Die FPÖ und die Juden

Der heftige Brief der Vertreter der Knesset, des israelischen Parlaments, in dem die FPÖ als Nachfolgepartei der Nationalsozialisten bezeichnet wird, und die Anordnung des israelischen Premierministers, jeden Kontakt zur FPÖ auf Ministerebene zu verhindern, hat die Freiheitlichen geschockt. Man war sich so sicher, dass es hier Gemeinsamkeiten geben würde. In Israel regiere doch ebenfalls eine rechte Koalition und Strache würde – so kündigte er in einem Brief an Netanyahu an – sofort Jerusalem als Hauptstadt anerkennen. Wie Jüdische Gemeinden in Europa sehe man die Gefahr des Antisemitismus durch Flüchtlinge aus arabischen Ländern und besuchte auch noch das Holocaust-Museum in Jerusalem – was soll man (verdammt noch einmal) noch alles tun? weiter hier

15 comments

  1. aneagle

    Israel hat handverlesen wenige verlässliche Freunde und eine Menge äußerst zuverlässiger Feinde. Das erklärt auch, dass die israelische Regierung Beziehungen ähnlich aufnimmt, wie 2 Igel Liebe machen: sehr sehr vorsichtig. Geduld ist angesagt.
    Die FPÖ sollte lernen, dass die oberflächlich pragmatische Einstellung, zu einer Kooperation genüge es, gleiche Gegner zu haben, für Israel nicht gilt. Die politisch landläufige Einstellung “Pack schlägt sich, Pack verträgt sich” ist für einen Staat, der täglich seine Existenz aufs Neue beweisen muss, zu wenig zielführend.

    Ein Politiker wie Geert Wilders versteht und respektiert das. Er wäre wahrscheinlich ein guter Ratgeber für vertrauensbildende effiziente Maßnahmen des Vizekanzlers und der FPÖ, die immerhin eine Außenministerin stellt, die es relativ leicht hat, die Beziehungen zu Israel in Schwung zu bringen, wenn sie oder der Vizekanzler es denn tatsächlich über Lippenbekenntnisse hinausbringen wollen.

    Der Vorschlag des Autors es über die Israelitische Kultusgemeinde zu versuchen, ist logisch gedacht, nett gemeint und nicht erfolgreich umzusetzen. Die Ansichten in der Kultusgemeinde sind naturgemäß vielfältig. Der Präsident, ein vorsichtiger Vertreter seiner Gemeinde, wird den Deibel tun, sich ohne politisch lohnendes Ziel, auf eine unsichere Sache einzulassen. Das kann man ihm auch nicht verdenken. Schließlich hat sich die FPÖ in ihrer bisherigen Geschichte, sogar ohne Knittelfeld, nicht als besonders stabil hervorgetan.

    Beidseits lohnende gute Beziehungen aber, brauchen eben ihre Zeit. Auch Zubin Metha, immerhin Musikdirektor des IPO, hat sein Projekt, mit dem Israeli Philharmonic Orchestra Richard Wagners Musik ohne Eklat in Israel spielen zu wollen, bis heute nicht aufgegeben. Und seine Chancen stehen gut. Er hat sein Ziel unverdrossen im Auge, nähert sich ihm millimeterweise seit Jahrzehnten und ist erst 80 Jahre alt.

    Das sollte die FPÖ bedenken, wenn sie zu der durchaus stimmigen Ansicht gelangt ist, ihrer eigenen Entwicklung zu einer bodenständigen, liberalen Partei, täte ein solider, tragfähiger Kontakt zu Israel gut. Die einzige Demokratie des mittleren Ostens mit westlichen Werten und Gleichberechtigung von Mann und Frau ist nämlich seit mehr als 50 Jahren der Garant, dass alle Religionen dieser Welt in ihrer Hauptstadt Jerusalem ungeschmälert ihren religiösen Heiligtümern huldigen und dies auch künftig weiter praktizieren können. Das ist, angesichts der religiös eher weniger toleranten Nachbarländer, keineswegs für alle Zeiten gesichert und vielen Menschen einigen Aufwand mehr wert.

    Das Erwachsenwerden der FPÖ zur staatstragenden Bürgerpartei hängt nicht zuletzt am selbstbewussten Umgang der FPÖ mit dieser Situation. Trump hat das für sich instinktsicher verstanden. Dem österreichischen Vizekanzler bietet sich hier eine Profilierungschance, den selbsternannten Hütern Europas westliche Werte vorzuleben und europaweit an dieser Frage gemessen zu werden.

  2. Rado

    Mission Impossible. Die IKG Wien ist seit Jahrzehnten in das Linksaussen-Parteiengefüge hineingewachsen. So wirkt es jedenfalls bei vielen Publizisten. Daran wird sich so schnell vermutlich auch nichts ändern. Obwohl das Bild gelegentlich durchaus vielschichtig ist, wenn man hier durchzappt.
    https://www.ikg-wien.at/juedische-periodica/
    Der abschließende Rat des Autors ist aber bestimmt nicht so falsch.

  3. cmh

    Vielleicht hätte sich einmal eine FPÖ-Delegation in Israel mit ein paar Palästinensern treffen sollen.

    Vielleicht ware im Team um Kurz/Strache noch Platz für eine Israel-Beauftragte Duzdar?

  4. Weninger

    Na, wenns nur an der linken Wiener IKG scheitert, dann wird es mit einer rechten Regierung in Israel eh kein Problem geben 😉

  5. elfenzauberin

    Vielleicht sollte man sich einmal mit der unbequemen Tatsache anfreunden, dass Antisemitismus quer durch alle österreichischen Parteien geht. Ich erspare mir jetzt alle ehemalige SSler, die dann sogar Ministerposten bekleideten, einzeln aufzuzählen, die nicht bei der FPÖ waren.
    Dass die israelitische Kultusgemeinde angesichts der Entstehung der FPÖ aus der VDU mehr als skeptisch ist, ist durchaus verständlich. Weniger verständlich erscheint mir, dass die IK den Antisemitismus, der besonders bei den politisch linken Parteien in Form eines Antizionismus und Antiisraelismus daherkommt, nicht thematisiert. Auch der muslimische Antisemitismus wird von der IK meines Erachtens heruntergespielt.

    Das ist nicht ganz fair.

  6. MM

    Hm, die angeblich so ablehnende Haltung der israelischen Regierung ist doch weitgehend medial aufgebauscht. Gegenüber 2000 ist die Haltung um Längen freundlicher. Das wird schon. Letztendlich wurde hochgespielt, dass der israelische Außenminister sich lieber weiter mit Kurz treffen will. Unter den Tisch fallen ließ man, dass die österreichische Außenministerin gar kein FPÖ-Mitglied ist, und dass der israelische Außenminister eben Netanjahu selbst ist, der somit einfach die bisherige Zusammenarbeit mit Kurz gelobt hat und mit ihm auch als Kanzler/Premier sich treffen wird.

    Was die offiziellen Gemeindevertreter betrifft, sind die doch in der Regel sehr weit links stehend. Warum sollten die also der FPÖ politisch helfen? Die Juden im allgemeinen vertreten die so, wie meine katholischen Vertreter, z.B. der Caritas-Vorsitzende, mich in politischen Angelegenheiten vertritt. Warum sollte das bei den Juden anders sein?

    In dem Video einer Diskussionsrunde von Juden in der AfD
    https://www.youtube.com/watch?v=YTPlDzW8H50
    erklärt ein Vetreter zum einen den auch im Artikel angesprochenen Unterschied der Generationen (Holocaust-Überlebende auf der einen Seite, Jüngere, oft aus Russland Eingewanderte, auf der andern Seite). Auf der anderen Seite weist er auch darauf hin, dass die Verbandsvertreter weder in gleicher Wahl gewählt werden, noch nach politischen Kriterien. Vielmehr sollen sie verschiedene Teilverbände repräsentieren und sich um ganz alltägliche oder religiöse Angelegenheiten kümmern. Politik ist einfach nur ein Randthema.

  7. Der Realist

    Wäre ich Parteichef der FPÖ, ich würde den Juden klar machen, dass ich zu solchen Bedingungen keinen Wert auf Kontakte lege.

  8. Der Realist

    Wäre ich FPÖ-Parteichef, ich würde mich an einem berühmten Zitat orientieren.

  9. Falke

    Die IKG würde Strache wohl (abgesehen von der Vergangenheitsbewältigung) raten, die Grenzen für die arabisch-muslimische Migrantenflut weiterhin sperrangelweit offen zu halten. Das ist – soviel ich weiß – nach wie vor die offizielle Position der linken und SPÖ-affinen IKG. Dass damit massenweise juden- und israelfeindliche Personen ins Land eindringen, womit sich Juden – wieder einmal! – am Leben und an der Gesundheit bedroht sehen, scheint den Herrn Deutsch nicht zu stören, viel weniger jedenfalls, als – zugegebenermaßen unsensible – Aussagen einzelner FPÖ-Mitglieder über die Nazi-Vergangenheit, die aber keineswegs mehr die offizielle Politik der FPÖ ist. Dazu fürchte ich, wird sich Strache nicht hergeben: er will ja auch wiedergewählt werden, auch von österreichischen Juden, von denen nur eine Minderheit Mitglied der IKG ist.

  10. astuga

    Warum sollten ausgerechnet jüdische Verbände oder auch weite Teile der israelischen Regierung klüger sein oder die Interessen ihrer Wähler und ihres Klientel mehr im Augen haben als etwa vergleichbar viele Regierungen und nichtjüdische NGO`s Westeuropas.

    Gerade in Europa stehen dieser (roten) jüdischen Vertreter selbst vor dem Scherbenhaufen des von ihnen mit-propagierten Multikulturalismus.
    Und mal ganz ehrlich, politisch ist Österreich einfach keine wichtige Größe für Israel.
    Da drückt man schon im Eigeninteresse bei Deutschland oder Frankreich viel eher beide Augen zu.

  11. Johannes

    Ich möchte ihnen Herr Sichrovsky auch etwas erzählen eine Begebenheit aus unserem Dorf von der ich eher durch Zufall erfahren habe weil über so etwas auch nicht gesprochen werden konnte. Vielleicht verstehen sie dann warum es Menschen gibt die das Recht haben sich auch als Opfer zu fühlen obwohl sie keine Juden waren.

    Es handelt von einer Familie in den vierziger Jahren, zwei Söhne damals drei und fünf Jahre alt, dann kam die Botschaft der Vater ist gefallen. Er war kein Nazi soviel ich weiß wäre er lieber bei seiner Familie geblieben, er wurde eingezogen und im Krieg getötet.
    Dann kam der Tag an dem die Russen ins Dorf kamen, alle Frauen jeden Alters derer sie habhaft werden konnten wurden vergewaltigt.
    Auch die Mutter der beiden Halbwaisen wurde aufgesucht, die beiden Kinder wurden in einen Nebenraum gestoßen und mußten dort allein und halb tot vor Angst mitanhören wie ihre Mutter von einer größeren Schar von Russen brutalst vergewaltigt wurde, immer und immer wieder.
    Sie überlebte aber nach kurzer Zeit verstarb sie an Krebs.
    Die beiden Söhne waren auf sich allein gestellt, sie wurden schon mit 10 Jahren nur mehr sporadisch in der Schule gesehen denn sie mußten die bäuerliche Wirtschaft führen.
    Heute sind sie alte Männer und haben nie über diese Dinge gesprochen, wie gesagt ich selbst habe nur durch Zufall von meiner Großmutter davon gehört, man sprach über solche Dinge nicht. Man wollte vergessen und leben.

  12. sokrates9

    Warum die jüdischen Verbände nicht den Antisemitismus sehen der vom Islam ausgeht und lieber auf die doch schwachen Rechten hinhauen ist mir ein Rätsel! Die Gefahr für Israel sind doch nicht diese paar Hanseln!

  13. MM

    @sokrates9: Klar, aber warum erkennen Merkel und Schulz nicht, dass von der derzeitigen Einwanderungspolitik den Deutschen schadet? Warum legen sie ständig neue Programme gegen “Rechts” auf? Von den paar Hanseln geht ja keine Gefahr für die Deutschen oder Europäer im Allgemeinen aus.

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