Die Folgen einer folgenlosen Flutung mit Geld…

Von | 8. Juni 2013

(ANDREAS TÖGEL) Das in Zürich ansässige Europäische Wirtschaftsforschungsinstitut (EUWIFO), veröffentlicht unter dem Titel „Unternehmer Monitor“ in regelmäßigen Abständen Einschätzungen der wirtschaftlichen Entwicklung, die auf der Befragung von Unternehmern und Geschäftsführern basieren. Die jüngst in der letzten verbliebenen „Wirtschaftslokomotive“ Europas, Deutschland, erhoben Daten, verheißen nichts Gutes: So meinen zwar 44% der Befragten, daß die herrschende Krise nur „minimale Auswirkungen“ auf das eigene Unternehmen habe, aber stattliche 27% befürchten „erhebliche Umsatz- und Wachstumseinbussen“. Besorgniserregende acht Prozent sehen sogar die Existenz ihres Unternehmens gefährdet. Die Krise hat damit auch Kerneuropa voll erfasst. Derart negative Erwartungen werden nicht folgenlos bleiben – besonders im Hinblick auf die Beschäftigungssituation.

Das für Österreich erhobene Konjunkturklima weist ebenfalls einen massiven Abschwung aus und liegt damit offenbar weit näher an der Realität, als die Gewerkschafts- und Arbeiterkammeraffinen Jubelmeldungen des österreichischen WIFO, das leider mehr und mehr zu einer Propagandaagentur überzeugter Planwirtschaftler verkommt. Sowohl der Situations- als auch der Erwartungsmonitor des EUWIFO stehen per Anfang Juni auf absoluten Tiefstständen.

Eine Trendumkehr ist nicht in Sicht – und zwar aus guten Gründen! Denn die für im Herbst stattfindende Wahlen zum Nationalrat in Stellung gehenden Sozialisten, schicken sich eben an, ein wahres Feuerwerk von unternehmensfeindlichen und für die Wirtschaft empörenden Ankündigungen und Versprechungen abzubrennen, das mit dem abgeschmackten Schmäh eines Kampfes für mehr „soziale Gerechtigkeit“ begründet wird. Fast im Wochentakt wird mit Forderungen nach neuen,der Anhebung bestehender Steuern und mit der Planung zusätzlicher Gängelungsmaßnahmen für Unternehmer aufgewartet. Besonders schlimm auf das Wirtschaftsklima wird sich wohl die Aussicht auf die Einführung einer Substanzbesteuerung von Vermögen auswirken, die großteils zu Lasten mittelständischer Unternehmen geht. Pikantes Detail am Rande: Aus eben diesem Grund wurde diese Steuer vor rund zwanzig Jahren von einem der wenigen, mit wirtschaftlichem Verstand ausgestatteten Sozialisten, dem seinerzeitigen Finanzminister Lacina, abgeschafft. Welcher Teufel den Mann reitet, daß er nun plötzlich für die Wiedereinführung der von ihm einst abgeschafften Enteignungsmaßnahme eintritt, liegt im Dunkeln. Leider ist es eine der besitzlosen Plebs schwer zu vermittelnde Botschaft, daß Vermögen nicht zuallererst aus Lustschlössern, Luxusyachten, Pelzmänteln und Privatjets, sondern aus Unternehmenskapital besteht, das zu vermindern bedeutet, den künftig verfügbaren Wohlstand der Gesellschaft zu reduzieren. Indes ist im Land der Hämmer zu erwarten, daß die ebenso kurzsichtig wie niederträchtig auf Neidaffekte schielenden Wahlparolen, auf fruchtbaren Boden fallen werden. Missgunst schadet am Ende jedoch allen.

Bei diesen Aussichten kann nämlich nicht erwartet werden, daß Unternehmen, die – noch – über die dafür nötige Finanzkraft und Bonität verfügen, Investitionen tätigen werden – zumindest nicht, ohne das Wahlergebnis im Herbst abzuwarten. Die keineswegs undenkbare Bildung einer radikal linken Regierung wäre – wie das Beispiel Frankreichs eindrucksvoll belegt – ein schwerer Schlag für den Wirtschaftsstandort Österreich. Eine über den Tellerrand hinausblickende Fiskalpolitik sucht man hier schon jetzt vergeblich. Selbst jede einzelne Initiative der einst bürgerlichen „Wirtschaftpartei“ ÖVP steht ausschließlich im Dienste kurzfristiger Stimmenmaximierung und wird maßgeblich von der unentwegten Rücksicht auf die Berichterstattung in den durch die Bank roten Hauptstrommedien bestimmt. Das gilt übrigens auch für die Politik aller anderen Parteien.

Sich bei der Wahl im Herbst zwischen Pest, Cholera, Ebola, Syphilis, einem Hirnaneurysma und einem Pankreaskarzinom entscheiden zu müssen, bietet indes wenig Anlaß für einen optimistischen Blick in die Zukunft… Wie auch immer: Die nach dem unermesslichen Ratschuß des internationalen poltisch-finanzwirtschaftlichen Komplex´ erfolgende Flutung der Volkswirtschaften mit billiger Liquidität, zeigt jedenfalls keine Wirkung – zumindest nicht die intendierte. Die Wirtschaft will – und zwar rund um den Globus – einfach nicht „anspringen“.

Jene liberalen Ökonomen, die schon seit Jahren vor den Folgen der lockeren Zins- Und Geldpolitik warnen, werden diesen Umstand möglicherweise mit dem Kommentar „Gott sei Dank“ versehen. Denn aus dem Nichts geschaffener Kredit – Liquidität, die nicht erspart, also dem Konsum entzogen –-, sondern einfach per Mausklick neu geschaffen wurde, zieht mittel- bis langfristig ausschließlich schädliche Konsequenzen nach sich: Schiere Wohlstandsvernichtung durch zum Teil haarsträubende Fehlinvestitionen (etwa in eine für eine Industrienation verheerende „Energiewende“) und durch den Aufbau massiver Überkapazitäten in den verschiedensten Branchen. Ihnen haben wir – nach dem politisch verordneten, mittels Schulden induzierten Boom – den nun dräuenden Abschwung zu verdanken, der unter Aufbietung des gesamten verfügbaren Arsenals an Lenkungsmaßnamen, verhindert werden soll.

Dieser Versuch jedoch, ist nach allen Lehren der Geschichte, zum Scheitern verurteilt. Der 1973 verstorbene österreichische Ökonom Ludwig Mises, fasste das Problem in einem einzigen Satz zusammen: „Es gibt keinen Weg, den finalen Kollaps eines Booms durch Kreditexpansion zu vermeiden.“ Ein Gegenbeweis zu dieser These konnte bislang jedenfalls nicht erbracht werden. Ob es zum Kollaps kommen wird, ist also nicht die Frage. Die stellt sich nur nach dem Eintrittszeitpunkt. Wohl dem, der in dieser Lage eine gut funktionierende Kristallkugel sein Eigen nennt! (Tagebuch)

3 Gedanken zu „Die Folgen einer folgenlosen Flutung mit Geld…

  1. Jacky

    Nun ja: blickt man in die Geschichte, dann ereigneten sich die meisten Zusammenbrüche im Finanzsystem (samt nachfolgender Wirtschaftskrise) nicht infolge von besonders expansiver, sondern infolge eher restriktiver Geldpolitik. Im März 2000 lag der Leitzins in den USA bei 6,5 % – unmittelbar darauf platzte die Dotcom-Blase. 1986/87 lagen die Leitzinsen in den USA auch bei immerhin 6 % – es folgte der Börsenkrach von 1987. Ganz so eindeutig scheint der Zusammenhang zwischen expansiver Geldpolitik und finalem Kollaps also nicht zu sein.

  2. Feldheld

    Inflation führt zunächst zu einer höheren Konjunktur, eben einer Inflationskonjunktur. Auch 1923 war in Deutschland eine Zeit beispiellos geringer Arbeitslosigkeit. Der permanente Verlust an Kaufkraft und die brutale Entwertung aller Sparvermögen zwingt die Menschen zur Arbeit und zugleich besteht eine krankhaft erhöhte Nachfrage nach Gütern, da niemand lange auf seinem schwindsüchtigen Geld sitzen bleiben mag.

    Problem ist nur, daß niemand mehr spart. Und wenn niemand spart, muß der Staat noch mehr Geld drucken um es den Banken mehr oder weniger zu schenken, damit die überhaupt noch was zum Verleihen haben. Inflation verstärkt sich also selbst.

    Weil es bei uns allerdings so viele Alte gibt, gibts trotzdem noch unglaublich viel Erspartes (=Rente, Lehensvers., Krankenvers etc, Sparguthaben), mehr als je zuvor sogar, weil es a) mehr Alte gibt als je zuvor und b) diese Alten reicher sind als je zuvor, jedenfalls in Euro gemessen, also in bedrucktem Papier. Diesen Alten ist es größtenteils völlig egal, daß ihnen ihr Erspartes unterm Arsch weginflationiert wird. Sie wissen es, sie schauen dabei zu und es scheint für sie in Ordnung zu sein.

    In den USA ist die Situation etwas anders. Dort sinkt die Sparquote schon lange und ist so tief wie nie zuvor. Im Gegenteil gibts massenhaft Überschuldete, gerade unter Heranwachsenden (Studenten vor allem, die hunderttausende für ihr Studium leihen mußten, während zugleich ca 50% aller Absolventen später weit unter Qualifikation arbeiten, denn niemand braucht den Schwachsinn, den die studiert haben). Dort wird die Inflationsblase zuerst platzen. Der Weg wird wieder in Richtung Faschismus gehen. Obama zeigt bereits wie es geht und vor allem, DASS es geht.

  3. Rennziege

    @Feldheld
    Vielen Dank! Dieses Posting ist klipp, klar und wahr. Ausgedruckt und an die Wand genagelt. Auch weil einige in Ortners Blog die wahren Pläne des (besonders in Europa) zum Messias verklärten Obama schon vor Jahren durchschaut haben. Aber er ist, weil Sie das — eigentlich gesunde — System billiger Studentenkredite ansprechen, nur die Konsequenz einer vor Jahrzehnten begonnenen Umerziehung der Amerikaner.

    Der “Schwachsinn, den die studiert haben” hat durchaus Methode. Alle US-Unis, auch der elitäre Kreis der Ivy League, werden dominiert von ultralinken Professoren. Ideologie ist wichtiger als Wissenschaft, und selbst die skurrilsten Orchideenfächer werden von den Medien als “gesellschaftlich relevant” hochgejubelt.

    Nicht anders als bei uns halt, wo die zahllosen Absolventen der Politologie, der Medien-“Wissenschaften”, der Gender- und Sozialstudien nur im geschützten Bereich der Staatsnähe auf einen Job hoffen dürfen. Für den sie ihre Freiheit gegen ein Parteibuch und lebenslanges Maulhalten und Schleimen eintauschen müssen.
    Der Faschismus (braun, rot, grün oder wie auch immer koloriert) wusste seine Schäfchen schon immer von Kindesbeinen an gefügig und abhängig zu machen.

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