muss ich entweder etwas konsumieren oder der Wirt darf mir ein Benutzungsentgelt abknöpfen, denn es gibt kein fundamentales Menschenrecht auf kostenlose Nutzung fremden Eigentums, auch wenn das hier in Österreich vielen unbekannt sein dürfte.
    Den Großen Gläubigen des Einen und Wahren Glaubens an die Heilige Statistiik ist es unbegreiflich, dass ich auch über Quoten nichts regeln kann, auch Zuwanderungsquoten (hier gerne gefordert) sind absolut sinnlos, da sie die Quantität vor die Qualität stellen wie alle anderen Akademiker-, Frauen- oder Ausländerquoten. Wenn ich nur genug Leute in’s Land schaufel wird alles gut, sagt der Statistikpriester, und so geschieht das Seltsame, dass wir dieses Jahr zwar 20.000 mehr Beschäftigte haben als voriges Jahr, gleichzeitig aber 40.000 mehr Arbeitslose…
    Klare regeln, was jemand leisten oder was er mitbringen muss, gibt es in fast allen Staaten dieser Welt. Nur hier glauben die Leute, dass man ihnen zwar die Hausbeleuchtung und die Klospülung reglementieren muss, aber keine Verhaltens- oder Leistungsregeln für Menschen aufstellen darf.

  4. world-citizen

    Klare Regeln:

    Wenn ein Job vergeben wird und es bewirbt sich ein fleißiger tüchtiger Rumäne und ein weniger fleißiger und tüchtiger Österreicher, dann ist doch klar, dass der fleißigere und tüchtigere den Job bekommt. Gehen wir in diesem Punkt konform?

  5. Reinhard

    Ja, Qualifikation hat über Herkunft oder Geschlecht zu stehen. Berufliche wie sprachliche (wo sie berufsbedingt notwendig ist).

  6. Reinhard

    Übrigens: im privaten Bereich bekommt der Rumäne eher einen Job als im öffentlichen, weil der Staat der sich gerne moralisch aufplustert sehr wohl Stellenvergabe an Staatsbürgerschaft koppelt, die Privatwirtschaft aber nicht.

  7. Thomas Holzer

    @world-citizen
    Überhaupt nicht!
    Der einzige, der entscheidet, wer von den beiden den Job bekommt, sollte der sein, der diese Stelle ausschreibt, respektive das Gehalt überweist, und sonst niemand. Weder Sie noch ich………… Und das ist in diesem Fall die einzige Regel!

  8. gms

    Schnabeltierfresser,

    “Natürlich, freie Marktwirtschaft und strenge Zuwanderungskriterien sind schließen einander aus”

    Diese Aussage ist entweder falsch, oder aber sie trifft aus einem Grund zu, der bislang unbeachtet blieb. In der freien Wirtschaft bestimmt der Eigentümer darüber, wie mit seinem Gut verfahren wird, was auch und insbesondere die Konditionen anbelangt, zu denen dieses Gut Dritten überlassen wird. Sogar eine unbestritten unwirtschaftliche Nutzung ist mit freier Marktwirtschaft vereinbar. Motive sind irrelvant, solange der Wille des Eigentümers zur Geltung kommt, selbst dann, wenn der Eigentümer eine Gemeinschaft ist.

    Zuwanderungskriterien finden sich einzig im Kontext kollektiven Eigentums, sie regeln jene Auflagen, zu denen diese Güter Angehörigen außerhalb des Kollektivs zugänglich gemacht wird. Auch in einer tatsächlich freien Marktwirtschaft kann und wird es diese Art von Eigentum geben, solange jeder individuelle Teileigentümer sich für eine verhandelbare Gegenleistung von seinem Anteil trennen kann.
    Kann er dies aber nicht, weil es für seinen individuellen Anteil am gesamten öffentlichen Gut keinen Markt gibt, ist die Frage nach der diesbezüglichen Freiheit trivial beantwortbar: Sie existiert schlichtweg nicht. Nachdem sich freie Marktwirtschaft und öffentliches Gemeingut ausschließen, scheitert die Vereinbarkeit nachgelagerter Belange am selben Umstand. Analog dazu sind freie Marktwirtschaft einerseits und sanktionsloses in die Luft Sprengen von Gemeindestraßen durch nicht hierfür befugte Individuen andererseits inkompatibel. Man muß aber schon eigentümlich gestrickt sein, um diese Unvereinbarkeit der Marktwirtschaft oder dem Liberalismus anzuhängen.

  9. Behaimb

    @Schnabeltierfresser
    Daccord, plus einer handfesten ständischen Komponente, dass die sozialen Verhältnisse möglichst der ewigen Unwandelbarkeit unterliegen und ja nicht der Pöbel dieselbe Schulbank drückt wie der Offspring der Creme de la Creme.

  10. caruso

    Die Politische Korrektheit ist wie Krebs. Aus einem richtigen Kern entstand eine jetzt schon weit und tief verbreitete Wucherung. Die ist äußerst schädlich sowohl für den Einzelnen als auch für die ganze Gesellschaft. Warum? Weil sie einen hindert, die Welt wahrzunehmen wie sie ist und diese Wahrnehmung auszudrücken. Was man nicht sieht, nicht ausdrückt, wenn man Begriffe bzw ihre Bedeutung verändert, dann gibt es das Nicht-Ausgedrückte etc. nicht. Das ist das Motto. Ich empfinde das als so menschenfeindlich, daß ich das gar nicht sagen kann. Etwas Ähnliches ist die Wirkung der Gender-Wahn. Sage ich als Frau. Ein guter, richtiger Kern wuchert und beginnt nun immer stärker die Sprache zu verunzieren, zerstören, mindestens verarmen, damit auch die Wahrnehmung zu begrenzen, verändern. Ob das sehr kulturfördernd ist? Da habe starke Zweifel.
    lg
    caruso

  11. world-citizen

    >>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>> Zuwanderungskriterien finden sich einzig im Kontext kollektiven Eigentums, sie regeln jene Auflagen, zu denen diese Güter Angehörigen außerhalb des Kollektivs zugänglich gemacht wird <<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<

    Kollektive und kollektives Eigentum waren die Schlagwörter des Kommunismus. Irgendwie interessant, wie selbsternannte Verfechter von Freiheit und Individualismus auf dessen Versatzstücke zurückgreifen.

    Ein Staat ist jedenfalls kein kollektives Eigentum, sondern eine Verwaltungszone.

  12. Thomas Holzer

    @Schnabeltierfresser
    Wenn Sie das Nichtbeschließen(sic!) eines neuen/zusätzlichen Gesetzes, welches die Freiheit der einzelnen Person einschränkt, als “Verordnung von Freiheit von oben” bezeichnen, dann kann zumindest ich mit dieser obrigkeitsstaatlichen Nichtverordnung sehr gut leben! 🙂

  13. gms

    WC,

    “Kollektive und kollektives Eigentum waren die Schlagwörter des Kommunismus. Irgendwie interessant, wie selbsternannte Verfechter von Freiheit und Individualismus auf dessen Versatzstücke zurückgreifen.”

    Interessant, wie selbsternannte Senfspender sich der Lächerlichkeit preisgeben, den Unterschied zwischen der Verwendung eines Begriffes und dem affirmativen Rückgriff auf ein damit bezeichnetes Versatzstück zu negieren. Mit derselben Lächerlichkeit läßt es sich kindisch auf einen Richter einboxen, der in seinem Urteilsspruch das Wort “Mord” verwendet.

    “Ein Staat ist jedenfalls kein kollektives Eigentum, sondern eine Verwaltungszone.”

    Raten Sie Schlauberger mal (je nach Gustibus mit oder ohne “jedenfalls”), weshalb das Wort “Staat” dort wo Sie Ihren Senf abluden, garnicht vorkommt.
    Falls Sie mit der Fragestellung nicht klarkommen, möchte ich Ihnen gerne entgegenkommen: Das Recht zur Verwaltung, das Sie hier so mondän konzedieren, ist entweder inexistent, oder aus einem anderen Faktum ableitbar. Entweder also, Sie anerkennen irgendwelche Tatsachen, oder Sie versinnbildlichen weiterhin die These, wonach im roten Kosmos eh alles irgendwie wurscht ist.

  14. Schnabeltierfresser

    Na freilich dienen Zuwanderungsbeschränkungen dazu, die Freiheit des Einzelnen (des willigen Zuwanderers) einzuschränken – wie auch staatliche Zölle, ist genau das Gleiche. Und natürlich wäre es etwas anderes, wenn wir von Eigentum reden, in dass der Besitzer niemanden zuwandern lässt.

    Damit das auf unsere Zuwanderungsbeschränkungen zutrifft, müsste aber der Staat erst als kollektives Eigentum definiert werden. Liberale, die das machen, sind aber in meinen Augen keine Liberalen. Das sind halt die, die sich aus jeder Ideologie ihre Rosinen herauspicken, ich weiß, Neokonservative ist auch nur ein Hilfsausdruck.

  15. Thomas Holzer

    @Schnabeltierfresser
    Die Freiheit des Einzelnen wird durch “demokratisch legitimierte” Organe, sprich Politiker, eingeschränkt. und nicht durch Marktwirtschaft/Kapitalismus

    Was ist ein williger Zuwanderer?
    Einer, der per Unterschrift im vorhinein dekretiert, daß er arbeitswillig ist
    Ich warte auf noch mehr dumme Argumente

  16. gms

    Schnabeltierfresser,

    “Damit das auf unsere Zuwanderungsbeschränkungen zutrifft, müsste aber der Staat erst als kollektives Eigentum definiert werden.”

    Bullshit. Auch an Sie die Frage, an der schon unser möndänder Bürger hinter der Herzerltür knabbert: Womit begründet sich — von wegen Verwaltungszone — wer diese Zone verwaltet und wer nicht?
    Schlagen Sie mal irgendwo einen Nagel ein, anstatt sich sich im Wischiwaschi zu üben und über Rosinenpickeri zu palavern.

  17. Schnabeltierfresser

    Ja bitte, wenn man den Gesetzgeber (bzw. Österreich ja eher die Regierung) als legitimen Eigentümervertreter der “Staatsbürger”, was auch immer einen zu Staatsbürgern legitimiert (nächstes Thema), akzeptiert, dann sind meine Ausführungen natürlich Bullshit. Ich kann das nicht so ohne weiteres.

  18. gms

    Schnabeltierfresser,

    die Frage, ob man einen bestimmten Regelsetzer akzeptiert oder nicht, ist völlig unabhängig von der Ausgestaltung einer Regelung oder deren bloßer Existenz. Es steht außer Frage, daß Austriachstan ein von Parteien besetztes Land ist, in dem der Bürger hoffnungslos von Sozialfeudalisten organisatorisch umzingelt ist. Ob aber eine andere und legitimere Besatzungmacht Zuwanderung nicht geregelt hätte, muß erstmal bewiesen werden.

    “was auch immer einen zu Staatsbürgern legitimiert”

    Die Landkarte sähe anders aus, verliefe der Urknall anders oder wäre die eine oder andere Kontinentalplatte vor Millionen Jahren später oder garnicht abgebogen. Gleiches gilt für den Ausgang unzähliger historischer Begegnungen, sei es am Schlachtfeld oder im Ehebett. Unbestritten ist eine mehr oder minder zufallsbedingte Existenz, bezüglich derer die Frage nach Legitimität absurd ist.

    Sinnvoll ist nur die Frage nach der Legitimität dessen, was aus diesen Zuständen gemacht wird, und ob etwas per Rechtsetzung Bewirktes besser ist als mögliche Alternativen. Sobald etwas nicht beliebig vermehrbar ist oder von beliebig vielen Menschen nach jeweils eigenem Gutdünken genutzt werden kann, ist eine Regelung die Folge von Vernunft, sofern man nicht das Faustrecht für alle Ewigkeiten fortschreiben will.

    Nun mag man einwerfen, es bedürfe keiner Zuwanderungsregelung — es reichte aus, Zuzüglern die Einhaltung aller sonstigen lokalen Gesetze aufzuerlegen. Merken Sie etwas? — Die Frage der Legitimität dieser allgemeinen Auflage hängt nicht minder in der Luft, wie jene nach der Zuwanderung. Dies allein schon könnte die Debatte beenden.
    Flankierend zu dieser allgemeinen Folgerung gibt es aber noch eine spezielle. Sobald man anerkennt, eine Gruppe wäre innerhalb eines Territoriums lokaler Rechtsetzer, muß man deren Ausschlußrecht ebenso anerkennen, denn Spielregeln verkommen mangels Abschätzbarkeit künftiger Entwicklungen zum Tapetenmuster, wenn Anzahl und Wesen der Mitspieler nicht umfaßt werden dürfen. Nach innen und nach außen wirkende Regeln stehen zueinander in Beziehung. In einer perfekten Welt halten innere Regeln eine beliebige Zahl von Spielern in wiederum beliebiger Zusammensetzung aus, ohne daß es zu unliebsamen Effekten käme. Solange diese Welt aber nicht existiert, wäre es unklug, von deren Existenz auszugehen.

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